Ihr interessiert euch für Bikepacking und habt keinen Plan, wohin mit dem ganzen Gepäck? Oder ihr sucht eine leichte, schlanke Option, um eure Sachen für den Commute unterzubringen? Wir geben euch einen kompletten Überblick über alles, was ihr zu Bikepacking-Taschen wissen müsst, und sagen euch, welche ihr braucht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Welche Bikepacking-Taschen gibt es?
  2. Günstige Alternativen
  3. Wasserfestigkeit, Leichtbau, Haltbarkeit – eine kurze Materialkunde
  4. Welche Taschen brauche ich?
  5. Das beste Komplettset
  6. Packtipps – Was kommt wohin?
Bikepacking-Taschen lassen sich an so gut wie jedes Bike schnallen. Sie bieten zwar oft weniger Platz als der Gepäckträger mit klassischen Packtaschen, schränken aber dafür das Handling und die Performance des Bikes nicht oder nur geringfügig ein.
Egal ob am Mountainbike …
… oder am Gravel-/Allroad-Bike.

Egal an welchem Bike, das Konzept ist gleich: weniger Gewicht + bessere Lastverteilung = mehr Fahrspaß.

Die Zeiten sind vorbei, als Gepäcktransport am Fahrrad schwere Gepäckträger und riesige Packtaschen bedeutet hat. Während sie nach wie vor ihre Berechtigung haben, sind die klssischen Taschen für die meisten Zwecke einfach zu groß und zu schwer. Mit der wachsenden Popularität des Bikepackings ist das Angebot an alternativen Transportmöglichkeiten sprunghaft angestiegen und selbst wenn ihr euch nicht für Bikepacking interessiert, gibt es hier auch viele spannende Optionen für den Alltag oder Alternativen zum klassischen Rucksack.

Ihr müsst nicht zwingend eine Tour planen – Bikepacking-Taschen lassen sich auch hervorragend im Alltag benutzen.

Viele der Erkenntnisse, die ihr hier findet, haben wir aus unserem großen Bikepacking-Vergleichstest. Dort haben wir mitunter das beste Gravel-Bike zum Bikepacking gefunden – den solltet ihr auf keinen Fall verpassen! Ihr wollt alles über Bikepacking und Bikes, Equipment, Tourenplanung und Übernachtung wissen? Dann klickt hier für unseren ausführlichen Bikepacking-Crashkurs.

1. Welche Bikepacking-Taschen gibt es?

Das Grundkonzept von Bikepacking-Taschen ist einfach: nur das nötigste Gepäck so am Bike zu verstauen, dass das Handling und die Performance des Bikes – egal ob Gravel-Bike oder MTB – so wenig wie möglich eingeschränkt werden und der Platz so effektiv wie möglich genutzt wird. Das heißt: Man verzichtet auf die klassischen, großen Packtaschen, die das ganze Gewicht aufs Hinterrad bringen und weit zur Seite rausstehen. Stattdessen wird das Gepäck auf mindestens drei kleinere Taschen am Bike verteilt. Somit verändern sich der Schwerpunkt und das Handling des Bikes kaum und nichts steht seitlich über das Bike hinaus.

Ein Bikepacking-Taschen-Setup besteht in der Regel immer aus einer Rahmentasche, einer Sattel- und einer Lenkertasche sowie kleinen Zusatztaschen.
Ziel ist es, das Gewicht so gut wie möglich am Bike zu verteilen, damit das Handling, die Balance und der Fahrspaß erhalten bleiben.
Im Detail können Form, Größe und Anzahl der Taschen natürlich variieren, doch das Grundprinzip ist ziemlich identisch.

Die drei Haupttaschen sind vom Prinzip her immer gleich, die Ausführung und die Details variieren natürlich von Hersteller zu Hersteller. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl an kleineren Taschen für die verschiedensten Stellen am Bike, z. B. am Lenker oder auf dem Oberrohr. Im Folgenden erläutern wir im Detail, was es überhaupt alles gibt, und worauf ihr beim Kauf und der Benutzung achten solltet.

1.1 Rahmentasche

Das Kernstück beim Bikepacking ist die Rahmentasche. Sie wird in den Hauptrahmen gespannt und füllt ihn entweder komplett aus oder macht das nur zur Hälfte, wodurch noch etwas Platz für die Flaschenhalter bleibt. Die rahmenfüllende Option ermöglicht die maximale Zuladung, ist aber etwas anfälliger für Seitenwinde und setzt auch voraus, dass die Wasserflaschen woanders unterkommen können (z. B. an der Gabel). Je nach Größe des Rahmendreiecks und der Breite der Tasche ergibt sich so oft erstaunlich viel Stauraum. Große Hersteller wie Revelate Designs, Apidura oder ORTLIEB bieten ihre Modelle in mindestens zwei fixen Größen an, mit denen die Vielzahl an Rahmengrößen und -formen ganz gut abgedeckt ist. Bei einigen Bike-Herstellern wie z. B. Salsa oder Surly kann man auch direkt auf die Rahmen zugeschnittene Taschen kaufen. Die Preise für hochwertige vorgefertigte Rahmentaschen bewegen sich im Schnitt um die 100 € für halbe und um die 150 € für rahmenfüllende Taschen.

Vorgefertigte Taschen gibt es immer in verschiedenen Größen. Die Passformen sind jedoch sehr unterschiedlich und nicht jede Marke passt zu jedem Rahmen. Falls ihr sie nicht ausprobieren könnt, messt vor dem Kauf unbedingt nach (Abmessungen finden sich auf den Herstellerseiten) und beachtet die Winkel zwischen den Rohren.
Wenn ihr nicht so viel Platz braucht, sind halbe Rahmentaschen eine gute Option.
So könnt ihr die normalen Positionen für die Flaschenhalter nutzen und habt trotzdem noch etwas Stauraum.
Einige Hersteller wie z. B. Salsa bieten direkt auf ihre Bikes zugeschnittene Rahmentaschen an.
Oder sie trumpfen sogar mit kompletten eigenen Taschensets, wie hier MERIDA am SILEX.

Falls keines der vorgefertigten Modelle in euren Rahmen passen sollte – was gerade bei vielen Full-Suspension-Bikes der Fall ist –, bleibt einem nur die Möglichkeit, sich eine Maßanfertigung machen zu lassen. Das ist im Vergleich zwar fast doppelt so teuer und kann je nach Beliebtheit und Firmensitz des Herstellers längere Wartezeiten und Zollgebühren bedeuten. Dafür hat man aber auch außer dem perfekten Sitz und dem maximal möglichen Volumen viele Optionen für die Individualisierung. Zum Beispiel was die Anzahl der Fächer, Farben und oft auch Materialien oder spezielle Features wie eine Verschraubung an den Flaschenhalteraufnahmen angeht. Qualitativ super hochwertige Custom-Taschen gibt’s z. B. von Rockgeist, Bedrock Bags, Rogue Panda, DITW oder Gramm Tourpacking. Für eine derartige Custom-Rahmentasche solltet ihr ca. 250–300 € veranschlagen. Falls ihr über eine halbwegs robuste Nähmaschine und etwas handwerkliches Geschick verfügt, könnt ihr natürlich auch selbst tätig werden. Alle Materialien dafür findet ihr bequem online, z. B. bei Extremtextil.

