Wer das BLEND auf der ROSE-Website sucht, findet es gleich doppelt: einmal als Endurance-Rennrad, und ein paar Klicks weiter als Begründer der Kategorie „Everyday Gravel“. Ach ja, ein Urban- Bike ist es irgendwie auch. So vielseitig für so wenig Schotter: Ist das BLEND ein Drop-Bar-Alleskönner oder ein fauler Kompromiss?

ROSE BLEND Gravel | 10,23 kg in Größe M | 1.399 € | Hersteller-Website

1.399 € für ein Alu-Gravel-Bike mit GRX400-Ausstattung ist ein fairer Deal. Wer sich für die Road-Variante mit TIAGRA-Gruppe und schmalen Pneus entscheidet, der spart nochmal 200 Tacken. Wo also ist der Haken? Zumindest nicht an den Schweißnähten. Die sind jedenfalls da, wo man zuerst hinschaut, sauber verschliffen. Auch billig baumelnde Schalt- und Bremszüge suchen wir vergebens. Alles ist elegant integriert. Unser Test-Bike steht außerdem im selbstbewussten Orange am Start und punktet mit einer aufwändig lackierten Carbon-Gabel im Galaxy-Look. Also eine runde Sache? Im Gegenteil: Der Rahmen ist ROSE-typisch kantig. Insgesamt wirkt das Bike clean, modern und hochwertig.

Ein bisschen 90er-Jahre Sci-Fi – die Gabel im Galaxy-Look.
Verschliffene Schweißnähte – zumindest da, wo man zuerst hinschaut.
Bye Bye Kabel – Brems- und Schaltzüge sind elegant integriert.

Dass ROSE mit dem BLEND auch im urbanen Umfeld wildern möchte, zeigen die Anschraubpunkte für die optional erhältlichen Schutzbleche und den Ständer. Letzterer mag dem Rennrad-Puristen zwar Zornesfalten auf die großzügig bebrillte Stirn treiben, zeigt aber, dass ROSE mit dem BLEND jenseits angestammter Urban-, Gravel- und Road-Kategorien denkt. Mit dem BLEND direkt von der Arbeit zum Feierabend-Group-Ride oder vom Wochenmarkt ins Gravel-Adventure – das BLEND möchte euer stylischer Buddy auf allen Bühnen sein.

Ist da der Bohrer abgerutscht? Nein, das BLEND bietet Anschraubpunkte für Ständer und Schutzbleche.

ROSE BRAND Gravel 2024

Ausstattung

Bremsen Shimano GRX400 160/160 mm
Schaltung Shimano GRX400 2x10
Laufräder ROSE G20
Reifen Continental Terra Trail 700x40C
Kurbeln Shimano GRX600
Kassette Shimano HG500 11-34T

Technische Daten

Größe XXS XS S M L XL XXL

Tuning-Tipp: Mit einer Carbon-Sattelstütze lässt sich noch etwas mehr Komfort aus dem BLEND kitzeln.

Größe XXS XS S M L XL XXL
Oberrohr 502 mm 518 mm 538 mm 558 mm 575 mm 595 mm 607 mm
Sattelrohr 425 mm 460 mm 490 mm 520 mm 550 mm 580 mm 600 mm
Steuerrohr 150 mm 125 mm 150 mm 170 mm 186 mm 205 mm 215 mm
Lenkwinkel 69,5° 70° 71° 71,5° 71,5° 71,5° 72°
Sitzwinkel 75° 74,5° 74° 73,5° 73,5° 73° 73°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm
Tretlagerabsenkung 75 mm 75 mm 72 mm 72 mm 72 mm 70 mm 70 mm
Radstand 1009,9 mm 1017 mm 1025,1 mm 1035,4 mm 1053 mm 1.068,6 mm 1075,3 mm
Reach 360 mm 365 mm 373 mm 381 mm 394 mm 403 mm 411 mm
Stack 532 mm 552 mm 577 mm 598 mm 613 mm 629 mm 640 mm

Keine Wahl? Kein Problem! Die Ausstattung des ROSE BLEND

Die Ausstattung ist geradlinig. Wenn ihr euch gerne durch Modellvarianten klickt, werdet ihr beim BLEND enttäuscht. Die einzige Entscheidung heißt: Road oder Gravel. Wir haben uns für Gravel entschieden und bekommen dafür Shimanos grundsolide mechanische GRX400-Gruppe mit 2-fach-Kurbel und hydraulischen Scheibenbremsen, die hauseigenen G20 Aluminium-Laufräder und einen Mix aus Ritchey und ROSE Aluminium-Anbauteilen. Natürlich gibt es an teureren Bikes leichtere und performantere Parts, aber wer auf dem BLEND in die Drop-Bar-Welt einsteigt, für den zählen erstmal andere Aspekte.

Alu-Komponenten verzeihen eher mal ein zu beherztes Anzugsdrehmoment als Carbon-Parts, und das 10-fach-Schaltwerk hinten ist deutlich weniger divenhaft in der Einstellung als seine Highend-Brüder aus der 12- und 13-fach-Liga. Das BLEND baut so Hürden ab und nimmt Berührungsängste. Gerade für Einsteiger ist es durchaus wohltuend, vor dem Kauf keine Schaltgruppen oder Laufradsätze vergleichen zu müssen und stattdessen einfach zu fahren. Genau das machen wir jetzt auch.

Auch wenn hier mal der Staub fliegt – das BLEND ist eher Rouleur als Racer.

