
Standert will mit dem Kreissäge RS den ultimativen Renner stellen – und das ganz ohne Carbon, zumindest was den Rahmen betrifft. Ein Gedanke, den in Anbetracht der überwältigenden Übermacht von Carbon-Bikes nur wenige teilen. Schließlich lassen sich moderne Rennräder, die Steifigkeit, Leichtbau und Aerodynamik vereinen sollen, nur schwer mit anderen Werkstoffen verwirklichen. Dass es trotzdem geht, zeigt nicht zuletzt das neue Cannondale CAAD14, das durch sein ultimativ puristisches Fahrverhalten zu überzeugen weiß.
Ein Fahrverhalten, das auch Standert in den Fokus rücken möchte. Doch die Berliner setzen noch einen drauf. Denn bei Standert steht traditionell auch das Boutique-Feeling im Vordergrund. Und so rollen aus der Kreuzberger Zentrale nicht nur fertige Rennräder, sondern Bikes, die eine Geschichte vermitteln und das Gefühl der großstädtischen Radfahr-Community verkörpern.
Back to Kreuzberg – Ein ganz spezielles Standert Kreissäge RS
Standert ist stolz auf seine Herkunft, und die Produkte passen perfekt dazu. Das vermittelt auch die jüngste Kampagne unter dem Motto „Back to Kreuzberg” sowie das generelle Marken-Image. Doch unzählige Instagram-Posts und Reels mit schicken Standert-Bikes, modischen Klamotten und mindestens einem Flat-White-Foto werfen unweigerlich die Frage nach der tatsächlichen Performance des Standert Kreissäge RS auf.
Diese beantwortet Standert mit einem Wort: „Standium”. Das selbst kreierte Kunstwort beschreibt das Material, aus dem der in Italien gefertigte Rahmen besteht. Dass es sich bei dem Wundermaterial ebenfalls um eine Aluminiumlegierung handelt, der unter anderem 0,1–0,15 % Scandium zugefügt wurde, findet man auf der Standert-Seite nicht – ist aber auch egal. Und so entsteht in Kooperation mit Dedacciai das Kreissäge RS und verspricht „leichter, steifer und seltener” zu sein als Räder aus “normalem” Aluminium. Insgesamt soll das dem Rad ein Fahrgefühl verleihen, das sonst nicht zu haben ist, ganz ohne den teils harten Charakter von Alu-Bikes.


Was das Standert Kreissäge RS aber wirklich auszeichnet, ist der Look. Mit klassischen Linien, aggressiver Ausrichtung und langem Cockpit polarisiert das Rad. Da vereint auch die pinke Lackierung nicht, die selbst in unserem Office für gespaltene Meinungen sorgt. Ebenfalls einzigartig ist die hohe Qualität des Rahmens: Mit dünnen Rohren, schönen, sichtbaren Schweißnähten, einem aero-optimierten Steuerrohr und einer perfekt in den Rahmen integrierten Carbon-Gabel überzeugt das Kreissäge RS restlos. Dazu verstecken sich am Rahmen so viele schöne und einzigartige Details, dass man auch nach Tagen im Sattel noch von neuen Kleinigkeiten überrascht wird.

Höchst individuell – Das Standert Kreissäge RS 2026 im Detail
Während der Rahmen des Kreissäge RS nicht auffallender sein könnte, zeigt sich die Ausstattung auffällig unaufgeregt. Doch hier ist noch Luft nach oben, denn bei Standert gibt es keine Räder von der Stange. Im eigenen Konfigurator lassen sich Komponenten individualisieren und das Rad mit ganz speziellen Merkmalen ausstatten. So gibt es etwa die Möglichkeit, diverse CeramicSpeed-Lager und eine bereits gewachste Kette zu verbauen.

