ROSE veröffentlicht das neue 2020er BACKROAD Gravel-Bike mit neuem Rahmen und Design. Es soll ein echter Gravel-Alleskönner sein und auch vor Trails keinen Halt machen. Wir haben das BACKROAD bereits über den Schotter der Republik gejagt und das Bike ausführlich für euch getestet.

ROSE BACKROAD GRX RX810 Di2 | 8,48 kg in Größe 57 | 3.499 € | Hersteller-Website

Die ROSE-Konstrukteure haben sich für das Jahr 2020 ein hohes Ziel gesteckt: Dem laut eigener Aussage sehr erfolgreichen und komplett ausverkauften ROSE BACKROAD soll ein würdiger Erbe folgen. Ein Alleskönner, der auch abseits asphaltierter Straßen auf Trails ein ideales Geschoss für Abenteuerlustige darstellen soll. Wir haben das BACKROAD in der GTX RX810 Di2-Version (3.499 €) auf unseren heimischen Strecken rund um Stuttgart und beim Bikepacking im Schwarzwald für euch getestet.

Das ROSE BACKROAD 2020 im Detail

Für mehr Offroad-Tauglichkeit hat ROSE einen neuen Carbon-Rahmen mit spezieller Gabel entwickelt. Die Parallelen zum neuen Rennrad ROSE REVEAL (zum Test) sind offensichtlich. Sowohl das Design und der Cockpit-Bereich als auch die Integration der Sattelstützen-Klemmung wurden übernommen. Dabei ist der Radstand länger als beim ersten ROSE BACKROAD (zum Test) und die Reifen sind breiter: bis zu 700 x 47C ohne Schutzbleche. Beides soll für mehr Laufruhe und Sicherheit im Gelände sorgen. Absolutes Highlight des Rahmens ist das spezielle Sitzrohr, das im oberen Bereich teilweise ausgespart ist. In Kombination mit den sehr tief angesetzten Sitzstreben soll das die Compliance der Sattelstütze und somit den Komfort spürbar erhöhen.

Die Aussparung im oberen Bereich der Sitzstrebe …
… soll den Komfort erhöhen und versteckt gleichzeitig die Klemmung der Sattelstütze

Neu entworfen wurde auch der komplette Cockpit-Bereich. Die vollintegrierte Zugführung unterstreicht den aufgeräumten Look und ermöglicht eine einfache Montage von Gravel-Accessoires am Lenker. Alle Leitungen wandern direkt vom Lenker in einen speziellen Spacer unterm Vorbau und von dort in den Hauptrahmen. Lenker und Vorbau sind hier jedoch keine Sonderlösungen, sondern können bei Bedarf einfach gegen andere Modelle getauscht werden. Wie auch bei seinem Vorgänger setzt ROSE beim neuen BACKROAD auf eine hochwertige matte Lackierung mit einem eleganten Hauch von Understatement. Das sorgt in Kombination mit den klaren Linien und der Design-Sprache der neuen Generation für einen cleanen Look. Die beiden erhältlichen Farben Lila und Grün bringen einen frischen Wind in das weite Feld der oftmals dunklen oder gar schwarzen Gravel-Bikes. Für Taschen und Gepäck sind der Rahmen und die Gabel mit diversen Anschraubpunkten versehen. Außerdem ist bei Bedarf die Montage von Schutzblechen möglich – die maximale Reifenfreiheit beträgt laut Herstellerangabe dann aber nur noch 700 x 40C.