Erster Test – So fährt sich das ROSE BLEND

Wer das BLEND fährt, muss keine Angst um seinen Rücken haben. Die Sitzposition ist ausgewogen und entspannt. Für Racer ist das nichts, aber auf entspannten Touren oder längeren Bikepacking-Trips wird die relaxte Rahmengeometrie (Stack-to-Reach von 1,56) zum Joker. Die zentrale Positionierung auf dem Bike und der oben abgeflachte Lenker entlasten zudem die Hände. Positiver Nebeneffekt: Ihr seht auf dem ROSE BLEND mehr von der Welt als nur das eigene Vorderrad.

Helm MET Manta | Brille Oakley Radar | Weste Straede | Jersey Straede Aerlig Longsleeve | Bib Straede Aero Bib Shorts | Schuhe S-Works Recon

Das Bike selbst tritt dabei fast in den Hintergrund. Mit den 435 mm langen Kettenstreben ist das BLEND ein gutmütiger Geradeausläufer. Nervosität und Hektik sind ihm fremd. Auch die intuitive Lenkung passt zur entspannten Auslegung und vermittelt viel Sicherheit. Wenn es abseits der Straße mal etwas ruppiger wird, lohnt der Griff in den Unterlenker. Die Drops sind nach außen gebogen und bieten durch den Flare viel Kontrolle. Da wir schon im Unterlenker angekommen sind, testen wir auch gleich die Sprintfähigkeit des BLEND – und stoßen ein erstes Mal an Grenzen. Agilität und Antritt sind nicht die Stärken des Bikes. Wer nach einem Geschoss für den Race-Day sucht, findet bei ROSE mit dem BACKROAD FF etwas Passendes. Einmal auf Touren gebracht, hält das BLEND jedoch die Geschwindigkeit und rollt effizient auf allen Untergründen.

Ein echter Allrounder: Das BLEND macht auch auf Asphalt eine gute Figur.
Wellness für die Hände – das Cockpit ist ultra-komfortabel.
Stillstand ist Fortschritt – in der Preisklasse gibt es keine besseren Bremsen.

Besonders gespannt waren wir, wie sich ein auf Komfort ausgelegtes Bike schlagen würde, das ohne die Segnungen des Dämpfungsheilsbringers Carbon auskommen muss. Nun ja, für einen Alurahmen mit Alu-Sattelstütze macht das BLEND seine Sache sehr ordentlich. Der Dank unserer Wirbelsäule geht dabei aber hauptsächlich an die 40 mm breiten Continental Terra Trail-Reifen. Viel Volumen bringt viel Komfort. Falls ihr aber mit dem Gedanken spielt, noch breitere Pneus zu montieren, riskiert ihr Kratzer im schicken Lack. Mehr als 40 mm passen nicht zwischen die orangenen Sitzstreben. Hier stößt der Rahmen, der auch für die Road-Version funktionieren muss, an seine Grenzen.

2-fach vorn, 10-fach hinten – mit dem robusten Shimano GRX400-Antrieb findet ihr den richtigen Gang für jede Steigung.

Die GRX400-Schaltung wird besonders Einsteigerinnen und Einsteigern viel Freude machen. Wer nicht von Komfort und Präzision elektronischer Schaltungen verzogen wurde, der findet in der Gravel-Gruppe einen robusten, gut justierbaren Antrieb und eine starke Brems-Performance. Lob gebührt hier auch der 2-fach-Auslegung. Mit dem 30er-Kettenblatt vorn und dem 34er-Ritzel hinten habt ihr genug Reserven für steile Anstiege und könnt auch da noch fahren, wo andere schon schieben. Euer größter Gang – 46 vorn, 11 hinten – limitiert ein wenig eure Endgeschwindigkeit auf der Straße. Solltet ihr vermehrt auf Asphalt unterwegs sein, passt die etwas sportlicher übersetzte Road-Version besser. Hinten verrichtet bei unserem BLEND ein 10-fach-Ritzel seinen Dienst. In der Praxis bedeutet das: größere Sprünge zwischen den Gängen als bei 12- oder 13-fach-Antrieben. Ihr müsst also eure Trittfrequenz beim Gangwechsel stärker anpassen. Für Profis ist das ein Thema, bei einer entspannten Gravel-Ausfahrt oder einer Bikepacking-Tour werdet ihr die Ritzel nicht vermissen.

Das BLEND ist kein spezialisiertes Adventure-Bike, eröffnet Einsteigern aber neue Möglichkeiten.

Apropos Bikepacking: Mit seinem robusten Antrieb, der bergtauglichen Übersetzung und der entspannten Geometrie hat das BLEND definitiv das Zeug zu einem längeren Road/Gravel-Trip. Hierfür hätten wir uns von ROSE noch ein paar Anschraubpunkte für Flaschen, Taschen oder sogar einen Gepäckträger gewünscht. Der Lack sieht einfach zu gut aus, um ihn mit Klett-Straps zu verkratzen.

Das ROSE BLEND ist ein Einsteigerbike, das nicht nach Einstieg aussieht. Hier handelt es sich nicht um ein zurecht-gespartes und ausstattungs-geschrumpftes Abfallprodukt eines höherpreisigen Modells, sondern um ein eigenständiges Konzept, das Menschen jenseits bestehender Kategorien Zugang zum Biken verschafft. Das BLEND ist entspannt, robust und sinnvoll ausgestattet. Ein richtig guter Deal! Ach ja – und es sieht dabei ziemlich sexy aus.

Tops

  • intuitives Handling
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • hochwertige Optik
  • sinnvolle Ausstattung

Flops

  • kaum Anschraubpunkte für Bikepacking

Mehr Infos findet ihr auf rosebikes.com


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Text: Nils Hofmeister Fotos: Jan Richter