Custom-Rahmentaschen werden für euren Rahmen maßgeschneidert, wie hier von DITW. Das ist nicht günstig, aber es kitzelt auch den letzten Kubikzentimeter an Volumen aus dem Rahmendreieck.
Bei Farbe und Material habt ihr fast immer die Qual der Wahl zwischen unzähligen Möglichkeiten.
Außerdem lassen sich Custom-Taschen so fertigen, dass sie an den Flaschenhalteraufnahmen verschraubt werden können.
Auch ausgefallenere Lösung sind kein Problem. The Sky is the Limit … oder die Geldbörse.

Die allermeisten Rahmentaschen verfügen über einen oder mehrere Reißverschlüsse. Achtet darauf, möglichst robuste Modelle zu nehmen. Gerade das Hauptfach macht man permanent auf und zu, die Tasche ist oft hoffnungslos überfüllt und wenn ihr gerne mal offroad auf Entdeckungsreise geht, sorgen Staub, Dreck oder Schlamm dafür, dass dieser Reißverschluss meist als Erstes das Zeitliche segnet. Sind Offroad-Abenteuer geplant, lohnt es sich, nach Rahmentaschen mit Rollverschluss wie z. B. der Porcelain Rocket 52Hz Ausschau zu halten oder sich ein ähnliches Modell anfertigen zu lassen. Alternativ findet sich an den meisten Revelate Designs Frame Bags dehnbares Material rund um den Reißverschluss, was ihn entlastet und deutlich langlebiger macht.

Die Reißverschlüsse sind meist das Erste, was an einer Rahmentasche den Geist aufgibt. Achtet auf große, robuste Modelle wie hier bei ORTLIEB.
Mit einer kompletten Rahmentasche bleibt zwar kein Platz für Flaschenhalter, dafür könnt ihr jedoch eine Trinkblase verstauen.
Alternativ montiert ihr die Flaschenhalter oder Taschen an der Gabel oder unter dem Unterrohr und verstaut die Flüssignahrung dort.

1.2 Satteltasche

Bei den Satteltaschen haben sich zwei verschiedene Konzepte bewährt: leichte, kompakte, längliche Modelle mit Rollverschluss und breite, robuste Modelle mit großer Klappe für mehr Komfort beim Zugriff.

Bikepacking-Satteltaschen mit Rollverschluss stellen mindestens 5 l Volumen zur Verfügung und sind dadurch deutlich größer als die normalen Notfalltaschen fürs Tool und den Schlauch. Manche Packmonster bieten sogar über 15 l Volumen! Der klassische Aufbau besteht aus einer Art keilförmigem Packsack mit Rollverschluss, der an der Sattelstütze sowie den Sattelstreben befestigt ist. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass er auch als Schutzblech fungiert. Je nach Taschengröße, Ausrichtung der Tasche, Qualität der Befestigung und Füllmenge/-gewicht haben Satteltaschen jedoch die Tendenz, seitlich zu schwingen. Bikepacking-Satteltaschen, die eher nach oben gerichtet sind und nicht weit nach hinten herausragen, haben bei cleverer Ladung eine geringere Anfälligkeit gegenüber seitlichen Bewegungen. Viele Modelle lassen sich dank ihrer flexiblen Verzurrung in der Neigung auch leicht anpassen.

Die leichteste Art von Satteltaschen ist einteilig, das heißt Halterung und Fach hängen fest zusammen.
Es gibt sie in den verschiedensten Dimensionen und Ausführungen. Wir raten zu einem wasserdichten Modell, da die Satteltasche zwangsläufig als Schutzblech fungiert.
Das Volumen der Tasche ist per Rollverschluss wie bei einem Packsack anpassbar. Sie sollte immer so stark wie möglich komprimiert werden, damit sie nicht durchhängt.
Je steiler die Satteltasche montiert ist, desto weniger neigt sie zu seitlichen Bewegungen.
Zweiteilige Modelle wie hier von Restrap bieten mehr Komfort, wiegen dafür allerdings etwas mehr und sind meist auch teurer.
Der fast immer wasserdichte Packsack kann einfach entnommen und ggf. durch ein eigenes Modell ersetzt werden.
Die Halterung bleibt am Bike. Insgesamt sitzt die Tasche dadurch stabiler und kann abseits vom Bike deutlich bequemer befüllt werden.

Um dem Schwingen von Satteltaschen entgegenzuwirken und die Usability zu verbessern, gibt es außerdem zweiteilige Systeme, die aus einem verstärkten Halter bestehen, in das ein zugehöriger oder beliebiger Packsack eingeschoben wird, wie bei der Revelate Designs Terrapin. Für maximale Stabilität gibt es Systeme mit zusätzlichen Metallstreben am Boden, die dann per Klemme an der Sattelstütze befestigt werden, wie z. B. die Porcelain Rocket Mr. Fusion. Andere Systeme verfügen über ein versteiftes Haltesystem an den Sattelstreben, z. B. die Revelate Designs Spinelock. Generell solltet ihr außerdem darauf achten, dass der Inhalt möglichst gut komprimiert ist. Das versteift die Tasche zusätzlich und mindert Wipp- oder Schwingbewegungen.

Satteltaschen für die Dropper Post sind speziell konstruierte Rollverschlussmodelle mit kompakterer Befestigung und Verstärkungen, die gegen das Schwingen und Wippen der Tasche im ruppigeren Gelände helfen sollen. Um auch bei abgesenkter Stütze nicht mit dem Hinterrad zu kollidieren, verfügen sie über ein geringeres Volumen – mehr als 7 l sind hier nicht möglich. Durch die notwendige Befestigung reduziert sich die Absenkung der Stütze außerdem um ca. 2–3 cm. Festgemacht werden die Satteltaschen meist per separater Klemmschelle (z. B. Wolftooth Valais), die einfach an den oberen Teil der Stütze geschraubt wird und über die dann der Riemen der Tasche läuft. So sitzt sie stabil und zusätzlich werden die Dichtungen geschont, wenn die Stütze abgesenkt wird. Man kommt aufgrund der Tasche zwar immer noch nicht wie gewohnt hinter den Sattel, doch selbst wenige Zentimeter an vertikalem Spielraum geben auf technischen Abfahrten spürbar mehr Kontrolle und Sicherheit.

Satteltaschen für absenkbare Sattelstützen verfügen über ein kompakteres Haltesystem …
… und auch das Volumen fällt geringer aus.
Dafür kann man mit ihnen fast den kompletten Hub der Stütze nutzen und die Tasche schleift trotzdem nicht am Reifen.

