
240,00 € (inkl. Universalsteckachse) | Hersteller-Website
Der britische Hersteller Tailfin startete 2016 mit einer Kickstarter-Kampagne und mauserte sich seitdem zur Referenz für Heckträger, die in Sekunden am Rad sitzen – und genauso schnell wieder verschwinden. Der Haken bisher: Das System funktioniert wie ein festes Set-Menü. Wer einsteigen will, kauft ein komplettes Carbon-System zu entsprechendem Preis und ist auf Tailfin-eigene Taschen festgelegt. Gerade in der Ultra-Cycling-Szene ist das beliebt – für Nutzer:innen mit geringerem Budget oder einer Vorliebe für andere Pannier-Taschen ist es jedoch oft eine zu hohe Hürde. Das neue Journey Rack soll jetzt Abhilfe leisten.
Das Journey Rack ist Tailfins à-la-carte-Angebot. Nach acht Jahren löst es den Alloy-Klassiker ab, der auf Taschen aus dem eigenen Haus ausgelegt war. Der Nachfolger besteht aus eloxiertem Aluminium, kostet deutlich weniger als die Carbon-Systeme und soll erstmals aufnehmen, was der Rider bereits besitzt: eigene Panniers, Cages oder einen simplen Dry Bag. Damit wird das Tailfin-System erstmals für alle interessant, die nicht komplett neu investieren wollen. Ein Versprechen, das wir beim Wort nehmen.
Im Detail: Ein Rack für jede Tasche? Das verspricht Tailfin
Wer schon einmal versucht hat, einen Gepäckträger an ein Carbonrad zu schrauben, kennt das Problem: keine Ösen, keine Chance. Tailfin klemmt stattdessen den Rack an Sattelstütze und Hinterradachse, sodass er steif sitzt wie verschraubt und in Sekunden wieder abmontiert ist – genau dafür liebt die Ultra-Cycling-Szene die Systeme. Das Journey Rack behält dieses Herzstück und bricht trotzdem mit der Tradition: Erstmals ist es nicht mehr auf Tailfin-eigene Taschen festgelegt. Laut Hersteller nimmt es jede Tasche auf, ob eigene Cages, Panniers anderer Hersteller oder einen simpler Dry Bag auf dem Deck.
Dieselbe Flexibilität verspricht Tailfin beim Rad selbst: Ein Adapter-Sortiment soll unterschiedliche Achsstandards und Rahmen abdecken, zwei beiliegende Frontverbinder bringen das Deck in die richtige Position für Rahmengeometrie und Sattelhöhe. Ob das eigene Bike dabei ist, verrät der Kompatibilitäts-Checker auf der Tailfin-Website.

Die von uns getestete Pannier-Version bringt Halterungen für Seitentaschen mit, die laut Hersteller auch Panniers anderer Hersteller aufnehmen. Die Halterungen sitzen bewusst tief: So soll die Last seitlich am Rad statt darüber liegen und das Handling unter Last ruhig halten. Die Non-Pannier-Version verzichtet auf die Seitentaschen-Halterungen und bietet dafür mehr Montagepunkte an den Streben, tiefer positioniert – für Flaschenhalter und direkt verschraubte Taschen. Für Stabilität soll in beiden Fällen eine Aufhängung über drei Drehpunkte sorgen, die den Träger beweglich an den Hinterbau koppelt, damit Schläge aus dem Untergrund nicht ungefiltert in die Last durchschlagen. Dazu lässt sich das Rack flach zusammenfalten, optionale Mounts für Licht und Radar gibt es ebenfalls. Ob die flexible Neuentwicklung im Gelände hält, was Tailfin verspricht, klärt unser Test.
Im Test: Was kann das Tailfin Journey Rack?
Der erste Abend mit dem Journey Rack findet nicht auf dem Rad statt, sondern in der Werkstatt. Die große Kompatibilität hat ihren Preis: viele Einzelteile, viele Adapter, viele Schrauben. Ohne die Videoanleitungen des Herstellers geht wenig – und selbst mit ihnen bleiben manche Schraublöcher schwer zu treffen. Plug and Play ist das nicht, eher Möbelaufbau mit Anleitung auf dem zweiten Bildschirm.
Oben koppelt eine Strebe das Rack an die Sattelstütze: Zwei Varianten liegen bei, je nach Rahmengeometrie und Sattelhöhe wählen wir die passende. Die Klemme sitzt mit Sicherheitsverschluss an der Stütze. Unten greifen Schnellspann-Füße um die Achse: Sie schnappen beim Schließen automatisch zu, ein Silberstift löst sie wieder.


Die Belohnung für den Werkstatt-Abend: Er fällt nur einmal an. Danach sitzt das Rack in Sekunden am Rad und ist genauso schnell wieder ab, ohne Werkzeug, ohne Nachjustieren. Nichts wackelt, nichts wandert, nichts klappert. Das Rad ist morgens Reiserad und nachmittags wieder cleanes Gravel-Bike.
Beladen zeigt das System, wofür es gebaut ist. Die hauseigenen Rack-Top-Taschen CargoPack und SpeedPack koppeln über ausziehbare Metallstifte am Deck: Die Tasche wird vorne eingehängt, dann rasten die Stifte in die Ösen am Heck ein. Das CargoPack fasst nominell 18 L – wie viel davon real nutzbar ist, hängt allerdings von Rahmengeometrie und Sattelhöhe ab, und auch davon, wie die Tasche gepackt wird. Wer keine Tailfin-Tasche fährt, schnallt stattdessen einen simplen Dry Bag aufs Deck: Der enge Schienenabstand hält auch schlampig gepackte Säcke oben, statt sie durchsacken zu lassen.



