Lightweight Obermayer EVO, der Inbegriff von Highend mit ultimativem Prestige-Faktor. Doch ist der Leichtbau-Traum vieler Roadies noch aktuell und verdient er seinen hochgelobten Ruf? In unserem Performance-Vergleichstest müssen sich die Lightweight-Laufräder mit den aktuellen Aero-Laufrädern messen.

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Lightweight Obermayer EVO | 6.990 € | 1275 g | Hersteller-Website

Dieser Laufradsatz wurde im Rahmen unseres großen Aero-Wheel-Vergleichstests 2024 getestet – einen Überblick über alle getesteten Laufräder erhaltet ihr hier.

Lightweight ist als einer der Pioniere der One-Piece-Konstruktion von Carbon-Laufrädern zurecht eine echte Institution. Und das zeigt sich auch am Preis. Mit knapp 7.000 € stehen die Obermayer EVO allein und weit abgeschlagen an der Spitze. Doch wie kann sich die weitestgehend unveränderte One-Piece-Carbon-Konstruktion der Obermayer EVO im Vergleich zu modernen Aero-Laufrädern behaupten? Oder macht der hohe Preis und auffällige Look die Laufräder eher zum Statussymbol anstatt zum vollwertigen Upgrade für Performance-Hungrige?

Superleicht und superteuer – Die Hardfacts zu den Lightweight Obermayer EVO

Das Lightweight-Erfolgskonzept aus Naben, Speichen und Felgen aus einem Guss wird auch an den Obermayer EVO praktiziert. Und das bringt einige Vorteile mit sich. So lässt sich ein unglaublich leichtes Gewicht bei gleichzeitig hoher Steifigkeit erzielen. Mit federleichten 1.275 g liegen die Obermayer EVO ungeschlagen an der Spitze. Doch die Konstruktion bringt noch weitere Vorteile. Durch den Verzicht auf geschraubte Speichen und Nippel kommt das Felgenbett auch ohne Bohrungen aus. Bedeutet eine spielend leichte Tubeless-Montage, garantiert ohne Leck! Etwas weniger modern und tubeless-gerecht ist die geringe Maulweite von 18 mm. Moderne breite Reifen mit 28C Plus sind dafür laut Syncros eigentlich nicht geeignet. Selbst Reifen in 25C wirken etwas klobig auf den Obermayer EVO. Genauso oldschool wie die Felgenbreite ist auch der verbaute Magnet zur Geschwindigkeitsmessung. Ein Muss für alte Radcomputer mit Geschwindigkeitssensor, doch heutzutage kommt praktisch jede moderne Headunit mit GPS und ohne externe Sensoren aus. Etwas gewöhnlicher sind dagegen die Naben. Mit DT Swiss-Internals und Ratchet EXP-Freilauf sind sie leicht zu servicen und Ersatzteile lassen sich überall besorgen. Zum Preis von knapp 7.000 € passend sind dagegen die CeramicSpeed-Lager. Hier vertraut Lightweight nicht nur auf die Effizienz von Keramiklagern, sondern holt einen der größten Namen mit an Bord.

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Aus einer anderen Zeit
Einst ein super Feature, doch in Zeiten von GPS-Radcomputern sind Magnete in der Felge nur noch überflüssig.
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Handarbeit pur
An den Naben zeigt sich, wie viel Handarbeit in der Herstellung steckt.
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Tubeless made easy
Einfacher geht es nicht, Ventil rein und schon ist die Felge ohne Bohrungen bereit für die Tubeless-Montage.

Doch trotz all der High-End-Ausstattung ist es vor allem die einzigartige Optik in Kombination mit dem minimalen Gewicht der Lightweight Obermayer EVO, die versucht, den Preis zu rechtfertigen. Und tatsächlich sind die Laufräder extrem hochwertig verarbeitet und trotz der schlichten Optik ein echter Blickfang. Deutlich durchschnittlicher fällt die Garantie aus. Lightweight erweitert die Garantie um fünf Jahre über den gesetzlichen Anspruch hinaus und mit dem Crash Replacement Programm gibt’s im Schadensfall Nachlass auf Ersatz.

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Oldschool
Spitz zulaufende Felgen waren die ersten Aero-Felgen überhaupt, mittlerweile gibt es aber weitaus bessere Profile mit höherer Effizienz.
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Perfekt integriert
An den Felgen zeigt sich die Erfahrung der Laufradbauer, die Carbonspeichen verschwinden nahtlos und extrem sauber in der Felge.

