Mit dem Verticale SLR schreibt sich Wilier Leichtbau und schickes Design auf die Fahne. Dabei möchte das Bike klassische Eleganz mit innovativer Technik vereinen und setzt sich ein Ziel: das Bezwingen der härtesten Anstiege. Wir konnten bereits einen ersten Blick auf das Verticale werfen – ein ausführlicher Test folgt!

Wilier Verticale SLR | 6,82 kg in Größe L | 12.200 € | Hersteller-Website

Das Verticale SLR ist das neueste Climbing-Bike von Wilier und möchte mit seinem auffälligen Hulk-Green-Design nicht nur Cavendish im Sprint zum Sieg verhelfen, sondern auch am Berg neue Maßstäbe setzen. Der Name ist Programm: Das Verticale strebt nach Höchstleistungen und ist laut Wilier auch dementsprechend optimiert. Unter dem Motto „Lighter than Light“ soll das Verticale im Vergleich zum 0 SLR etwa 10 % an Gewicht verloren haben, eine verbesserte Ergonomie des Rahmens aufweisen und ist obendrein noch teurer geworden. Ein integriertes Rücklicht soll das Gesamtpaket abrunden.

Mit dem neuen Verticale geht’s aufwärts. Wortwörtlich.

Das Wilier Verticale SLR im Detail

Vorab eine Anmerkung für Liebhaber italienischer Handwerkskunst: Abgesehen von der Schaltgruppe, welche sich theoretisch auch beim Kauf direkt durch eine Campagnolo Super Record ersetzen lässt, setzt das Wilier Verticale auf ausschließlich italienische Komponenten.
Neu ist am Verticale vor allem der Rahmen. Neue Technologien und Materialien sollen für eine verbesserte Steifigkeit bei gleichzeitiger Gewichtsreduzierung von knapp 10 % im Vergleich zum 0 SLR sorgen. Das ACTIVE-MOULDING-System von Wilier verwendet geschäumte Polymer-Negativformen, die den Carbon-Rahmen widerstandsfähiger machen und für eine gleichmäßigere Verteilung und Ausrichtung der Fasern sorgen sollen. Dadurch konnte das Gewicht weiter reduziert werden. Neu ist zudem der Carbon-Mix von Toray, dem Marktführer im Bereich der Kohlenstofffasern aus Japan. Durch die Verwendung dreier unterschiedlicher Fasern und deren bestimmte Anordnung sollen die Zugfestigkeit, Elastizität und Torsionssteifigkeit verbessert worden sein.

Ob Shimano DURA-ACE, Campagnolo Super Record oder die neue SRAM RED. Am Verticale lassen sich alle Top-End-Schaltgruppen konfigurieren.

Dass das Einsatzgebiet des Verticale absolut klar ist, sollte bis hierhin deutlich geworden sein. Doch wer sich nicht wie Marco Pantani mit einer Übersetzung von 39–23 durch die Alpen kämpfen möchte, hat eine neue Umwerferbefestigung am Verticale. Diese ermöglicht nun ab Werk zwei Konfigurationen und somit sind kleine, große sowie Profi-Kettenblätter mit bis zu 55 Zähnen auch kein Problem mehr. Außerdem soll am Verticale jetzt die Sattelstützklemme optimiert worden sein, welche im Vergleich zum 0 SLR nun diagonal von unten fixiert wird.
Pünktlich zum Tourstart stellt Wilier mit dem Verticale zudem nicht nur das neue Bike von Teams wie Astana und Groupama FDJ vor, sondern auch die neue Lackierung der Bikes von Astana Qazaqstan namens Hulk-Green! Aber ob die Farbe allein ausreicht, um Mark Cavendish den Siegrekord zu ermöglichen? Wir sind gespannt!

Die neue Lackierung des Teams Astana sticht ganz schön ins Auge – Hulk wäre neidisch.
Das Rücklicht an der integrierten Sattelstützhalterung kann im Rennbetrieb durch die Startnummer getauscht werden: smart!

The Italian dream? Die Ausstattung des Wilier Verticale SLR

Wilier Verticale SLR

12.200 €

Ausstattung

Gabel Wilier
Sattelstütze Wilier
Bremsen Shimano DURA-ACE Di2 R9270 160/140 mm
Schaltung Shimano DURA-ACE Di2 R9200 2x12
Vorbau Wilier
Lenker Wilier
Laufräder Miche Kleos RD 36
Reifen Vittoria Corsa Pro (Tubeless) 700 x 28C

Technische Daten

Größe XS S M L XL XXL
Gewicht 6,82 kg

Das Verticale wurde von uns vor Ort in Größe L gewogen und hat 6,82 kg auf die Waage gebracht. Damit ist es das bisher leichteste Wilier. Und durch das fast 10 % leichtere Rahmenkit (im Vergleich zum 0 SLR) erreicht es knapp die UCI-Gewichtsregularien von 6,8 kg. Das neue Cockpit soll jetzt mit 310 g etwa 50 g weniger als zuvor wiegen und dank der neuen, vollständig im Lenker integrierten Computerhalterung auch optisch überzeugen. Der momentane Trend zum Flare wird vom neuen Verticale ebenfalls bedient und so weisen die Drops einen Unterschied zum Oberlenker von etwa 30 mm auf.

Das neue integrierte Cockpit soll jetzt rund 50 g leichter geworden sein und wiegt laut Wilier nur noch 310 g!

