Mit dem Felt Breed 20 versucht ein weiteres günstiges Gravel-Bike im Konzert der Großen mitzuspielen. Dazu sollen ein Aluminium-Rahmen, eine mechanische SRAM-Schaltung und viele Anschraubpunkte für Nutzwert im Gravel-Alltag sorgen. Wir haben das 2.649 € günstige Bike für euch im Vergleich getestet.

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Gravel-Bike 2022 – 19 Modelle im Vergleichstest

Felt Breed 20 | 9,47 kg in Größe 56 | Hersteller-Website

Mit dem Breed 20 will Felt klassisches Rennrad-Handling in die Gravel-Welt bringen. Dafür statten die Kalifornier den Aluminium-Rahmen mit vielen Anschraubpunkten, Schutzblechhalterung und einer Vorbereitung für Gepäckträger aus. Im Vergleich zum Felt Breed 20 des Modelljahrs 2020 (zum Test), das auf 650B-Reifen rollte, kommt unser Test-Bike auf größeren 700C-Schlappen. Bei dieser Laufradgröße hat das Bike eine Reifenfreiheit bis zu 45 mm. Mit einem Preis von 2.649 € spielt es dabei in der Einstiegsklasse, was sich auch bei den Komponenten bemerkbar macht. Kann es trotzdem die großen Namen in diesem Test ärgern?

Bei der Schaltung kommt eine mechanische SRAM Force 1×11 mit einer Übersetzung von 40 T vorne und 10–42 T hinten zum Einsatz, die in beiden Richtungen eine größere Bandbreite vertragen könnte und in der Bedienung eher vergleichsweise hakelig daherkommt. Hat man sich darauf eingestellt, ist die Bedienung über nur eine Schaltwippe dann aber problemlos.

Platz da
Der minimale Knick im Sitzrohr gibt dem Hinterreifen des Felt Breed 20 mehr Platz und hilft dadurch, die maximale Reifenfreiheit von 45 mm zu erreichen.
2 in 1
Die Sattelklemme des Felt Breed 20 dient im Nebenjob auch gleichzeitig als Halterung für einen optionalen Gepäckträger.
Goldenes Land
Das Felt macht aus seiner Herkunft keinen Hehl – warum auch, wenn man aus Kalifornien kommt?

Felt Breed 20

2.649 €

Ausstattung

Sattelstütze Devox
Bremsen SRAM Force 1 HDR 160/160 mm
Schaltung SRAM Force 1 1x11
Vorbau Devox 100 mm
Lenker Devox DBar.A1 GXA 420 mm
Laufräder Devox WheelRDS.A0 GXA
Reifen Vittoria Terreno Dry Graphene 2.0 700 x 38C

Technische Daten

Größe 47 51 54 56 58 61
Gewicht 9,47 kg

Besonderheiten

Sattelstützklemme dient auch als Befestigung für einen Gepäckträger
Knick im Sitzrohr für mehr Reifenfreiheit
Geschraubtes T47-Tretlager
Platz für bis zu drei Flaschen im Rahmendreieck


Geschweißt und geschraubt
Insgesamt ist das Felt Breed 20 sauber verarbeitet und hat gleichmäßige Schweißnähte. Dort, wo viele Rohre aufeinandertreffen, sieht das zwar etwas wild aus. Das geschraubte Tretlager des Bikes gefällt uns trotzdem gut.
Abgesägt
Nein die Drops des Devox-Lenkers wurden nicht abgesägt – sie sehen aber so aus. Das sorgt nicht nur für wenig Ergonomie am Lenker, sondern auch für den ein oder anderen nervösen Moment, wenn man ins Leere greift.
Hier wurde nicht gespart
Zum Glück hat Felt sein Sparprogramm nicht bis zu den Reifen durchgezogen. Denn die Vittoria Terreno Dry Graphene 2.0 sind fast im Alleingang für den vorhandenen Komfort des Bikes zuständig. Außerdem sorgen sie für Effizienz und Grip.

Anschraubpunkte so weit das Auge reicht – ein Bike wie gemacht für preisbewusste Bikepacking-Fans und Alltags-Graveliere.

Laufräder, Lenker, Vorbau und Sattelstütze kommen vom hauseigenen Felt-Komponentenlieferanten namens Devox. Sie sorgen zwar dafür, dass der Preis des Breed 20 möglichst gering bleibt, aber eben auch, dass das Bike in puncto Ausstattung im Vergleich zum Testfeld das Nachsehen hat. So bauen die Devox WheelRDS.A0 GXA-Laufräder mit 21 mm Innenmaulweite einfach zu schmal für den Gravel-Einsatz. Die sehr guten Vittoria Terreno Dry Graphene 2.0-Reifen könnten darauf etwas mehr Abstützung vertragen, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Größe 47 51 54 56 58 61
Sattelrohr 440 mm 470 mm 500 mm 520 mm 540 mm 570 mm
Oberrohr 530 mm 540 mm 555 mm 570 mm 585 mm 600 mm
Steuerrohr 120 mm 135 mm 150 mm 165 mm 180 mm 200 mm
Lenkwinkel 70,0° 70,5° 70,5° 71,0° 71,5° 71,5°
Sitzwinkel 74,0° 74,0° 74,0° 73,0° 73,0° 72,0°
Kettenstrebe 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm
BB Drop 72 mm 72 mm 72 mm 72 mm 72 mm 72 mm
Radstand 1.013 mm 1.019 mm 1.030 mm 1.035 mm 1.039 mm 1.048 mm
Reach 374 mm 380 mm 385 mm 389 mm 393 mm 397 mm
Stack 544 mm 561 mm 575 mm 591 mm 607 mm 626 mm
Helm POC Ventral Lite | Brille Oakley Sutro Lite | Shirt Maloja Second Hand
Hose Maloja Second Hand | Schuhe Suplest Crosscountry Pro
Socken Rapha Pro Team Extra Long | Special Watch Uhr