Unser Test-Bike kommt ohne diese Extras, dafür aber mit SRAM Force AXS 2x-Antrieb, inklusive beidseitigem Leistungsmesser. Dazu passt auch die Übersetzung mit 50/37T-Kettenblätter und 10–33T-Kassette perfekt. Für die richtige Kraftübertragung und noch mehr Aerodynamik sorgen die mittlerweile etwas in die Jahre gekommenen DT Swiss ARC 1100 in 62 mm Tiefe und die passende Pirelli PZero Race RS-Bereifung in der Team-Ausführung. Wer dagegen lieber spezielle Reifen fährt, freut sich über die Reifenfreiheit von 35 mm. Abgerundet wird das Paket durch ein Polymer-Cockpit mit passender Sattelstütze. So kommt unser Standert Kreissäge RS auf ein Gewicht von 8,45 kg und kostet 7.408 €.
Standert Kreissäge RS 2026
7.408 €
Ausstattung
Sattelstütze Polymer Workshop Obelsik 27,2 mm
Bremsen SRAM Force AXS HRD 160/140 mm
Schaltung SRAM Force AXS 2 x 12
Kettenblatt 48/35
Vorbau Polymer Workshop Sculpture mm
Lenker Polymer Workshop Sculpture mm
Laufräder DT Swiss ARC 1100 Dicut 62 12 x 100 / 12 x 142
Reifen Pirelli P Zero Race RS 30 mm
Kurbeln SRAM FORCE AXS DUB mm
Kassette SRAM Force XG-1270 10-33T
Technische Daten
Größe 48 50 52 54 56 58 60
Gewicht 8,45 kg


Die Geometrie des Standert Kreissäge RS 2026: Aero-Optik – Endurance-Seele?
Dass es mehr kann als nur schön aussehen, zeigt die Geometrie des Standert Kreissäge RS: Der Stack von 565 mm und der Reach von 392 mm ergeben ein Stack-to-Reach-Verhältnis von 1,44 – ein Wert, der aggressives Race-Geometry-Denken widerspiegelt. So fordert das Standert eine gestreckte, aerodynamisch effiziente Position, ohne dabei in die aggressiven Extreme mancher Race-Bikes zu verfallen. Der Lenkwinkel von 73,5° und der flache Sitzwinkel von ebenfalls 73,5° sollen für eine präzise und direkte Lenkung sorgen, die aber nicht nervös werden soll. Die Kettenstrebenlänge bleibt mit 410 mm kompakt und verspricht knackige Kraftübertragung und lebhaftes Handling. So liegt der Schwerpunkt auf Stabilität bei hohem Tempo, ohne die Agilität zu opfern. Wer in Größe 56 zugreift, bekommt ein Bike, das zwischen sportlichem Alltag und ambitioniertem Renneinsatz keine Kompromisse macht.
| Größe | 48 | 50 | 52 | 54 | 56 | 58 | 60 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sattelrohr | 460 mm | 465 mm | 475 mm | 485 mm | 500 mm | 520 mm | 535 mm |
| Oberrohr | 497 mm | 511 mm | 525 mm | 544 mm | 559 mm | 572 mm | 584 mm |
| Steuerrohr | 120 mm | 125 mm | 133 mm | 145 mm | 160 mm | 180 mm | 195 mm |
| Lenkwinkel | 71,25° | 72,5° | 73° | 73° | 73,5° | 73,5° | 73,5° |
| Sitzwinkel | 76,5° | 76° | 75,5° | 74° | 73,5° | 73,5° | 73,5° |
| Kettenstrebe | 405 mm | 405 mm | 405 mm | 410 mm | 410 mm | 410 mm | 410 mm |
| Radstand | 969 mm | 968 mm | 973 mm | 984 mm | 988 mm | 1.001 mm | 1.015 mm |
| Stack | 521 mm | 530 mm | 539 mm | 549 mm | 565 mm | 584 mm | 598 mm |
| Reach | 372 mm | 379 mm | 385 mm | 387 mm | 392 mm | 399 mm | 407 mm |
Zwischen Alpenvorland und Antrittsschwäche – Das Standert Kreissäge RS 2026 im Test
Der Name Kreissäge weckt Gedanken an ein auf die schnellsten Krit-Rennen spezialisiertes Bike, herausragende Kurven-Talente und erstklassige Renn-Performance. Ein Rad, das die Berliner Rad-Szene mit Klassikern wie dem Airfield Race auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof oder dem ikonischen Rad Race beschreiben soll. Doch was steckt wirklich im Standard?
Zugegeben, wir hatten das Rad weder im Krit-Rennen, noch im generellen Renneinsatz. Dafür konnten wir das Bike sowohl im Alpenvorland als auch auf den kleinen und verwinkelten Straßen im Nordschwarzwald ausgiebig testen. An schnellen Kurven, steilen Abfahrten sowie langgezogenen Tälern und langen Anstiegen hat es also nicht gemangelt.
