
Fahrradcomputer sind längst mehr als ein nettes Extra – sie sind das digitale Cockpit, quasi die Schaltzentrale des modernen Radsportlers. Mit Sensoren für Herzfrequenz, Leistung und Trittfrequenz lassen sich die Fahrten bis ins Detail tracken und im Nachgang analysieren. Der neue Wahoo ELEMNT ACE geht diesen Weg konsequent weiter, und zwar sichtbar: Größer, schwerer und für Wahoo erstmals mit Touchscreen, bietet er alles, was das Radler-Herz begehrt. Und trotzdem bleibt Wahoo der bewährten Steuerung über drei Tasten treu und setzt auf klare Navigation – sogar mit Ansage!
Mit dem ACE wagt Wahoo den Schritt zu einem echten Smartphone-Ersatz auf dem Lenker – ein Konzept, das auch Garmin mit dem Edge 1050 und Hammerhead mit der dritten Generation des Karoo verfolgen. Doch beim ACE gibt es weder Solarpanel noch Android-System, dafür ein anderes Alleinstellungsmerkmal: Der integrierte Windsensor misst den Luftwiderstand in Echtzeit. Dazu kommen eine überarbeitete Benutzeroberfläche und die neue Integration der Wahoo-App, die alte ELEMNT-App wird also abgelöst.
Und weil nichts frustrierender ist, als mitten im Wald mit einer eingefrorenen Navigation zu stranden, verfolgt Wahoo mit der Entwicklung des ACE das Ziel, mit Akku-Laufzeit, Übersichtlichkeit und Performance zu punkten. So soll die Verbindung aus Funktionalität und Zuverlässigkeit ein System schaffen, auf das sich Radsportler in jeder Situation verlassen können.
Fakten und Daten zum Wahoo ELEMNT ACE
- Abmessungen 125 x 70 x 20 mm
- Gewicht 208 g
- Displaygröße 3,8”
- Akku-Laufzeit bis zu 30 Stunden
- Wasser- und staubdicht nach Schutzklasse IPX7
- Konnektivität BLE, ANT+, WiFi, USB-C
- Zusätzliche Funktionen Wahoo Wind-Dynamics, Bell
- Interner Speicher 64 GB
Was kann der neue Wahoo ELEMNT ACE?
Der neue Wahoo ELEMNT ACE bringt zahlreiche Neuerungen mit, die ihn deutlich von seinen Vorgängern abheben. Das 3,8-Zoll-TFT-Display sticht dabei besonders hervor: Mit einer deutlich höheren Auflösung, touch-funktion, mehr und kontrastreicheren Farben sowie automatischer Hintergrundbeleuchtung ist es sehr gut ablesbar und passt sich dank Hell- und Dunkelmodus an die Umgebung an. Vor allem das farbenfrohe Display benötigt dabei mehr Energie als das 64-LCD-Display des Vorgängers. Die gestiegene Größe macht den ACE zudem unübersehbar: Die Abmessungen erinnern an ein iPhone 16 – allerdings mit dreifacher Dicke. Auch das Gewicht hat sich im Vergleich zum kleinen Bruder ROAM V2 mehr als verdoppelt. Während einige Fans die fehlende LED-Leiste der Vorgänger vermissen könnten, profitieren Nutzer von schmaleren Displayrändern und der dadurch größeren Kartendarstellung. So lassen sich trotz großer Kartenansicht auch noch zwei Datenfelder oberhalb anzeigen. Erstmals integriert das Team von Wahoo einen Touchscreen in seinen Fahrradcomputer, kombiniert mit der klassischen Drei-Tasten-Steuerung, die sich auch bei Regen oder mit Handschuhen bewährt hat.
In Sachen Navigation hat Wahoo ebenfalls nachgelegt: Das neue Kartenlayout zeigt detaillierte Straßennamen, Points of Interest (POIs) und Strava-Segmente direkt auf der Karte. Sprachansagen erleichtern zudem die Navigation, sodass der Blick auf der Straße bleiben kann – allerdings war diese Funktion zum Testzeitpunkt noch nicht auf Deutsch verfügbar. Der großzügige interne Speicher von 64 GB bietet ausreichend Platz für umfangreiche Kartendaten mit hoher Detailtiefe sowie für die Informationen des neuen Windsensors.
Die große Neuerung, der integrierte Windsensor des Wahoo ELEMNT ACE, misst die Windgeschwindigkeit in Echtzeit und kombiniert sie mit Leistungsdaten, um „Wahoo Wind Dynamics“ zu berechnen. Dabei wird der relative Fahrtwind erfasst und mit der Geschwindigkeit des Fahrers sowie weiteren Sensordaten abgeglichen, um den Einfluss von Rücken- und Gegenwind zu bestimmen. In der Wahoo-App können so nach der Fahrt Rückschlüsse auf Rücken- und Gegenwind sowie die eigene Positionierung in der Gruppe gezogen werden. Dabei liefert der Sensor einige spannende Insights, ersetzt aber keinen Windtunnel und ermöglicht bisher auch keine CDA-Analysen, die für aerodynamische Optimierungen entscheidend sind. Außerdem lassen sich auf dem Gerät die neuen Kennwerte „Wind Boost“ und „Wind Drag“ anzeigen, sozusagen die Quantifizierung des individuellen Windgefühls.