Der Devox CBar.A1 GXA-Alu-Lenker glänzt zwar mit einem schönen Flare, doch seine Drops muten an, als hätte sie jemand zur Gewichtseinsparung abgesägt. Sie sind deutlich zu kurz und mitunter greift man hier fast ins Leere – ein echtes Wohlfühlmanko. Wo das Felt Breed 20 wirklich glänzt, ist bei den Anschraubpunkten: Hier wurde an alles gedacht. Neben drei Flaschenhalterungen im Rahmendreieck gibt es Halterungen an der Gabel, eine auf dem Oberrohr, Schutzblechaufnahmen und Gepäckträgerhalterung. Und all das, ohne wie ein Warzenschwein auszusehen – Chapeau!

Der Preis zeigt es: Das Felt Breed 20 ist ein Einstiegsmodell und sollte mit seinen Fahreigenschaften auch Neulinge abholen. Das macht es auch sehr gut mit einem Handling, das immer berechenbar ist und sich gut zwischen Agilität und Laufruhe einpendelt. Damit sorgt das Breed für ein sicheres Fahrgefühl und überfordert niemanden. Zumindest solange man auf eher gemäßigtem Untergrund bleibt. Denn durch den eher steifen Alu-Rahmen in Kombination mit Anbauteilen, die ebenfalls nicht für sonderlich viel Komfort sorgen, holpert das Bike eher unbeholfen über gröbere Unebenheiten und Bodenwellen. Das ist nicht nur unkomfortabel, sondern beeinträchtigt auch das Handling im Gelände – hier ist das Bike nämlich zu nervös oder wird zur Underbiking-Herausforderung für geübte Piloten.

Tuning-Tipps: Laufräder mit mehr Innenmaulweite für bessere Abstützung der Reifen | Cockpit mit längeren Drops für mehr Sicherheit und mehr Compliance

Gerade wenn es dann holperig wird, müsste der Unterlenker länger sein, um mehr Grifffläche und damit Kontrolle und Sicherheit zu bieten. Die SRAM Force 1 HDR-Bremsen mit 160-mm-Scheiben sind ausreichend kräftig, ohne an das Niveau der neuesten Generation von SRAM-Stoppern heranzukommen. Glänzen kann das Felt Breed 20 mit seiner Bereifung: Die Vittoria-Pneus gehören zu den besten im Feld und überzeugen mit gutem Kurvengrip und kraftsparender Effizienz. Doch um die Effizienz ausspielen zu können, will das Bike erstmal auf Geschwindigkeit gebracht werden. Und das dauert – denn durch das mit 9,47 kg vergleichsweise hohe Gewicht und der ebenfalls schweren Laufräder gibt sich das Felt träge im Antritt.

Das Felt Breed 20 fühlt sich mit diesen Eigenschaften am wohlsten auf kompakten Untergründen zwischen Schotterautobahnen und Allroad-Pisten. Hier cruist man entspannt dahin – gerne auch mit ordentlich Gepäck am Rahmen – ohne vom Komfort, der Bandbreite oder der trägen Beschleunigung eingeschränkt zu sein. Durch die vielen Anschraubpunkte kann das Rad als vielseitiger Begleiter auch auf dem täglichen Arbeitsweg treue Dienste leisten. Insgesamt ist es aber auch unabhängig von den günstigen Anbauteilen in seinem Einsatzbereich zu limitiert, um sich gegen die besten Allrounder im Test durchzusetzen.

Fahreigenschaften

4

Agilität

  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

  1. fordernd
  2. ausgewogen

Fahrspass

  1. langweilig
  2. lebendig

Komfort

  1. straff
  2. komfortabel

Preis-Leistung

  1. schlecht
  2. sehr gut

Technische Daten

Felt
Breed 20

Größe: 47 51 54 56 58 61
Gewicht: 9,47 kg
Preis: 2.649 €

Einsatzgebiet

Feiner Asphalt 1
Allroad/Gravel 2
Alltag/Commute 3

Unser Fazit zum Felt Breed 20

Das Felt Breed 20 bringt für kleines Geld eine solide Ausstattung ohne Bling-Bling an den Start und begeistert vor allem durch viele Anschraubpunkte. Mit seinem gutmütigen und ausgeglichenen Handling wird es damit vor allem für Gravel-Neulinge mit Bikepacking-Ambitionen zu einer attraktiven Alternative. Gegen die besten Allrounder verliert es aber, da auf der einen Seite die Offroad-Tauglichkeit und auf der anderen die Gier nach Geschwindigkeit fehlen.

Tops

  • sehr viele Anschraubmöglichkeiten
  • erstklassiger Reifen
  • berechenbares Handling

Flops

  • zu kurze Drops des Lenkers
  • eingeschränkter Komfort
  • Ausstattung limitiert das Bike

Mehr Informationen findet ihr unter feltbicycles.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste Gravel-Bike 2022 – 19 Modelle im Vergleichstest

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Text: Fotos: Benjamin Topf, Peter Walker