
Schluss mit alten Schubladen! Für das Modelljahr 2026 rüttelt ROSE BIKES am Fundament des klassischen Rennrad-Marktes und will traditionelle Endurance-Bikes in den Ruhestand schicken. Das bisherige REVEAL weicht einer neuen Philosophie: dem ROSE SHAVE.
Mit dem sogenannten „AergoConcept“ versucht ROSE den Spagat aus zwei Welten: Die im Windkanal optimierten Rohrformen des Rahmens sollen den Luftwiderstand minimieren, während das Geometrie-Konzept mit spürbar mehr Stack den Fahrer aufrechter positioniert, um den unteren Rücken auf Langstrecken zu entlasten.
Das Ergebnis soll eine cleane All-in-One-Plattform sein, die optisch ebenso sportlich auftritt wie das aggressive SHAVE FFX, den Fahrer durch den höheren Stack aber spürbar aufrechter sitzen lässt. Mit 36 mm Reifenfreiheit hat das SHAVE zudem etwas mehr Spielraum als klassische Rennräder.
Wir konnten das Bike für einige Wochen ausgiebig über Asphalt und feine Schotterpisten jagen, um zu klären, wie viel der Race-DNA des SHAVE FFX tatsächlich in diesem Bike steckt, wo die Grenzen des Setups liegen und für wen das Konzept am Ende aufgeht.
Die Neuerfindung des All-in-One-Bikes? – Das ROSE SHAVE im Detail
Wer ein klobiges Endurance-Bike mit überlangem Steuerrohr erwartet, wird überrascht: Das SHAVE sieht aus wie ein Rennrad. Sportliche Silhouette, klare Linienführung. Die Logik steckt im Detail. Mehr Stack und aerodynamisch optimierte Rohrformen schließen sich längst nicht mehr aus – im Gegenteil: Eine aufrechte Position lässt sich ausdauernder halten, öffnet den Hüftwinkel und entlastet den unteren Rücken. Das SHAVE dreht diese Idee konsequent weiter – und das beginnt beim Rahmen.


Herzstück ist das im virtuellen Windkanal entwickelte Rahmenset. Während man beim extremen Schwestermodell SHAVE FFX auf weniger Stack und ein schmales Cockpit setzt, schlägt das Standard-SHAVE die Brücke zur Realität der meisten Rennradfahrer. Die Reifenfreiheit von 36 mm passt zum Konzept: genug Spielraum für schlechten Asphalt und gelegentliche Schotterpisten, ohne dem Bike Allroad-Ambitionen anzudichten, die es nicht hat. Dass ROSE dem SHAVE genau diesen Freiraum spendiert, ist die einzig richtige Entscheidung.
Wer den Fokus statt auf breite Pneus lieber auf maximale Leichtigkeit legt, muss beim Gewicht genauer hinschauen. In unserem Test-Setup mit Force AXS bringt das SHAVE 7,84 kg auf die Waage. Für ein Endurance-Rennrad in dieser Preisklasse solide, aber kein Leichtgewicht. Wer kompromissloser unterwegs sein will, greift zum SHAVE FFX: Das Topmodell landet mit SRAM RED AXS bei 6,66 kg. 1,2 kg weniger, allerdings für 3.300 € Aufpreis.
Beim Preis zeigt sich ROSE gewohnt kompetitiv und staffelt das Portfolio klar nach Einsatzzweck: Den Einstieg in die neue Plattform markiert das Modell mit Shimano 105 Di2-Ausstattung für 3.600 €. Unser getestetes SHAVE Force AXS wechselt für 5.200 € den Besitzer und positioniert sich damit direkt unterhalb der kompromisslosen FF-Rennserie, die ab 5.600 € bereitsteht.
Das dezente, matte Supersonic Grey unseres Test-Bikes unterstreicht den cleanen Ansatz, hält sich aber wie die restliche, überwiegend graue Farbpalette der anderen Modellvarianten eher im Hintergrund.
Keine Kompromisse – Die Ausstattung des ROSE SHAVE
Während viele Mitbewerber in dieser Preisklasse noch am Leistungsmesser sparen, macht ROSE hier keine halben Sachen: Jede Ausstattungsvariante kommt ab Werk mit einseitigem Powermeter – vom 105 Di2-Einstiegsmodell für 3.600 € bis zu unserem Test-Bike für 5.200 €. Für den Antrieb setzt ROSE auf SRAM Force AXS mit 2×12-Schaltung. Die Kombination aus 46/33T-Kettenblättern und der 10–33T-Kassette ergibt eine ausgewogene Übersetzung, die sowohl auf flachen Geraden genug Entfaltung bietet als auch in steilerem Gelände noch Reserven lässt.
