Indoor genauso effektiv und realistisch trainieren wie draußen? Der Garmin Tacx NEO 3M Smart-Trainer will genau das ermöglichen – mit multidirektionaler Beweglichkeit, dynamisch simulierter Trägheit und spürbarem Untergrund. Ob das Training dadurch wirklich besser oder vor allem teurer wird, klären wir im ausführlichen Test.

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Garmin Tacx NEO 3M | 2.200 Watt maximale Leistungsaufnahme | 25 % maximale Steigungssimulation
23,6 kg | 1.799,00 € | Hersteller-Website

In Zeiten von E-Sports, Online-Rennen und virtuellen Trainingsplattformen hat sich Indoor-Training im Radsport längst vom winterlichen Notbehelf zur ernstzunehmenden Alternative für ambitionierte Fahrerinnen und Fahrer entwickelt. Softwarelösungen wie Zwift & Co sorgen für Motivation, Struktur und Wettkampfgefühl – doch erst die passende Hardware entscheidet darüber, wie realistisch sich das Ganze tatsächlich wirklich anfühlt.

Genau hier setzt Garmin mit dem Tacx NEO 3M an. Er ist der neueste Vertreter der NEO-Serie und folgt dem gleichen Grundprinzip wie der seit 2019 erhältliche NEO 2T: ein Direktantriebstrainer ohne Riemen oder Getriebe, der den Widerstand ausschließlich über eine elektronische Magnetbremse erzeugt. Herzstück des Systems sind 32 einzeln ansteuerbare Neodym-Magnete, die dem Trainer nicht nur seinen Namen verleihen, sondern im Fall des NEO 3M eine maximale Bremskraft von bis zu 260 N ermöglichen. Damit lassen sich virtuelle Steigungen von bis zu 25 % simulieren – deutlich mehr als bei den Konkurrenzprodukten.

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Anstelle eines schweren, mechanischen Schwungrads nutzt Garmin bei der NEO-Serie ein virtuelles Schwungrad. Die Trägheit, die sonst durch die rotierende Masse des Schwungrads entsteht, wird beim NEO 3M softwarebasiert simuliert: Die Trägheitscharakteristik wird dynamisch berechnet und in Abhängigkeit von Parametern wie Fahrergewicht (von bis zu 125 kg) und der aktuellen Fahrgeschwindigkeit mittels einer elektronisch geregelte Magnetbremse permanent angepasst. Dadurch lassen sich Trägheit, Verzögerung und Lastwechsel feiner und situationsabhängiger steuern, als es mit einem klassischen, physischen Schwungrad möglich wäre.

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Schwungrad? Fehlanzeige!

Neu beim NEO 3M ist die multidirektionale Beweglichkeit: Neben integrierten Motion Plates für Vor- und Rückbewegungen entlang der Längsachse erlaubt der Trainer erstmals auch eine leichte, aber bewusste Rotation um die Hochachse. Damit sollen Komfort, Realismus und Muskelansprache verbessert werden, um den Bewegungsabläufe denen der Straße zu entsprechen. Ergänzt wird das Setup durch das bekannte „Real Road Feel“, das bis zu neun unterschiedliche Untergründe simuliert.

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Mit bis zu 2.200 Watt Fahrerleistungs-Input bei einer angegebenen Genauigkeit von unter einem Prozent und einem Einstiegspreis ab 1.799 € positioniert sich der Tacx NEO 3M klar im High-End-Segment. Doch ist dieses technische Gesamtpaket mit Premium-Anspruch tatsächlich der nächste logische Schritt für ambitionierte Athleten – oder eher ein Fall von Hightech-Overkill? Genau das klären wir im Test.

Im Test: Was kann der Garmin Tacx NEO 3M?

Schon beim Auspacken wird klar: Der Garmin Tacx NEO 3M Smart-Trainer ist kein Spielzeug, sondern ein ernstzunehmendes Trainingsgerät. Mit 23,6 kg Eigengewicht und breiten Standfüßen steht der Direktantriebstrainer satt und sicher auf dem Boden. Dank integriertem Tragegriff und Klappmechanismus lässt er sich dennoch überraschend gut anheben und bei Bedarf nach der Session wieder mit kompakten Abmessungen verstauen.