Und hier hat uns das Standert Kreissäge RS voll überrascht. Trotz des auffälligen Rahmens, der polarisierenden Lackierung und des aggressiven Marketings fährt sich das Kreissäge RS fast schon perfekt ausgeglichen und unauffällig. Mit ruhigem, aber direktem Handling überzeugt es sowohl bei hoher Geschwindigkeit als auch in engeren Kurven. Dabei harmoniert die steife Front mit den direkten DT Swiss und den griffigen Pirelli PZero für ein berechenbares und sicheres Handling.
Und auch die Effizienz scheint zu passen. Denn gerade in der Ebene oder langen Abfahrten hält das Kreissäge RS die Geschwindigkeit zuverlässig und sorgt gleichzeitig durch ein gutes Level an Compliance für den nötigen Komfort, um eine aggressive Position langfristig zu halten. Ergänzt durch die schöne Ergonomie des Polymer-Cockpits, das zugegeben in unserer Version extrem lang ausfällt, ergibt sich eine auf Renntempo ausgelegte Position, die sich über die gesamte Distanz halten lässt. Hier scheint das hochgelobte Standium die Stärken voll auszuspielen.
Doch leider hat das Rad auch eine kleine, aber auffällige Schwäche. Und die liegt im etwas zu trägem Antritt. Dem liegt eine Kombination aus dem hohen Gewicht von 8,45 kg und einem nicht super steifen Rahmen zugrunde. Etwas schade, denn so fehlt dem Kreissäge RS das spritzige Fahrverhalten, das es schnell aus Kurven heraus beschleunigen lässt. Im Flachen bei gleichbleibender Geschwindigkeit kein Problem, doch in hügeligem und bergigem Terrain ein kleiner Nachteil, der dem sonst so potenten Fahrverhalten den Fahrspaß raubt.
Insgesamt überrascht das Standert Kreissäge RS also durch ein auffällig normales Fahrverhalten, eine ausgeglichene Front mit starkem Handling, hohem Komfort und einer für ein Alu-Rad hohen Effizienz. Die geringe Antrittsstärke schiebt dem Fahrspaß allerdings einen Riegel vor. Und so braucht es trotz Versprechen nach optimierter Aerodynamik und einem guten Gewicht kein Expertenauge, um die Marketing-Versprechen im Vergleich zu modernen Race-Bikes zu entlarven. Sowohl in Sachen Aerodynamik als auch in Anbetracht des Gewichts von knapp 8,5 kg kann das Standert Kreissäge RS nicht mit modernen Rennern mithalten.
Für wen ist das Standert Kreissäge RS 2026?
Wer ein Rennrad sucht, das nebst ausgeglichenem Fahrverhalten vor allem mit einem außergewöhnlichen Look und einer besonderen Firmengeschichte überzeugen kann, ist beim Standert Kreissäge RS an der richtigen Adresse. Liegt dazu der Einsatzzweck vor allem in flachem Gelände mit dem gelegentlichen Ortsschildsprint, bekommt man mit dem Kreissäge RS ein Rennrad, das mehr kann, als der Ruf verspricht. Gepaart mit dem hauseigenen Konfigurator und der geringeren Anfälligkeit des Alu-Rahmens erkauft man sich zudem ein Rad, das verspricht, länger aktuell zu bleiben als die meisten modernen Carbon-Renner. Für den Renneinsatz fällt die Empfehlung dagegen gemischt aus, denn vor allem häufige Tempowechsel und steile Anstiege liegen dem Standert nicht unbedingt. In schnellen, flachen Rennen mit durchgehend hohem Tempo sollte das ausgeglichene Fahrverhalten aber voll überzeugen.

Shorts GONSO SQlab Go BIB | Schuhe Shimano S-Phyre Road | Socken Rose Racing Circle
Fazit zum Standert Kreissäge RS 2026
Standert schickt mit dem Kreissäge RS ein sportliches Bike mit einzigartigem Look. Berliner Firmengeschichte und ein besonderes Rahmenmaterial sollen das Alu-Bike zum ultimativen Racer machen. Dabei scheint die Rechnung aufzugehen, denn zumindest in flachem Gelände können das ausgeglichene Fahrverhalten und die solide Effizienz überzeugen. Leider kommen die leichte Aero-Optimierung und die Wahl des Rahmenmaterials nicht ohne Nachteile: Vor allem im Antritt verhält sich das Kreissäge RS träge und macht insbesondere in bergigem Gelände nicht übermäßig viel Spaß.
Tops
- ausgeglichenes Handling
- hochwertiger Rahmen
- Standert-Konfigurator
Flops
- etwas träge im Antritt
Mehr Informationen findet ihr unter standert.de.

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Text: Calvin Zajac Fotos: Jan Fock
