
Schwarz kann jeder und passt zu allem. Weiß auch. Die weißen Bikepacking-Taschen vom schwedischen Zubehör-Spezialisten POC sind aber nicht nur weiß, sondern – und das ist der eigentliche Clou der neuen Serie – auch transluzent. Das lässt sich wohl am besten als „durchscheinend“ übersetzen. Aber was es damit auf sich hat, dazu später mehr.
Im Detail: POC Ultra Bikepacking-Taschen – Transluzent und wasserdicht ins Abenteuer-Glück?
Die Ultra-Serie von POC umfasst insgesamt sechs verschiedene Bikepacking-Taschen, von denen wir uns vier auf zahlreichen Gravel-Touren genauer angesehen haben: eine 1,7 l fassende Oberrohrtasche, eine Rahmentasche mit 3 l, eine 7-l-Satteltasche und eine kleine Snack Back mit 1 l. Komplettiert wird das Angebot von einer kleinen Oberrohrtasche und einer Lenkertasche. Folgende Modelle hatten wir im Test:
- POC Ultra Top Tube Bag 1,7L: 170 g, 120 €
- POC Ultra Frame Bag 3L: 220 g, 130 €
- POC Ultra Saddle Bag 7L: 290 g, 180 €
- POC Ultra Snack Bag 1L: 60 g, 60 €
Eines gleich vorweg: Wer befürchtet, weiße Bikepacking-Taschen sind genau ein Mal weiß – und zwar am Tag des Kaufs –, den können wir beruhigen: Das robuste und recht glatte Obermaterial der Ultra-Serie lässt sich selbst nach übelsten Schlammbädern wieder vollständig vom Schmutz befreien. Sogar Kettenschmiere geht mit ein wenig Geduld und (chemischer) Spucke wieder rückstandslos weg. Und auch vor dem Wasserschlauch brauchen sich die neuen Bikepacking-Taschen von POC nicht zu verstecken. Wer nicht gerade mit dem Hochdruckreiniger voll drauf hält, kann die Taschen für eine schnelle Wäsche an der Tanke einfach am Rad dran lassen. Uns ist jedenfalls kein Tropfen Wasser in die Taschen geraten – weder beim Biken im wilden Aprilwetter noch beim Abspritzen mit dem Gartenschlauch.
Doch vor der Arbeit kommt hier ganz klar das Vergnügen: Die Montage der Taschen gelingt mithilfe der zahlreich beiliegenden Klettbänder sehr schnell und einfach. Lediglich für extrem schlanke Oberrohre fallen selbst die kürzesten Velcro-Strips im Lieferumfang zu lang aus, um die Taschen ordentlich zu fixieren. Hier müsst ihr vielleicht etwas kreativ werden oder noch kürzere Klettbänder besorgen. Dann müsst ihr aber wahrscheinlich auf ein pfiffiges Detail verzichten: POC versieht die mitgelieferten Klettstreifen auf der Innenseite mit einem weichen Material, sodass ein Verkratzen des Rahmens auch ohne Schutzfolie effektiv verhindert wird. Merci!
So sind Oberrohr- und Rahmentasche schnell und sicher befestigt. Die Snack-Bag lässt euch mit Klettband und einigen dehnbaren Schlaufen und Haken viele Möglichkeiten zur Befestigung an Vorbau und Steuerrohr. Lediglich die Satteltasche konnte uns beim Thema Befestigung nicht überzeugen. Zwar lässt sie sich einfach per Klickverschluss-Riemen und Klettbändern an Sattelstütze und Rails befestigen. Wirklich fixiert ist die mit 7 l Fassungsvermögen nicht überaus große Ultra Saddle Bag damit aber leider nicht. Ganz im Gegenteil: Sie wackelt schon beim Rütteln am Rad umher wie der Schwanz unseres Bürohundes Henry, wenn neue Leckerlies im Anflug sind. Beim Fahren über ruppiges Terrain macht das keinen Spaß. Erst recht nicht, wenn die Saddle Bag voll und schwer beladen ist. Das ist umso ärgerlicher, als die anderen Taschen ihren Job sehr gut machen. Durch das recht steife Material bleiben sie formstabil. Zudem stehen sie seitlich auch bei filigranen Rohren kaum über den Rahmen hinaus, sodass sie beim Pedalieren nicht im Weg sind.
Auch die lange, aber dafür recht flache Oberrohrtasche duckt sich weit genug, als dass sie mit der Rider-Brust in Kontakt geraten könnte. Nur wenn die Überstandshöhe sehr gering ausfällt, könnte ein klein wenig Gefahr für besonders empfindliche Körperteile bestehen. Aber wer hier nicht gerade das Monster-Multi-Tool versteckt, sollte auf der sicheren Seite sein.


