Das BMC Kaius 01 ONE vereint klassische Aero-Konzepte und ein schmales Cockpit für ein Aero-System aus Bike und Fahrer, das den Rider in den Mittelpunkt rückt. Mit 7,72 kg ist das Kaius eines der leichtesten Bikes im Testfeld, mit 11.499 € aber auch eines der teuersten. Kann es sich damit im Vergleich zu den anderen Gravel-Race-Bikes durchsetzen?
Dieses Bike wurde im Rahmen des Gravel-Race-Bike-Vergleichstest 2023 getestet – einen Überblick über diesen Vergleichstest sowie alle anderen getesteten Grave-Race-Bikes erhaltet ihr hier: Was ist das beste Gravel-Race-Bike 2023? 9 Gravel-Race-Bikes im Test
BMC als bekannter Schweizer Fahrradhersteller steht für Racing, Schweizer Design und Schweizer Preise. Wir haben das Top-Modell Kaius 01 ONE im Test – mit einer Ausstattung, die keine Wünsche offen lässt. BMC bringt das Bike in der ersten Generation und ergänzt das BMC Gravel-Line-Up neben dem trail-orientierten URS um ein race-orientiertes Gravel-Bike. Mit dem geringen Gewicht und aerodynamischer Optimierung ist das Kaius der „Allrounder“ unter den Race-Bikes, aber trotzdem kompromisslos optimiert und auf Geschwindigkeit getrimmt: extrem steif und leicht. Das Aero-Konzept wird hier weiter gedacht: Ein schmaler Lenker sorgt neben zusätzlicher Gewichtsersparnis für eine aerodynamische Position. BMC verzichtet auf tiefe Rohrformen, um Gewicht zu sparen und Komfort zu bieten. Der Kompromiss soll es ideal für eine Vielzahl von Rennen und Strecken machen. Ob das Konzept aufgeht, erfahrt ihr hier.
Das BMC Kaius 01 ONE – Gravel-Neuling mit Street Credit
Das BMC Kaius 01 ONE basiert auf dem BMC Teammachine, dem Allround-Road-Race-Bike von BMC, einer auf Leichtbau und aerodynamische Optimierung getrimmten Race-Waffe. Neben einer anderen Geometrie liegt der größte Unterschied zum Gravel-Bike vor allem im Carbon-Lay-Up. So wiegt der Kaius-Rahmen 90 g mehr im direkten Vergleich zum Rennrad-Zwilling Teammachine. Dazu kommen viele schöne Details: Es verfügt über geschlossene Ausfallenden und eine perfekt ausgeführte Integration der Bauteile. Cockpit und Rahmen wirken wie aus einem Guss, nicht zuletzt durch den Lenker in Rahmenfarbe. Abgedeckte Schraubenköpfe an der Gabelschaftklemmung sorgen für einen cleanen Look. Abgerundet durch ein kurz gewickeltes Bar-Tape, das jedoch in manchen Positionen den Komfort im Oberlenker reduziert.
BMC Kaius 01 ONE
11.499 €
Ausstattung
Sattelstütze Kaius 01 Premium Carbon D-Shaped Seatpost
Bremsen SRAM Red eTap AXS HRD 160 mm
Schaltung SRAM Red eTap AXS 1x12
Vorbau ICS Carbon Aero 70 mm
Lenker ICS Carbon Aero 420 mm
Laufräder Zipp 303 Firecrest
Reifen Pirelli Cinturato TM Gravel H 700 x 40c
Technische Daten
Größe 47 51 54 56 58 61
Gewicht 7,72 kg
Besonderheiten
Durchdachtes Aero-Konzept
Geschlossene Achsaufnahmen
Cockpit in Rahmenfarbe
Integrierte Flaschenhalter
Das Rahmendesign ist super clean und modern. Im Gegensatz zu Ridley, Factor & Co. gibt es keine typisch aerodynamische, voluminöse Formensprache – es ist eben kein Bike, das laut „Aero!“ schreit, aber trotzdem einiges zu bieten hat. Der schmale Lenker zwingt den Fahrer in eine aerodynamische Position und minimiert so den größten Faktor beim Luftwiderstand. Ergänzt durch eine klassische D-Shaped-Sattelstütze, integrierte Flaschenhalter und schmale Rohre ergibt sich ein stimmiges Konzept mit einem Fokus auf minimalen Luftwiderstand und Gewicht. Es bleibt also ein Bike, das aerodynamisch angepasst ist, den Bestimmungszweck aber nicht vergisst und anders als das Factor ein gewisses Maß an Komfort bietet. Mit einem Gewicht von nur 7,72 kg ist es außerdem nach dem Crux das leichteste Bike im Test, aber trotzdem noch knapp 500 g schwerer als das Leichtgewicht von Specialized.
