Leicht, kompakt und kompromisslos auf Performance getrimmt: Der Prologo DIMENSION R2 will als vielseitiger Renn-, Gravel- und XC-Sattel mit 135 g und V-Shape-Design überzeugen. Doch hält das italienische Popo-Polster mit Rennlizenz, was es verspricht? Wir haben’s ausgesessen – und klären, ob es sich lohnt.

Sättel sind wie Espresso: Der eine mag’s kurz und stark, der andere länger und samtweich. Falsch ist am Ende nur, was für einen nicht genießbar ist. In der Welt der Renn- und Gravel-Bikes ist der Sattel das wohl relevanteste Kontakt-Bauteil. Und das mit gutem Grund: Kein anderes Teil ist so individuell, so abhängig von Beckenform, Sitzposition und Flexibilität des Fahrers. Genau deshalb ist es auch so verdammt schwer, ihn objektiv zu testen. Wir haben es trotzdem versucht – mit verschiedenen Testern, unterschiedlichen Sitzpositionen und Bib-Shorts, auf Asphalt und Gravel. Denn was für den einen nach 30 Kilometern zum Sitztrauma wird, ist für andere ein Wohlfühlplatz mit Wattgarantie. Warum Bikefitting bei der Suche nach dem passenden Sattel entscheidend ist, erklären wir hier.
Der DIMENSION R2 ist die neueste Version und bereits die zweite Überarbeitung von Prologos Short-Nose-Modell. Leichter, kompromissloser und mit verbreiterter Nase zielt er mit nur 135 g und flacher V-Shape-Silhouette auf sportlich orientierte Fahrer, die tief sitzen und viel aus dem Becken arbeiten. Dabei soll eine gestreckte, aerodynamische Haltung möglich sein – ohne Druck oder Taubheitsgefühle. Möglich machen soll das Prologos eigene Technologie, die PAS-Zone: eine zentral platzierte Aussparung, die Druck auf empfindliche Nerven im Beckenbereich reduzieren soll.
Doch bei all dem Fortschritt gibt es einen Punkt, der Fragen aufwirft: Prologo bietet den R2 nur in zwei Breiten an: 143 mm und 153 mm. Zwar war der Vorgänger, der Prologo Dimension, auch als women-specific EVA-Version mit 156 mm erhältlich, doch diese Optionen gibt es beim R2 bislang nicht.
Unsere Bewertung bezieht sich deshalb ausschließlich auf die getestete 143-mm-Version des neuen R2. Da andere Hersteller wie Specialized oder Ergon Sättel in drei bis vier Breiten anbieten ist die Auswahl beim R2 daher bisher noch limitiert. Und genau das wirkt bei einem Bauteil, bei dem Millimeter entscheidend sind, etwas Eigensinnig. Wir wollten wissen, wie universell der Sattel ist und haben getestet, ob der R2 wirklich für alle passt, die ihn gerne verbauen würden.
Im Test: Was kann der Prologo DIMENSION R2-Sattel?
Der Prologo DIMENSION R2 punktet schon auf den ersten Blick mit einer erstklassigen Verarbeitung: Die Oberfläche ist hochwertig, die Nähte sauber – auf all unseren Fahrten hatte bei keiner Testperson etwas scheuert, top! Und: Die Carbon-Schiene ermöglicht durch ihre gewisse flexibilität eine bessere Dämpfung.
Mit seiner flachen V-Form passt der DIMENSION R2 grundsätzlich gut zu sportlichen Sitzpositionen und richtet sich an diejenigen von uns mit hoher Beckenmobilität. Wer im Becken rotieren kann und vorne sitzt, findet schnell eine stabile Position – allerdings nur, wenn die Beckenbreite passt. Trotz speziellem V-Shape design wirkt der Sattel für schmaler Gebaute mit 143 mm zu breit. Positiv: Die hohe Bewegungsfreiheit des Sattels erlaubt dynamisches Fahren und unterstützt Positionswechsel.
Für wen ist der Prologo DIMENSION R2-Sattel?
Der R2 richtet sich an sportlich orientierte Fahrer, die tief sitzen, vorne arbeiten und mit viel Beckenrotation unterwegs sind. Weniger passend ist der Sattel für alle, die eine schmalere Passform brauchen: Unserem Tester war der R2 schlicht zu breit – und da es vom R2 Sattel keine schmalere Alternative zur 143-mm-Version gibt, bleibt keine Auswahlmöglichkeit. Wer lieber einen breiteren Sattel bevorzugt muss sich bei der Vorgänger-Version des Dimension umschauen.
Zusätzlich fehlte uns auf ruppigem Gravel oft der Halt: Die glatte Oberfläche in Kombination mit rutschigen Bibs führte dazu, dass wir buchstäblich den Kontakt verloren hatten. Wer hier mehr Kontrolle sucht, ist mit einem Modell wie dem Prologo Scratch M5 Slide Control besser bedient. Und wer einen schmaleren Sattel will, sollte sich den Prologo Nago R4 anschauen – den hatten wir bereits im Test und waren von der Kombination aus 3D-gedrucktem Komfort und hohem Grip überzeugt.
Fazit: Würden wir den Prologo DIMENSION R2-Sattel kaufen?
Jein. Wie immer bei Sätteln ist der Eindruck hochgradig subjektiv – und der DIMENSION R2 ist eben kein Everybody’s Darling. Wer aber ein passendes Beckenmaß mitbringt, sportlich sitzt und vor allem auf Asphalt unterwegs ist, bekommt mit dem DIMENSION R2 einen ultraleichten Sattel mit klarer Race-DNA, der durch erstklassige Verarbeitung überzeugt. Wer genau weiß, was er sucht, könnte hier fündig werden – alle anderen sollten vor dem Kauf lieber Probe sitzen.
Tops
- leichtes Gewicht
- breitere Nase für mehr Komfort
Flops
- auf ruppigem Untergrund zu rutschig, vor allem mit glatten Bibs
Mehr Informationen unter prologo.it
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Text: Jan Fock Fotos: Jan Richter