Lightweight Obermayer EVO – Hoch hinaus

Bei dem Fahrtest gab es so einige Überraschungen und die Lightweight Obermayer EVO waren garantiert eine davon. Durch die extreme Leichtigkeit und die steife Bauweise ergibt sich ein einzigartiges Fahrgefühl. Direkt und steif verwandeln die Lightweight jedes bisschen Kraft aufs Pedal in Vortrieb und setzen auch die kleinsten Lenkimpulse sofort und ohne Filter um. Vor allem im Uphill können die Räder überzeugen und ihre Stärken, dank minimalem Gewicht, voll ausspielen. Das macht besonders in steilen Passagen und in der Beschleunigung aus Serpentinen richtig Laune. Und auch bei Sprints und Antritten auf der Ebene lässt sich diese hohe Effizienz wiederfinden. Doch die hohe Reaktionsfreudigkeit hat auch ein paar Tücken. So muss vor allem die Compliance leiden, denn diese geht bei den Lightweight Obermayer EVO gegen null. Etwas schade, aber bei der Konstruktion und der hocheffizienten Fahrweise ein notwendiges Übel. Mit 28C-Reifen lässt sich etwas gegensteuern, aber durch die schmale Maulweite fehlt einfach ausreichend Volumen für eine adäquate Dämpfung.
Ein weiteres Manko ist die Performance bei Seitenwind. Durch die sehr breiten Carbon-Speichen und kantigen, 48 mm tiefen Felgen fangen die Obermayer EVO den Wind wie die tiefsten Modelle im Test.

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Alter Hase? – Die Lightweight Obermayer EVO im Windkanal

Trotz der flächigen Carbonspeichen und One-Piece-Konstruktion fällt die Aero-Performance der Lightweight Obermayer EVO leider etwas schlechter aus. Schon beim Fahrtest fällt auf, dass die Obermayer EVOs von der Konkurrenz gedropt werden. In der Geraden scheinen sie noch mithalten zu können, doch beim Segeleffekt und Seitenwind bricht die Leistung rapide ein.
Im Windkanal zeigt sich, die Räder halten bei moderatem Gierwinkel bis 2,5° mit der langsamsten Konkurrenz mit, doch schon etwas darüber bricht die Performance rapide ein. Bei höheren Winkeln lässt sich ein leichter Segeleffekt beobachten, doch an diesem Punkt sind die Obermayer EVO schon weit abgeschlagen. Im Schnitt gibt das keine gute Performance. Gemittelt liegt das Lightweight-Laufrad knapp 10 Watt hinter dem Testsieger Syncros und mit 4 Watt weit abgeschlagen hinter dem nächstbesten Laufrad von Mavic.

Fazit zu den Lightweight Obermayer EVO

Leichtbau und High End, damit besticht der Lightweight Obermayer EVO-Laufradsatz gekonnt. Dabei eilen die individuelle Bauweise und der legendäre Ruf dem Laufrad voraus. Kein anderes Laufrad ist direkter oder spritziger und macht so viel Laune im Anstieg. Doch leider geht das nicht nur zu Kosten der Aerodynamik, da auch die Compliance- und Zukunftsorientierung darunter leiden. Bleibt ein extrem teurer und nicht wirklich vielseitiger Laufradsatz, perfekt für PNS und S-Works, zumindest wenn man nicht nach Aero-Performance sucht.

Tops

  • hohe Steifigkeit und leichtes Gewicht perfekt für Bergfahrer
  • hochwertige Verarbeitung
  • einzigartiger Look

Flops

  • sehr schmale Felgen
  • etwas in die Jahre gekommene Felgengeometrie
  • extrem hoher Preis

Für mehr Infos besucht lightweight.info


Das Testfeld

Dieser Laufradsatz wurde im Rahmen unseres großen Aero-Wheel-Vergleichstests 2024 getestet – einen Überblick über alle getesteten Laufräder erhaltet ihr hier.

Alle Laufräder im Test: Bontrager Aeolus RSL 51 TLR (Zum Test) | Cadex 50 Ultra (Zum Test) | DT Swiss ERC 1100 Dicut DB 45 (Zum Test) | Hunt SUB50 (Zum Test) | Lightweight Obermayer EVO | Mavic Cosmic SLR 45 Disc (Zum Test) | Reserve 52/63 (Zum Test) | Roval Rapide CLX II (Zum Test) | Syncros Capital SL Aero 60mm (Zum Test) | Vision Metron 60 SL Disc (Zum Test) | Zipp 454 NSW (Zum Test)

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Text: Calvin Zajac Fotos: Jan Richter