Ausgabe #014 Test

Goodyear Eagle F1-Rennradreifen im Test

Leicht, stabil und verdammt schnell: Goodyear erhofft sich viel vom Wunderstoff Graphen, der im Eagle F1-Rennradreifen eingesetzt wurde. Wie gut funktioniert die neue Gummimischung des Speed-Allrounders auf der Straße und verhilft euch der Zusatz von Graphen vielleicht sogar zu neuen Bestzeiten?

Goodyear Eagle F1 | 700 x 28C | 224 g | 50 € | Hersteller-Website

Auch das Team von Goodyear setzt für seinen neuen Top-Reifen im Rennrad-Bereich auf den Zusatz des Wunderstoffs Graphen. Es handelt sich dabei um ein Kohlenstoffprodukt, das dünner und trotzdem stabiler ist als alle anderen Materialien. Der Eagle F1 wird sowohl in der Standard-Version als Allrounder für den täglichen Einsatz angeboten als auch in der SuperSport-Version für Straßenrennen, Zeitfahren und Triathlons, bei denen es auf jede Sekunde ankommt. Um das Gewicht zu senken und die 120-TPI-Karkasse möglichst leicht zu konstruieren, wurde auf die Möglichkeit eines Tubeless-Setups verzichtet. Dank R:Shield Protection, einem größenspezifischen Durchstichschutz auf der Lauffläche, soll der Eagle F1 trotz des geringen Gewichts pannenfrei unterwegs sein. Goodyear setzt bei der Produktion des Reifens auf neue Rohstoffe und Fertigungsmethoden. Dadurch soll die Abrolleffizienz um 10,1 %, der Grip um 8 % und die Haltbarkeit um 7,2 % gesteigert werden. Das sind auf dem Papier natürlich tolle Zahlen, aber kann der Reifen auch auf dem Asphalt überzeugen? Wir haben zwei Exemplare in 700 x 28C auf unsere ENVE SES 3.4-Felgen gezogen und für euch getestet.

Auf den ENVE-Felgen ist der Eagle F1 in 700 x 28C genau 28 mm breit

Goodyear Eagle F1 im Test

Beim Blick auf die Waage zeigt sich: Die beiden Testreifen weisen mit 223 und 225 g so gut wie keine Schwankungen auf und sind sogar leichter als von Goodyear angegeben (235 g). Auf den vergleichsweise breiten ENVE-Felgen (21 mm Maulweite) kommen die Eagle F1-Reifen genau auf die Angabe von 28 mm – mit Schwalbe SV15-Schlauch, da sie leider nicht Tubeless-ready sind. Die Montage ist denkbar einfach, der Reifenheber muss nicht bemüht werden und der Eagle springt bereits bei niedrigem Luftdruck ins Felgenbett. Auf der Straße fällt die gute Beschleunigung auf und der Reifen lässt sich bereitwillig und agil auf Geschwindigkeit bringen. Das Abrollverhalten ist angenehm gleichmäßig und auch bei hohen Geschwindigkeiten konnten wir kein Pulsieren oder Vibrationen feststellen. In Sachen Rollwiderstand sei eines gesagt: Wir haben den Reifen nicht im Labor, sondern in der Realität getestet. Ab 15 km/h ist der Luftwiderstand von Fahrer und Bike der größte Widerstand, den man überwinden muss – wenn also irgendwo 3,8721 W eingespart werden, ist das für die meisten von uns in der Realität nicht von Bedeutung. 😉 Für alle, die mit dem Radfahren ihren Lebensunterhalt verdienen, sieht das natürlich anders aus.

Der Eagle F1 ermöglicht eine gute Beschleunigung und ein gleichmäßiges Abrollverhalten

Die Eigendämpfung des Goodyear Eagle F1 ist ausgezeichnet, kleinere Vibrationen werden gänzlich verschluckt. Bei großen Schlägen sackt er jedoch vergleichsweise schnell durch – die Gefahr eines Snakebites ist bei der Nutzung mit Schläuchen ohnehin gegeben und kann hier nur vorgebeugt werden, indem man einen minimal höheren Luftdruck fährt als gewohnt. Hier gilt es, den für euch perfekten Druck selbst herauszufinden. Unser Vorschlag: Startet beim 28er bei 6,5 bar und arbeitet euch dann hoch oder runter. Bei 82 kg Fahrer- und 8,5 kg Bike-Gewicht sind wir bei 5,7 bar vorne und 5,9 bar hinten gelandet. In Kurven verhält sich der Reifen berechenbar und bleibt auch im Grenzbereich noch gutmütig. Das Grip-Level ist gut, aber nicht unbedingt Weltspitze – Gutmütigkeit vor absoluter Race-Performance also. Den optimalen Einsatzbereich des Goodyear Eagle F1 sehen wir im sportlichen Fahren bis Touring. Wer mehr Race-Performance sucht, sollte sich den etwas leichteren, aber auch weniger pannensicheren Eagle F1 SuperSport mal genauer anschauen. Während der Testdauer gab es trotz der zum Frühlingsbeginn verschmutzten Straßen keinen Platten zu verzeichnen. Der Reifen bleibt auch bei Nässe berechenbar, kann aber nicht ganz mit dem Grip des besten von uns getesteten Rennrad-Pneus mithalten. Sein Spezialgebiet sind trockene Bedingungen, bei denen die Straßen auch problemlos aufgebrochen oder verschmutzt sein können. Die mangelnde Möglichkeit, auf den Schlauch zu verzichten, ist nicht mehr zeitgemäß.

Das Grip-Level ist ordentlich, für Rennen gibt es jedoch geeignetere Reifen

Fazit

Goodyear liefert mit dem neuen Eagle F1 einen soliden und gutmütigen Allrounder. Der Reifen glänzt mit viel Komfort und berechenbarem Kurvenverhalten und lässt euch auch bei Nässe nicht im Stich. Für Tubeless-Fans ist der Eagle F1 leider ein No-Go, da er nur mit Schläuchen fahrbar ist. Trotz montiertem Schlauch haben wir jedoch während der Testdauer nicht einen Platten verzeichnet.

Tops

  • sehr komfortabel
  • einfache Montage
  • gute Beschleunigung
  • berechenbares Kurvenverhalten
  • solider Pannenschutz

Flops

  • nicht Tubeless-ready
  • sackt bei großen Schlägen schnell durch

Tester: Ben
Dauer: 2 Monate
Preis: 50 € (Eagle F1 700 x 23-28C und Eagle F1 SuperSport 700 x 23-28C), 55 € (Eagle F1 700 x 30-32C)

Gewicht 224 g (Durchschnittsgewicht unserer Testreifen in 28C)
Mehr Info: mcg-parts.de

Text & Fotos: Philipp Schwab