E-Rennräder galten lange als Widerspruch in sich: zu schwer, zu klobig und zu träge jenseits der 25 km/h. Mit dem HPR40 will TQ das ändern – ein ultraleichter, kaum sichtbarer Motor speziell für Dropbar-Bikes. Wir haben den neuen Antrieb ausführlich getestet – und klären, ob der HPR40 wirklich hält, was er verspricht.

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TQ HPR40 | 40 Nm | 1,17 kg (Herstellerangabe) | 290 Wh | Hersteller-Website

Unauffälligkeit war das erklärte Ziel – und mit dem HPR40 bringt TQ jetzt einen Motor, der dieses Versprechen ernst nimmt und speziell auf die Anforderungen von Road- und Gravelbikes abgestimmt ist. Damit splittet der bayerische E-Motorenhersteller sein Motor-Line-up erstmals auf: Der bisherige Allrounder HPR50 war in Rennrädern sowie Mountainbikes verbaut. Ab jetzt geht’s bei TQ gezielter zur Sache – der neue HPR40 für Dropbar-Bikes und der ebenfalls neue HPR60 für den Urban- und MTB-Einsatz. Wir konnten beide Motoren schon vor Release ausführlich testen. Den Bericht zum TQ HPR 60 findet ihr bei unseren Kollegen vom E-MOUNTAINBIKE Magazin und was der HPR40 drauf hat, verraten wir euch in diesem Testbericht.

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Der neue TQ HPR40-E-Bike-Motor im Detail

Mit gerade einmal 40 Nm bringt TQ einen der derzeit leichtesten und leistungsschwächsten Mittelmotoren auf den Markt – bewusst reduziert, konsequent auf den Einsatz in Road- und Gravelbikes zugeschnitten. Der HPR40 wiegt nur 1,17 kg, der dazugehörige 290-Wh-Akku samt minimalistischer Peripherie bringt das komplette Systemgewicht auf schlanke 2,7 kg.

Damit wird möglich, was bislang als kaum erreichbar galt: vollintegrierte E-Roadbikes mit Mittelmotor unterhalb der magischen 10-Kilo-Marke. Und auch wenn der Motor auf dem Papier „nur“ maximal 200 Watt liefert, katapultiert er damit durchschnittlich trainierte Fahrer in Watt-pro-Kilo-Bereiche, die sonst der Weltelite vorbehalten sind. Der Motor an sich ist dabei kaum größer als eine Faust und bietet laut TQ die höchste Drehmomentdichte auf dem Markt. Die kompakte, runde Bauform ermöglicht eine cleane Rahmen-Integration in den Tretlagerbereich. Der Motor an sich wird dabei – ähnlich wie der Lenker an den Vorbau – mit zwei Brücken an den Rahmen fixiert. Das erleichtert den Ausbau und somit alle Wartungsarbeiten rund um den Antrieb.

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Kaum zu erkennen – der kompakte Motor verschwindet im Tretlagerbereich.

Intern setzt der Motor auf TQs patentierte Harmonic Pin Ring-Getriebe-Technologie, die eine deutlich kompaktere Bauform ermöglicht und laut TQ gleichzeitig für eine sehr direkte und verlustfreie Kraftübertragung sorgt. Die Getriebeübersetzung ist so gewählt, dass sie für einen geräuscharmen Betrieb sorgen soll und optimal zu Rennrad-typischen Trittfrequenz-Bereichen zwischen 75 und 95 Umdrehungen pro Minute passt.

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Der verbaute Leistungs- und Trittfrequenzmesser im Tretlager passt die Motorunterstützung an den Rider-Input an und übermittelt die Daten auf Wunsch auch an den Radcomputer. Anders als bei vielen anderen E-Bike-Mittelmotoren ist die Kurbel beim TQ HPR40 fix mit dem Kettenblatt verbunden, das merkt man zum einen beim Rückwärtsdrehen der Kurbel im Stand, da sich hier die Kette mitdreht, und zum anderen auch während der Fahrt, da die Kraftübertragung vom Pedal ans Hinterrad laut TQ nochmal direkter sein soll.