Beispiele hierfür sind die Bedrock Bags Black Dragon, die Revelate Designs Vole und die Apidura Dropper Saddle Pack. Die Klemmschelle gibt es auch separat von Wolf Tooth zu kaufen und so können auch viele nicht speziell dafür konstruierte Satteltaschen an einer Dropper Post benutzt werden. Denkt nur immer daran, dass genug Platz zwischen Tasche und Hinterrad bleibt, wenn die Stütze abgesenkt ist – und falls ihr ein Fully fahrt, achtet auch darauf, dass ihr zusätzlich den Hinterbau noch komplett einfedern könnt. Für Minimalisten könnte die Rockgeist Gondola eine interessante Option sein. Sie wird lediglich an den Sattelstreben befestigt und es kann der komplette Hub der Stütze genutzt werden.

Breite Satteltaschen mit Klappe gibt es schon fast so lange, wie es Fahrräder gibt. Sie sind inzwischen jedoch seltener in freier Wildbahn anzutreffen. Traditionell werden sie aus dickem, super robustem Cotton Duck-Stoff gefertigt, inzwischen gibt es aber auch moderne Versionen aus Hightech-Fasern. Durch ihre breite Bauweise und die große Klappe sind sie gerade bei häufiger Benutzung deutlich komfortabler, da sie einen besseren Überblick sowie einen gezielteren Zugriff bieten. Dafür schränken sie die Performance des Bikes durch ihre ausladende Bauweise etwas mehr ein und eignen sich eher für den Forststraßen- oder Gravel-Trip und nur für leichte Trails. Befestigt werden sie am Sattel bzw. unten an der Sattelstütze. Hier kann es je nach Sitzposition und Fahrstil allerdings zu Kontakt mit den Oberschenkeln kommen. Für den Fall gibt es jedoch spezielle Halter, die die Tasche von den Schenkeln fernhalten. Alternativ kann man einen kleinen, kompakten Gepäckträger nutzen, auf dem die Tasche dann aufliegt.

Satteltaschen mit einer großen Klappe gehen in die Breite statt in die Länge. Das macht sie etwas weniger sportlich, bietet jedoch deutlich gesteigerten Komfort. Sie sind in verschiedenen Größen im klassischen Duck-Cotton erhältlich, aber auch in modernen, leichteren Materialien.
Dank ihrer riesigen Klappe hat man den perfekten Überblick und kommt schnell an alles dran. Modelle mit großer Klappe können außerdem problemlos überfüllt werden.
Ein kleiner Gepäckträger oder spezielle Halterungen wie z. B. die Bagman-Modelle von Carradice helfen, das Gewicht der größeren Modelle zu stützen und von den Beinen fernzuhalten.

Die meisten Modelle mit Klappe lassen sich übrigens sowohl als Sattel- als auch als Lenkertasche nutzen. Wer es klassisch mag, greift zu den Modellen von Carradice, für die moderne Interpretation schaut ihr bei Swift Industries vorbei. Nutzt man größere Modelle, lohnt es sich, die Taschen mit einem kleinen minimalistischen Gepäckträger zu unterstützen, wie es sie z. B. in sehr guter Qualität von Nitto gibt.

1.3 Lenkertasche

Die Bikepacking-Lenkertasche ist euer dritter großer und meistens vollständig wasserfester Stauraum. Hier habt ihr die Auswahl zwischen mehreren Optionen, die ihr ohne Gepäckträger direkt am Lenker befestigen könnt. Die einfachste Möglichkeit ist ein spezieller Packsack, der an beiden Enden geöffnet werden kann und über eine fest integrierte Halterung für den Lenker verfügt. Ihre Nachteile sind die fixe Größe bzw. der Durchmesser des Packsacks, auch wenn es meistens zwei Versionen zur Auswahl gibt. Außerdem sind sie etwas umständlich zu befüllen, da die komplette Tasche dafür meist vom Lenker entfernt werden muss. Gute Beispiele für Lenkertaschen wären die Revelate Designs Sweetroll, das ORTLIEB Handlebar-Pack, das Apidura Backcountry Handlebar Pack oder – super minimalistisch – das Rapha Waterproof Bar Pack oder das Roswheel Road Handlebar Bag. Speziell für MTBs konstruiert wurde die Bedrock Bags Moab. Sie biegt sich anders als normale Lenkertaschen um den Vorbau und verfügt außen über zwei zusätzliche Befestigungen für den Lenker. Das sorgt für extrem hohe Stabilität. Ihr Durchmesser ist außerdem geringer, um auch noch mit den kurzen Steuerrohren bzw. langhubigen Federgabeln moderner MTBs zu funktionieren.

Wie bei den Satteltaschen gibt es auch bei Lenkertaschen ein- oder zweiteilige Modelle. Die einteiligen sind günstiger, leichter und das Haltesystem ist direkt mit dem Packsack verbunden.
Sie müssen in den meisten Fällen zum Beladen etwas umständlich abgenommen werden.
Zur Anpassung verfügen manche Modelle über Schaumstoff-Spacer. So kann der Oberlenker noch bequem genutzt werden.
Der Markt an Bikepacking-Taschen ist inzwischen gut gewachsen, daher gibt es immer mehr Speziallösungen. Das Modell hier von Bedrock Bags schmiegt sich um das Steuerrohr, anstatt davor zu sitzen. Das verbessert das Offroad-Handling und die Stabilität der Tasche spürbar, bietet aber auch etwas weniger Platz.
Zweiteilige Lenkertaschen bestehen aus einem Packsack, den man von beiden Seiten befüllen kann, und einer separaten Halterung, die fest am Lenker montiert wird.
Dadurch könnt ihr außerdem einen Packsack eurer Wahl nutzen, der perfekt zu den Cockpit-Dimensionen oder dem gewünschten Platzbedarf passt.
Der Komfort beim Füllen des Packsacks ist deutlich höher, da er mit wenig Aufwand entnommen werden kann.

Statt dem einteiligen Packsack-System könnt ihr am Lenker aber auch ein Harness nutzen. Es funktioniert vom Prinzip her ähnlich, allerdings sind das Tragesystem und der Packsack voneinander getrennt. Das ermöglicht nicht nur die Nutzung eines Packsacks mit euren gewünschten Dimensionen und Eigenschaften, sondern erleichtert auch das Packen deutlich. Das System ist im Vergleich zu Taschen mit integrierter Halterung jedoch meist schwerer und etwas voluminöser. Harness-Systeme ohne Packsack gibt’s z. B. von Revelate Designs oder – mit spezieller, vom Lenker abgesetzter Halterung – von Rockgeist.

Zusätzliche Fronttaschen sind praktisch für Kleinkram, den man häufig benötigt. Sie werden entweder direkt an die Lenkertasche geklipst oder drum herum geschnallt.