Rose Shave 2026
5.200 €
Ausstattung
Sattelstütze Rose Shave D-Shaped
Bremsen SRAM FORCE AXS 160/140 mm
Schaltung SRAM Force AXS 2 x 12
Kettenblatt 46/33 T
Vorbau ROSE Shave Cockpit 100 mm
Lenker ROSE Shave Cockpit 390 mm
Laufräder Newmen Advanced A.50 12 x 100 / 12 x 142
Reifen Continental Grand Prix TR 700 x 32c
Kurbeln SRAM FORCE AXS Power Meter 170 mm
Kassette SRAM FORCE XG-1270 10-33 T
Technische Daten
Größe XS S M ML L XL
Gewicht 7,84 kg
Besonderheiten
Einseitiger Powermerter inklusive
höherer Stack im Vergleich zum Shave FFX
36 mm Reifenfreiheit
integriertes Cockpit
Serienmäßig rollt unser Testbike auf NEWMEN Advanced A.50 Carbon-Laufrädern mit 50 mm tiefen Felgen. Dazu gibt es serienmäßig Continental Grand Prix TR in 32 mm Breite und Tubeless-Ausführung. Die volle Reifenfreiheit von 36 mm ist damit noch nicht ausgeschöpft, was etwas Spielraum für eine breitere Bereifung lässt. Das vollintegrierte ROSE SHAVE-Cockpit kommt in unserem Test-Bike mit 390 mm Breite und 100 mm Vorbaulänge, ergänzt durch eine D-förmige Sattelstütze.



Aerodynamik trifft Komfort – Die Geometrie des ROSE SHAVE
ROSE trimmt das neue SHAVE gezielt auf eine ergonomische Sitzposition. In der von uns getesteten Rahmengröße M sorgt ein Reach von 378 mm gepaart mit einem Stack von 584 mm für ein Stack-to-Reach-Verhältnis von 1,54, was eine spürbar aufrechtere und kompaktere Sitzposition verspricht als beim FFX. Der Radstand von 989 mm, kombiniert mit einem Lenkwinkel von 73,0°, legt eine Balance aus Agilität und Laufruhe nahe. Die Kettenstreben bleiben trotz der Reifenfreiheit von 36 mm über alle Größen hinweg bei kurzen 412 mm, was auf ein reaktionsfreudiges Heck hindeutet. Den Allrounder-Anspruch unterstreicht schließlich das Cockpit: Während das FFX auf einen schmaleren Lenker von 370 mm setzt, kommt das SHAVE mit 390 mm Breite, was mehr Kontrolle im Alltag verspricht.
| Größe | XS | S | M | ML | L | XL |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Oberrohr | 505 mm | 525 mm | 545 mm | 566 mm | 582 mm | 602 mm |
| Sattelrohr | 435 mm | 470 mm | 492 mm | 512 mm | 537 mm | 575 mm |
| Steuerrohr | 123 mm | 138 mm | 157 mm | 175 mm | 196 mm | 223 mm |
| Lenkwinkel | 71,0° | 72,0° | 73,0° | 73,25° | 73,25° | 73,25° |
| Sitzwinkel | 75,0° | 74,5° | 74,0° | 73,5° | 73,5° | 73,5° |
| Kettenstrebe | 412 mm | 412 mm | 412 mm | 412 mm | 412 mm | 412 mm |
| Tretlagerabsenkung | 73 mm | 73 mm | 73 mm | 73 mm | 73 mm | 73 mm |
| Radstand | 975 mm | 982 mm | 989 mm | 1.002 mm | 1.020 mm | 1.039 mm |
| Reach | 360 mm | 370 mm | 378 mm | 388 mm | 398 mm | 410 mm |
| Stack | 544 mm | 562 mm | 584 mm | 602 mm | 622 mm | 648 mm |
Geschwindigkeit für jeden – Das ROSE SHAVE im Test
Auf den ersten Metern im Sattel macht das neue ROSE SHAVE sofort deutlich, dass es Komfort anders interpretiert als klassisch-träge Endurance-Bikes. Das Zusammenspiel aus angenehmer Ergonomie und dem schnellen Look des Rahmens funktioniert vom Fleck weg. Das Bike vermittelt sofort ein vertrautes und sicheres Gefühl.