Akku und Range Extender des neuen TQ HPR40-E-Bike-Motors

Angetrieben wird der Motor von einem intern verbauten, 290 Wh starken Akku, der klein genug ist, um in einem Rennradrahmen zu verschwinden. Wer Großes vorhat, kann die Reichweite des Antriebs mit Hilfe eines Range Extenders um weitere 160 Wh vergrößern. Dieser hat den Formfaktor einer 500-ml-Flasche, wiegt laut Hersteller 900 g und wird in einem der Flaschenhalter montiert. Wie weit bzw. hoch wir mit einer Akku-Ladung gekommen sind, erfahrt ihr im Fahreindruck.

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Der kompakte Akku kann unauffällig im Unterrohr verbaut werden.

Display und Remote des neuen TQ HPR40-E-Bike-Motors

Passend zum minimalistischen Gesamtkonzept des Antriebs zeigt sich auch die Bedieneinheit des TQ HPR40: Integriert in das Lenkerende wirkt die Steuerung fast unsichtbar und fügt sich nahtlos ins Cockpit ein – puristisch, clean und funktional. Eine kleine, farbige LED-Anzeige gibt Auskunft über den aktuellen Akkustand und zeigt den gewählten Unterstützungsmodus an. Das spart nicht nur Platz, sondern vermeidet auch den typischen E-Bike-Look – ein klarer Pluspunkt für die Optik.

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Besonders spannend ist die Möglichkeit, die Unterstützungsmodi über die Zusatzknöpfe elektronischer Schaltgruppen zu steuern. Damit lassen sich Moduswechsel oder Lichtsteuerung ganz einfach vom Schaltgriff aus erledigen – ohne zusätzlich montierte Remote. TQ setzt hier auf maximale Offenheit: Das System bietet zudem gleich mehrere Anschlüsse für externe Verbraucher, sodass zum Beispiel auch Front- und Rücklichter direkt vom Hauptakku gespeist werden können. Am Testbike – einem Canyon Endurace:ONfly – war das Beleuchtungssystem vollständig integriert und wurde ebenso wie die elektronische Schaltung über den TQ-Akku mit Strom versorgt.

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Die Schaltzentrale ist clean im Lenkerende verstaut …
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… und bietet zwei freie Anschlüsse für externe Verbraucher.

Neben Licht und Schaltung können Hersteller auch Lademöglichkeiten für Headunits, Radar-Rücklichter oder Smartphones an das System anschließen. Die interne „Schaltzentrale“ im Lenker bietet hierfür zwei zusätzliche Ausgänge – ein cleverer Schachzug, der das HPR40-System noch vielseitiger macht und die Integration externer Komponenten erleichtert. TQ hat hier ganz offensichtlich mitgedacht und liefert nicht nur einen leichten Motor, sondern ein durchdachtes System für moderne, vernetzte Dropbar-Bikes.

TQ-E-Bike-App

Apropos vernetzt: Wer mehr aus dem System herausholen will, koppelt den Antrieb ganz einfach via Bluetooth mit der TQ-E-Bike-App auf dem Smartphone. Die App ist ebenso schnörkellos wie der Antrieb selbst – keine Spielereien, kein überladenes Interface, sondern eine klar strukturierte, aufgeräumte Benutzeroberfläche mit Fokus auf das Wesentliche.

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Neben klassischen Funktionen wie dem Batteriestatus und grundlegenden Fahrinformationen lassen sich in der App auch verschiedene Fahrerprofile anlegen. Besonders praktisch: Über das integrierte Tuning-Tool können die drei Unterstützungsmodi individuell angepasst werden – von der maximalen Leistung über den Unterstützungsgrad bis hin zur Pedal-Response. So lässt sich der Motor präzise auf den eigenen Fahrstil und Einsatzzweck abstimmen – egal ob für den langen Gravel-Trip, den schnellen Road-Ride oder die entspannte Feierabendrunde.