Das BMC Kaius 01 ONE – Schweizer Neutralität oder Vollblut- Race-Bike?
Wie das Design und die Formensprache ist auch die Ausstattung detailverliebt: Das Bike kommt mit der Highend-Gruppe SRAM RED eTap AXS, aber in Anbetracht des Preises leider ohne Powermeter. Die Pirelli Cinturato TM Gravel H-Reifen in 40 mm Breite können durch das Profil auf schnellen, harten Untergründen überzeugen.
Mit dem harten und steifen Rahmen ist das BMC Kaius 01 ONE 2023 sehr gut in Sprints, es beschleunigt mühelos und überzeugt mit einem spritzigen Fahrverhalten, ist aber für weniger trainierte Fahrer zu hart. Das Fahrverhalten ist durch die aggressive Geometrie und den schmalen Lenker geprägt und zeichnet sich durch Agilität und eine hohe Reaktivität aus. Dabei positioniert es sich deutlich agiler als das Factor OSTRO Gravel mit starkem Geradeauslauf. Dennoch legt sich das BMC gerne Scheuklappen an, geht mit voller Wucht nach vorne und überzeugt mit seinem Geradeauslauf. Im Vergleich zum Specialized S-Works Crux ist es ausgeglichener im Handling und so besser für gerade Gravel-Pisten geeignet.
Schick, schnell und sexy – das BMC macht dich heiß und tritt dir dann in den Arsch.
Bei Fahrern mit breiten Schultern entpuppt sich der schmale Lenker bei langsamen technischen Passagen mit viel Lenkeinschlag als Problem. Hier wäre ein breiter Lenker, wie er am Crux verbaut ist, durch höhere Präzision vor allem für ungeübte Fahrer von Vorteil. Trotzdem lässt sich das Kaius in schnellen Passagen und mit mehr Erfahrung auch im technischen Terrain gut fahren. Um das Bike einzuordnen: BMC vereint das Specialized Crux und das Factor OSTRO Gravel in einem Bike. Es ist aerodynamisch optimiert, aber ohne tiefe Rohrprofile, dafür mit einem Fokus auf Leichtbau und etwas mehr Komfort als am Factor OSTRO Gravel.
BMC Kaius 01 ONE
Größe | 47 | 51 | 54 | 56 | L59 | 61 |
---|---|---|---|---|---|---|
Sitzrohr | 428 mm | 452 mm | 468 mm | 493 mm | 513 mm | 533 mm |
Oberrohr | 546 mm | 559 mm | 569 mm | 579 mm | 592 mm | 604 mm |
Steuerrohr | 85 mm | 106 mm | 123 mm | 144 mm | 170 mm | 196 mm |
Lenkwinkel | 71° | 71° | 72° | 72° | 72° | 72° |
Sitzwinkel | 73° | 73° | 73° | 73° | 73° | 73° |
BB Drop | 80 mm | 80 mm | 80 mm | 80 mm | 80 mm | 80 mm |
Reach | 390 mm | 397 mm | 401 mm | 405 mm | 410 mm | 414 mm |
Stack | 510 mm | 530 mm | 550 mm | 570 mm | 595 mm | 620 mm |
Für wen ist das BMC Kaius 01 ONE?
Das BMC Kaius 01 ONE bietet viel Geschwindigkeit und ein Mindestmaß an Komfort, ist damit ein ausgewachsenes Gravel-Race-Bike. Durch die aggressive Geo und den schmalen Lenker ist es jedoch nur eingeschränkt für Anfänger zu empfehlen. Für Experten und Ambitionierte mit Erfahrung ist das Kaius 01 ONE aber ein schnelles Gravel-Race-Bike, mit dem sich die meisten Gravel-Rennen bezwingen lassen und ein verlorenes Rennen definitiv nicht am Bike liegt. Durch den Mangel an Komfort ist das Bike aber auch hier nicht für extreme Distanzen und Mehrtagestouren zu empfehlen. Für durchtrainierte Bike-Verrückte wie unseren Redakteur Simon, der das Bike vor Release fahren durfte, ist der Mangel an Komfort aber kein Problem. Für schnelle Touren, nicht nur im Racing-Kosmos, ist es der ideale Begleiter, der trotz des schlichten Auftritts einige Köpfe verdrehen wird.
