Test

René Herse Steilacoom TC Endurance im Test – Der Gravel-Reifen mit Style, Grip und Komfort

Gravel-Reifen haben es nicht leicht. Egal ob nass oder trocken, Schotter, Hardpack, Schlamm oder Asphalt – man erwartet immer volle Performance. Der René Herse Steilacoom TC Endurance sieht auf den ersten Blick viel zu aggressiv für einen Allrounder aus. Doch kann der Schein trügen?

René Herse Steilacoom TC Endurance | 700 x 38C | 457/443 g
92 € (pro Reifen) | Hersteller-Website

Gründer Jan Heine hat die Marke René Herse Cycles, ehemals Compass Cycles, tief im Randonneur-Sport verwurzelt und und den Fokus voll auf qualitativ hochwertigste und leichte No-Nonsense-Komponenten gelegt. Schon lange bevor breite Reifen am Rennrad allgemeine Zustimmung erhielten, war René Herse Cycles von ihrer überlegenen Performance überzeugt und verfügt dementsprechend über ein umfangreiches Portfolio an Road-Reifen unterschiedlichster Durchmesser, Breiten und Karkassen. Für den Gravel- bzw. Cross-Einsatz finden sich ebenfalls Modelle in allen gängigen Dimensionen – mit einem Profil, das man als „retro“ bezeichnen könnte.

Der René Herse Steilacoom TC ist auf einer Felge mit 22 mm Innenweite 39 mm breit – das ist nur 1 mm mehr als die technische Angabe. Getestet wurde auf Stan’s Grail CB7-Felgen (nicht abgebildet) mit nahezu identischer Innenweite.
Die Endurance-Version mit den stabileren Seitenwänden gibt es ausschließlich in Dark Tan-Optik.

Der René Herse Steilacoom TC ist mit 38 mm das dünnste Modell fürs 700C-Rad. Wir haben uns für die Endurance-Version mit dickeren Seitenwänden für mehr Pannensicherheit entschieden. Dabei wollten wir herausfinden, wie anschmiegsam die verstärkte Karkasse ist – René Herses Extralight-Karkassen sind berühmt für ihre Geschmeidigkeit, aber eben auch für ihre Empfindlichkeit gegenüber spitzen Wegelagerern. Alle René Herse-Reifen mit TC-Zusatz im Namen lassen sich sowohl mit als auch ohne Schlauch fahren; wir raten jedoch immer zur Tubeless-Montage. Die gelingt beim Steilacoom TC auf unseren Stan’s Grail CB7-Testfelgen super einfach und er dichtet sofort und langfristig ab. Von den Dimensionen her harmoniert der Reifen sehr gut mit den knapp 22 mm Innenweite der Felgen. Bei 35 psi misst er darauf 39 mm, also nur 1 mm mehr als die technische Angabe.

Schicker geht’s nicht! Das dezente Logo mitsamt der Modellbezeichnung ist der einzige Aufdruck auf dem gesamten Reifen. Da das Profil nicht richtungsgebunden ist, könnt ihr sogar noch entscheiden, auf welcher Seite das Logo stehen soll.

Rein optisch gibt es kaum einen schöneren Gravel-Reifen auf dem Markt! Die Farbe der Seitenwand ist jedoch nicht bei allen Karkassen frei wählbar, sondern hängt mit ihr zusammen – die Endurance-Version verfügt immer über Dark Tan-Seitenwände. Pures Understatement ist das kleine, einseitig angebrachte René Herse-Logo mit der Produktbezeichnung. Zusammen mit dem nicht richtungsgebundenen Profil lässt es sich so nach Belieben auf der linken oder rechten Seite positionieren, je nachdem ob ihr es auf dem Foto haben wollt oder nicht. 😉

Das Gütesiegel: Alle Reifen werden von Panaracer in Japan exklusiv nach den Vorgaben von René Herse Cycles gefertigt.
Die verstärkten Seitenwände sind robust und dennoch anschmiegsam. Wir hatten während unserer viermonatigen Testphase keinen einzigen Platten zu beklagen.
Dank der generösen Leerräume im Profil ist die Selbstreinigung im Schlamm hervorragend.
Die großen, stabilen Noppen am René Herse Steilacoom sind rundum fast identisch und sehr regelmäßig verteilt. Das sorgt für gleichmäßigen Grip und volle Berechenbarkeit in jeder Lage.