Das Cockpit ist durch die clevere Zugführung sehr aufgeräumt
Drei Anschraubpunkte je Gabelseite für die Montage von Gepäck
Die Satellitenschalter machen das Schalten auch beim Klettern möglich

Ab Juli wird die D-förmige Carbon-Sattelstütze wahlweise mit 8 mm oder 25 mm Versatz angeboten und soll durch ihre Bauart und die verschiedenen Fahrpositionen für den nötigen Komfort sorgen. Auch die Sattelklemmung ist für einen sauberen Look komplett im Rahmen integriert und hinter einer Gummiabdeckung oberhalb der Sitzstreben versteckt. Für Freunde von selbst erzeugtem Strom hat ROSE der Gabel eine Möglichkeit zur internen Dynamo-Kabel-Verlegung spendiert. Die Bremssättel sind adapterlos mit 160-mm-Centerlock-Scheiben vorne und hinten montiert, kleinere Scheiben mit 140 mm Durchmesser sind also nicht möglich. Das ist aus unserer Sicht aber auch nicht nötig, da 160-mm-Scheiben die Bremsleistung und Standfestigkeit wesentlich erhöhen und kleinere Scheiben im Gravel-Bereich ohnehin unterdimensioniert sind. Bei den Achsen setzt ROSE auf die Standardmaße von 12 x 100 / 12 x 142 mm, beim Tretlager hat man sich auf BB86 festgelegt.

ROSE BACKROAD Ausstattung und Geometrie

Das neue BACKROAD wird ausschließlich mit Carbonrahmen in acht unterschiedlichen Aufbauvarianten angeboten. Dabei sind die sechs Standard-Versionen mit Lackierungen in Deepest Purple und Evil Pepper Green erhältlich und die zwei limitierten Varianten mit Carbon-Laufrädern im speziellen Midnight-Laser-Grey-Look. Das von uns getestete ROSE BACKROAD GRX RX810 Di2 in Größe 57 cm kostet 3.499 € und wiegt mit den tubeless montierten WTB Riddler 700 x 45C-Reifen 8,48 kg.

Schaltgruppe Shimano GRX RX810 Di2, 1 x 11, 40T
Kassette Shimano XT CS-M800 11–42T
Bremsen Shimano GRX RX810 160/160 mm
Laufräder ROSE R-Thirty Disc Lite
Reifen WTB Riddler TCS, 700 x 45C (Custom-Option)
Sattelstütze ROSE D-Shape Carbon, 8 mm Versatz (Custom-Option)
Lenker Ritchey WCS Butano, 440 mm
Vorbau Ritchey WCS Toyon, 90 mm (Custom Option, 80 mm in Serie)
Gewicht 8,48 kg in Größe 57
Preis 3.499 €
Verfügbarkeit kann ab sofort über rosebikes.de bestellt werden

Den Einstieg in die BACKROAD-Welt macht das GRX RX600-Modell für 2.499 €. Wer für Bikepacking-Trips verständlicherweise auf eine mechanische Schaltgruppe setzt, erhält hier ein tolles Preis-Leistungs-Paket. Reichen euch 11 Gänge und 45 mm breite Reifen nicht aus? Dann bietet sich die spezielle Mullet-Build-Version für 3.699 € an. Sie ist mit einer 1×12-fach-Schaltgruppe ausgestattet und rollt auf breiten Reifen mit 650 x 47B – damit sollte auch der steilste Schotteranstieg seinen Schrecken verlieren. Falls ihr nicht auf einen Umwerfer und kleinere Gangsprünge verzichten wollt, gibt es das 3.799 € teure Force eTAP AXS 2×11 BACKROAD. Schade, dass ROSE hier kein günstigeres Bike mit mechanischer 2×11-Schaltung anbietet. Die beiden Limited-Versionen sind in begrenzter Stückzahl erhältlich, mit ROSE Carbon-Laufrädern und elektronischen 1- bzw. 2-fach-Schaltgruppen bestückt und kosten bis zu 4.949 €.

