Was macht den perfekten Gravel-Laufradsatz aus? Und kann der DT Swiss CR 1600 Spline 23 diesen Anspruch erheben? Wir waren mit Open Cycles und DT Swiss im Jura-Gebirge und haben am Red Bull Velodux Cyclocross-Rennen teilgenommen, um uns und das Material wieder einmal ans Limit zu bringen. Warnung: Diese Story enthält Explicit Material!

Stell dir vor, du fährst einen super flowigen Singletrail im Jura-Gebirge, landest im Niemandsland und musst mit deinem Bike 400 Höhenmeter bergsteigen. Oder du verkalkuliert dich im Zeitplan und fährst bei Dämmerung und Mondschein einen verblockten Singletrail. Oder du entschließt dich, ein verrücktes Cyclocross-Rennen mit Rockgarden und endlosen Treppendownhills mitzufahren.

Wer „Graveln“ ernst nimmt, der muss für Überraschungen und unvorhergesehen heftige Streckenabschnitte gerüstet sein. Für das Material bedeutet das vor allem: Es muss stabil, sicher und simpel aufgebaut sein. Im Falle einer Panne sollte man imstande sein, eine Notreparatur durchzuführen – oder, noch besser, es kommt gar nicht dazu! Gravel kann richtig hart sein, vor allem wenn die Körnung des Schotters die Größe eines Findlings erreicht oder der Lehmboden mit Spurrillen und Löchern einer Ruckelpiste gleicht. Steinigere Strecken heißen auch, dass Komfort eine wichtige Rolle spielt. Hochprofilige, steife Carbonfelgen kommen hier an ihre Grenzen. Außenliegende Nippel für einfache Reparaturen sind ebenfalls wichtig.

Profi-Cyclocrosser schwören noch immer auf Tubulars, doch für einen breiteren Einsatzbereich ist Tubeless die erste Wahl! Die Vorteile liegen auf der Hand: mehr Grip, weil ein geringerer Luftdruck möglich ist, keine Snakebites mehr, da kein Schlauch vorhanden ist, der gebissen werden könnte, und natürlich ein deutlich schnellerer und einfacherer Service, als es bei Tubulars möglich ist.

Apropos Cyclocross: Der Rennkurs des Red Bull Velodux ist die Feuertaufe für Cyclocross-Piloten und in typischer Red-Bull-Manier mit waghalsigen Features ausgestattet, die man sonst eher von Mountainbike-Freeride-Events kennt. Quarterpipe, Holzanlieger, ungeschützte Bürgersteige, künstliche Schlammfelder, Treppenabfahrten und ein fieses Steinfeld. Einige der ganz Großen des Straßenradsports und des MTB-Worldcups standen am Startfeld: Fabian Cancellara, Manuel Fumic, die Gebrüder Flückiger, Titelverteidiger Nicola Rohrbach, U23-Weltmeisterin Sina Frei, Vize-Weltmeisterin Kathrin Stirnemann.

Im Renneinsatz kommt es dann auf andere Qualitäten beim Laufradsatz und beim Bike an. Die Stabilität und Sicherheit braucht es weiterhin, schließlich fährt man im Rennen stets am Limit und trifft – wenn der Puls die 200er-Marke erreicht – nicht immer die perfekte Linie. Das Gewicht und damit die Beschleunigungswerte sind nur am Start wirklich relevant, spätestens nach dem ersten tiefen Schlammloch zählt aber die Selbstreinigung mehr (Stellen, an denen der Schlamm nicht hängen bleibt). Denn selbst das leichteste Laufrad verliert im tiefen Schlamm seine Vorteile, wenn die dreckige Schaltung knirscht, die Bremsscheiben schleifen und sich der Reifen mit Matsch zusetzt. Hier zählen die saubere Linienwahl, die Bremspower von Discs (später bremsen, länger schnell) und die Stabilität – die wir an der Quarterpipe austesteten, als der „Frontflip“ nicht ganz klappen wollte.

Unser Fotograf Marc sprach augenzwinkernd von Fehlkommunikation beim Stunt, wir waren dankbar, dass sich der POC-Helm aufgeopfert hat – das Vorderrad lief weiter wie eine 1. Womit wir auch schon beim Resümee wären: Das Wissen, dass ein Laufradsatz für Abenteuer gerüstet ist, ist mehr wert als der theoretische Vorteil eines Gramms oder Aero-Vorteils. Sicher ins Ziel – das war das Ziel einiger Profis beim Red Bull Velodux, das wir nicht erreicht haben: to finish first, you have to finish first.

Ist der DT Swiss CR 1600 Spline 23 der perfekte Gravel-Laufradsatz?

Ohne einen Vergleich mit anderen Modellen können wir das definitiv nicht behaupten. Fakt ist jedoch, dass der DT Swiss CR 1600 Clincher-Laufradsatz mit seiner Schweizer Präzision die wichtigsten Eigenschaften mitbringt: tubeless-ready, 23 mm niedrige Aluminiumfelge, die ausreichend Komfort bietet, 22 mm Felgeninnenbreite, um auch dickere Gravelreifen in Kurven sehr gut abzustützen. Das Gewicht von gut 1.730 g ist keine Weltspitze, für den Preis ab 580 € aber vollkommen in Ordnung. Beim Graveln zählt nicht das teuerste, sondern das zuverlässigste Material – und hier spielt der DT Swiss CR 1600 Spline 23 vorne mit! Dass wir während des Presse-Camps noch einen geheimen Prototyp testen durften, dürfen wir euch eigentlich gar nicht verraten. Aber so viel sei gesagt: Es wird leichter und bleibt spannend!

Mehr Infos: DTSwiss.com

Text: Robin Schmitt Fotos: Marc Gasch, Robin Schmitt