Sobald man im Antritt Druck aufs Pedal gibt, beweist das SHAVE seine hohe Rahmensteifigkeit. Das Tretlager gibt die Kraft direkt weiter, der Hinterbau arbeitet effizient, und das Bike steht dem aggressiveren Topmodell FFX in Sachen Vortrieb kaum nach. Jeder Impuls wird direkt umgesetzt. In der Praxis wird diese Spritzigkeit aus dem Stand lediglich durch die rotierende Masse gebremst: Die Kombination aus den etwas weicheren NEWMEN-Laufrädern und den 32 mm breiten Continental Grand Prix TR-Reifen beschleunigt beim harten Antritt etwas zäh und nimmt dem Sprint die allerletzte, messerscharfe Explosivität. Ist das Bike aber erst einmal auf Reisegeschwindigkeit, rollt es sehr effizient. Auf langen, flachen Geraden hält das SHAVE das Tempo solide und belohnt mit einem wunderbar smoothen Fahrgefühl.
In der Abfahrt und im welligen Terrain zeigt sich das Handling spürbar stabiler und ausgewogener als beim FFX. Das SHAVE lenkt nicht ganz so extrem aggressiv ein und verlangt in engen Kurven oder schnellen Spitzkehren nach etwas mehr Führung. Dafür liegt es satt und fehlerverzeihend auf dem Asphalt. Man bekommt über den Rahmen auf jeden Fall genug Feedback, um aktiv und dynamisch zu fahren.
Diese Stabilität hat allerdings ihren Preis: Die 50 mm tiefen Felgen und das Aero-Rahmendesign reagieren bei böigem Seitenwind mit spürbaren Impulsen im Lenker. Dank des großzügigen Stacks lässt sich das aber deutlich souveräner kontrollieren als auf einer kompromisslosen Rennmaschine. Ein reines, sorgloses Einsteiger-Bike ist das SHAVE dennoch nicht. Dank des großzügigen Stack-Werts lässt es sich im Vergleich zu kompromisslosen Rennmaschinen aber deutlich souveräner und entspannter kontrollieren.
Beim Komfort zeigt sich das SHAVE trotz der entspannten Geometrie weiterhin als sportlich-straff. Ein sänftenartiges Endurance-Bike darf man hier nicht erwarten: Der Rahmen leitet Vibrationen und den Charakter des Untergrunds recht direkt an den Fahrer weiter – selbst nach dem Wechsel auf Tubeless. Im Vergleich zum FFX, das durch seine extrem unnachgiebigen Carbon-Speichen auf der unkomfortablen Seite zu verorten ist, nimmt das SHAVE fiesen Straßenunebenheiten aber zumindest die härtesten Spitzen.
Das Cockpit unterstreicht diesen Anspruch: Mit einer Lenkerbreite von 390 mm sorgt es für mehr Kontrolle und eine entspannte Schulterposition. Optisch ist die Übertragung des schnellen Race-Looks vollends gelungen. Das SHAVE wirkt extrem clean und modern, auch wenn das FFX im direkten Vergleich noch etwas kompromissloser auftritt. Wer einen schnellen Langstrecken-Renner mit Top-Ergonomie und moderner Aero-Optik sucht, wird hier fündig.
Tuning-Tipp: Für das volle Maß an Spritzigkeit auf leichtere und schnellere Tubeless-Reifen wechseln.
Für wen ist das ROSE SHAVE?
Das ROSE SHAVE ist für die allermeisten Fahrer da draußen die bessere und vernünftigere Wahl gegenüber dem kompromisslosen Race-Ableger. Als vielseitiges und kontrollierbares Allroad-Rennrad für Einsteiger und Komfortsuchende meistert es durch seine kontrollierbare Geometrie perfekt den Spagat für alltägliche Fahrsituationen. Insbesondere da das Cockpit mit seinen 390 mm nicht so schmal ausfällt, lässt sich das Rad auch für Amateure, die nicht auf der Suche nach der letzten Aero-Ersparnis sind, in hektischen Situationen viel besser kontrollieren.

Fazit
Wer schnell unterwegs sein will, ohne sich dabei zu verbiegen, bekommt mit dem ROSE SHAVE ein Bike mit schlüssigem Konzept. Ob Aero-Rahmen, angepasste Geometrie oder durchdachte Ausstattung wie ein Powermeter ab Werk: Das Paket stimmt. In Kombination mit der Reifenfreiheit von 36 mm ist das SHAVE der perfekte Allrounder für Amateursportler. Im Alltag überzeugt das SHAVE mit stabilem Handling und solider Effizienz, büßt gegenüber dem FFX aber spürbar an Explosivität ein. Wer das letzte Quäntchen Race-DNA braucht, greift zum Topmodell. Allen anderen bietet das SHAVE den besseren Deal.
Tops
- hohe Fahrstabilität
- Angepasste Geometrie
- integrierter Powermeter serienmäßig
Flops
- Laufrad-Reifen-Kombination im Antritt etwas träge
Mehr Infos unter rosebikes.de.
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Text & Fotos: Jan Fock
