3D-gedrucktes Titan? Kennen wir. Aber ein Rahmen komplett aus einem Stück – das ist neu. Mit dem Omega präsentiert die Münchner Fahrradmanufaktur Falkenjagd den weltweit ersten Titanrahmen, der in einem einzigen Druckvorgang entstanden ist, und den Titanrahmenbau auf ein neues Niveau heben soll. Wir haben den seriennahen Prototyp getestet und klären, ob das große Versprechen aufgeht.

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Falkenjagd Omega | 7,66 kg in Größe M | 13.999,00 € | Hersteller-Website

Falkenjagd steht wie kaum eine andere Marke dafür, Kunst, Tradition und Hightech in einem Material zu vereinen, das eigentlich als störrisch gilt: Titan. Seit Jahren feilen die Münchner an immer raffinierteren Methoden, dieses widerspenstige Metall zu bändigen. Während andere Titan als nostalgisches Luxusmaterial betrachten, sieht Falkenjagd darin ein Versprechen auf Langlebigkeit, Präzision und Fortschritt. Genau dieses Versprechen treibt die Marke nun weiter – hin zum ersten seriennahen Titanrahmen, der vollständig in einem Stück gedruckt wurde.

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Omega. Der letzte Buchstabe im griechischen Alphabet wird oft als Symbol für Ende und Anfang verwendet. Für Falkenjagd ist es der finale Schritt auf dem Weg zur Perfektion in Titan. Noch vor vier oder fünf Jahren kostete allein die Herstellung eines 3D-gedruckten Titanrahmens über 30.000 € – reine Fertigungskosten. Der Grund: extrem lange Druckzeiten, ineffiziente Maschinen und ein hoher Materialverbrauch, der die Produktion alles andere als ökonomisch bedeutsam machte.

Mittlerweile ist das anders: Mit modernster Mehrlaser-Technologie konnten Druckzeit und Kosten auf einen Bruchteil reduziert werden – aus 40 Tagen werden 10. Und aus der Idee wird ein serienreifes Produkt. Herausgekommen ist nicht nur ein weiteres Titan-Bike, sondern das erste Rennrad aus dem Hause Falkenjagd, das nicht Aristos heißt.

Ein Quantensprung im Titandruck? Die Innovation des Falkenjagd Omega

3D-gedrucktes Titan ist für Falkenjagd längst kein Neuland mehr. Mit dem Aristos R und dem Aristos RSR hat die süddeutsche Bike-Schmiede bereits gezeigt, wie präzise sich 3D-gedruckte Muffen in klassische Titanrahmen integrieren lassen. Einen kompletten Rahmen jedoch in einem Stück zu drucken, hat bisher niemand umgesetzt. Mit dem Omega wagt Falkenjagd genau diesen Schritt – einen Titanrahmen ohne Schweißnähte, gefertigt in einem durchgängigen additiven Prozess. Mit einem Rahmen als Ergebnis, der die Ingenieurskunst auf ein neues Niveau heben soll.

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Die anodisierten Decals und Schriftzüge ziehen sich durch den gesamten Rahmen …
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… und vollenden den hochwertigen Look.

Doch warum überhaupt dieser Aufwand? Schließlich funktioniert die Kombination aus Titanrohren und 3D-Muffen doch bereits überzeugend. Der Unterschied liegt im Ansatz: Beim Omega wird das additive Verfahren nicht nur als Fertigungsmethode verstanden, sondern als integraler Bestandteil der Konstruktion. Während geschweißte Rahmen an ihren Nähten potenziell Spannungspunkte aufweisen, bleibt der Omega-Rahmen strukturell homogen – vom Steuerrohr bis zum Ausfallende.

