
Unser GRAN FONDO Nationalteam, so haben wir nominiert!
Wir haben immer Bock, gemeinsam mit euch Dinge auf die Beine zu stellen. Mit legendären Events wie dem Rari Racing Club haben wir auch schon einiges an Erfahrung gesammelt. Klar also, dass wir pünktlich zur WM ebenfalls unseren eigenen Nationalkader nominieren mussten. Jedes Teammitglied hat sich seinen Platz im Kader mit ganz eigenen Qualitäten verdient.
Sören – der Styler
Rapha-Amani-Trikot, passender Fischerhut und dazu eine leuchtende Gobik-Hose: Sören ist das buchstäblich strahlende Beispiel dafür, dass Style und Speed definitiv zusammengehören. Wer so aussieht, muss eigentlich automatisch in den Kader.
Stefan – der Exot
Stefan bringt mit seinem Quickpro ER ein Bike an den Start, das sich optisch problemlos in unser aktuelles Racebike-Testfeld einfügen würde – preislich aber in einer ganz anderen Liga spielt. Das chinesische Custom-Bike verzichtet sogar komplett auf Lack, um auch noch die letzten Gramm zu sparen. Im Profisport sieht man unlackierte Rahmen gerne bei den Kapitänen. Will uns Stefan damit irgendetwas sagen?
Joshua – der Dieselmotor
Eigentlich ist Joshua Triathlet. Übersetzt in Radsport-Sprache bedeutet das: großer Motor, lange Übersetzung, bitte nicht nach 20 Sekunden wieder aus der Führung gehen. Auf den schnellen Passagen hält er das Tempo hoch und sorgt dafür, dass auf der Geraden niemand einfach davonrollt.
Doro und Dieter– Helden aus Donaueschingen
Doro ist die einzige Frau im Kader – und zeigt uns mehr als einmal, wo es langgeht. Verstärkung bringt sie direkt mit: Dieter, ebenfalls Donaueschingen. Man darf die Stadt schließlich beinahe als neue Hauptstadt des deutschen Radsports bezeichnen.
Johannes – der Musiker
Johannes ist professioneller Musiker, Bergfahrer und Besitzer eines Cervélo S5 aus dem Jahr 2015. Er bläst also nicht nur am Anstieg zum Angriff, sondern zeigt unserem aktuellen Soloist-Testbike nebenbei auch noch, wer sein Daddy ist.
Martin – der Rookie, der keiner sein will
Martin fährt den Group Ride mit einer derart entspannten Routine, dass niemand zweimal hinschaut. Bis er irgendwann ganz beiläufig erwähnt, dass es seine allererste richtige Gruppenausfahrt ist. Bitte was?
Arthur – die französische Bergziege
Eigentlich Trailrunner, auf dem Rad aber ebenfalls nur schwer zu bremsen. Arthur gibt gerne das Tempo vor und bringt als Franzose spätestens beim Public Viewing die nötige Portion Nationalstolz mit. Als Paul Seixas Krämpfe bekommt, leidet spätestens der ganze Raum mit.
Christoph – der Taktiker
Bei Christoph würden Jens Voigt und Fabian Wegmann vermutlich sofort die Erfahrung auf der Bahn hervorheben. Ruhiger Tritt, konstante Linie, Überblick: Er übernimmt bei uns die taktische Abteilung. Mit Cycle-Punk-Trikot und Antipha-Aufkleber am Bike hat er zudem eine ganz klare Meinung zum Spruch „Sport ist unpolitisch“ – und verantwortet bei uns auch die Team-Statements.
Simon – der Motivator
Wenn die Beine schwer werden und die Stimmung Richtung „Remco haut gleich auf den Lenker“ kippt, kommt Simon ins Spiel. Dauergrinsen, gute Laune und immer noch ein Spruch übrig. Der Mann ist unser mobiles Team-Moralmanagement.
Tobi – der Guide
Gemeinsam mit Autor Bene übernimmt Tobi den Job als capitaine de route. Nicht unbedingt, weil beide sich mit einer Kapitänsbinde schmücken müssten, sondern weil irgendjemand diese Horde schließlich zusammenhalten muss. Am Ende kommen alle gemeinsam an. Job erledigt.
Robin – der Teammanager
Robin finanziert das Team mit Leidenschaft und arbeitet bereits daran, mit seinen Berichten erfolgreicher zu werden als Patrick Lefevere mit seiner Kolumne. Nur mit einem entscheidenden Unterschied: Er versucht dabei, deutlich weniger auf den eigenen Fahrern herumzutreten.
Henry – das Maskottchen
Und was wäre ein gutes Team ohne Maskottchen? Sportlich vermutlich genauso erfolgreich, aber maximal halb so cool. Henry ist deshalb völlig unverzichtbar.
Schnelle Räder, Ferrari, WM? Sorry, aber an Henry kommt als Hauptattraktion trotzdem niemand vorbei.