Auch bei der Fahrperformance kann der René Herse Steilacoom TC rundum glänzen. Das Profil mutet auf den ersten Blick sehr klassisch an, ist jedoch ziemlich ausgeklügelt und funktioniert in der Praxis hervorragend. Die Noppen sind bis an den Rand fast identisch groß und gleichmäßig verteilt, mit etwas engerer Anordnung in der Mitte für geringeren Rollwiderstand. Das sorgt dafür, dass das Fahrverhalten und der Grip unabhängig von der Schräglage nahezu gleich bleiben – egal ob auf hartem, weichem oder losem Boden. Durch die breite Grundform knicken die Noppen auch im Grenzbereich nicht weg und es kommt zu keinen Überraschungen. Sie schneiden sich locker durch eventuellen Schlamm und die Selbstreinigung funktioniert durch das blockige Profil und die relativ großen Abständen dazwischen ebenfalls hervorragend. Dämpfung und Compliance zählen offroad trotz der dickeren Endurance-Seitenwände zu den besten auf dem Markt. Nachdem wir mit dieser Variante keinerlei Pannen zu verzeichnen hatten, sind wir super neugierig, wie sich der Reifen mit der noch mal anschmiegsameren Extralight-Karkasse fährt. Wenn wir sie getestet haben, werden wir euch umgehend davon berichten!

Die Noppen stehen in der Mitte etwas enger – das macht den Rollwiderstand selbst auf Asphalt erstaunlich gering. Vibrationen oder gar schwammiges Verhalten? Fremdwörter für den Steilacoom TC!

Natürlich ist der René Herse Steilacoom TC auf Asphalt nicht der Schnellste, aber der Rollwiderstand ist dennoch angenehm gering, wenn man das vergleichsweise aggressive Profil und die Offroad-Performance berücksichtigt. Wir hatten definitiv schon Reifen mit weniger Profil und deutlich zäherem Feeling im Test. Die klassischen Beiprodukte von stark profilierten Reifen auf Asphalt wie Vibrationen oder ein schwimmendes Feeling in der Schräglage sucht man ebenfalls vergebens. Einzig die Geräuschkulisse bei höheren Geschwindigkeiten erinnert an einen TIE-Fighter im Sturzflug …

Welcome to the dark side … Wer den René Herse Steilacoom einmal gefahren ist, wird ihn nur schwer wieder hergeben.

Fazit

Der René Herse Steilacoom TC ist ein wahnsinnig guter Allrounder fürs Gravel-Bike. Grip ohne Ende, egal ob staubiger Hardpack, loser Gravel, tiefer Schlamm oder feuchter Asphalt. Und das bei sehr guter Dämpfung und super linearer Berechenbarkeit! Höhere Geschwindigkeiten auf der Straße lassen ihn etwas laut werden, Vibrationen oder schwammiges Feeling kommen jedoch nie auf. Und selbst der Rollwiderstand ist für ein derartiges Profil erstaunlich gering. Wie so oft hat so viel Gutes leider seinen Preis – hier ist jedoch jeder Cent gut investiert.

Tops

  • top Performance und viel Grip in wirklich allen Lagen
  • angenehmer Rollwiderstand trotz Profil
  • hervorragende Dämpfung
  • edle Optik

Flops

  • auf Asphalt bei Highspeed relativ laut
  • Performance hat ihren Preis

Preis: 92 € (Endurance, pro Reifen)
Gewicht: 457/443 g
Dimensionen: 700 x 38C (39 mm bei 22 mm Innenweite)
Max. Luftdruck: 60 psi tubeless
Mehr Infos: dailybreadcycles.de


Ihr wollt noch mehr Infos zu Gravel-Reifen? Wir waren im Testlabor, auf Schotterpisten, Waldautobahnen und flowigen Trails unterwegs, um den besten Gravel-Reifen (zum Test) für euch zu finden.

Text & Fotos: Andreas Maschke