Road Test

Miss Grape Road-Bikepacking-Taschen im Test – Ein Leben lang?

Geringes Gewicht und eine schmale Bauform – damit will Miss Grape die Road-Serie zu einem kaum spürbaren Begleiter für die Rennrad-Abenteuer abseits der Hauptrouten machen. Wir wollten wissen, ob das klappt und hatten verschiedene Modelle der in Italien handgefertigten Taschen für euch im Test.

Miss Grape Road-Serie | ab 102 g | ab 65 € | Hersteller-Website

Die italienische Marke Miss Grape wurde aus dem Gedanken geboren, das für lange Touren um die Welt benötigte Gepäck optimal verstauen zu können. Dazu hat Miss Grape Taschen entwickelt, die widerstandsfähig, verlässlich und leicht sein sollen. Da Radfahren ein Sport in der Natur ist und in Einklang mit dieser stehen sollte, verfolgt das Unternehmen einen nachhaltigen Ansatz, bei dem alle Taschen in Italien von Hand genäht werden – in einer Art und Weise, bei der beschädigte Taschen reparabel sein sollen, anstatt ersetzt werden zu müssen. Und nicht nur das: Miss Grape vertraut seiner Handwerkskunst so sehr, dass alle Taschen eine lebenslange Garantie erhalten: gemacht, um zu überdauern. Zur Einordnung der Road-Serie empfehlen wir euch, unsere allumfassende Enzyklopädie zu Bikepacking-Taschen zu lesen.

Die Bikepacking-Taschen der Miss Grape Road-Serie

Mit der Road-Serie bringt Miss Grape Bikepacking-Taschen in verschiedenen Größen, die auf die Bedürfnisse von Rennradfahrern eingehen sollen. Allen gemein ist die schlichte Optik in Schwarz mit grünen und weißen Akzenten, das reißfeste Gewebe aus Nylon und Polyester und die genähte Verarbeitung. Sie soll gegenüber einer verschweißten Verarbeitung sicherstellen, dass Teile der Taschen bei Beschädigungen ausgetauscht werden können. Wir haben die drei Taschen aus der untenstehenden Tabelle getestet.

Hier kommen die harten Fakten:

Maße (L x B x H) Volumen Gewicht Preis
Node Road 200 x 48 x 80 mm 102 g 65 €
Internode 2 310 x 70 x 150 mm 2 l 129 g 99 €
Cluster 7 440 x 160 x 140 mm 7 l 254 g 145 €

Zusätzlich zu den getesteten Modellen gibt es in der Miss Grape Road-Series noch eine zweite, etwas größere Rahmentasche, eine weitere Oberrohrtasche, die angeschraubt werden kann, und eine Lenkertasche. Die von uns getesteten Modelle sind unkompliziert anzubringen und die jeweiligen Gurte sind auch für fette Aero-Formen lang genug. Außerdem erweisen sich die Taschen für den gebotenen Stauraum tatsächlich als sehr leicht.

Miss Grape Node Road-Oberrohrtasche

Miss Grape Node Road | 102 g | 65 €

Die kleinste Tasche der Miss Grape Road-Serie bietet praktischen Stauraum für eure Essentials. Trotz der schmalen Bauform, die für bestmögliche Bewegungsfreiheit der Beine sorgen soll, nimmt sie wahlweise eine Tagesration Riegel und Gels, Ersatzschläuche und CO2-Kartuschen oder Handy und Geldbeutel auf. Durch den gummierten Boden und den fest vernähten Strap um das Oberrohr, lässt sich die Tasche problemlos und sicher anbringen. Dazu kommt ein zweiter Strap um den Spacer-Tower: Wer keine Spacer mehr unter dem Vorbau hat, der hat ein Problem bei der Befestigung und muss erfinderisch werden. Allerdings kann dieser zweite Strap an zwei unterschiedlich hohen Positionen angebracht werden.

Massiver Reißverschluss: Sieht globig aus, funktioniert aber tadellos.

Der sehr robuste und großzügig dimensionierte Reißverschluss lässt sich auch während der Fahrt einfach einhändig öffnen und schließen – zumindest bis zur Abdeckung des Zippers. Hier ist dann etwas Fingerspitzengefühl notwendig. Beachten solltet ihr außerdem, dass die Node Road-Tasche keine Kabelöffnung besitzt. Hier könnt ihr allerdings Abhilfe schaffen, indem ihr den Reißverschluss minimal offenstehen lasst und das Kabel – zum Beispiel der Powerbank – dort herausführt. Durch die Abdeckung des Zippers kann es in diese minimale Öffnung auch nicht hinein regnen. Stichwort Regen: Im Gegensatz zu den anderen Taschen der Road-Serie ist die Node Road nicht beschichtet und daher nicht wasserdicht, sondern nur wasserabweisend. Alles, was nicht nass werden darf, solltet ihr daher zur Sicherheit noch in einen Beutel verpacken.

Miss Grape Internode 2-Rahmentasche

Miss Grape Internode 2 | 129 g | 99 €

Die Miss Grape Internode 2 ist eine sehr kompakte Rahmentasche, die im vorderen Teil des Rahmendreiecks mit jeweils zwei Straps um Ober- und Unterrohr sicher ihren Platz findet. So könnt ihr selbst in kompakten Rennrad-Rahmendreiecken trotz Rahmentasche zwei Trinkflaschen an ihren angestammten Plätzen mitführen. Die Tasche selbst hat ein großes Fach, das mit einem Volumen von 2 l genügend Stauraum bietet, für einen Tagestrip oder einen Weekender mit Übernachtung in einem Zimmer: T-Shirt, Unterhose und Zahnbürste passen locker rein! Der Stauraum ist nicht unterteilt und allein von der rechten Seite zugänglich – für eine Tasche dieser Größe ausreichend. Der ausgesprochen robuste Reißverschluss läuft auch hier leichtgängig genug, um ihn während der Fahrt einhändig bedienen zu können. Er hat allerdings das gleiche Problem wie bei der Node Road-Oberrohrtasche: Beim Schließen bleibt man auf den letzten 2 cm an der Zipper-Garage hängen. Die schützt aber auch die offenstehenden letzten Millimeter des Reißverschlusses bei Regen. Bei sehr widrigen Bedingungen muss aber auch hier mit etwas Fingerspitzengefühl der Zipper bis zum Ende gefummelt werden.

