
Mit dem neuen Aerodynamicist 44/46 hatte sich HUNT ein klares Ziel gesetzt: Die Carbon-Laufräder im Mittelpreissegment auf ein neues Performance-Level zu heben. Wir hatten das 2015 gegründete Unternehmen HUNT Bikes Wheels bereits letztes Jahr in Partridge Green besucht und nun den neuen Aerodynamicist unter die Lupe genommen. Im Zentrum der Weiterentwicklung standen eine breitere Maulweite, spezifische Felgenprofile für vorne und hinten und ein Gewicht von unter 1.400 g. Dazu wurden die Räder mit klassischen Hooked-Felgen ausgestattet und für eine Reifenbreite von 28–30 mm optimiert – dazu passende Reifen findet ihr in unserem großen Rennrad-Reifen-Vergleichstest 2025. Somit positioniert sich HUNT bewusst gegen den Hookless-Trend und setzt zumindest bei diesen Felgen wieder auf maximale Sicherheit.
Im Vergleich zum großen Bruder im Line-up, den steiferen und teureren HUNT SUB50, der uns in unserem Carbon-Laufrad-Vergleichstest 2024 durch sein direktes Antrittsverhalten sowie dem ausgeprägten Segeleffekt im Test überzeugt hat, geht der Aerodynamicist andere Wege: Insbesondere durch seine Aero-Performance, Alltagstauglichkeit und Komfort will er als Allrounder auftrumpfen. Doch wie schlägt sich das Update im echten Leben – auf Asphalt, im Antritt, in der Abfahrt? Wir haben den Laufradsatz getestet und verraten euch alles, was ihr wissen müsst!
Im Test: Was können die HUNT Aerodynamicist 44/46?
Über mehrere Monate hinweg und unter unterschiedlichsten Bedingungen haben wir den neuen HUNT Aerodynamicist 44/46-Laufradsatz auf Herz und Nieren geprüft. Unser Setup bestand aus 30 mm breiten Tubeless-Reifen von Schwalbe und Continental, montiert auf der Variante mit Stahlspeichen.
Schon beim ersten Aufziehen fällt auf: Die Kombination aus breiter Maulweite und klassischer Hooked-Felge sorgt für eine solide Passform. Sowohl die Reifen von Continental als auch Schwalbe sitzen sicher, das Tubeless-Setup dichtet problemlos ab, selbst ohne Milch. Keine Sauerei, kein Nachpumpen – so soll es sein! Optisch wirkt das Gesamtpaket wie gemacht für 30-mm-Reifen: Es ergibt sich keine ballonartige Aufwölbung, sondern ein sehr harmonischer, stimmiger Look.
Auf der Straße setzt sich dieser hochwertige Eindruck fort. Der Antritt ist direkt und effizient – nicht so explosiv wie bei Voll-Carbon-Laufrädern aus der obersten Preiskategorie, aber in keinem Fall träge. Es wird schnell deutlich, dass der Aerodynamicist ein anderes Konzept verfolgt und in allen Punkten auf Ausgewogenheit statt auf Extreme setzt. So ist der Laufradsatz steif genug, um schnell zu beschleunigen oder präzise rasante Kurven zu halten, aber eben nicht kompromisslos steif.
Besonders am Berg macht sich das moderate Gewicht bemerkbar. Auch wenn es auf dem Markt Modelle gibt, die ein noch leichteres Klettergefühl vermitteln, überzeugt der Aerodynamicist mit einer konstanten Direktheit, die auf langen Anstiegen motiviert. Das Handling ist dabei klar und kontrolliert: Richtungswechsel gelingen präzise, das Rad bleibt auch bei höheren Geschwindigkeiten gutmütig. In Kombination mit der 44/46mm-Felgentiefe entsteht auf flachen Etappen ein leichter Segeleffekt – ohne auffällige Seitenwindanfälligkeit. Selbst bei stärkerem Wind bleibt das System stabil, was nicht zuletzt dem nur 44 mm tiefen Vorderrad zu verdanken ist.
In Kombination mit 30 mm Reifen ergibt sich ein angenehm smoothes Fahrverhalten – nicht wie ein Endurance-Laufradsatz, aber deutlich komfortabler als viele Aero-Laufräder seiner Klasse. Besonders an steiferen Rahmen ist das Plus an Compliance spürbar. Wer es etwas direkter mag, kann auf 28-mm-Reifen wechseln – das bringt mehr Schärfe ins Handling, ohne die Grundcharakteristik zu verändern. Oder man setzt gleich auf die Option mit Carbon-Speichen Die Felgen sind laut ETRTO-Tabelle zwar von 25 mm bis 50 mm breiten Reifen freigegeben, der Sweetspot liegt aber definitiv zwischen 28 mm und 32 mm.
Insgesamt bietet der Aerodynamicist 44/46 eine stimmige Mischung aus Effizienz, Kontrolle und Alltagstauglichkeit mit einem von HUNT gewohnt hörbaren Hub-Sound. Dieser wirkt im Vergleich zu den aggressiveren SUB-Modellen jedoch etwas zurückhaltender und nicht so schrill im Klang.
Für wen sind die HUNT Aerodynamicist 44/46?
Die HUNT Aerodynamicist 44/46 bieten ein stimmiges Gesamtpaket aus moderner Felgengeometrie, geringem Gewicht und solidem Fahrverhalten. Dabei sind sie weder extrem leicht noch kompromisslos aero, überzeugen aber gerade durch ihre Ausgewogenheit. Die Neuentwicklung von der Bike-Wheel-Schmiede aus Südengland richtet sich an alle, die einen Laufradsatz suchen, der nicht auf eine Disziplin festgelegt ist und im Trainingsalltag genauso funktioniert wie auf langen Touren, bei Rennen oder bei schnellen Gruppenfahrten. Wer einen soliden Alleskönner will, der das ganze Jahr über am Rad bleiben kann, wird hier fündig.
Fazit: Würden wir die HUNT Aerodynamicist 44/46 kaufen?
Ja! Ob Alpenpass, Küstenwind oder schnelle Feierabendrunde: Wer einen modernen, vielseitigen Laufradsatz sucht, der sportliche Leistung liefert, ohne das Budget zu sprengen, sollte den Aerodynamicist 44/46 unbedingt auf dem Zettel haben. Wie ein britischer Allwettermantel: Der HUNT Aerodynamicist 44/46 ist kein Spezialist, überzeugt dafür in fast jeder Situation. Er verbindet ausreichend Felgentiefe für spürbare Aero-Vorteile mit einem Gewicht, das auch bergauf nicht bremst. Dazu kommt ein Plus an Komfort, das besonders auf rauem Asphalt oder am steiferen Rahmen positiv auffällt.
Tops
- sehr gute Allround-Performance
- attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis
- hoher Komfort
- Mit allen drei Freilaufsystem kompatibel und werkzeuglos montierbar
Flops
- keine
Mehr Informationen unter huntbikewheels.com
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Text: Jan Fock Fotos: Jan Richter
