
Mit dem Extreme X wollen die Italiener nicht weniger als die Evolution im Offroad-Schuh-Design zünden: maximales Effizienzversprechen, direkter Pedalkontakt und ein sportlicher Auftritt – für alle, die im Gelände Tempo machen wollen. Von Gravel bis Cross-Country soll dabei spürbar viel Rennrad-DNA in den Offroad-Bereich wandern. Schlüsselkomponente ist laut Northwave ist die neue Hyperlight Carbonsohle, die im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich torsions- und drucksteifer sein soll. Ob das Konzept aufgeht?
Im Test: Was kann der Northwave Extreme X?
Wer beim Wort „Carbon-Monocoque“ direkt Angst vor schmerzenden Füßen und Taubheitsgefühlen bekommt, darf aufatmen. Die größte Überraschung zeigt sich schon beim ersten Reinschlüpfen: Trotz der festen, sehr sportlichen Plattform sitzt der Schuh angenehm am Fuß und stützt das Fußgewölbe dank optimierter Konstruktion spürbar. Das Obermaterial ist weich und legt sich sauber an – fast wie ein Strumpf, ohne störende Materialübergänge. So sind auf all unseren Testfahrten erst gar keine unangenehme Druckstellen entstanden. Gleichzeitig sorgen die Belüftungszonen für eine gute Luftzirkulation. Wir haben den Northwave Extreme X im Frühjahr mit maximal 25 Grad Außentemperatur getestet und waren mit der Belüftungsleistung vollkommen zufrieden. Auch der gummierte Fersenhalt passt ins durchdachte Gesamtbild: Der Fuß bleibt sauber positioniert, ohne dass der Schuh im Fersenbereich unangenehm klemmt.
Besonders positiv fällt die Anpassbarkeit auf. Pro Schuh kommen zwei SLW3-Drehrad-Verschlüsse zum Einsatz, mit denen sich der Sitz feinjustieren lässt. Statt auf übliche BOA-Verschlüsse setzt Northwave auf ihr eigenes System. Die Verschlüsse arbeiten präzise und lassen sich nicht nur komplett öffnen, sondern auch klickweise entspannen.
Zusätzlich legt Northwave zwei unterschiedliche Sets an Einlegesohlen bei. Dadurch lässt sich das Volumen im Schuh weiter auf den bevorzugten Fit anpassen. Auch mit etwas breiterem Vorderfuß findet man bequem Platz, ohne dass der Schuh ein schwammiges Fahrgefühl vermittelt oder seinen sportlichen Halt verliert. Die bei Northwave übliche Abstufung in halben Größen tut ihr Übriges, um den passenden Schuh zu finden.
Auf dem Bike überzeugt der Extreme X mit viel Stabilität und einer sehr direkten Verbindung zum Pedal. Gleichzeitig bleibt er im Obermaterial komfortabel genug, um nicht wie ein holländischer Holzschuh zu wirken. Harte Antritte, lange Druckphasen am Berg und hohe Trittfrequenzen quittiert der Schuh mit einem unmittelbaren Gefühl am Pedal.
Klar ist aber auch: Der Extreme X ist kein gemütlicher Tourenschuh, sondern ein Race-Schuh, der jedes Watt möglichst verlustfrei weitergeben will. Beim Laufen merkt man entsprechend, wofür dieser Schuh gebaut wurde. Der Extreme X ist kein Freizeitschuh und auch kein Trail-Schuh für lange Schiebepassagen. Die Carbonsohle bleibt sehr fest, die austauschbaren Stollen sind bewusst klein gehalten. Auf ruppigem Untergrund kann das Abrollen daher etwas hakelig wirken.
Fazit zum Northwave Extreme X
Der Northwave Extreme X ist ein Performance-Schuh mit klarer Race-DNA, überrascht aber mit einem komfortablen Sitz. Das weiche, gut belüftete Obermaterial, der sichere Fersenhalt und die präzise Anpassung über zwei Drehverschlüsse sorgen für eine stimmige Passform, selbst bei einem breiteren Vorderfuß. Auf dem Bike überzeugt der Extreme X mit starker Kraftübertragung, und für kurze Tragepassagen bietet er ausreichend Grip. Nur längere Laufstrecken sind nicht sein Revier.
Tops
- sehr steife Carbonsohle mit direkter Kraftübertragung
- präzises Drehverschluss-System
- hoher Tragekomfort für einen Race-Schuh
Flops
- keine
Mehr informationen unter northwave.com/de/
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Text: Erik Bötzle Fotos: Jan Fock