POC Ultra Bikepacking-Taschen – Wer suchet, der findet!
Die Oberrohr- und die Rahmentasche bieten über den stabilen und sanft zu öffnenden Reißverschluss einfachen Zugang zum Inneren, wo sie neben einem großen Hauptfach mehrere kleine Mesh-Fächer bereithalten. Und jetzt schlägt auch endlich die Stunde des transluzenten Materials: Ein großer Teil des Umgebungslichts dringt durch das Material ins Innere der Tasche, was die Suche nach Kleinteilen extrem erleichtert. Doch auch im Dunkeln kann man mit einer Taschenlampe durch die Außenhaut der Taschen hindurch leuchten. Vor allem dann hilfreich, wenn man etwas sucht, das sich in den kleinen Seitenfächern oder ganz unten versteckt. Wir finden, das transluzente Material bringt da einen echten Vorteil. Und nun ein kleiner Besserwisser-Einschub: Transluzent bedeutet im Gegensatz zu transparent, dass Licht zwar hindurch scheinen kann, es dabei aber derart diffus gebrochen wird, dass der Inhalt der Tasche nur schemenhaft zu erkennen ist. So wisst ihr jederzeit, was sich wo versteckt. Für andere ist dennoch nur ein diffuser Farbenmix zu erkennen. So ist euer Portemonnaie etwa nicht sofort als solches von außen zu erkennen.

Im Gegensatz zur Satteltasche sitzt die Snack Bag deutlich besser. Allerdings darf man es beim Einschieben der Trinkflasche nicht eilig haben. Denn unter der Flasche bildet sich trotz Wasserablaufloch im Boden der Snack Bag ein derart hartnäckiges Luftpolster, dass es nur mit viel Gefühl und Geduld klappt. Wer denkt, er könnte seine Flasche da schnell mal während eines Unsupported-Rennens reinstopfen, der wird sich wundern, wie hartnäckig Luft sein kann. Dennoch hat die POC Ultra Snack Bag einen guten Eindruck hinterlassen, und für kleine Snacks wie Riegel oder Gummibärchen eignet sie sich eh bestens.

Für wen ist die POC Ultra Bikepacking-Taschen-Serie?
Bikepacking-Taschen sind für … Bikepacker 😉 Aber jetzt ernsthaft: Mit der Ultra-Serie hat POC sehr robuste, wasserdichte und optisch nicht alltägliche Bikepacking-Taschen im Angebot. Und wer genau auf diese Eigenschaften Wert legt, liegt hier richtig. Die schlanke, lange Oberrohrtasche können wir uns auch sehr gut im Renneinsatz vorstellen. Schlampige Naturen werden vom transluzenten Material der Taschen begeistert sein, ganz nach dem Motto „Finden statt Suchen“. Wer allerdings unauffällige Taschen sucht, der wird mit den POC Taschen nicht glücklich. Ebenso wenig wie mit der wackelnden Arschrakete
Fazit zu den POC Ultra Bikepacking-Taschen
Mit der neuen, weißen Ultra-Serie erfindet POC die Bikepacking-Tasche sicher nicht neu. Die Verarbeitung der Taschen liegt aber auf einem sehr hohen Niveau, und das transluzente Material weiß im Alltag voll zu überzeugen. Die Taschen sind nicht nur stabil, leicht zu reinigen und wasserdicht. Sie lassen auch das Tageslicht durch, sodass man Kleinteile leichter finden kann als in völlig blickdichten Taschen. Dass die Satteltasche allerdings wackelt wie ein nervöser Kuhschwanz ist nicht nur angesichts der ambitionierten Preisgestaltung ein No Go. Hier wünschen wir uns ein Update für kommende Generationen.
Tops
- stabiles, wasserdichtes Material
- viele kleine Mesh-Fächer für gute Organisation
- einfache Befestigung
- weich beschichtete Klettbänder gegen Kratzer
Flops
- Satteltasche sehr wackelig
- Klettbänder für sehr filigrane Rahmen teils zu lang
- hoher Preis
Mehr Informationen unter poc.com
Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als GRAN FONDO-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, das die New-Road-Welt auch weiter ein kostenloses und unabhängiges Leitmedium hat. Jetzt Supporter werden!
Text: Patrick Gruber Fotos: Jan Fock
