Mit der Rotor Uno haben die Spanier die erste rein hydraulische Gruppe auf den Markt gebracht, die zudem in Sachen Gewicht alle Konkurrenten in den Schatten stellen soll. Doch bringt eine hydraulische Schaltung wirkliche Vorteile? Wir haben die Rotor Uno getestet, um genau das herauszufinden.

Wie funktioniert die hydraulische Gruppe Rotor Uno?

Die aktuell auf dem Markt vorhandenen Lösungen und ihre Funktionsprinzipien lassen sich leicht zusammenfassen: Mechanische Gruppen funktionieren mit metallenen Schaltzügen, elektrische mit Kabeln (oder Funk), und hydraulische ähnlich einer hydraulischen Bremse mit Öl oder Bremsflüssigkeit. Ein großer Vorteil an der Hydraulik soll die Präzision sein, die man bei hydraulischen Bremsen so zu schätzen gelernt hat. Zudem sind hydraulische Scheibenbremsen bekannt für beständige Bremsperformance und bessere Dosierbarkeit im Vergleich zu mechanischen Scheibenbremsen oder Felgenbremsen.

Das Konzept hinter der Hydraulik ist das gleiche…
…egal ob bei der Schaltung oder bei den Bremsen.

Rotor positioniert sich mit der Uno irgendwo in der Mitte zwischen mechanischen und elektrischen Gruppen, wobei der Preis von 2.500 € darauf hindeutet, dass man die Uno als elektrischen Gruppen ebenbürtig ansieht. Neben der Präzision ist ein weiterer Vorteil der Hydraulik, dass es – ohne metallische Schaltzüge – keine Längung durch Reibung oder Gebrauch gibt, was dauerhaft geschmeidige Schaltvorgänge verspricht. Rotor weist auch darauf hin, dass die Hydraulik diese Schaltperformance ermöglicht, ohne dass man sich Sorgen um die Akkuladung machen muss. Ein Vorteil, welcher der Uno unter Langstreckenfahrern Fans verschaffen könnte

Ein hydraulisches Schaltwerk muss nicht klobig sein….
…Das schlanke Design bei der Rotor UNO trägt zum niedrigen Gesamtgewicht der Gruppe bei

Hydraulik am Rad ist ja an sich kein neues Thema, wir haben uns mittlerweile an hydraulische Bremssysteme gewöhnt. Das System zu entlüften kann zur technischen Herausforderung werden, aber man muss es glücklicherweise deutlich seltener machen als bei Bremsen. Dort wird die Blasenbildung vor allem durch die hohen Temperaturen begünstigt, genau das spielt bei einer Antriebsgruppe aber eine sehr viel geringere Rolle.

Lieferumfang und Gewicht der Rotor Uno

Das Gesamtgewicht der Scheibenbremsversion liegt bei 1.655 g, damit ist die Rotor Uno erstaunlicherweise die leichteste Gruppe mit hydraulischen Scheibenbremsen auf dem Markt. Sie schlägt sogar die Disc-Version der Shimano Dura Ace Di2 um beachtliche 417 g und die SRAM Red HRD um 10 g.

Folgendes ist in den 1.655 g zu einem Preis von 2.500 € enthalten:

Rotor Uno-Bremsschalthebel
Umwerfer und Schaltwerk
11–28er Rotor Uno-Kassette
Magura-Bremssättel
160-mm-Bremsscheiben
Rotor Uno-Kette mit 118 Gliedern
Ungekürzte Schläuche mit umweltfreundlichem Magura Royal Blood-Mineralöl

Die beeindruckende Bremskraft des Magura MT8-Bremssattel…
…verleiht viel Selbstvertrauen.

Die Rotor Uno-Gruppe im Test

Von Anfang an überzeugt die Rotor Uno mit beeindruckender Bremsperformance. Die Dosierbarkeit ist exzellent, was wohl daran liegt, dass sie mit Mountainbike-Bremssätteln von Magura ausgestattet ist, die auf der MT8 basieren. Die Bremshebel sind ergonomisch geformt und liegen gut in der Hand, doch die Haptik der Gummigriffe enttäuscht im Vergleich zur Konkurrenz. Das schreit nicht gerade „Qualität“, besonders wenn man an den Preis denkt.