Größe 50 53 55 57 59 62
Sattelrohr 450 mm 480 mm 500 mm 520 mm 540 mm 575 mm
Oberrohr 515 mm 534 mm 550 mm 568 mm 582 mm 602 mm
Steuerrohr 100 mm 120 mm 135 mm 150 mm 165 mm 188 mm
Lenkwinkel 71,00° 71,25° 71,50° 71,75° 72,00° 72,00°
Sitzwinkel 75,00° 74,50° 74,00° 73,50° 73,50° 73,50°
Kettenstrebe 427 mm 427 mm 427 mm 434 mm 434 mm 434 mm
BB Drop 76 mm 76 mm 76 mm 76 mm 76 mm 76 mm
Radstand 1.000 mm 1.012 mm 1.021 mm 1.039 mm 1.051 mm 1.072 mm
Reach 371 mm 380 mm 386 mm 395 mm 404 mm 417 mm
Stack 536 mm 555 mm 570 mm 586 mm 601 mm 623 mm

Bei genauer Betrachtung der Geometriedaten fällt die Kombination aus langen Kettenstreben im Heck (434 mm bei unserem Test-Bike in Größe 57 cm) und einem kurzen Vorbau in der Front auf, das Steuerrohr ist mit 150 mm Länge ebenfalls kurz gehalten. Wird sich das beim Handling bemerkbar machen?

ROSE BACKROAD GRX RX810 Di2 im ersten Test

Das BACKROAD zeigt sich bergauf als guter Kletterer mit ordentlich Vortrieb, die Front kommt dem Fahrer erst bei sehr steilen Anstiegen entgegen. Das Bike hat am Oberlenker übrigens zwei Satelliten-Schalter montiert – kleine, individuell belegbare Zweitschalter, um auch in der Kletterposition am Oberlenker schalten zu können. Sie sind zwar beim gemütlichen Bergauf-Strampeln ein nettes Feature, können jedoch das Anbringen von Lenkertaschen erschweren. In den meisten Fällen werden genau in dem Bereich der Schalter die Gurte an den Lenker geschnallt, unsere Tasche hat gerade so an den Lenker gepasst. Wenn ihr das Bike also vor allem fürs Bikepacking nutzen wollt und die Oberlenker-Position sowieso durch Gepäck nicht wie gewohnt gegriffen werden kann – ab damit. Von einem Verkauf oder einem Tausch beim Fahrradhändler gegen eine nette Lenkertasche habt ihr dann sicherlich mehr.

Sowohl auf asphaltierten Straßen als auch auf Schotter ist das BACKROAD sehr leichtfüßig im Antritt und zeigt sich als guter Allrounder in Sachen Geschwindigkeit. Die Kraft wird effizient übertragen und auch während der Fahrt ist das Bike leicht auf Tempo zu halten. Das gelingt unter anderem durch die Kombination aus den verbauten ROSE R-Thirty Disc Lite-Laufrädern und den leicht rollenden WTB Riddler TSC 700 x 45C-Reifen. Der Riddler konnte schon in unserem Gravel-Reifen-Vergleich (zum Test) überzeugen, ist jedoch nicht serienmäßig verbaut – normalerweise ist der WTB Venture Road TCS in 700 x 40C drauf. Er rollt und dämpft ebenfalls super, bietet jedoch etwas weniger Grip und ist mit seiner geringeren Breite weniger komfortabel.

Ein fettes Grinsen zaubert euch das Bike auf verschlungenen Straßen auf das Gesicht, hier stellt sich das BACKROAD als hungriger Kurvenfresser heraus und reagiert sehr feinfühlig und direkt auf Lenkimpulse. Das quirlige und sehr verspielte Handling lädt dazu ein, direkt nach der Ankunft im Tal erneut den Berg hochzufahren, um die Abfahrt ein zweites Mal mitzunehmen.