Die beiden Mini-Panniers hängen sich ein, verriegeln hörbar und bleiben dadurch auch bei harten Schlägen an Ort und Stelle. Das CargoPack verlässt sich dagegen allein auf seine Stifte – und die verzeihen keine Nachlässigkeit bei der Montage: Im Lieferumfang stecken zum Verwechseln ähnliche Ösen, aber nur die längeren geben den Stiften vollen Halt. Hier ist beim Einrichten also Sorgfalt gefragt. Eine Verriegelung wie bei den Panniers würde diese Fehlerquelle von vornherein beseitigen.

Auch abseits des Fahrens sammelt das Rack Punkte: Es lässt sich flach zusammenlegen und verschwindet platzsparend im Bike-Bag, im Bus oder im Zug, statt sperrig im Weg zu stehen. Wer mag, rüstet mit Anbauteilen nach: ein Licht-Mount, ein Schutzblech und ein Mount für Garmin Varia beziehungsweise Wahoo-Radar. Das Schutzblech hat allerdings zwei Haken: Es reduziert die Reifenfreiheit, und zum flachen Zusammenlegen muss es wieder ab.
Bleibt die entscheidende Frage: Wie fährt sich das alles? Im Fahrbetrieb zahlt sich der tiefe Lastpunkt aus: Die Pannier-Halterungen sitzen bewusst unter dem Deck, das Gewicht hängt neben dem Rad statt darüber. Auf all unseren Fahrten ist das Heck ruhig geblieben, das Rad unter Last berechenbar. Dazu kommt die Aufhängung über drei Drehpunkte, die den Träger beweglich mit dem Hinterbau verbindet: Stöße aus dem Untergrund schlagen nicht ungefiltert aufs Gepäck durch. Auch auf grobem Schotter bleibt das voll beladene Rack unauffällig.
Als Gesamtsetup fährt sich die Kombination aus Rack, CargoPack und Mini Panniers unaufgeregter, als das Gewicht vermuten lässt. Das Rad bleibt ein Gravel-Bike, das zufällig Gepäck trägt – kein beladenes Reiserad, das sich nach Kompromiss anfühlt. Und sobald das Gepäck nicht mehr gebraucht wird, ist der Träger mit zwei Handgriffen Geschichte, bis zur nächsten Tour.
Für wen ist das Tailfin Journey Rack?
Das Journey Rack richtet sich an Gravel- und Reiseradler, die regelmäßig zwischen beladenem Touren-Setup und aufgeräumtem Alltagsrad wechseln – und dafür keinen fest verschraubten Träger akzeptieren wollen. Wer Volumen und Stabilität über minimales Packgewicht stellt, bekommt ein System, das mit eigenen Taschen genauso funktioniert wie mit dem Tailfin-Sortiment. Und für alle, die bereits Tailfin-Taschen am Carbon-System fahren, ist das Journey Rack der logische Zweitträger, etwa fürs zweite Rad oder den Alltag.
Weight-Weenies und Ultra-Racer schauen sich dagegen besser nach leichteren Lösungen um. Preislich ist das Journey Rack ebenfalls kein Spontankauf: Das Rack allein geht mit 200 € noch als fairer Kurs für die gebotene Funktion durch. Doch mit Steckachse, CargoPack und Zubehör summiert sich das Setup schnell auf rund 480 €, und damit in Regionen, in denen mancher ein komplettes Einsteiger-Gravelbike gebraucht kauft. Echtes Plug and Play darf niemand erwarten, die Ersteinrichtung verlangt Geduld, Schrauberei und die Videoanleitungen des Herstellers. Wer den Träger lieber auspackt, anschraubt und nie wieder anfasst, ist mit einem klassischen Gepäckträger schlicht besser bedient.

Shorts Straede Cargo Bib Shorts | Schuhe QUOC Gran Tourer II
Fazit
Das Journey Rack löst den bisherigen Alloy-Vorgänger ab und behebt dessen Kernschwäche: Es ist nicht mehr auf Tailfins eigene Taschen festgelegt, sondern öffnet sich für Taschen und Panniers anderer Hersteller. Der Schnellverschluss funktioniert so mühelos wie versprochen, beladen bleibt das Rack selbst auf grobem Schotter unauffällig. Nur: Die Ersteinrichtung kostet Zeit und Geduld, das volle Setup ordentlich Geld – und dem CargoPack fehlt eine Verriegelung am Stift-System. Wer das einkalkuliert, bekommt einen flexiblen Träger.
Tops
- werkzeugfreier An- und Abbau in Sekunden
- erstmals geeignet für Taschen anderer Hersteller
- ruhiges Handling dank tiefem Lastpunkt
- flach faltbar für platzsparenden Transport
Flops
- aufwendige Ersteinrichtung
- fehlende Verriegelung am Stift-System des CargoPack
- teures Gesamtsetup
Mehr Informationen unter tailfin.cc
Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als GRAN FONDO-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, das die New-Road-Welt auch weiter ein kostenloses und unabhängiges Leitmedium hat. Jetzt Supporter werden!
Text: Sven Weinbrenner Fotos: Jan Fock