Tuning-Tipps: Für mehr Komfort im Oberlenker: Lenkerband weiter wickeln
Fahreigenschaften
4Agilität
- träge
- verspielt
Laufruhe
- nervös
- laufruhig
Handling
- fordernd
- ausgewogen
Fahrspass
- langweilig
- lebendig
Komfort
- straff
- komfortabel
Preis-Leistung
- schlecht
- sehr gut
Fazit zum BMC Kaius 01 ONE
Die Beschreibungen „Rennfeile“ oder „bockharter Race-Prügel“ passen perfekt zum BMC Kaius 01 ONE. Es sieht aus wie ein schnelles, aerodynamisches Gravel-Bike, doch erst durch den steifen Rahmen und den schmalen Lenker avanciert es zum ausgewachsenen Race-Bike. Optisch und technisch wurde das Konzept stimmig umgesetzt und für den spezifischen Race-Einsatzbereich optimiert. Wer mit Schweizer Preisen umgehen kann, bekommt hier ein konsequentes Bike mit hoher Detailliebe und Highend-Komponenten, hervorragenden Klettereigenschaften. Lediglich der Komfort bleibt für untrainierte Fahrer auf der Strecke.
Tops
- detailverliebtes Design
- kompromissloses Race-Bike
Flops
- geringer Komfort
- kein Powermeter (angesichts des hohen Preises)
Mehr Informationen findet ihr unter bmc.com
Das Testfeld
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist das beste Gravel-Race-Bike 2023? 9 Gravel-Race-Bikes im Test
Alle Bikes im Test: Argon 18 Dark Matter | Berria Belador Allroad 8 | BMC Kaius 01 ONE | Canyon Grail CF SLX 9 eTap | Factor OSTRO Gravel | Fara Cycling F/All-Road | Ridley Kanzo Fast | Specialized S-Works Crux | Trek Checkpoint SLR 9 eTap
Nein, es geht nicht um perfekte Rennstrecken – vielmehr steht der Vortrieb im Fokus. Schnell, leichtfüßig und effizient – wer die letzten Sekunden herausfahren möchte, braucht ein leichtfüßiges Bike, das stark im Antritt, effizient und definiert ist. Für den uneingeschränkten Fahrspaß sind zuverlässige Komponenten dennoch wichtig. Wir interpretieren diesen Einsatzbereich so: Kilometersammeln bei hohen Geschwindigkeiten mit einem maximal Leistungsfähigen Bike auf durchgehend gut asphaltierten Straßen. Sportlichkeits-Genuss-Verhältnis: 80 : 30 ( nicht immer muss alles 100 % ergeben!)↩
… oder kurz: Fahrradfahren. Aufgebrochene Straßen im Hinterland, festgefahrene Schotterpisten, lose Untergründe – manchmal schlammig, manchmal staubtrocken. Hierfür braucht es Bikes mit super Allround-Eigenschaften und Nehmerqualitäten bergauf wie bergab. Sportlichkeits-Genuss-Verhältnis: 50 : 50↩
Wer sein Bike nahezu täglich nutzen möchte, braucht meistens keine hochgezüchtete Rennmaschine. Solide Komponenten, die bei Wind und Wetter den Strapazen des des Dauerbetriebes gewachsen sind gehören hier zur Grundausstattung. Dabei sollte das Rad über praktikable Detaillösungen verfügen: integrierte Schutzbleche / Schutzbechmontagemöglichkeiten, Gepäckträger / Anschraubpunkte für Gepäck und eine Lichtanlage bzw. die Möglichkeit Lampen zu verbauen. Die Sitzposition und sollte entspannt, der Gesamtkomfort hoch sein, sodass der Afterwork-Ride zum Genuss und nicht zur Qual wird. Sportlichkeits-Genuss-Verhältnis: 30 : 70↩
In diesem Artikel stellen wir unser Bewertungssystem ausführlich vor: Hier klicken! ↩
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Text: Calvin Zajac Fotos: Robin Schmitt, Jan Richter