Die Internode 2 ist von innen beschichtet und soll so zu 100 % wasserdicht sein – ein gänzliches Schließen der Tasche ist also hier im Gegensatz zur Node Road-Oberrohrtasche absolut sinnvoll. Die wasserdichte Innenbeschichtung sieht zwar unschön aus – was im Inneren der Tasche zu verschmerzen ist – erfüllt aber tadellos ihren Job: In unserem Test blieb der Innenraum trocken. Die Internode 2 passt durch ihre kompakte Form in klassische Diamant-Rahmenformen jeder Größe. Das Gleiche gilt für die etwas größere Internode 3-Rahmentasche. Im Vergleich zu den beiden anderen Miss Grape-Taschen im Test ist sie die mit Abstand unauffälligste im Gebrauch. Wenn man sie nicht gerade mit Steinen füllt, fällt sie während des Fahrens absolut nicht auf.

Miss Grape Cluster 7-Satteltasche

Miss Grape Cluster 7 | 254 g | 145 €

Bei der Miss Grape Cluster 7 handelt es sich um eine einteilige Roll-Up-Satteltasche. Sie wird schnell und einfach mit einem gummierten Klettverschluss an der Sattelstütze und zwei Straps am Sattelgestell befestigt und festgezurrt. Letztere sind weit außen an der Tasche vernäht und geben ihr auch bei voller Beladung sehr viel Support. Der einteilige Aufbau hat zwar im Vergleich zu Systemen, die aus einem Träger und einem Trockensack bestehen, einen deutlichen Gewichtsvorteil. Allerdings muss dafür immer die ganze Tasche abgenommen werden, wenn man sie mit auf das Zimmer nehmen will. Für eine Tasche mit 7 l Volumen ist die einteilige Bauweise auch aus unserer Sicht die beste Wahl für den Road-Einsatz. Die Befestigung funktioniert problemlos und die Bewegung der Tasche beim Fahren hält sich absolut im Rahmen. Das Material der Tasche ist an der Oberseite – also der durch Reibung mit dem Sattel stark strapazierten Stelle – verstärkt und soll beim Kontakt mit dem Sattel auch bei dauerhafter Reibung nicht beschädigt werden. Ob die Verstärkung ihr Versprechen hält, muss ein Langzeittest noch zeigen. Ebenfalls auf der Oberseite der Tasche befinden sich einige Laschen, an denen ihr Kleinigkeiten mit einem Strap befestigen könnt. Wir hätten uns zusätzlich Laschen auch auf dem hinteren, umlaufenden Strap der Tasche gewünscht – das wäre eine gute Stelle für ein Rücklicht.

Der gummierte Strap um die Sattelstütze hilft dabei, die Satteltasche sicher an ihrem Platz zu halten.

Der Verschluss der Tasche erfolgt klassisch als Roll-up: So weit aufrollen wie möglich und dann die beiden Enden mit Klick-Verschluss zusammenführen. Das braucht etwas Übung, um keine unnötige Luft einzuschließen. Abhilfe könnte hier ein Entlüftungsventil schaffen, das jedoch aus Gewichtsgründen nicht zum Einsatz kommt. Eine maximale Kompression der Tasche beim Packen ist unerlässlich, um das Schaukeln beim Fahren auf ein Minimum zu reduzieren. Für alle Einsteiger bietet es sich zumindest anfangs an, die Tasche dazu vom Bike zu trennen. Die Cluster 7 ist wie auch die Internode 2-Rahmentasche von innen beschichtet und hat unsere Regen-Tests bestanden: wasserdicht! Wenn ihr minimalistisch veranlagt seid, dann reicht euch das Volumen von 7 l auch für mehrtägige Touren aus.

Unser Fazit zu den Miss Grape Road-Bikepacking Taschen

Die Taschen der Miss Grape Road-Serie verbinden robusten Stauraum mit coolem Design und geringem Gewicht. Überzeugt sind wir auch vom nachhaltigen Ansatz der Italiener, die eine lebenslange Garantie bieten und die Taschen bei Beschädigungen lieber reparieren als austauschen. Trotz der wuchtigen Zipper-Abdeckungen und dem nur wasserabweisenden Material der Oberrohrtasche bieten die Taschen ein rundes Transportkonzept für die kurzen Alltagsfluchten auf dem Bike.

Tops

  • lebenslange Garantie
  • nachhaltige Firmenphilosophie
  • geringes Gewicht

Flops

  • Abdeckung der Reißverschluss-Zipper sehr wuchtig
  • Oberrohrtasche nur wasserabweisend

Mehr Informationen zur Miss Grape Road-Serie findet ihr unter missgrape.net

Wollt ihr mehr über Bikepacking-Taschen wissen? Dann checkt unsere allumfassende Bikepacking-Taschenenzyklopädie!
Und wenn ihr gerade erst mit Bikepacking anfangt, dann empfehlen wir euch unseren Bikepacking-Crashkurs, der euch alles sagt, was ihr wissen müsst.

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Text & Fotos: Tobias Hörsch