Ein Allroad-Bike im Race-Gravel-Bike-Test? Mit dem Superior XR 9.7 GF schickt der tschechische Hersteller einen wahren Alleskönner in den Vergleichstest. Doch kann das Bike mit Rennrad-Schaltgruppe und schmalen Gravel-Reifen auch gegen kompromisslose Race-Gravel-Bikes bestehen?

Superior XR 9
Superior XR 9.7 GF | 8,00 kg in Größe 54 | € 4.899,00 | Hersteller-Website

Superior Bikes, für viele noch ein unbekannter Bike-Hersteller, feiert mit der Teilnahme am Race-Gravel-Bike-Test nicht nur ein GRAN FONDO-Debüt, sondern will mit dem XR 9.7 GF auch ganz vorne mitspielen. Dabei spezialisiert sich Superior vor allem auf schnelle Bikes, ob Race-MTB oder sportliche Rennräder, der Hersteller hat das richtige Bike im Programm und war ganz nebenbei Sponsor der Gravel-WM 2024. Mit dem XR tritt das Cross-Over-Bike für Road und Gravel an – also ein Allroad-Bike mit 45 mm Reifenfreiheit im Race-Gravel-Bike-Test? Klingt interessant, aber ob sich das Bike im Testfeld behaupten kann, lest ihr in unserem Test.

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Superior XR 9.7 GF – One for all?

Ein Bike für Gravel und Asphalt? Das Superior XR 9.7 GF soll alles können und jede Situation meistern, zudem soll das Bike mit Endurance-Geometrie ein sportlicher Allrounder sein. Denn laut Hersteller ist es sowohl für schnelle Straßenrennen als auch harte Gravel-Touren geeignet. Die Schotter-Tauglichkeit wird dabei hauptsächlich durch die großzügige Reifenfreiheit von 45 mm hergestellt. Doch reicht ein Endurance-Bike mit breiten Reifen wirklich für Gravel, insbesondere harte Gravel-Rennen?

Fraglich, denn vergleicht man die anderen Bikes im Testfeld, zeigt sich, für viele Hersteller ist Gravel-Racing mehr als das. Und nicht nur die Geometrie des Superior unterscheidet sich von den anderen Race-Gravel-Bikes, denn viele der anderen Bikes aus dem Test sind mit zusätzlichen Mounts für Flaschenhalter, Taschen oder gar Gepäcksystemen ausgestattet. Dazu spezialisierte Cockpits und im Rahmen integrierte Features für extra Compliance. Auf den ersten Blick scheint das Superior XR 9.7 GF hier mager ausgestattet, zwar finden sich zwei obligatorische Flaschenhalter und Mounts für Schutzbleche, doch schon die Shimano-Rennrad-Schaltgruppe wirft Fragen über die Gravel-Tauglichkeit auf.

Dazu muss das XR mit den schmalsten Reifen auskommen, denn trotz großzügiger Reifenfreiheit sind die Schwalbe G-One Allround in der Größe 40C in der Realität lediglich 35 mm breit.
Also erstmal keine allzu guten Voraussetzungen, zumindest wenn es um den Test auf der harten Teststrecke rund um Nizza geht, denn diese ist gespickt mit losem Schotter, verwurzelten Trails und steinigen Abfahrten.

Superior XR 9

Superior XR 9.7 GF 2025

4.899 €

Ausstattung

Sattelstütze Superior ONE D-Shaped
Bremsen Shimano Ultegra BR-R8170 160/140 mm
Schaltung Shimano Ultegra R8100 Di2 2 x 12
Kettenblatt 50/34
Vorbau Superior ONE 90 mm
Lenker Superior ONE 440 mm
Laufräder DT Swiss ER 1600 23 12 x 100 / 12 x 142
Reifen Schwalbe G-One Allround 700 x 40c
Kurbeln Shimano Ultegra FC-R8100 170 mm
Kassette Shimano Ultegra CS-R8100 11-34T