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Garmin legt dem NEO 3M eine üppige Auswahl an Adaptern bei. Egal ob Schnellspanner oder Steckachse, Rennrad, Gravel- oder Mountainbike mit unterschiedlichen Einbaubreiten – nahezu jedes Bike lässt sich problemlos montieren. Serienmäßig kommt der Trainer zum Einstiegspreis von 1.799 € mit einem HG-Freilaufkörper und einer vormontierten Shimano-/SRAM-11-fach-Kassette (11–28 Zähne) – nice to have, doch eine 12-fach-Kassette wäre zeitgemäßer. Wer andere Freilaufkörper für seine eigene Kassette nutzen möchte, muss tief in die Tasche greifen: SRAM XD/XDR, Shimano MICRO SPLINE oder die beiden Campagnolo-Freilaufkörperoptionen (9–12 oder N3W) kosten jeweils satte 279 € Aufpreis – aua!

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Auch bei der Konnektivität bietet Garmin optionale Zusatzhardware an. Neben der drahtlosen Verbindung via Bluetooth oder ANT+ ist der NEO 3M mit dem optionalen Tacx Smart Netzwerkadapter kompatibel, der eine kabelgebundene Datenübertragung ermöglicht. Für Wettkampfeinsätze mag das interessant sein, allerdings verlangt Garmin dafür zusätzliche 150 € – beziehungsweise stolze 349 €, wenn man den Smart-Trainer mit HG-Freilauf konfiguriert. In der Praxis werden jedoch die wenigsten auf dieses Zubehör angewiesen sein. Selbst beim parallelen Betrieb mit einem zweiten Smart-Trainer im gleichen Raum traten in unserem Test keinerlei Verbindungsprobleme auf.

Die Ersteinrichtung des Garmin Tacx NEO 3M Smart-Trainers gelingt im Test unkompliziert über die Garmin Connect App. Updates lassen sich problemlos aufspielen, die Kopplung funktioniert auf Anhieb zuverlässig. Wichtig zu wissen: Für die Nutzung mit Zwift muss in den Verbindungseinstellungen der Garmin Connect App der Modus „sichere Bluetooth-Verbindung“ deaktiviert werden. Eine Kalibrierung ist übrigens nicht notwendig – der NEO 3M ist im Vergleich zu vielen anderen Smart-Trainern direkt einsatzbereit.

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Sobald man losfährt, wird die große Stärke des NEO 3M spürbar: die multidirektionale Beweglichkeit. Besonders bei gleichmäßigem Tempo fühlt sich das System deutlich natürlicher und komfortabler an als starre Trainer und gleicht mit minimalen Bewegungen die auftretende Unwucht des Tretens aus. Im Wiegetritt oder bei intensiven Sprints bewegt sich der NEO 3M im Test mit deutlich mehr Weg entlang der Längsachse. Wer möchte, kann die Motion Plates daher fixieren – etwa für strukturierte Sprint-Workouts. Wir sind jedoch bewusst immer mit aktivierter Beweglichkeit gefahren, da sowohl Komfort als auch Realismus klar profitieren. Zusätzlich erlaubt der NEO 3M erstmals eine leichte seitliche Kippbewegung um die Hochachse. Diese ist nicht übertrieben groß, aber klar wahrnehmbar und durchaus hilfreich. Noch realistischer wird das Bewegungserlebnis in Verbindung mit dem Garmin Tacx Alpine Steigungssimulator, den wir separat getestet haben und der die multidirektionale Bewegung des NEO 3M vollständig unterstützt.

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Zu viel Geschaukel? Die Motion Plates lassen sich bei Bedarf an der Hinterseite des NEO 3M vollständig fixieren.
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Noch mehr Realismus gefällig? In Verbindung mit dem Garmin Tacx Alpine können auch Steigungen simuliert werden – bei unverändert hoher Bewegungsfreiheit.