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Der neue TQ HPR40-Motor im Test

Die Aussage, man müsse zwei Mal hinsehen, um zu erkennen, dass es sich um ein E-Dropbar-Bike handelt, ist im Jahr 2025 alles andere als neu. Versteckt integrierte Antriebssysteme gehören längst zum guten Ton im E-Road-Segment. Doch TQ hebt die Latte in Sachen Integration nochmals an – und zwar nicht nur optisch, sondern auch akustisch und funktional.

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Der Motor verschwindet beinahe vollständig im Unterrohr des Bikes, das lackierbare Cover passt sich dabei perfekt an das Rahmendesign an. Ein Display auf dem Oberrohr? Fehlanzeige. Stattdessen sitzt die dezente LED-Anzeige im Lenkerende – so unauffällig, dass sie selbst beim zweiten Blick kaum ins Auge fällt. Auch sonst bleibt alles clean: keine zusätzlichen Buttons, keine auffälligen Bedienelemente. Die Steuerung der Unterstützungsmodi und des Lichts erfolgt direkt über die Zusatzknöpfe elektronischer Schaltungen – egal ob von SRAM oder Shimano. Alternativ lässt sich das System auch per App oder über den kleinen Button im Lenkerende bedienen.

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Doch der HPR40 überzeugt nicht nur durch seine optische Zurückhaltung. Auch akustisch bleibt er extrem dezent – selbst bei voller Unterstützung ist der Motor so leise, dass Abrollgeräusche und Umgebungsgeräusche deutlich dominanter wirken. Und dann wäre da noch das Gewicht – bislang die Achillesferse vieler E-Rennräder. Doch TQ kommt dem Traum vom „normalen” Rennrad mit E-Unterstützung verdammt nah. Das neue Canyon Endurace:ONfly bleibt in der leichtesten Ausstattung mit dem HPR40-Motor unterhalb der 10-Kilo-Grenze.

Auf der Straße fährt sich das Rad entsprechend natürlich. Die Kraftübertragung vom Pedal ans Hinterrad ist direkt, die Gewichtsverteilung ausgewogen. Auf welligen Strecken waren Durchschnittsgeschwindigkeiten um die 30 km/h – wie wir sie auch mit analogen Bikes fahren würden – kein Problem, was zeigt: Der HPR40 bremst nicht aus, sondern integriert sich so dezent, dass man das Bike auch ohne Unterstützung gerne fährt.

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Gerade das war lange der große Nachteil von E-Rennrädern: Wer Leistungsunterschiede ausgleichen will, konnte mit E-Rennrädern bisher zwar am Steilstück selbst die Fittesten herausfordern. Auf welligen Strecken und im Flachland war der Gewichts- und Effizienz-Nachteil jedoch so groß, dass man deutlich mehr leisten musste als die Mitfahrer auf analogen Bikes.

Am Berg bleibt der HPR40 seiner Linie treu: Unauffälligkeit ist auch hier das Gebot der Stunde. Die Unterstützung setzt extrem geschmeidig ein und faded ebenso sanft wieder aus – kein abruptes Zuschalten, kein bockiges Abschalten. Selbst im höchsten Modus bleibt das System dezent: Es hilft, aber es nimmt nicht die ganze Arbeit ab. Mit maximal 200 Watt Unterstützung lassen sich mit etwas Eigenleistung aber auch zweistellige Steigungsprozente souverän bewältigen – und wer will, kann es hier richtig krachen lassen und mit 7 Watt pro Kilogramm förmlich den Pass hinauffliegen.

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Kurzum: Der HPR40 richtet sich klar an ambitionierte Fahrerinnen und Fahrer, die ihre eigene Leistung bringen wollen, aber am Berg eine Prise Rückenwind zu schätzen wissen. In unserem Test hat sich der Motor als einer der unauffälligsten, natürlichsten und am besten integrierten E-Antriebe für Dropbar-Bikes präsentiert. Geräuschkulisse, Handling, Unterstützungsverhalten und Integration setzen neue Maßstäbe – der HPR40 kommt dem Traum vom kompromisslos agilen Rennrad mit unsichtbarem E-Turbo für den Berg so nah wie kaum ein anderer Antrieb.