Technische Daten

Größe 49 52 54 56 58 61
Gewicht 8,00 kg
Reifenfreiheit (v/h) 45/45

Besonderheiten

Auslegung auf Road und Gravel
Shimano Ultegra Schaltgruppe
Schicke rötlich schimmernde Carbon-Optik

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Superior XR 9

Roadie-Träume auf Schotter? – Superior XR 9.7 GF

Das Superior XR 9.7 GF ist nicht nur als Allroad einzigartig im Test. Auch der Preis von 4.899 € ist unschlagbar und macht es zum günstigsten Bike – fragt sich nur, ob die Ausstattung darunter leiden muss?
Mit der Shimano ULTEGRA Di2-Schaltgruppe ohne Powermeter ist das Superior als Allroad gut aufgestellt. Aufgrund geringer Gangsprünge und guter Bandbreite – dank der 11–34- und 50/34-Übersetzung – meistert das XR steile Anstiege und schnelle Abfahrten. Auch mit dem leichtesten Gang mit 1:1-Übersetzung sollten sich steilere Gravel-Passagen erklimmen lassen. Dennoch unterliegt die Rennrad-Gruppe den für Gravel spezifischen Schaltsystemen im Test. Sowohl die Bikes mit Shimano GRX Di2 als auch die Konkurrenz mit SRAM Red XPLR sind dem Superior hinsichtlich Übersetzung, Schalt- und Bremsperformance überlegen.

Superior XR 9
Am Bike verirrt?
Die Shimano ULTEGRA Di2 funktioniert hervorragend, für Gravel passt die Straßengruppe aufgrund fehlender Clutch und geringer Übersetzung dennoch nicht so gut.
Superior XR 9
Noch modern?
Etwas breit, aber trotzdem ergonomisch: Das Superior ONE-Cockpit in 440 mm Breite kann unsere Tester nicht nur optisch überzeugen.
Superior XR 9
Da geht noch was
Mit einer gemessenen Reifenbreite von 35 mm sehen die Schwalbe G-One Allround in der breiten Gabel etwas verloren aus.

Auch die DT Swiss ER 1600-Laufräder passen eher ans Endurance-Bike als an einen Gravel-Renner. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die griffigen und vielseitigen Schwalbe G-One Allround in 40 mm Breite auf der schmalen DT Swiss-Felge lediglich 35 mm messen. Bedenkt man dazu, dass ein Großteil der Konkurrenz schon ab Werk mit tiefen Aero-Gravel-Rädern ausgestattet ist, wirkt das Superior wenig tauglich für Gravel-Race.

Wirklich überzeugen kann dagegen das Superior ONE-Cockpit. Einteilig, vollständig integriert und aus eigenem Haus verspricht es nicht nur eine gute Ergonomie, sondern auch etwas Compliance. Etwas oldschool ist dagegen die Lenkerbreite von 44 cm, im Race-Gravel-Bike-Kosmos viel zu breit und nicht wirklich modern.
Anstandslos glücklich wird man dafür mit der ONE Aero-Sattelstütze, denn dank integriertem Rücklicht ist man nicht nur auf der Straße gut sichtbar, auch auf Gravel ist das Licht ein willkommenes Feature.

Superior XR 9
Wahre Allrounder
Mit Schwalbe G-One Allround-Reifen ist das Superior XR 9.7 GF sehr gut für Gravel gerüstet, wären die Reifen nur etwas breiter …
Superior XR 9
Endurance??
DT-Swiss ER 1600 ist die Allroad- und Endurance-Lösung des Schweizer Laufradbauers, am Gravel-Bike sind die Räder leider falsch gespect.
Superior XR 9
Schick
Ob Gravel oder Straße, mit dem schlicht integrierten Rücklicht wird man garantiert gesehen.

