Im rasant wachsenden Gravel-Markt hat das mehrfach ausgezeichnete Open U.P. einiges an Konkurrenz bekommen. Mit einer neuen Modellgeneration erhält das klassische U.P. einige Updates – genug, um sich weiterhin gegen die Mitstreiter zu behaupten?

Einen Überblick über das Testfeld erhaltet ihr im Übersichtsartikel: Was ist das beste Gravel Bike 2018? 12 Modelle im Test

Open U.P.
Open U.P. | 7,68 | 3.200 € (Rahmenset)

Im Endurance-Vergleichstest der letzten Ausgabe musste sich das 4.500 € teure Open U.P.P.E.R (Preis: Rahmenset) gegen die besten Endurance-Bikes behaupten und hat sich dabei mehr als tapfer geschlagen. Das zur Eurobike vorgestellte neue Open U.P. hat dieselbe Geometrie, dieselben Features und dieselbe Reifenfreiheit wie das im Frühjahr vorgestellte U.P.P.E.R., setzt aber auf ein günstigeres Carbon bzw. Layup, was sich im Gewicht des Rahmens niederschlägt. 1.040 g wiegt der neue Rahmen des UP, wogegen beim U.P.P.E.R. die Waage bereits bei 880 g Rahmengewicht stehen bleiben soll (Herstellerangabe). Im Vergleich zur ersten klassischen U.P.-Generation überrascht das neue U.P. mit seiner Flat-Mount-Disc-Aufnahme und der deutlich schlankeren und präziseren Open U-Turn-Gabel, die bisher dem Topmodell U.P.P.E.R vorbehalten war.

Open U.P.

Diese kommt zudem auch mit einer deutlich besseren Steckachsen-Lösung. Der Preis für das Rahmenset liegt bei 3.200 € und man hat die farbliche Auswahl zwischen Open Green, Open Blue oder einer Ready-to-paint-Variante. Der schwarze Carbon-Stealth-Look ist auch weiterhin nur am U.P.P.E.R erhältlich. Unser circa 6.000 € teurer Testbike-Aufbau mit feinsten Carbon-Komponenten aus dem Hause Easton, 40 mm breiten Schwalbe G-One-Reifen (mit dieser Felgenkombination beträgt die reale Breite nur 38 mm) und SRAM Force brachte leichte 7,68 kg in Größe L auf die Waage.

Open U.P.
Tuning-Tipp: neutrales Lenkerband – nicht für die Performance, sondern für die Optik!

Fuck, that’s fast! Wie eine Bergziege sprintet das Open U.P. die Berge hinauf und begeistert mit seinem effizienten Antritt. Die Form des 440 mm breiten Easton-Cockpits sorgt für zwei spürbar unterschiedliche Positionen: In der Oberlenker-Position sitzt man entspannt, in den Drops findet man sich in einer Race-Position wieder, die nach Speed schreit. Der leichte Flare des Lenkers sorgt für zusätzliche Sicherheit auf dem Trail und harmoniert auch gut mit den SRAM Force-Bremshebeln. Lenkimpulse setzt das Open super präzise und konsequent um und ist zu jeder Zeit absolut berechenbar. Trotz messerscharfer Präzision verzeiht das Bike auch Fahrfehler gutmütig, was letzten Endes dazu führt, dass man bergab ein ähnlich sicheres Feeling genießt wie auf einem Bike mit deutlich breiteren Reifen – wer 650B-Laufräder mit breiten MTB-Reifen montieren will, kann das auf dem Open übrigens problemlos machen. Der Komfort in der aktuellen Spezifikation geht in Ordnung, wird mit großvolumigeren 650Bs aber noch mal spürbar wachsen!

Open U.P. Open U.P.
Open U.P.
Von Anfänger bis Profi – Jeder hat auf dem neuen Open U.P. ordentlich Spaß!

Details wie die super cleane Zugverlegung, der durchdachte Spec und die Flaschenhalter-Montage-Optionen wissen zu begeistern. Kein anderes Bike im Test hat so klare Linien und wunderschön verlegte Züge. Wenn man auf dem Bike nach unten schaut, beginnt man zu zweifeln, ob überhaupt Züge verbaut sind! Die grüne Lackierung in Kombination mit dem blauen Lenkerband fällt definitiv auf, überzeugt Design-Enthusiasten allerdings weniger; ähnlich sieht das bei der Easton-Carbonsattelstütze aus, die mit dem sehr ausladenden Kopf eher einer Keule aus der Steinzeit gleicht. Der SRAM Force 1×11-Antrieb mit 10–42-Kassette bietet eine super Bandbreite, dementsprechend sind die Gangsprünge allerdings recht groß.

Open U.P.
Helm HJC Furion | Brille Oakley Jawbreaker | Trikot La Passione Lightweight | Gilet Café du Cycliste Jacqueline | Bibshorts La Passione LX Socken La Passione Square | Schuhe Bont Vaypor Plus

Das Open U.P. im Detail

Schaltung SRAM Force 1
Laufradsatz Easton EA70 SL Disc
Bremsen SRAM Force HRD
Reifen Schwalbe G-One Allround
Gewicht 7,68 kg
Preis 3.200 € (Rahmenset)

Open U.P.
Superbe Zugverlegung: Beim Blick von oben sieht man die Züge nicht einmal – und hören tut man sie auf dem Trail auch nicht!
Open U.P.
Markant und klassisch Open: Die tiefgezogene Kettenstrebe sorgt für mehr Platz bei 1X-Antrieben. Die Easton-Kurbel ist verdammt leicht und ein absolutes Schmuckstück!
Open U.P.
Für diese Carbon-Keule sollte man einen Waffenschein brauchen. Easton, was habt ihr da gemacht?

Die Geometrie des Open U.P.

Open U.P. Open U.P.

Fazit

Das Team um Gerard Vroomen und Andy Kessler hat dem Open U.P. zeitgemäße Updates verpasst, dadurch bleibt der Gravel-Pionier eines der begehrenswertesten Bikes im Portfolio. Von Anfänger bis Profi – jeder hat auf dem neuen Open U.P. ordentlich Spaß! Gewicht, Handling und formale Designsprache sind phänomenal und richten sich an eine breite Zielgruppe: Asphalt, Schotter und Singletrail, das U.P. fühlt sich überall zu Hause! Verdienter Testsieg!

Stärken

– überragendes Handling
– super Balance
– sehr leicht
– fairer Preis
– exzellente Zugverlegung

Schwächen

– Design: Blau und Grün beißen sich
– Sattelstütze gleicht einer Carbon-Keule


Mehr Infos findet ihr unter: opencycle.com

Einen Überblick über das Testfeld erhaltet ihr im Übersichtsartikel: Was ist das beste Gravel Bike 2018? 12 Modelle im Test

Alle Bikes im Test: Festka One Gravel | Legor Cicli LWTUA | Merida Silex 9000 | Moots Routt RSL | Rondo Ruut CF2Salsa Cutthroat Force 1 | Specialized Diverge Comp | Specialized Sequoia Elite | Trek Crockett 7 Disc | Trek Procaliber 9.9 SL RSL | Votec VRX Elite

Text: Robin Schmitt, Manuel Buck, Benjamin Topf, Hannah Troop Fotos: Valentin Rühl