Der Garmin Tacx NEO 3M Smart-Trainer überzeugt im Test mit extrem schnellen, zugleich aber angenehm geschmeidigen Widerstandsänderungen. Selbst abrupte Tempowechsel setzt er ohne Verzögerung um. Wer das letzte Quäntchen Direktheit für Attacken in Online-Rennen sucht, kann den NEO 3M zusätzlich in den Rennmodus versetzen – und Pogačar zwischen Couch und Bücherregal spielen. Wie gut der NEO 3M auf Leistungsveränderungen reagiert, zeigt sich im Test auch bei virtuellen Schaltvorgängen in Zwift. Die Gangwechsel werden enorm schnell und mit einem spürbaren, kleinen Ruck vermittelt, der sich überraschend authentisch anfühlt.

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Auch das virtuelle Schwungrad des Garmin Tacx Neo 3M sorgt während des Tests für ein authentisches Fahrerlebnis. Dessen großer Vorteil zeigt sich vor allem in Übergangssituationen: Hört man kurz auf zu treten – etwa in Abfahrten oder für eine kurze Verschnaufpause – läuft das System realistisch anhand der situativ gegebenen Trägheit und Fahrwiderstände weiter. Setzt man wieder ein, passt die Drehzahl bereits zur simulierten Fahrsituation, wodurch der Wiedereinstieg natürlich und flüssig wirkt. Zusätzlich ermöglicht das virtuelle Schwungrad eine echte Bergab-Simulation. Der NEO 3M hält bei Gefälle selbstständig die Geschwindigkeit oder beschleunigt sogar, ohne dass Pedaldruck nötig ist – ein Effekt, der nicht nur das Fahrgefühl realistischer macht, sondern vor allem in Rennen und freien Fahrten für deutlich mehr Flow und Nähe zur Realität sorgt.

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Unterbodenbeleuchtung: Mit steigender Leistung verändert sich die Farbe der LED.
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Bei höherer Leistung verfärbt sie sich rot.

Für noch mehr Immersion sorgt das sogenannte Real Road Feel. In der Tacx Training App gibt es ein Demo-Workout, in dem alle simulierbaren Untergründe nacheinander durchfahren werden. Kopfsteinpflaster, Holzbrücken oder sogar Eis lassen sich spürbar erfahren. Letzteres ist fahrdynamisch besonders anspruchsvoll: Wer hier zu viel Drehmoment anlegt, wird prompt mit einem durchdrehenden Hinterrad „belohnt“. Traktion will eben gelernt sein – auch im Wohnzimmer.

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On Fire oder eher on ice? Ihr entscheidet. Ganze neun unterschiedliche Untergrundbeschaffenheiten können über die „Real Road Feel“-Funktion simuliert werden.

Auch in Zwift funktioniert diese Untergrundsimulation und sorgt für Abwechslung und ein gesteigertes Mittendrin-Gefühl. Allerdings hat das Feature auch Schattenseiten: Zum einen funktioniert das System nur während des Tretens, zum anderen kann auf längeren Abschnitten das permanente Feedback irgendwann anstrengend wirken und der Trainer wird dabei zudem deutlich lauter. Wer spät abends trainiert oder hellhörige Nachbarn hat, sollte das Real Road Feel gegebenenfalls über die App oder direkt in Zwift deaktivieren. Gute Beziehungen im Treppenhaus sind schließlich auch ein Trainingsziel. Generell gilt: Der Garmin Tacx NEO 3M zeigt sich im Test zwar sehr vibrationsarm, aber bei hoher Leistung hörbar lauter als etwa ein Wahoo KICKR Core.