Reichhöhen-Test: Wie viel Berg schafft der HPR40?

Eine pauschale Reichweitenangabe für E-Rennräder ist wenig sinnvoll – schließlich fährt man im Flachen ohnehin meist schneller als die 25-km/h-Grenze und somit ohne Unterstützung. Entscheidend ist also nicht die Distanz, sondern die Frage: Wie viele Höhenmeter unterstützt mich das System, bevor der Akku leer ist?

Genau das haben wir getestet. Unser Testrider (72 kg) ist mit dem 10,9 kg schweren Canyon Endurace:ONfly gefahren – und zwar im höchsten Unterstützungsmodus bei konstanten 200 Watt Eigenleistung. Der Motor lieferte ebenfalls konstant 200 Watt, was einem 1:1-Support im roten Modus entspricht. Ergebnis: Nach 1.217 Höhenmetern war der 290-Wh-Akku leer. Das entspricht einem Energieverbrauch von 23,83 Wh pro 100 Höhenmeter – ein solider Wert, der zeigt, dass der Motor effizient arbeitet. Wichtig: Der HPR40 blieb bis zum letzten Prozent bei seiner maximalen Leistung und ging nicht, wie andere Systeme, in eine automatische Drosselung über. Das bringt Planungssicherheit und die volle Kontrolle über das System. Nachdem der Antrieb seinen Dienst quittiert, bleibt zudem noch genug Energie im Akku, um die Schaltung und das Licht zu versorgen.

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Natürlich lässt sich die Reichhöhe noch deutlich steigern, wenn man nicht dauerhaft im höchsten Modus unterwegs ist. Mit einem Mix aus Eco- und Medium-Mode sowie etwas Grundfitness scheinen Touren mit bis zu 2.000 Höhenmetern absolut realistisch. Und mit Range Extender sind sogar noch längere Abenteuer denkbar.

Für wen ist der TQ HPR40 der richtige Motor?

Der TQ HPR40 richtet sich an sportlich orientierte Roadies und Gravel-Enthusiasten, die sich ein E-Bike wünschen, dem man die Extra-Power nicht ansieht. Wer auf maximal unauffällige Integration, geringes Gewicht und ein natürliches Fahrgefühl Wert legt, wird hier fündig. Dank der hohen Effizienz und des ausbalancierten Systemgewichts eignet sich der HPR40 nicht nur für knackige Anstiege, sondern auch für sportliche Touren im Flachen – mit Durchschnittsgeschwindigkeiten oberhalb der 25-km/h-Grenze. Wer selbst sportlich unterwegs sein will, aber trotzdem einen kleinen Joker im Anstieg dabei haben möchte, ist beim TQ HPR40 richtig.

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Fazit zum TQ HPR40-Motor

Mit dem HPR40 macht TQ einen großen Schritt in die richtige Richtung – und bringt einen E-Antrieb auf den Markt, der Maßstäbe setzt. In seiner Kombination aus natürlichem Fahrverhalten, Effizienz über der 25-km/h-Grenze und kompromisslos cleaner Integration ist der kompakte Mittelmotor aktuell kaum zu schlagen. Statt maximaler Power setzt TQ auf maximale Unauffälligkeit – und trifft damit genau den Nerv all jener, die das E-Bike nicht sehen, nicht hören, aber im entscheidenden Moment spüren wollen.

Tops

  • cleane Integration
  • sehr leise
  • natürliches Fahrgefühl
  • hohe Effizienz beim Fahren ohne Motorunterstützung

Flops

  • keine

Mehr Information findet ihr unter tq-ebike.com.


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Text: Jan Richter Fotos: Jan Richter