Geht es von der asphaltierten Straße auf den befestigten Waldweg, stellt das BACKROAD seine Offroad-Künste unter Beweis und fliegt geradezu über den Waldboden. Auch hier ist das Bike schnell zu beschleunigen und überzeugt beim Cruisen über einfache Singletrails mit einem guten Level an Vertrauen. Wird das Gelände jedoch technisch anspruchsvoller und geht mit größeren Steinen, verblockten Stellen und Wurzelteppichen in den Mountainbike-Bereich, kommt das Bike an seine Grenzen. Wollt ihr den Trail gerne aggressiver mit mehr Druck fahren, gibt die Gabel beim harten Anbremsen in die Kurven Stahlgabel-ähnlich nach und man spürt eine Dysbalance in puncto Agilität zwischen Heck und Front. Hier macht sich die besondere Geometrie mit den langen Kettenstreben und dem kurzen Vorbau negativ bemerkbar.

Beeindruckend ist auch bei härtester Gangart die nicht vorhandene Geräuschkulisse: Das Bike verrichtet seinen Dienst absolut lautlos. Wir konnten dem BACKROAD während der kompletten Testdauer kein Klappern, Knarzen oder andere Geräusche entlocken – damit gehört es zu den leisesten Bikes, die wir je getestet haben.

Die Natur, das Erlebnis und den Fahrspaß kann man ohne störende Geräusche vom Bike genießen – so stellen wir uns Graveln vor!

Die Rechnung mit der neu entworfenen Sitzrohr-Sattelstützen-Kombination geht komplett auf. Das BACKROAD überzeugt mit einem guten Level an Gesamtkomfort, Front und Heck bieten gleichermaßen viel Compliance. Anzumerken ist hier, dass die serienmäßige Bereifung mit 40C- statt der bei uns montierten 45C-Reifen etwas weniger Komfort bieten wird. Wir haben beim Bikepacking mit Sattel-, Rahmen- und Lenkertasche sogar festgestellt, dass etwas Beladung dem Bike absolut guttut und den Geradeauslauf verbessert – das zulässige Gesamtgewicht liegt beim BACKROAD bei 130 kg.

Wie unterscheidet sich das neue BACKROAD von seinem Vorgänger?

Das neue BACKROAD hat im Vergleich zum Vorgänger ordentlich dazugelernt. Es ist wendiger, verspielter und deutlich leichtfüßiger im Antritt. ROSEs Versprechen von mehr Sicherheit trifft für die meisten Fälle zu. Auch auf Schotter ist das Bike wesentlich schneller auf Geschwindigkeit zu bringen und zu halten und präsentiert sich dadurch insgesamt als besserer Geschwindigkeits-Allrounder. Das 2020er-Rahmen-Set bietet zusammen mit der neuen Sattelstütze und der größeren Reifenfreiheit ein höheres Maß an Komfort, bessere Touren-Eigenschaften und mehr Compliance. Für Bikepacker ist die erhöhte Anzahl an Anschraubpunkten ein tolles Upgrade. Aus einem straffen und ehrlichen Allroad-Bike ist mit dem neuen BACKROAD das erste echte Gravel-Bike aus dem Hause ROSE geworden – mit einem nach wie vor sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Unser Fazit zum neuen ROSE BACKROAD

Das nagelneue ROSE BACKROAD weiß im Bikepacking- und Commuting-Betrieb ebenso zu überzeugen wie beim Graveln. Das quirlige Handling sorgt auf kurvigem Terrain für ordentlich Fahrspaß, super sportliche Fahrer bringen es auf dem Singletrail jedoch an seine Grenzen. ROSE stellt mit dem Bike einen tollen Allrounder mit einem sehr fairen Preis-Leistungs-Verhältnis und einer sauber aufgeräumten Optik auf die Räder.

Tops

  • leichtfüßig im Antritt
  • ausgeglichenes Komfort-Level
  • gute Allround-Fähigkeiten
  • viele Anschraubpunkte für Schutzbleche und Gepäck

Flops

  • bei aggressiver Fahrweise auf dem Trail überfordert

Mehr Informationen zum ROSE BACKROAD erhaltet ihr unter rosebikes.de

Wollt ihr wissen, welche Alternativen es noch im Gravel-Bereich gibt? Dann lest euch unseren Gravel-Bike-Vergleichstest durch!

Text & Fotos: Philipp Schwab