
Der Hammerhead Karoo ist nach dem Karoo 1 und Karoo 2 die nicht konsequent benannte dritte Generation des Fahrradcomputers aus dem Hause Hammerhead. Der US-amerikanische Hersteller wurde 2021 von SRAM übernommen und hat konsequenterweise seine Software auf die nahtlose Integration in den SRAM AXS-Kosmos optimiert. Welche Vorteile das mit sich bringt und welcher andere Schaltgruppen-Riese ein Problem mit der SRAM-Zugehörigkeit hat, verraten wir euch gleich. Doch zunächst zur Hardware.
Der Karoo ist der kleinste und leichteste Fahrradcomputer unter den drei getesteten Modellen, die allerdings alle für einen Radcomputer sehr groß sind. Das 3,2 Zoll große Touch-Display des Hammerhead Karoo verfügt mit einer Auflösung von 480 x 800 Pixel über die höchste Pixeldichte und sollte somit das schärfste Bild im Vergleichstest liefern können. Zudem ist ein Helligkeitssensor zur automatischen Steuerung der Hintergrundbeleuchtung verbaut, während das Display leicht entspiegelt, was eine bessere Ablesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung verspricht.
Neben dem Touchscreen verfügt das Karoo über 5 Tasten, die die wichtigsten Funktionen während der Fahrt komplett abbilden. So kann bei Regen oder im Winter mit dicken Handschuhen auch ohne Touchscreen gefahren werden.
Mit 117 Gramm bringt der Hammerhead Karoo im Test deutlich weniger auf die Waage als seine großen Konkurrenten: Er ist ganze 30 % leichter als der Garmin Edge 1050 (160 g) und sogar 44 % leichter als der Wahoo ELEMNT ACE (209 g). Das macht sich nicht nur auf der Küchenwaage bemerkbar, sondern auch am Cockpit: weniger Wackeln auf ruppigem Untergrund und ein eleganterer Look durch die kompaktere Bauform.
Doch schöne Specs auf dem Papier sind das eine – wie schlägt sich der Karoo, wenn’s ernst wird? Wenn der Regen waagrecht runterprasselt, die Handschuhe nass sind und der Puls bei 180 liegt? Raus aus der Theorieblase und rein in den Praxistest!
Der Hammerhead Karoo im Test
Akku geladen, Sensoren gekoppelt und los! Im Praxistest musste der Karoo auf langen Touren, schnellen Trainingsrunden und im Alltagsbetrieb zeigen, was in ihm steckt. Dabei haben wir besonderes Augenmerk auf die Navigation, Displayqualität, Bedienung, Akkulaufzeit und die Trainingsfunktionen gelegt – unter realistischen Bedingungen und mit allen Geräten gleichzeitig im Einsatz.
Der erste Eindruck entsteht – wie so oft – über das Display. Und hier zeigt der Hammerhead Karoo im Test seine Stärken: Mit 3,2 Zoll als kleinstes Modell im Testfeld hat er uns mit der höchsten Pixeldichte überrascht. Die Anzeige ist gestochen scharf, Farben kräftig, Kontraste stark. Der Helligkeitssensor reagiert zuverlässig und das Display ist somit in jeder Lichtsituation gut abzulesen – ganz gleich ob im Schatten des Waldes oder bei grellem Sonnenlicht. Auch die Blickwinkelstabilität ist exzellent: Selbst bei seitlicher Sicht auf den Lenker bleibt das Bild klar. Auch wenn das Wahoo ELMNT ACE bei direkter Sonne die Nase vorn hat: In Summe präsentierte sich der Hammerhead Karoo in unserem Test als das am besten ablesbare Gerät – ein echter Vorteil, wenn es auf schnelle Orientierung ankommt.
Aber was nützt das schönste Display, wenn der Akku nicht durchhält? Um das zu prüfen, haben wir alle Geräte unter identischen Bedingungen parallel laufen lassen: Navigation aktiv, Display dauerhaft an, automatische Helligkeit, zwei gekoppelte Sensoren und eine aktive Smartphone-Verbindung. Das Ergebnis: Der Hammerhead Karoo erreicht im Test unter diesen praxisnahen Bedingungen eine Laufzeit von knapp 15 Stunden – ein solider Wert, der auch für lange Tagestouren locker ausreicht. Zudem lässt sich die Laufzeit durch den optionalen Stromsparmodus noch deutlich verlängern. Der schaltet das Display bei Inaktivität ab, dimmt die Helligkeit und reduziert die Prozessorleistung – top. Im Vergleich zeigt sich jedoch, dass die größeren, schwereren Geräte von Garmin und Wahoo dann auch größere Akkus verbaut haben. Der Edge 1050 lief im Test gut 20 Stunden und der ELMNT ACE ganze 25 Stunden.
Die Bedienung des Karoo ist modern und durchdacht. So könnt ihr alle Einstellungen direkt am Gerät vornehmen, was ein Vorteil gegenüber Systemen wie von Wahoo darstellt, die auf ein Smartphone angewiesen sind, um Datenseiten anzupassen. Änderungen während der Fahrt gelingen intuitiv und schnell – dazu etwas länger auf ein Datenfeld tippen, neue Datenquelle auswählen, fertig.