Der Allround-Racebike-Weltmeister
Parallel zur WM in Kanada suchen auch wir das beste Allround-Racebike der Welt. Für unsere Gäste gab es deshalb einen kleinen Blick hinter die Kulissen: Noch vor Veröffentlichung des Tests durften sie die Bikes begutachten, anfassen und natürlich ausführlich bewerten. Schon bei der Bewerbung zeichnete sich ein klarer Favorit ab: Das Specialized Tarmac interessierte am meisten. Vor Ort verschoben sich die Blicke allerdings ziemlich schnell. Plötzlich stand das Parapera im Mittelpunkt.

Kein Wunder: Campagnolo, Lightweight und jede Menge Luxus – und das zum geringsten Preis im Testfeld. Unsere Leser entpuppten sich dabei schnell selbst als ausgewiesene Experten. Und Doro plant sogar, sich in Zukunft ein Parapera zuzulegen. Entsprechend saugt sie jede Information auf – und wartet jetzt vermutlich noch ungeduldiger auf unseren fertigen Test als wir selbst.
Stefan bleibt dagegen entspannt. Sein Urteil zum eigenen ER steht ohnehin fest: Luxus made in China, Performance auf Augenhöhe – und das für einen Bruchteil des Preises. Diskussionsstoff? Mehr als genug.

Der Ride – WM-würdiges Tempo und Gruppo compatto
Eigentlich war der Plan ziemlich harmlos. gut 120 Kilometer durch die Täler des Schwarzwalds, knapp 28 km/h im Schnitt, entspanntes Plaudertempo. Zwischendurch Kaffee und Kuchen. Ein klassischer Social Ride also. Unsere Nationalmannschaft hatte andere Pläne.
Offenbar hatte jeder seine Nominierung ein bisschen zu ernst genommen. Joshua begann als Rouleur, Kilometer zu fressen, Arthur und Johannes machten an den Anstiegen Druck, und plötzlich entwickelte sich aus „gemütlich rollen“ ein ziemlich stabiler 35er-Streifen.
Das Überraschende daran? Es funktionierte. Keine hektischen Attacken, niemand wurde abgehängt, keine Zwischenfälle. Stattdessen gab es saubere Führungswechsel, gute Kommunikation und eine Gruppe, die auch bei hohem Tempo kompakt blieb. Gruppo compatto eben. Stefan gefiel das Ganze offenbar besonders gut. Einmal vorne angekommen, wollte er aus der Führung gar nicht mehr weg.
Wir wären allerdings nicht GRAN FONDO, wenn selbst der schnellste Ride ohne Kaffee und Kuchen auskommen müsste. Also gab es selbstverständlich einen Stopp. Wissenschaftlich absolut wasserdicht können wir es nicht belegen, aber vielleicht waren Kohlenhydrate und Koffein anschließend auch nicht ganz unschuldig daran, dass das Tempo weiter hoch blieb.
Fast noch besser als die Harmonie in der Gruppe war nur das Wetter: Sonne, 28 Grad – und das Ende September. Bedingungen, die sich eher nach Hochsommer anfühlten.
Gut, dass Simon die paar Extragramm Sonnencreme für alle mitgeschleppt hatte: Lieber etwas Zusatzgewicht im Rücken als zwölf rote Nasen in der Vorderansicht.

Carboloading und Public-Viewing, so schön kann Regeneration sein!

Zurück am HQ gab es keine Zeit zu verlieren: Räder abstellen und Fernseher an. Bei noch rund 130 Kilometern bis zum Ziel war die WM längst in vollem Gange. Schon vor Start wurde diskutiert: Wer ist Favorit? Wer Außenseiter? Wann fällt die entscheidende Attacke? Und vor allem: Wie oft wird Remco Evenepoel auf den Lenker schlagen, falls der Renntag nicht nach Plan läuft?

Tatsächlich hatten wir Brandon McNulty in unserer Vorbesprechung als Geheimfavoriten auf dem Zettel. Doch mit deutschen, schweizerischen und französischen Gästen im Raum wurde ohnehin jede Attacke sofort zur diplomatischen Angelegenheit.
Als Mauro Schmid loszieht, fieberten deshalb plötzlich fast alle mit. Ein Schweizer und deutschsprachig – der perfekte Kompromiss.
Dazu Pizza, müde Beine und zwölf Menschen, die wenige Stunden zuvor noch gemeinsam durch den Schwarzwald geballert sind und jetzt jede Attacke auf dem Bildschirm kommentieren, als säßen sie selbst im Mannschaftswagen. Mehr Ciclismo geht eigentlich kaum.
Als krönenden Abschluss hatten wir sogar ein echtes UAE-Teambike vor Ort, wie es von McNulty zum Sieg gefahren wurde! WM zum Anfassen, selbst wenn wir nicht in Kanada waren.

Am Ende ging es bei unserem WM-Wochenende deshalb auch gar nicht darum, wer der stärkste Fahrer war, wer das teuerste Rad hatte oder wer beim Public Viewing am lautesten jubelte. Es ging genau um das, was einen guten Group Ride ausmacht: unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Bikes, unterschiedliche Stärken – aber am Ende kommen alle gemeinsam an. Und wenn das unser Nationalteam ist, nominieren wir nächstes Jahr gerne wieder.

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Text: Benedikt Ueberholz Fotos: Robin Schmitt