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Ein besonderes Merkmal der NEO-Serie ist der energieautarke Betrieb. Möglich macht das die magnetische Motorbremse, die wie ein Dynamo fungieren kann. Ohne externe Stromversorgung und verbundene Simulation simuliert der NEO 3M automatisch eine flache Straße und liefert den nötigen Widerstand, um selbst so noch trainieren zu können. Das macht den NEO 3M ideal für Warm-ups bei Rennen oder für Trainings in Räumen ohne gut erreichbare Steckdose.

Trotz mangelnder Stromversorgung lassen sich Simulationen wie Zwift trotzdem koppeln – dann allerdings ohne die hilfreiche Bergab- und Trägheitssimulation, da diese Funktionen Strom benötigen. Ist der Trainer am Netz angeschlossen, bleibt der Energiebedarf dennoch erstaunlich gering: Während des Tretens benötigt der Garmin Tacx NEO 3M im Test lediglich ein bis zwei Watt. Erst wenn nicht getreten wird und die Schwungmasse aktiv simuliert werden muss, steigt der Verbrauch kurzzeitig auf etwa 40 Watt. Wer also Strom sparen will, sollte einfach nicht aufhören zu treten – was im Zweifel ohnehin die bessere Trainingsentscheidung ist. 😉

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Kein Strom? Kein Problem! Der NEO 3M funktioniert auch ohne Saft.

Für wen ist der Garmin Tacx NEO 3M?

Der Garmin Tacx NEO 3M richtet sich an alle, die Indoor-Training nicht als notwendiges Übel oder reine Winterlösung betrachten, sondern als festen, ambitionierten Bestandteil ihres Trainingsalltags. Wer regelmäßig indoor fährt, Wert auf hohen Komfort legt und ein möglichst realistisches Fahrgefühl sucht, findet hier eines der derzeit überzeugendsten Systeme am Markt.

Besonders diejenigen von uns, die strukturiert trainieren, Rennen fahren oder lange Indoor-Sessions absolvieren, profitieren von der natürlichen Bewegungsfreiheit, der präzisen Widerstandssimulation und der hohen Immersion, die in Verbindung mit dem kompatiblen Tacx Alpine Steigungssimulator noch weiter gesteigert werden kann.

Für Gelegenheitsfahrer oder Hobby-Athleten, die nur sporadisch auf den Trainer steigen, ist der hohe Preis des Setups dagegen schwer zu rechtfertigen. Günstigere Smart-Trainer bieten hier das deutlich bessere Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch wer ein absolut flüsterleises System sucht, sollte genauer hinschauen oder auf Features wie Real Road Feel verzichten – denn maximale Immersion bringt zwangsläufig auch etwas mehr Geräuschkulisse mit sich.

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Fazit: Würden wir den Garmin Tacx NEO 3M kaufen?

Der Garmin Tacx NEO 3M liefert im Test ein Indoor-Erlebnis, das funktional kaum Wünsche offenlässt. Multidirektionale Beweglichkeit, extrem schnelle Reaktionszeiten, hohe Messgenauigkeit sowie Features wie Real Road Feel oder die Bergab-Simulation sorgen für ein Maß an Realismus, das aktuell nur wenige Smart-Trainer erreichen. Der energieautarke Betrieb und die enorme Leistungsbandbreite machen den NEO 3M gleichermaßen attraktiv für strukturierte Trainings, virtuelle Rennen und lange Free-Rides. Teuer ist er ohne Frage – wer Indoor-Training jedoch wirklich ernst nimmt, bekommt hier eines der überzeugendsten High-End-Systeme am Markt.

Tops

  • Hohe Bewegungsfreiheit sorgt für guten Komfort bei langen Einheiten
  • präzise und schnelle Regelung von Widerstand und Trägheit
  • energieautarker Betrieb möglich
  • Real Road Feel sorgt für zusätzliche Immersion
  • authentisches Feedback bei virtuellen Schaltvorgängen

Flops

  • hohe Aufpreise für Zubehör/Freilaufkörper-Alternativen
  • Real Road Feel teils laut und nicht für jede Wohnsituation ideal
  • starkes Wippen im Wiegetritt

Mehr Informationen unter garmin.com

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Text & Fotos: Lars Engmann