Leider ist die Schaltperformance der Rotor UNO enttäuschend. Der Schaltvorgang, besonders vorne, erfordert zu viel Kraft.
Die klapprige Bauweise der Schalthebel macht den Kraftaufwand noch höher.

Und wo wir schon bei Griffen sind, kommen wir zu den Schalthebeln: Das Double-Tap-Schaltsystem fühlt sich vertraut nach SRAM an, doch da hört es leider auch schon auf mit der Ähnlichkeit. Die Ansteuerung des Schaltwerks geht in Sachen Definiertheit und Präzision in Ordnung und liegt auf dem Niveau einer mittelpreisigen mechanischen Schaltung, obwohl man im Vergleich deutlich mehr Kraft braucht. Aber die wirkliche Enttäuschung kommt beim Schalten vom kleinen auf das große Kettenblatt, was eher eine kleine Katastrophe ist. Der Hebel muss sehr weit gedrückt werden und man hat dabei das Gefühl, dass der Schaltbefehl nie umgesetzt wird. Der Hebel selbst hat zu viel Flex, was das Schaltgefühl noch unpräziser macht.

Hydraulische Systeme sollten sehr viel leiser arbeiten als mechanische, und die Schaltvorgänge sind bei der Rotor Uno tatsächlich angemessen leise. Doch dieser mögliche Vorteil wurde beim Schalten auf die größeren Alu-Ritzel der Kassette wieder zunichtegemacht, da dort das Laufgeräusch relativ laut ist. Wobei wir definitiv erwähnen müssen, dass die Kassette dank Hohlkonstruktion nur 135 g in der 11–28er-Version wiegt und somit 58 g leichter ist als die entsprechende Shimano Dura-Ace-Kassette.

Auch der Schaltvorgang in den kleinsten Gang überzeugte unser Testteam nicht wirklich. Wenn man versucht, vom größten bzw. leichtesten Ritzel in einen leichteren Gang zu schalten, ignorieren das die meisten Schaltgruppen. Nicht so die Rotor Uno – sie macht aus dem beabsichtigten Double-Tap einen Single-Tap und schaltet in den höheren Gang. Nicht was man sich wünscht, wenn man gerade einen 10-prozentigen Anstieg hochfährt und nach einem leichteren Gang lechzt.

Doch Ehre, wem Ehre gebührt: Der Hebel am Schaltwerk, der bei kurzem Druck die Kette aufs kleinste Ritzel bewegt (in unserem Fall das 11er), ermöglicht profimäßig schnelle Radwechsel.

Ein absolutes Highlight: die ovalen Q-Ring-Kettenblätter von Rotor, die an unserer Testgruppe montiert waren. Der von Rotor empfohlene Kurbelsatz ist zwar nicht im Preis enthalten, aber trotzdem eine feine Sache. Auf gerader Strecke spürt man augenblicklich, wie der obere Totpunkt leichter zu überwinden ist. Es fühlt sich an, als könnte man aus jeder Umdrehung mehr rausholen, und das ist ja immer ein schönes Erlebnis. Der integrierte Leistungsmesser ist ein weiterer Bonus bei Rotor-Kurbel, aber die Rotor Uno ist auch mit runden Kettenblättern kompatibel, sowohl mit als auch ohne Leistungsmesser.

Conclusion

Lohnt es sich, 2.500 € für eine komplett hydraulische Gruppe auszugeben? In puncto Schaltpräzision liegt die Rotor Uno weit hinter elektronischen Gruppen zurück, was in erster Linie an den Schalt-Bremshebeln liegt. Zu mechanischen Schaltungen kann sie eine Alternative sein – vor allem für Fahrer, die regelmäßig auf langen Touren unterwegs sind und darüber nachdenken, sie als 1×11-Schaltung zu fahren. Aber ist sie ein Fortschritt gegenüber bereits existierenden Schaltungen? Leider nein. In einer Zeit, in der mechanische und digitale Komponenten bestimmen, wo es langgeht, ist eine hydraulische Schaltung nicht mal nah dran. Die Rotor Uno ist trotzdem ein exklusives Produkt, vielleicht eines für die Technik-Geeks unter uns.

Für mehr Informationen: rotor.com

Text: Hannah Troop Fotos: Valentin Ruhl Translation: Cathrin Rieger