An beide Arten von Lenkertaschen kann sehr oft noch eine zusätzliche Fronttasche angebracht werden. Meistens müssen alle Teile einzeln gekauft werden, manche Hersteller bieten allerdings auch ein Komplettpaket aus Harness, Packsack und Zusatztasche an, wie z. B. Restrap. Alternativ gibt es auch Fronttaschen mit integrierten Riemen, um einen Packsack aufzunehmen. Sie sind etwas weniger stabil als ein Harness, aber die leichteste Option. Beispiele hierfür sind die Revelate Design Egress, die Rockgeist Apogee oder die Wanderlust Piñon.

Die dritte Option neben einteiligem Packsack und Harness sind die bereits oben erwähnten Satteltaschen im Querformat, die man in den allermeisten Fällen auch an jeder Art von Lenker nutzen kann. Sie sind für alle ideal, die keinen Packsack benötigen und lieber etwas mehr und universeller nutzbaren Raum möchten. Dafür muss man jedoch das im Vergleich höchste Gewicht akzeptieren. Gute Modelle gibt’s von Swift Industries oder BXB. Wer es etwas klassischer mag, greift zu Carradice.

Gerade bei Dropbars ist der Platz für Lenkertaschen limitiert. Dank Rollverschlüssen an beiden Seiten kann die Breite jedoch immer angepasst werden. Die Volumenangabe der Hersteller ist also immer nur als Maximum der Tasche selbst zu verstehen.
Der Durchmesser der Lenkertasche ist deutlich wichtiger als das angegebene Volumen. Zwischen Tasche und Vorderreifen sollte genügend Platz sein, damit auch auf holprigen Untergründen nichts schleift – sonst sieht es schnell aus wie auf unserem Bild …

Achtet generell darauf, dass die Abmessungen der Tasche auch zu eurem Lenker passen und die Tasche nicht außen mit den Bremshebeln oder bei Dropbars mit dem Lenker selbst kollidiert. An Bikes mit Federgabel solltet ihr außerdem den Durchmesser bzw. die Höhe der Tasche im Auge behalten, damit sie beim Einfedern nicht am Reifen hängen bleibt. Befestigt jede Art von Tasche auf jeden Fall irgendwie am Steuerrohr (Schutzfolie nicht vergessen), sodass sie nicht auf und ab hüpfen kann. Achtet zum Schluss noch darauf, dass eure Bremsleitungen und Schaltzüge sauber hinter oder über der Tasche verlaufen und weder zu enge Radien erzeugen noch am Rahmen scheuern. Notfalls ersetzt ihr sie durch längere.

Wenn ihr normalerweise einen GPS-Computer nutzt, wird es mit den meisten Lenkertaschen etwas problematisch und ihr müsst das Gerät ziemlich sicher anders positionieren. Die einfachste Lösung ist die Montage auf dem Vorbau.
Alternativ lässt sich das Gerät mit speziellen Haltern wie z. B. dem Porteur von Tune nach oben versetzen.
Oder ihr dreht den normalen Halter einfach um. Das funktioniert natürlich nur, solang ihr keine Zusatztaschen nutzt und der Reach lang genug ist, dass ihr nicht mit dem Knie dagegen stoßt.

1.4 Zusätzliche Taschen

Um euer Platzangebot aufzustocken und euer Equipment besser aufteilen zu können, empfiehlt es sich, noch ein paar weitere kleine Taschen zu nutzen. Sogenannte Stem Bags (Vorbautaschen) sind perfekte Universaltaschen fürs Cockpit. Sie werden links und/oder rechts vom Vorbau befestigt und bieten schnellen Zugriff auf Snacks, zusätzliche Wasserflaschen oder sonstige Dinge wie Handy, Handschuhe und Co.

Stem-Bags werden an Lenker und Vorbau befestigt und sind Multitalente. Vom Snack übers Handy oder die Handschuhe bis hin zur zusätzlichen Wasserflasche lässt sich hier alles in Reichweite unterbringen.

Eine weitere empfehlenswerte Tasche ist die Top Tube Bag (Oberrohrtasche). Wie der Name schon sagt, wird sie direkt hinter dem Vorbau auf das Oberrohr geschnallt oder geschraubt, falls der Rahmen dort über Aufnahmepunkte verfügt. Anders als bei den drei großen Taschen sind sowohl bei Stem Bags als auch bei Top Tube Bags die Auswahlmöglichkeiten an Marken, Modellen, Formen, Farben und Größen nahezu grenzenlos. Gute Beispiele für Top Tube Bags größerer Hersteller sind z. B. die Apidura Racing Top Tube Bag oder – für maximales Platzangebot – die Revelate Designs Mag-Tank 2000. Bei den Stem Bags sind es z. B. die Bedrock Bags Tapeats, die Apidura Backcountry Food Pouch oder die Revelate Designs Mountain Feedbag.

Top Tube Bags gibt es in einer Vielzahl an Größen und Formen. Sie bieten ähnlich wie Stem Bags Platz für Kleinkram, Snacks, Werkzeug, Handschuhe, Sonnencreme oder was auch immer ihr gern in Reichweite haben möchtet.
Viele Bikes verfügen inzwischen über Montagepunkte auf dem Oberrohr. Dementsprechend gibt es auch Taschen hierfür.
Wer noch mehr Platz für Kleinkram benötigt, kann mit speziellen Taschen auch den Platz vor der Sattelstütze nutzen.

Wer noch mehr Platz braucht, über Anschraubpunkte an der Gabel oder unter dem Unterrohr verfügt und diese nicht für Flaschenhalter nutzt, sollte sich sogenannte Cargo-Halter anschauen, z. B. den Salsa Anything Cage HD, King Cage Many Things Cage, Blackburn Outpost Cargo Cage oder den Topeak Versacage. Hier könnt ihr prinzipiell alles befestigen: den Schlafsack, das Zelt, große Wasserflaschen, einen beliebigen Packsack oder was euch sonst noch so einfällt. Für etwas mehr Stabilität und Kompaktheit gibt es außerdem speziell konstruierte Taschen wie die Salsa Anything Bag, die Revelate Polecat oder die Apidura Expedition Fork Pack. Etwas flexibler ist man mit Taschen, die man frei befestigen kann, z. B. der Apidura Expedition Down Tube Pack.

Falls ihr an der Gabel Montagepunkte mit drei Schrauben habt, könnt ihr sogenannte Cargo-Cages nutzen. An ihnen lassen sich kleine Packsäcke, Schlaf- und Biwaksack, das Zelt oder alle möglichen anderen Gegenstände befestigen.
Oder ihr könnt sie natürlich ganz normal für Flaschenhalter nutzen.
Zusatztaschen wie z. B. die Apidura Down Tube Pack lassen sich halbwegs frei positionieren – so kitzelt ihr auch den letzten Stauraum aus dem Rahmen.