Braucht man den Wahoo ELEMNT ACE?
Ja, der ELEMNT ACE ist ein spannender Kandidat für alle Technik-Enthusiasten, Wahooligans und alle, die einen Radcomputer suchen, der mehr bietet als nur die Basics. Die Bedienung ist so intuitiv, wie man es von Wahoo gewohnt ist: Klare Menüführung, übersichtliche Datenfelder und die Kombination aus Touchscreen und Tastensteuerung machen ihn im Trainings-Alltag zur nützlichen Erweiterung am Lenker. Das 3,8-Zoll-Display ist hell, groß und auch bei Sonnenlicht noch sauber ablesbar. Karten und Navigationsdaten wirken dadurch besonders übersichtlich.
Das offensichtlichste Highlight ist der integrierte Windsensor. Er zeigt an, wann man im Windschatten fährt, und hilft Roadie-Anfängern, seinen Einfluss in der Gruppe zu verstehen. Für ambitionierte Fahrer liefert er Einblicke in die Dynamik von Gegenwind und Windschatten und im Nachgang eine weitere Analyseebene, um die Auswirkungen der gefahrenen Leistung zu verstehen. Tiefergehende Aero-Analysen, wie die Optimierung der eigenen Sitzposition oder ein CDA-Wert, bleiben jedoch noch außen vor und könnten durch ein zukünftiges Update nachgereicht werden. Der Windsensor bringt ein innovatives Feature mit viel Potenzial ins Line-Up, das durch Software-Updates wirklich nützliche Daten liefern könnte. Ähnlich wie beim CORE-Sensor entfaltet es seinen vollen Wert jedoch nur, wenn der Nutzer die Daten korrekt versteht und anzuwenden weiß. Bis dahin bleibt der Windsensor ein nettes Extra, das vor allem technikaffine Fahrer anspricht.
Aufgrund seiner Größe und seines Gewichts ist der ACE für kleine Vorbauhalterungen oder enge Triathlon-Aufleger zu klobig – nachvollziehbar, dass Wahoo daher auf die optionale Befestigungsschraube verzichtet hat, mit der selbst ein ultraleichtes Scott Addict RC problemlos aufs 6,8-Kilo-UCI-Limit kommen würde. Wer Wert auf Größe, Bedienkomfort und moderne Features legt, wird den ACE schätzen. Kompakt wie ein klassischer Radcomputer ist er nicht, und auch an die Flexibilität eines Smartphones kommt er nicht heran. Dafür schafft der Hersteller mit dem ACE einen spannenden Mittelweg und stellt mit seinem bisher leistungsfähigsten Radcomputer geballtes Know-How unter Beweis – für Fans innovativer Technik definitiv ein heißer Tipp.
Würden wir den neuen Wahoo ELEMNT ACE kaufen?
Jein. Zwar bekommt man für knapp 600 € ein großes Touchscreen-Display, verbesserte Navigation, Bedienung und einen innovativen Windsensor, der für aero-affine Rennfahrer spannend sein könnte. Allerdings ist der ACE aufgrund seiner Größe und seines Gewichts im Vergleich zu seinen kleinen Brüdern weniger flexibel einsetzbar und für kleine Halterungen oder enge Triathlon-Aufleger zu klobig. Im Vergleich zum Edge 1050 von Garmin oder dem neuen Coros DURA verzichtet Wahoo beim ELEMNT ACE zugunsten des Windsensors auf ein Solarpanel, liefert aber mit bis zu 30 Stunden trotzdem eine überzeugende Akku-Laufzeit und ist dabei noch 150 € günstiger als der Garmin 1050. Für ambitionierte Sportler, die tiefere Aero-Datenauswertungen oder ein leichtes, optisch stimmiges Setup suchen, ist der klobige Wahoo ELEMNT ACE ebenfalls nichts. Und auch auf der Suche nach dem schnellsten Setup ist der Radcomputer (noch) keine Hilfe, denn trotz integriertem Windsensor mangelt es an der passenden Datenauswertung. Für datengetriebene Radsportler und Technik-Fans ist der neue ELEMNT ACE ein spannendes Gadget mit modernen Funktionen und einem von Wahoo gewohnt intuitivem Interface.
Tops
- erstmalige und innovative Integration eines Windsensors
- übersichtliche Darstellung der Karte
- intuitive Menüführung
Flops
- beschränkter Einsatzzweck aufgrund von Größe und Gewicht
- Software zum Launch noch mit Kinderkrankheiten
Mehr Informationen unter wahoo-fitness.com.

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Text & Fotos: Jan Fock