So kann das knapp 5.000 € teure und 8 kg schwere Bike zwar mit einer guten Ausstattung überzeugen, doch im Gravel-Bereich, vor allem wenn es um Racing geht, ist das XR 9.7 GF falsch konzipiert. Bedenkt man, dass Superior mit dem XR 9.9 GR LTD auch eine auf Gravel-Rennen optimierte Version mit RED XPLR AXS und DT Swiss GRC 1600-Laufrädern im Portfolio hat, ist es fraglich, warum Superior das XR 9.7 GF in den Race-Gravel-Bike-Test geschickt hat.

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Die Geometrie des Superior XR

Ganz wie der Einsatzzweck ist auch die Geometrie auf sportliches Allroad ausgelegt. Mit einer Kettenstrebenlänge von nur 415 mm hat das Bike zusammen mit dem Parapera die kürzesten Chainstays im Test. So ist das Heck knackig und kurz, was wiederum für eine direkte Beschleunigung und ein verspieltes Handling sorgt. Der Stack-to-Reach-Ratio fällt mit 1,48 vergleichsweise sportlich aus und deutet auf eine gestreckte, aggressive Sitzposition hin. Der Lenkwinkel bleibt mit 70,5° bis 72° dagegen eher steil, was in Kombination mit der kurzen Basis für ein messerscharfes Handling spricht. Ideal für spaßiges Allround und enge Kurven auf Asphalt, aber eventuell zu wenig Stabilität für Gravel-Racing.

Größe XS S M L XL XXL
Sattelrohr 421 mm 464 mm 484 mm 504 mm 524 mm 555 mm
Oberrohr 523 mm 535 mm 545 mm 574 mm 595 mm 616 mm
Steuerrohr 100 mm 120 mm 140 mm 160 mm 180 mm 200 mm
Lenkwinkel 70.5° 71° 71.5° 71.5° 72° 72°
Sitzwinkel 74.7° 74° 73.8° 72.6° 72.6° 72°
Kettenstrebe 415 mm 415 mm 415 mm 415 mm 415 mm 415 mm
BB Drop 77 mm 77 mm 75 mm 75 mm 73 mm 73 mm
Radstand 994 mm 995 mm 1000 mm 1016 mm 1034 mm 1048 mm
Reach 380 mm 379 mm 381 mm 391 mm 407 mm 414 mm
Stack 524 mm 545 mm 563 mm 582 mm 601 mm 620 mm

Superior XR 9.7 GF – Underbiked vom Feinsten!

Schon auf den ersten Metern auf dem Weg zur Teststrecke in den Bergen hinter Nizza macht das Superior XR 9.7 GF sehr viel Spaß. Doch liegt das nur am Straßenbelag oder kann das Superior doch mehr, als die Ausstattung verspricht?
Auf Gravel zeigt sich der im Test einzigartige Charakter des Bikes. Rennrad-typisch fährt es sich agil, wendig sowie direkt. Auch der Geradeauslauf ist stabiler und linientreuer als die Geometrie vermuten lässt. Dennoch wird unser Gravel-Team vor allem in rauen Passagen oder verwurzelten Trails hin- und hergeworfen, ein Resultat der schmalen Reifen? Absolut, denn obwohl die Schwalbe G-One Allround viel Grip bieten, ist die gemessene Breite von 35 mm für ernsthaftes Graveln schlichtweg zu schmal.

Zwar kein Race-Gravel-Bike, aber eine Allroad-Spaßrakete.

Überhaupt nicht schmal ist dagegen das breite Cockpit, auch wenn das Setup so nicht wirklich aerodynamisch wirkt, verspricht der breite Lenker viel Kontrolle und ein stabiles präzises Handling. So ist das Superior, abgesehen von den Reifen, sehr berechenbar und intuitiv.
Ebenfalls überzeugen kann der schnelle und direkte Antritt, hier kommt dem Superior der Rennrad-Charakter zugute. Denn das Bike beschleunigt nahezu explosionsartig flink und agil, einzig die Bikes von ROSE und Parapera sind dem Superior hier eine Reifenbreite voraus.