1.5 Mit Gepäckträger: Randonneur, Porteur, Basket, Mini-Pannier

So viel zu den Bikepacking-Taschen ohne Gepäckträger. Für etwas mehr Stauraum auf Asphalt oder feinem Schotter oder für mehr Alltagstauglichkeit kann es jedoch auch sinnvoll sein, auf den Halter aus Metall zurückzugreifen.

Die Randonneur-Tasche hat sich vom Prinzip in den letzten 100 Jahren kaum verändert. (Foto: Dailybreadcycles/René Hérse Cycles)
Sie wird mit einem Halter namens Decaleur direkt am Vorbau befestigt und oft von einem minimalistischen Gepäckträger gestützt. (Foto: Dailybreadcycles/René Hérse Cycles)

Der Klassiker ist die Randonneur-Tasche, wie es sie seit einem guten Jahrhundert nahezu unverändert zu kaufen gibt. Sie wird mit einem Halter namens Decaleur am klassischen oder modernen Vorbau befestigt und oft von einem zusätzlichen minimalistischem Gepäckträger wie z. B. von René Herse Cycles oder Velo Orange gestützt.
Klassische Randonneur-Taschen aus Duck-Cotton und Leder gibt’s z. B. von Berthoud Cycles, moderne Iterationen von Swift Industries. Wer auf die spezielle Befestigung mit einem Decaleur verzichten will, kann sich auch einen breiten Porteur-Frontträger zulegen, z. B. von Soma, Surly oder Rivendell/Nitto. Hier lassen sich dann Taschen wie die Restrap Rando Bag oder die Surly Porteur House Bag festmachen.

Ein Porteur-Rack ist kein Leichtgewicht, lässt sich aber vielseitig einsetzen, gerade wenn das Bike auch zum Commuten genutzt wird.
Findet ihr auf dem Markt kein zufriedenstellendes Modell, könnt ihr bei Rahmenbauern auch euer Wunschmodell in Auftrag geben. Einige wenige, wie z. B. Fern/Allygn, bieten auch vorgefertigte Racks direkt zum Kauf an.

Im Trend sind jetzt auch wieder klassische Drahtkörbe, wie es sie z. B. von Wald Sports gibt. Einige findige Taschenhersteller wie Wizard Works, Swift Industries, Porcelain Rocket oder Dark Realm fertigen genau dafür passende Taschen.

Mini-Panniers wie die (noch relativ großen) ORTLIEB Gravel-Pack bieten bei Bedarf viel Stauraum, ohne das Handling des Bikes zu stark einzuschränken. Idealerweise werden sie auf Höhe der Achse befestigt, um den Schwerpunkt möglichst weit unten zu halten.

Für alle, die sich überhaupt nicht von einem klassischen Reiserad-Setup trennen wollen oder zusätzlichen Stauraum zu den normalen Bikepacking-Taschen brauchen, gibt es mittlerweile kompaktere und kleinere Versionen der bekannten Packtaschen. Sie stehen deutlich weniger zur Seite ab und halten den Schwerpunkt enger am Bike. Derartige Mini-Panniers sind z. B. die Revelate Nano Panniers, die Porcelain Rocket Microwave Panniers, die Restrap Small Panniers oder die ORTLIEB Gravel-Pack. Leichte, robuste Gepäckträger gibt’s z. B. von Tubus.

2. Günstige Alternativen

Ihr wisst noch nicht genau, welche Taschen ihr kaufen sollt, oder wollt einfach etwas Geld sparen? Dann gibt es ein paar günstige Möglichkeiten, euer Gepäck zu transportieren. Normale wasserdichte Packsäcke bekommt man in allen erdenklichen Größen und Formen schon für wenig Geld, z. B. von Exped oder Sea to Summit. Etwas teurere Modelle verfügen außerdem über Kompressionsriemen, Befestigungspunkte oder Membran-Stoffe. Mit ein paar Riemen wie z. B. den beliebten Voile-Straps lassen sie sich sowohl am Lenker als auch an der Sattelstütze bzw. im Rahmendreieck befestigen. Das ist zwar nicht die bequemste Lösung, aber sie ist sehr leicht und ihr könnt für weniger als 100 € ein komplettes Setup aus drei Packsäcken mit Riemen realisieren. Wer etwas mehr Geld ausgeben kann, sollte sich die Revelate Egress für den Lenker näher anschauen. Damit könnt ihr einen beliebigen Packsack an jeder Art von Lenker befestigen und habt ein wasserfestes Fach, auf das ihr schnell zugreifen könnt. Leider existieren für dieses Prinzip keine günstigeren Optionen, da alle anderen Marken derartige Taschen nur als Zusatz für ihre Lenkertaschen anbieten und nicht über Riemen für einen Packsack verfügen.

Auch wenn es einfach geil ist: Niemand braucht dringend ein super teures Custom-Kit wie hier. Mit etwas Erfindungsgeist ist ein brauchbares Setup auch für wenig Geld machbar.

Ein einfaches Setup ist schon für weniger als 100 € realisierbar.

Falls ihr über eine Nähmaschine und etwas Geschick verfügt, könnt ihr zumindest die Rahmentasche auch selbst nähen oder einfach ein paar robuste Packsäcke mit festen Riemen versehen. Materialien gibt’s z. B. bei Extremtextil und eine einfache Anleitung z. B. hier. Je nach Material solltet ihr für eine DIY-Rahmentasche ebenfalls deutlich unter 100 € kommen. Um Platz dafür im Rahmendreieck zu schaffen, verlagert einfach die Flaschenhalter an die Gabel. Dafür braucht es keine spezielle Gabel – einfache Befestigungen wie z. B. der Topeak Versamount funktionieren mit nahezu allen Gabeldurchmessern, sind günstig und eignen sich vor allem für Federgabeln. Noch günstiger geht’s nur mit Kabelbindern und Panzertape. 😉

Geht schon, aber werdet ihr freiwillig nicht wiederholen – Bikepacking-Taschen haben definitiv ihre Berechtigung.

Die günstigste, wenn auch unbequemste Lösung ist natürlich der Rucksack, den ihr bereits besitzt. Für einen Overnighter reicht er vollkommen aus – ihr werdet jedoch nach einem kompletten Tag im Sattel genau wissen, warum es Bikepacking-Taschen gibt …

3. Wasserfestigkeit, Leichtbau, Haltbarkeit – eine kurze Materialkunde

Sobald man weiß, was man braucht, lohnt es sich auch, etwas mehr Geld für Bikepacking-Taschen auszugeben. Auf den ersten Blick günstige Taschen verwenden meist auch nur einfache, billige Standardmaterialien, vor allem bei Reiß- und Klettverschlüssen. Außerdem sind sie oft nicht zu 100 % durchdacht konstruiert. Sie sind dementsprechend wenig formstabil, nicht wasser-/wetterfest und dadurch nur für gelegentliche Schönwetterausflüge geeignet. Hochwertigere Aftermarket-Modelle nutzen meist speziellere Materialien oder Laminate aus dem Segelsport – hier zum größten Teil X-Pac von Dimension-Polyant. In der Regel sind sie sowohl stark wasserabweisend als auch leicht, wobei einzelne Marken den Schwerpunkt auf einen der beiden Faktoren legen. Oft werden besonders beanspruchte Stellen mit Cordura oder Hypalon verstärkt bzw. versteckte Versteifungen aus Plastik integriert, um mehr Stabilität zu erzeugen. Die Luxusklasse für maximalen Leichtbau ist DCF (Dyneema Composite Fabric), auch als Cuben Fiber bekannt. Das Material ist jedoch sehr teuer und Taschen daraus sind fast nur als Custom-Anfertigung durch einen der unzähligen Kleinstbetriebe zu haben.