Neben der umfangreichen und intuitiv gestalteten Individualisierung ist auch die Bedienung während der Fahrt sehr gut gelungen. Die Kombination aus präzisem Touchscreen und fünf seitlichen Tasten sorgt beim Hammerhead Karoo für Kontrolle bei jedem Wetter – selbst mit Handschuhen. Was sofort auffällt: Die Benutzeroberfläche ist modern gestaltet, durchdacht animiert und angenehm aufgeräumt. Menüs, Karten und Widgets wirken up to date, sind informativ und erleichtern den Einstieg ebenso wie die tägliche Nutzung. Im Vergleich kamen wir mit dem Karoo im Test am besten zurecht. Der Wahoo bietet zwar eine noch einfachere Bedienung, lässt sich aber längst nicht zu gut an die eigenen Vorlieben anpassen. Und auch wenn der Garmin extrem viele Individualisierungs- und Einstellmöglichkeiten hat, ist er durch die reine Touchscreen-Bedienung und die etwas unübersichtliche Menüführung jedoch nicht so intuitiv zu bedienen wie das Karoo.
Die Navigation funktioniert zuverlässig – der GPS-Empfang war in unserem Test jederzeit stabil, auch im Wald oder in urbanen Gebieten. Verlässt man die geplante Route, schlägt das System Alternativen vor, die sich dem voreingestellten, bevorzugten Untergrund anpassen – Straße, Gravel oder Trail. Das funktioniert meist gut, auch wenn die Umwege gelegentlich etwas großzügig ausfallen. Das ist ein Knackpunkt, den sich alle Geräte im Test teilen. Möchte man Umwege und extra Höhenmeter vermeiden, empfiehlt es sich, immer nochmal einen Blick auf die Karte zu werfen und den Re-Routing-Vorschlag kritisch zu hinterfragen.
Die Kartendarstellung beim Hammerhead Karoo lässt kaum Wünsche offen. Sie ist übersichtlich, Abbiegungen sind klar zu erkennen, Radwege farblich markiert und mit den drei voreingestellten Zoomstufen hat man fast immer die passende Übersicht mit einem Knopfdruck parat. Wer es individueller mag, kann den Zoom entsperren und stufenlos anpassen. Keine Lust, auf die Karte zu schauen? Dann braucht es beim Karoo Zusatzequipment: Sprachansagen sind nur über gekoppelte Bluetooth-Kopfhörer möglich – der Karoo selbst meldet sich lediglich über einen Buzzer.
Berg voraus! Anstiege sind auf der Karte farblich markiert. Wie steil es gleich rauf geht, wird beim Hammerhead Karoo aber nicht direkt auf der Route angezeigt, sondern im Pop-up des Hill Climb-Modus oder als eigenes Widget angezeigt. Die Pop-ups für den Hill Climb-Modus und Abbiegehinweise sind recht groß und verdecken je nach Einstellung die Karte oder die Datenfelder, lassen sich jedoch auch deaktivieren.
Team SRAM? Dann wird’s jetzt spannend. Ein Alleinstellungsmerkmal von Hammerhead ist die tiefe Integration in den SRAM AXS-Kosmos. Der Karoo erkennt und koppelt SRAM-Komponenten wie Schaltgruppen, Powermeter oder Reifendrucksensoren im Handumdrehen – schnell, zuverlässig und unkompliziert. Auch die Akkustände von allen Komponenten werden übersichtlich angezeigt. Zusätzlich lassen sich die Extra-Tasten der SRAM AXS-Schaltungen mit vielfältigen Funktionen belegen, die über die reine Steuerung des Karoo hinausgehen.
Wer jedoch auf Shimano Di2 setzt, hat es schwerer: Aufgrund von Lizenzauflagen ist die Unterstützung offiziell entfallen. Heißt: Out-of-the-box kann man seine Di2-Schaltung nicht mit dem Hammerhead koppeln. Gut, dass der Hammerhead Karoo ein Betriebssystem auf Android-Basis verwendet und das Sideloading von externen Apps erlaubt, sodass die Di2-Funktionalität hergestellt werden kann. Außerdem hat die Community bereits viele weitere Apps entwickelt, etwa für Musiksteuerung, Timer zur Erinnerung ans nächste Gel oder spezielle Widgets. Manche dieser Erweiterungen sind direkt verfügbar, andere erfordern einen separaten App Store – ein interessantes Potenzial für alle, die ihr Gerät individuell anpassen wollen.
Im Vergleich zum Wahoo ELEMNT ACE und dem Garmin Edge 1050 platziert sich der Karoo im Test als kleinere, leichtere Alternative mit seinem sehr guten Display. Die Bedienbarkeit des Hammerhead ist intuitiv genug, um nicht zu überfordern, kommt gleichzeitig aber mit einem hohen Funktionsumfang und lässt vielfältige Individualisierungen zu. Durch die Erweiterung über externe Apps bietet der Karoo Radcomputer zusätzliches Potenzial – besonders dann, wenn bereits SRAM-Komponenten am Rad verbaut sind.
Fazit
Der Hammer Karoo erweist sich im Test als ein wirklich gelungenes Gesamtpaket. Besonders das in allen Lichtsituationen sehr gut ablesbare Display, die durchdachte Benutzeroberfläche, die sich genau an die eigenen Vorlieben anpassen lässt, die intuitive Bedienung mittels Tasten und Touchscreen und die Möglichkeit, externe Anwendungen zu installieren, machen das Karoo zum Alleskönner. Wer kein riesen Display möchte und mit etwas weniger Akkulaufzeit im Vergleich zum Garmin oder Wahoo klarkommt, erhält einen Fahrradcomputer, der in Sachen Features, Bedienbarkeit und Funktionalität auf ganzer Linie überzeugt. Besonders, wenn man ein Bike mit SRAM AXS-Schaltung fährt.
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhältst du hier: Drei High-End GPS-Fahrradcomputer im Test – Garmin Edge 1050, Wahoo ELEMNT ACE und Hammerhead Karoo im direkten Vergleich
Alle GPS-Fahrradcomputer im Test:
Hammerhead Karoo | Garmin Edge 1050 | Wahoo ELEMNT ACE
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Text: Jan Richter Fotos: Jan Richter