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Auch im Bereich Fahrspaß hat das Superior viel zu bieten, denn sowohl auf der Straße als auch auf leichtem Gravel macht das Bike durch die flinke und agile Rennrad-Natur unheimlich viel Spaß. Aber auch die hohe Compliance, sowohl auf der Straße als auch auf Gravel, unterstreicht den hohen Fun-Faktor und die Langstreckentauglichkeit zusätzlich.

Und so ist das Superior XR 9.7 GF im Schnitt kein wirkliches Race-Gravel-Bike, denn trotz des hohen Fahrspaßes ist es vor allem durch die geringe Reifenbreite und Rennrad-Schaltgruppe stark beschränkt. Im Gravel-Spec mit DT Swiss GRC-Laufrädern, breiteren Gravel-Reifen und SRAM RED XPLR wäre es vermutlich deutlich besser für Gravel-Rennen geeignet. So ist es leider nicht race-ready und für den Einsatzzweck als Race-Gravel nur bedingt empfehlenswert.

Tuning-Tipp: Gravel-taugliche Laufräder und ein schmaleres Cockpit für moderne Gravel-Race-Performance.

Superior XR 9
HelmKask Protone Icon | Brille Koo Hype | Weste Straede Vest Men | Shirt Straede Aerlig Longsleeve Men
Shorts Straede Cargo Endurance Bib Shorts Men | Schuhe Giro Sector

Für welches Rennen ist das Superior XR 9.7 GF?

Agil und spritzig verspricht das Superior XR 9.7 GF vor allem Fahrspaß pur. Doch was Spaß macht, ist nicht unbedingt schnell. Betrachtet man das Superior XR 9.7 GF also im Race-Gravel-Bike-Kosmos, ist das Bike lediglich für Allroad-Rennen geeignet. Investiert man dagegen in das Bike und individualisiert die Ausstattung, bekommt man nicht nur ein Bike, das sowohl auf der Straße als auch beim Graveln unglaublich vielseitig ist und mit hohem Fahrspaß punktet, sondern auch ein Bike, das dank viel Reifenfreiheit potentiell zum Race- Gravel-Bike werden kann. Praktischerweise hat Superior mit dem XR 9.9 GR LTD genau so ein Bike im Programm.

Fahreigenschaften

Agilität

  1. träge
  2. verspielt

Stabilität

  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

  1. fordernd
  2. intuitiv

Antritt

  1. träge
  2. leichtfüßig

Fun Factor

  1. langweilig
  2. lebendig

Komfort

  1. straff
  2. komfortabel

Vielseitigkeit

  1. niedrig
  2. hoch

Einsatzgebiet

Climbing

 

Aero

 

Offroad

 

Style Factor

 

Fazit zum Superior XR 9.7 GF

Superior stellt mit dem XR 9.7 GF eines der agilsten, spritzigsten und spaßigsten Bikes im Race-Gravel-Test. Doch im Vergleich zur Konkurrenz ist das schicke Bike schlichtweg falsch ausgestattet. Mit Rennrad-Laufrädern, schmalen Reifen und breitem Cockpit kann es auf Gravel mit keinem der anderen spezialisierten Bikes im Test mithalten. Dennoch bietet das Superior XR 9.7 GF viel Potential und kann mit den richtigen Umbauten zum Race-Gravel-Bike werden.

Tops

  • direktes Handling
  • hohe Compliance des Rahmens
  • schicke Lackierung

Flops

  • Endurance-Laufräder zu schmal für Gravel

Mehr Informationen unter superiorbikes.com.

Das Testfeld

Dieses Bike wurde im Rahmen des Race Gravelbike Vergleichstest 2025 getestet – einen Überblick über diesen Vergleichstest sowie alle anderen getesteten Race Gravelbikes erhaltet ihr hier:

Race Gravel Bike Test 2025 Test Review WEB 147

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Text: Calvin Zajac Fotos: Jan Richter