Ab einer gewissen Häufigkeit der Benutzung lohnt es sich, mehr Geld auszugeben: Materialien, Verarbeitung und Haltbarkeit sind bei Top-Herstellern wie z. B. Revelate Designs um Welten besser als bei günstigen Einsteigertaschen.
Luxus pur – Taschen aus DCF (Dyneema) sind selten, ultraleicht, wasserfest und sündhaft teuer. Für Ultra-Endurance-Racer, die auf jedes Gramm achten müssen, können sie jedoch ganz klar Vorteile haben.
Während bei den meisten Herstellern nur einzelne Taschen vollkommen den Elementen trotzen, bieten Firmen wie z. B. ORTLIEB oder Apidura verschweißte und somit wasserfeste Komplettsysteme an.

Zu 100 % wasserfeste Taschen sind eher selten. Denn hierfür müssen sämtliche Nähte mit speziellem Tape abgedichtet werden oder aber die Materialien müssen miteinander verschweißt werden, wie es z. B. ORTLIEB oder Porcelain Rocket an der 52Hz-Tasche machen. Die meisten Taschen sind jedoch stark wasserabweisend und der Inhalt bleibt auch bei normalem Regen trocken. Da die Garantie jedoch nie gegeben ist, lohnt es sich, empfindlichere Inhalte zusätzlich in dünne Packsäcke wie z. B. die Sea to Summit Ultra-Sil Nano oder den klassischen Gefrierbeutel zu verstauen. Das hilft auch beim Sortieren. Bei Sattel- und Lenkertaschen ist die Chance auf volle Wasserfestigkeit deutlich höher, da hier viele Modelle vom Prinzip her schon einem Packsack mit Rollverschluss entsprechen.

Vorsicht vor Scheuerstellen! Klebt unbedingt alle Kontaktpunkte zum Rahmen mit Schutzfolie ab.

Achtet unbedingt darauf, dass Taschen und Riemen nicht aneinander scheuern oder gar am Reifen schleifen! Gerade die Leichtbaumaterialien sind zwar extrem reißfest, aber auch anfällig gegen Durchscheuern. Das Gleiche gilt für euer Bike: Schützt alle Stellen, die in Berührung mit einer Tasche kommen – vor allem Rahmen und Lenker –, mit einer Schutzfolie wie AMS AllMountainStyle, DYEDBRO oder invisiFRAME. Andernfalls haben Lack und Carbon-Teile schneller Scheuerstellen, als ihr zuschauen könnt …

Jede Tasche bewegt sich durch Erschütterungen unvermeidbar. Klebt unbedingt die Kontaktpunkte mit Schutzfolie ab, sonst ist der Lack schneller weg, als ihr zuschauen könnt.
Achtet auch darauf, was sich zwischen Tasche und Rahmen befindet. Ein scharfkantiger Zugeinsteller ist ziemlich sicher kein guter Puffer …
Mit Schutzfolien wie von AMS AllMountainStyle lassen sich 97 % der potenziellen (Lack-)Schäden am Bike vermeiden.

4. Welche Taschen brauche ich?

Jede Tour ist anders. Individuelle Vorlieben, das Wetter und die Route bestimmen stark, was und wie viel ihr mitnehmen müsst, und dementsprechend auch, wie viele Taschen ihr braucht. Wir haben dennoch vier Szenarien aufgestellt, die die meisten Situationen abdecken sollten.

Für den Tagestrip ohne Übernachtung braucht es nicht viel. Eine Regen- oder Windjacke, ein, zwei Accessoires, Tools, ein paar Snacks, falls ihr unterwegs einkehrt, oder die Verpflegung für den Tag. Hierfür reicht in den meisten Fällen eine 6-Liter-Satteltasche vollkommen aus. Alternativ tut es genauso gut eine halbe Rahmentasche in Kombination mit einer Oberrohrtasche oder einer kleinen Standalone-Lenkertasche wie z. B. einer Rapha Bar Bag.

So minimal geht’s nur mit Kreditkarte und im Sommer …
Wenn ihr aber noch eine halbe Rahmentasche dazupackt, habt ihr ein perfektes leichtes Setup für die Tagestour oder auch für längere Trips mit Übernachtungen in vier Wänden.

Ein Wochenend-Adventure oder ein Overnighter mit Outdoor-Übernachtung benötigt etwas mehr Kleidung, Essen, Utensilien und vor allem euer Schlaf-Equipment. Hier werdet ihr die kleine Lenkertasche zu einer großen Rolle oder einem Packsack mit Halterung upgraden müssen. Wir empfehlen eine Kombi mit kleiner Fronttasche für schnellen Zugriff auf Snacks oder das Handy. Alternativ geht natürlich auch eine Stem Bag oder eine Top Tube Bag. Zusammen mit einer Satteltasche und einer halben Rahmentasche solltet ihr so genug Platz haben, ohne dass ihr eure zwei Flaschenhalter im Rahmen umverlagern müsst. Alternativ könnt ihr auch auf die Rahmentasche und Lenkerrolle verzichten und am Lenker nur eine breite Tasche wie die BXB Teardrop plus eine normale Satteltasche nutzen.

Wollt ihr draußen übernachten, braucht ihr auch für einen Overnighter schon etwas mehr Stauraum. Eine Lenkerrolle oder eine große Satteltasche bieten den Platz für Schlafsack und sonstiges Camping-Equipment.
Auch für einen Wochenendtrip oder eine ganze Urlaubswoche braucht ihr nicht mehr. Ein oder zwei kleine Zusatztaschen auf dem Oberrohr oder am Lenker heben den Komfort.

Wollt ihr einen richtigen Bikepacking-Urlaub machen, werdet ihr um das volle Set der drei Haupttaschen plus die meisten Zusatztaschen nicht herumkommen. Eine volle Rahmentasche ist außerdem Pflicht. Die Trinkflaschen wandern an die Gabel, ans Unterrohr oder auch per Stem Bag an den Lenker – wobei es sich hier empfiehlt, nur eine Stem Bag zu belegen und die zweite für Snacks etc. zu lassen. Alternativ nutzt ihr eine Trinkblase auf dem Rücken oder packt sie in die Rahmentasche. Für etwas mehr Komfort bzw. mehr Platz könnt ihr auch überlegen, entweder die Satteltasche oder die Lenkertasche durch ein breites Modell mit Klappe zu ersetzen.

