
Der beliebte S-Works Evade des kalifornischen Herstellers Specialized geht mittlerweile in die vierte Generation, verfolgt aber nach wie vor dasselbe Ziel: Der Evade soll der schnellste Helm sein, den man auch wirklich jeden Tag tragen möchte. Dank neu überarbeiteter Lüftungsöffnungen, der Rückkehr des markanten MouthPorts an der Stirn, eines verbesserten BOA-Fit-Systems und einer optimierten Kopfform verspricht Specialized mehr Komfort und bessere Kühlung, ohne Kompromisse bei der Aerodynamik einzugehen. Ob das im Alltag funktioniert und wie sich der Helm während der Fahrt macht, haben wir für euch getestet.
Im Test: Was kann der Specialized S-Works Evade 4?
Nicht nur aerodynamisch, auch optisch will die vierte Generation des Evade ein klares Statement setzen. Wer dezentes Understatement sucht, ist hier allerdings am falschen Ort: Die von uns getestete S-Works-Version trägt stolz und unübersehbar das markante Specialized-S auf der Oberseite. Das Design ist eine aggressive Interpretation moderner Racing-Ästhetik. Die tief geschnittenen Lüftungsschlitze an den Flanken verleihen dem Helm seine charakteristische, windschnittige Silhouette und lassen schon im Stand keinen Zweifel an seinem Einsatzzweck aufkommen.
Ein echter Aha-Effekt stellt sich beim ersten Aufsetzen ein. Während der Vorgänger, der Evade 3, bei einigen Fahrern für unangenehme Druckpunkte im Bereich der Schläfen sorgte, haben die kalifornischen Entwickler die Kopfform für die vierte Generation spürbar überarbeitet. Die Schale ist minimal breiter und runder geworden, wodurch sich der Helm exzellent an den Kopf anschmiegt.
Für die Feinjustierung zeichnet das komplett überarbeitete BOA-Fit-System am Hinterkopf verantwortlich. Das System ist minimalistisch integriert und lässt sich jetzt auch in der Höhe verstellen. Ein Feature, das in der Praxis den entscheidenden Unterschied ausmacht: Mit nur wenigen, präzise spürbaren Klicks des gummierten Drehrings lässt sich der Sitz millimetergenau anpassen – auch mit Langfinger-Handschuhen während der Fahrt. Die Riemen liegen flach und sauber am Gesicht an, wodurch nerviges Flattern im Wind selbst bei Highspeed kein Thema ist.


Das größte Versprechen gibt Specialized jedoch beim Klimamanagement ab. Der Evade 4 tritt an, um mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass Aero-Helme unweigerlich zum Hitzestau führen. Dafür feiert ein alter Bekannter sein Comeback: Der markante „MouthPort“ an der Stirnseite ist zurück. Zusammen mit den deutlich offener gestalteten Lüftungskanälen im Inneren soll das System laut Hersteller eine leicht höhere Kühlleistung erzielen als der Vorgänger.
Im realen Testbetrieb zeigt sich: Das System funktioniert. Schon bei mäßigem Tempo ist ein konstanter, erfrischender Luftstrom spürbar, der den Kopf effektiv mit Frischluft versorgt. Bei unseren Testfahrten unter sommerlichen Bedingungen bei bis zu 25 °C blieb das Klima im Helm jederzeit angenehm neutral; wie sich der Evade an extremen Rekord-Hitzetagen schlägt, werden wir im Langzeittest noch überprüfen. Zum Thema Aerodynamik müssen wir ähnlich pragmatisch bleiben wie bei der Konkurrenz: Ohne eigene Daten aus dem Windkanal lässt sich dazu wenig Belastbares sagen. Immerhin gehörte der Evade 3 in unabhängigen Tests bereits zu den absolut schnellsten Modellen auf dem Markt, der Nachfolger dürfte dem kaum nachstehen.


Ein echtes Highlight ist die Brillengarage. Specialized integriert eine gerillte, leicht gummierte Struktur in die äußeren Lüftungsöffnungen. Hier lässt sich die Sonnenbrille bei einem langen Tunneldurchfahrt oder der Kaffeepause blind einschieben und sitzt danach absolut bombensicher und klapperfrei.
Beim Thema Sicherheit setzt Specialized voll auf die Expertise der schwedischen Spezialisten von MIPS. Im Evade 4 arbeitet das ultraleichte MIP Airnode Pro-System, das direkt in die minimalistische Polsterung integriert ist. Wer hier allerdings das großflächige, gelbe Plastik-Inlay von gängigen MTB-Helmen erwartet, wird überrascht: Die Konstruktion unterscheidet sich grundlegend. Das System vertraut auf dezente Klettverbindungen, die im Ernstfall die entscheidende Rotation freigeben und so die gefährlichen Scherkräfte minimieren sollen.
Da wir von einem realen Crashtest glücklicherweise verschont geblieben sind, müssen wir uns auf das Sicherheitsversprechen und die Labor-Testergebnisse der Kalifornier verlassen. Ob diese reduzierte Rennrad-Variante am Ende echten Mehrwert bietet oder doch eher ein cleverer Marketing-Schachzug ist, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden.
Mit real gewogenen 281 g ist der Evade 4 für einen vollwertigen Aero-Helm mit integriertem Rotationsschutz zudem alles andere als ein Schwergewicht, sondern ein rundum gelungenes Gesamtpaket, das Performance, Aerodynamik und gute Belüftung stark kombiniert.
Fazit: Würden wir den Specialized S-Works Evade 4 Aero-Helm kaufen?
Der Specialized S-Works Evade 4 ist absolut HOT! Die Kalifornier merzen die Schwächen des Vorgängers konsequent aus. Dank runder Passform und höhenverstellbarem BOA-System sitzt er perfekt ohne Druckpunkte. Die Rückkehr des MouthPorts sorgt für zufriedenstellende Kühlung, während die gummierte Brillengarage auch im Alltag ein sehr nützliches Feature ist. Einziger Wermutstropfen neben dem vielen Branding ist der stolze Preis von 329 €. Wer das Geld investiert, bekommt jedoch einen kompromisslosen Aero-Performance-Helm für jeden Tag.
Tops
- sehr hoher Komfort
- gute Belüftung
- präziser und höhenverstellbarer Verschluss am Hinterkopf
Flops
- höherer Preis im Vergleich zum Vorgänger
Mehr informationen unter specialized.com
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Text & Fotos: Jan Fock