In unserem Office haben wir die 12.200 € teure Version des Verticale SLR unter die Lupe genommen, die mit einer Shimano DURA-ACE-Schaltgruppe und den 1.410 g schweren Miche Kleos RD 36, Wiliers hauseigene Laufräder, ausgestattet ist. Die teuerste Version des Verticale mit Campagnolo Super Record kostet 13.400 €. Standardmäßig kommt das Verticale mit der Tubeless-Variante der Vittoria Corsa Pro-Reifen mit cremefarbener Seitenwand. Auch beim Sattel setzt Wilier auf einen italienischen Hersteller und montiert mit Prologo einen Sattel, auf den viele erfolgreiche Profi-Teams setzen.

Die Geometrie des Wilier Verticale SLR

Das Verticale SLR kommt mit einer neuen Geometrie im Vergleich zum bisherigen 0 SLR. Obwohl der Stack fast unverändert geblieben ist, soll das neue Wilier in Sachen Reach insbesondere zu Gunsten der Kletterfähigkeit und Sportlichkeit optimiert worden sein. So wurde der Reach für kleinere und größere Rahmenhöhen entsprechend angepasst. Viel Wert legt Wilier zudem auf ihren eigenen Messstandard, den sogenannten ACCU-FIT. Dieser beschreibt den Abstand zwischen Tretlager und Handauflage am Lenker.
Unter anderem aufgrund der erhöhten Komplexität moderner Rahmengeometrien, die wiederum von dem Monocoque-Lenker hervorgerufen wird, ist es schwieriger geworden, Rennradgeometrien entsprechend der Rennfahrer zu optimieren. Wilier verspricht durch ACCU-FIT eine Anpassbarkeit des Bike-Fittings auf alle Bedürfnisse der Rennfahrer.

Größe XS S M L XL XXL
Oberrohr 509 mm 527 mm 543 mm 559 mm 576 mm 589 mm
Sattelrohr 450 mm 480 mm 500 mm 520 mm 540 mm 560 mm
Steuerrohr 105 mm 121 mm 138 mm 155 mm 172 mm 189 mm
Lenkwinkel 70,6° 71,5° 72° 72,5° 73° 73,5°
Sitzwinkel 75,2° 74,5° 74° 73,5° 73° 73°
Kettenstrebe 405 mm 407 mm 407 mm 410 mm 412 mm 412 mm
Radstand 974 mm 981 mm 990 mm 999 mm 1009 mm 1.017 mm
Reach 373,5 mm 380 mm 386,5 mm 393 mm 400 mm 408 mm
Stack 505 mm 523 mm 541 mm 559 mm 577 mm 595 mm

Erster Eindruck des Wilier Verticale SLR

Auch wenn der Freilaufsound der Miche-Laufräder keineswegs dazu führt, dass das Bike durch seinen Nabensound auffällt, so tut es doch die neue Lackierung! Wilier nennt es Hulk-Green. Doch macht euch dieses Bike zu Hulk? Das wird erst der bald folgende Test zeigen. Ansonsten fällt das Bike durch eine beeindruckende Leichtigkeit und saubere Verarbeitung auf. Die Details des Wilier-Brandings ziehen sich über das gesamte Rahmen-Design bis ins Cockpit und geben so ein stimmiges Gesamtpaket ab. Auch wenn es dem 0 SLR durch die leicht abgesetzten Sitzstreben und dem reduzierten Design mit minimalen Aero-Features recht ähnlich sieht, so ist es doch nicht ganz so auffällig gewichtsoptimiert wie zum Beispiel das 6 kg leichte Specialized Aethos.

Ein deutlich zu erkennender Flare des Lenkers soll dem Verticale SLR auch im Sprint den Sieg bringen und bergab für mehr Kontrolle sorgen.

Auch das optimierte Cockpit des neuen Wilier wurde hinsichtlich der Geometrie verändert. Der bereits angesprochene Flare ist momentan im Trend und bewegt sich im Rahmen der UCI-Regeln. Durch die abstehenden Drops sollen die Fahrer einen noch besseren Sprint abliefern können. Ebenso neu ist die Verbindung des Radcomputers, welcher von vorne ins Cockpit eingeschoben und durch zwei Schrauben unterhalb des Vorbaus fixiert werden kann. Diese nahtlose Integration soll für eine weitere, entscheidende Gewichtsreduzierung gesorgt haben. Das gesamte Cockpit wurde schick in Rahmenfarbe lackiert und mit dem Verticale-Branding auf dem Vorbau erweitert.

An der Sattelstütze befindet sich zudem eine Halterung für ein integriertes Rücklicht, welches per 90° Bajonett-Verschluss an der Halterung befestigt wird und sich dabei komplett hinter der Sattelstütze versteckt. Davon soll die Aerodynamik natürlich nicht beeinträchtigt werden.

Das FAZIT zum neuen Wilier Verticale SLR

Das Verticale der Italiener kombiniert hochwertige Handwerkskunst mit innovativen Features und richtet sich dabei nicht nur an Kletterspezialisten. Die Anpassungsmöglichkeiten in den verschiedenen Größen sollen dafür sorgen, dass das Bike optimal auf den Fahrer abgestimmt werden kann. Insbesondere der verlängerte Reach spricht sportliche Fahrer an und zwingt in eine aggressivere Fahrposition. Das geringe Gewicht beeindruckt und entspricht den hohen Erwartungen, die man bei einem Preis von über 12.000 € haben darf.

Tops

  • integrierte Halterung an der Sattelstütze für Rücklicht oder Startnummer
  • leichtes und optisch passendes Cockpit
  • für Liebhaber & Localism: Aufbau mit rein italienischen Komponenten möglich

Flops

  • verhältnismäßig schwere Laufräder

Mehr Infos findet ihr auf wilier.com.


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Text: Jan Fock Fotos: Antonia Feder