Seid ihr länger oder eher remote unterwegs, kommt ihr um eine volle Rahmentasche und das komplette Sortiment an Zusatztaschen nicht herum.

Für eine mehrwöchige oder gar mehrmonatige Auszeit braucht ihr mindestens das gleiche Setup wie für den Wochen-Trip, je nach Jahreszeit auch noch mehr Packvolumen. Da solche Touren meistens weniger technisch ausfallen, was die Routen angeht, lohnt es sich, einen längeren Blick auf breite Satteltaschen für vorne und hinten zu werfen. Alternativ machen hier auch minimalistische Gepäckträger mit kleinen Packtaschen oder Cargo-Cages mit entsprechenden Taschen Sinn. Derartige Touren werdet ihr jedoch nicht direkt zu Anfang unternehmen, sondern euch Stück für Stück herantasten, und somit ziemlich gut einschätzen können, wie viel Volumen und welche Art von Taschen ihr braucht.

Für mehrwöchige Trips können sich größere Taschen und/oder kleine Gepäckträger lohnen. So seid ihr flexibler, was die Beladung angeht.
Eine längere Tour heißt jedoch nicht proportional mehr Gepäck. Dieses Setup hat zwei Monate bolivianischen Altiplano mit Nächten von -20°C bewältigt.

Probieren geht über Studieren. Fangt einfach an und ihr werdet schnell herausfinden, welche Taschen ihr braucht.

Aber wie gesagt, die persönlichen Vorlieben und der Platzbedarf variieren stark. Manche Leute kommen mit sehr wenig aus, andere wollen auch für einen Overnighter das komplette Setup für einen Wochentrip. Hier hilft nur ausprobieren und nach ein paar Trips werdet ihr sicher herausfinden, was ihr wirklich braucht, worauf ihr nicht verzichten wollt und was das bequemste Setup für euch ist. Eine einfache Erweiterung eurer Kapazität auf jeder Art von Tour sind übrigens Hip Bags. Sie bieten Platz für die Windjacke, Kleinteile oder auch Wasser und sind die erschütterungsfreiste Möglichkeit, eine Kamera zu transportieren. Und das alles, ohne den Komfort stark einzuschränken, wie es ein Rucksack tut. In dem riesigen ENDURO-Vergleichstest mit 24 Hip Bags findet ihr garantiert das beste Modell für euch!

Hip Bags sind eine gute Ergänzung zu Bikepacking-Taschen, sei es für Wertgegenstände, Wasser oder die Kamera. Es gibt sie in allen erdenklichen Formen, Farben und Größen. In dem ENDURO-Vergleichstest mit 24 Hip Bags werdet ihr sicher fündig!

5. Das beste Komplettset

Das beste Komplettset ist natürlich immer ein maßgeschneidertes Custom-Set, da ihr es bis ins kleinste Detail an eure Bedürfnisse anpassen lassen könnt. So ein Custom-Kit ist jedoch kein Schnäppchen und geht nicht selten mit längeren Wartezeiten einher.

Spielt Geld keine Rolle, ist ein Komplettset von Custom-Herstellern wie DITW
… oder Gramm immer die beste Option, da es für euer Bike und eure Bedürfnisse maßgeschneidert ist.

Die einfachste und stressfreiste Möglichkeit, Bikepacking-Taschen zu kaufen, ist ein Komplettset von einem der großen Hersteller wie Apidura, Revelate Designs, Restrap, ORTLIEB etc. Ihr bekommt die Taschen in den allermeisten Ländern einfach über euren Bikeshop oder ohne große Wartezeit über einen Internetshop und sie bieten ausgereifte Performance und robuste Materialien. Wir sind eine Vielzahl an Komplettsets verschiedener Hersteller gefahren und haben unseren Favoriten für euch gewählt. Unter den Bildern findet ihr die Daten der verschiedenen Taschen, die wir getestet haben. Die meisten Hersteller bieten noch ein deutlich größeres Portfolio an Produkten an und unterscheiden sich beim gleichen Taschentyp teilweise deutlich in Funktion und Ausführung. Daher lohnt es sich, die Websites zu inspizieren und zu vergleichen – Mix & Match gibt zwar weniger Stylepunkte, aber Funktion ist hier der Faktor Nummer eins.

Revelate Designs Packtaschen

Die Taschen von Revelate Designs sind perfekte Allrounder und unserer Meinung nach die besten direkt kaufbaren Bikepacking-Taschen. Sie punkten mit tadelloser, robuster Verarbeitung, bester Materialqualität, einfachster Bedienung, super durchdachten Haltesystemen und daher sehr hoher Stabilität. Zudem gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Taschen in unterschiedlichen Größen – so lässt sich für so ziemlich jede Art von Bikes ein perfektes Komplettset zusammenstellen.
Revelate Designs
Tangle Frame Bag 3,5 l 260 g 129,99 €
Terrapin System Seat Bag 14 l 580 g 209,99 €
Yakataga Dry Pocket 4,3 l 264 g 169,99 €
Sweetroll Handlebar Bag 18 l 472 g 139,99 €
ø 39,8 l 1.576 g 649,96 €

Apidura Packtaschen

Eine große Auswahl hat man auch bei Apidura. Von super robust und wasserfest bis leicht und kompakt findet sich in den verschiedenen Serien alles. Leider sind Sattel- und Lenkertasche durchgehend nur als einteilige Version erhältlich, was den Komfort etwas schmälert.
Apidura
Expedition Full Frame Pack 12 l 349 g 167,00 €
Expedition Saddle Pack 14 l 327 g 142,00 €
Expedition Handlebar Pack 9 l 233 g 108,50 €
Expedition Top Tube Pack 1 l 93 g 53,00 €
Backcountry Food Pouch 0,8 l (x 2) 69 g (x 2) 43,00 € (x 2)
ø 37,6 l 1.140 g 556,5 €

ORTLIEB Packtaschen

Wer ständig mit den Elementen kämpft, kommt an ORTLIEB nicht vorbei. Sämtliche Taschen sind zu 100 % wasserfest und super solide gefertigt. Das Sortiment ist jedoch recht überschaubar und Sattel- bzw. Lenkertasche sind auch hier nur einteilig gefertigt.
ORTLIEB
Frame-Pack 6 l 208 g 119,99 €
Seat-Pack 16,5 l 478 g 139,99 €
Handlebar-Pack 9 l 348 g 99,99 €
Accessory-Pack 3,5 l 201 g 54,99 €
Cockpit-Pack 0,8 l 92 g 49,99 €
ø 35,8 l 1.327 g 464,95 €

Restrap Packtaschen

Wer es komfortabel und dennoch erschwinglich möchte, sollte sich die Taschen von Restrap genauer anschauen. Sattel- und Lenkertasche sind zweiteilig ausgeführt, was ihnen zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis verhilft. Abstriche muss man hingegen bei der im Vergleich etwas einfacheren Materialqualität und der geringeren Wasserfestigkeit machen.
Restrap
Frame Bag Large 4,5 l 236 g 83,99 €
Saddle Bag 14 l 14 l 518 g 127,19 €
Bar Bag Large 14 + 3 l 553 g 137,99 €
Top Tube Bag 0,8 l 89 g 38,39 €
Stem Bag 1,1 l (x2) 81 g (x2) 38,39 € (x2)
ø 38,5 l 1.558 g 464,34 €

Bedrock Bags Packtaschen

Die Taschen von Bedrock Bags sind eine Art Zwischenstufe. Die verschiedenen Modelle könnt ihr entweder direkt kaufen oder in Material/Farbe individualisieren. Die hauseigenen Speziallösungen sind vor allem für MTBs interessant, bei denen Stabilität ganz oben auf der Liste steht, jedoch geht das auf Kosten des Volumens. Vorgefertigte Rahmentaschen gibt es hier nicht – sie sind immer eine Maßanfertigung. Aufgrund der Individualisierungsmöglichkeiten muss direkt beim Hersteller geordert werden.
Bedrock Bags
Custom Frame Bag ca. 6 l 349 g 275 $
Black Dragon Dropper Seat Bag 7 l 385 g 175 $
Moab Handlebar Bag 13 l 465 g 160 $
Dakota Tank Bag ca. 1 l 126 g 70 $
Kayenta Rear Tank Bag ca. 0,5 l 115 g 70 $
ø ca. 27,5 l 1.440 g 750 $

6. Packtipps – Was kommt wohin?

Seid ihr nun stolzer Besitzer eines Sets an Bikepacking-Taschen, solltet ihr euch ein paar Gedanken um die Verteilung des Inhalts machen. Denn sie bestimmt sehr stark, wie neutral sich euer Bike verhält und wie komfortabel ihr an euer Equipment kommt.

Es lohnt sich, etwas Gehirnschmalz in die Verteilung eurer Ausrüstung zu investieren.

Prinzipiell gibt es zwei sinnvolle Möglichkeiten, Struktur in die Verteilung eurer Ausrüstung zu bringen: Entweder sortiert ihr alles nach einem Thema wie Schlafen, Kleidung, Essen, etc. pro Tasche oder ihr geht nach Häufigkeit der Benutzung vor. Grundsätzlich gilt jedoch immer, dass schwere, kompakte Teile möglichst mittig und weit unten am Bike verstaut werden sollten, um den Schwerpunkt und das Handling des Bikes so wenig wie möglich zu stören. Lasst außerdem ein gutes Drittel des gesamten Volumens für Essen frei. Ein kleiner Notfallrucksack, z. B. aus der Packable-Serie von Apidura, erweitert kurzfristig super den Stauraum fürs Abendessen oder die Flasche Wein. Ein weiterer Tipp für mehr Ordnung und vor allem Wasserresistenz: Nutzt leichte Packsäcke oder Gefrierbeutel, um die Teile in euren Taschen zu verpacken.

Kleine zusammenfaltbare Notfallrucksäcke sind perfekt für die kurzfristige Stauraumerweiterung wie z. B. das Abendessen oder die Flasche Wein.

Haltet ein gutes Drittel an verfügbarem Stauraum fürs Essen frei.

Sortiert ihr nach Thema, bietet sich bei einem klassischen Taschen-Setup folgende Logik an: In die Lenkerrolle bzw. den Packsack kommt alles, was mit Schlafen zu tun hat, also Schlafsack, Isomatte und Zelt. Oft ist hier sogar noch Platz für die warme Daunen-/Primaloft-Jacke. Die Zeltstangen sind für die Lenkerrolle jedoch meist zu sperrig, sie passen dafür eigentlich immer in die Rahmentasche. Sämtliche Kleidung – abgesehen von einer leichten Jacke oder einem Paar Handschuhe zur schnellen Verfügung – kommt in die Satteltasche, zusammen mit dem kleinen Erste-Hilfe-Kit. In die Rahmentasche verstaut ihr ganz unten euer Werkzeug bzw. den Ersatzschlauch, euer Waschzeug und euer Kochgeschirr, wenn ihr welches dabeihabt, und hebt den kompletten restlichen Platz fürs Essen auf. Bleiben noch die ganzen Snacks, das Handy, andere elektronische Kleinteile wie Stirnlampe, Kopfhörer oder Battery Bank. Die verteilt ihr einfach nach Gusto auf Oberrohr-, Vorbau- und Zusatztaschen am Cockpit. Oft ist es auch sinnvoll, einzelne Teile wie das Minitool oder einen Löffel bzw. ein Messer griffbereit im Cockpit zu verstauen, statt sie zusammen mit dem Rest in den Tiefen der Rahmentasche verschwinden zu lassen.

Wichtige Dinge sollten immer in Reichweite verstaut werden.
Was das im Speziellen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden …

Schwere, kompakte Dinge sollten immer so tief und zentral wie möglich verstaut werden.

Tendiert ihr eher zur Häufigkeitsverteilung, müsst ihr natürlich selbst herausfinden, was ihr oft benötigt und was weniger oft. Prinzipiell kommen die am wenigsten häufig genutzten Dinge in die Lenkerrolle oder tief unten in die Sattel- bzw. Rahmentasche und oft benötigte Sachen werden in den Taschen am Cockpit verteilt. Solltet ihr häufig auf eine Vielzahl an Dingen zugreifen wollen, sind Taschen mit Rollverschluss eher unbequem. Schaut euch in dem Fall direkt die breiten Modelle mit großer Klappe für Sattel und Lenker an.

Fazit

Nun solltet ihr so ziemlich alles über Bikepacking-Taschen wissen. Vermutlich seid ihr nach all den Infos erst mal erschlagen, aber keine Angst! Macht euch keinen Kopf – nutzt am Anfang einfach, was ihr habt, und ergänzt Stück für Stück euer Setup. Je öfter ihr unterwegs seid, desto schneller findet ihr heraus, was ihr braucht, und wie und wo ihr eure Ausrüstung am besten verstaut. Schließlich sind Bikepacking-Taschen nur Mittel zum Zweck. Und der ist es, Spaß auf dem Bike und an der Tour zu haben.


Mehr Infos: Das passende Bikepacking-Bike findet ihr höchstwahrscheinlich in unserem großen Test mit 12 Gravel und Mountainbikes fürs Bikepacking. Wer sich mit dem Thema noch intensiver auseinandersetzen möchte, dem empfehlen wir unbedingt einen Besuch auf bikepacking.com – dort findet ihr tiefergehende Infos und Tests zu jeder Art von Taschen und Equipment fürs Bikepacking.


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Text: Andreas Maschke Fotos: Diverse