Strukturell bringt der einteilige Aufbau klare Vorteile mit sich. Ohne Schweißnähte verlaufen die Kraftpfade ungestört durch den gesamten Rahmen – vor allem im Bereich von Tretlager und Steuerrohr. Im Inneren sorgen die Strukturen für gezielte Dämpfung und reduzieren Vibrationen, während die Materialverteilung per Software so optimiert ist, dass bis zu 25 % weniger Titan benötigt wird. Das Ergebnis: mehr Steifigkeit, weniger Gewicht und keine potenziellen Schwachstellen.

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Der Omega entsteht in rund 320.000 Titan-Schichten …
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… und ist nach zehn Tagen Druckzeit fertig für die Nachbearbeitung.

Herzstück des Projekts ist ein Laser Powder Bed Fusion genanntes System mit fünf synchronisierten Hochleistungslasern. In einem automatisierten Prozess wird der Rahmen Schicht für Schicht aus Titanpulver aufgebaut – rund 320.000 Lagen, jede nur 30 Mikrometer dünn! Sensoren und Kameras überwachen den Prozess permanent, korrigieren Abweichungen und sorgen für eine gleichmäßige Materialstruktur bis in den letzten Mikrometer.

Das Ergebnis ist ein Rahmen, der tatsächlich in einem Guss entsteht – nicht übertrieben, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Und die technologische Entwicklung der letzten Jahre hat diesen Ansatz erstmals wirtschaftlich gemacht: Dauerte der Druck eines Rahmens vor wenigen Jahren noch rund 40 Tage, so ist die Produktionszeit heute auf etwa 10 Tage reduziert, plus rund 5 Tage Nachbearbeitung für Wärmebehandlung und CNC-Feinbearbeitung.

Gleichzeitig können in einem einzigen Bauprozess bis zu drei Rahmen gefertigt werden – was die Maschinenzeit pro Rahmen deutlich reduzieren wird. So konnte die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu frühen Prototypen insgesamt um rund 75 % verbessert werden. Zugleich sank die Ausschussquote, die bei komplexen Geometrien üblicherweise hoch ist, auf unter 5 %, was additive Titanrahmen erstmals serienfähig und nachhaltiger macht.

Aus einem Guss – Das Falkenjagd Omega im Detail

Schon auf den ersten Blick zeigt das Omega, dass hier etwas anders ist. Man sieht dem Rahmen schnell an, dass er wie „aus einem Stück gegossen” ist. Besonders die Verbindung von Steuerrohr, Oberrohr und Sitzstreben zeigt, was der 3D-Druck leisten kann: ein nahtloser Look, wie man ihn bei Titan bisher nicht kannte. Im Kern bleibt das Omega ein Rennrad. Wer Ösen oder Montagepunkte für Gepäck sucht, wird nicht fündig – hier geht es um Form, Funktion und Präzision, nicht um Vielseitigkeit – auch wenn das Omega mit 35 mm Reifenfreiheit viel Platz für richtig breite Road-Pneus bietet.

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Der moderne Anspruch spiegelt sich auch im Aufbau wider: komplett integrierte Leitungen, klare Linien, keine sichtbaren Übergänge. Das matte Titan-Finish wirkt hochwertig, die anodisierten Decals setzen dezente Farbakzente und zeigen, dass es sich hier um ein Topmodell aus dem Hause Falkenjagd handelt.

Exklusiv bis ins Detail: Die Ausstattung des Falkenjagd Omega

Unser Testbike basiert auf dem ersten seriennahen 3D-gedruckten Rahmen des Projekts und wurde für den Test als Komplettbike aufgebaut. Wer will, kann sich im hauseigenen Konfigurator austoben und das Bike nach eigenen Ansprüchen individuell gestalten. In unserem Test rollt das Omega in höchst exklusiver Ausstattung an – natürlich inklusive Titan-Flaschenhaltern.

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Falkenjagd Omega 2026

13.999 €

Ausstattung

Sattelstütze Parapera Carbon 27,2 mm
Bremsen Campagnolo Super Record 13 160/160 mm
Schaltung Campagnolo Super Record 13 2 x 13
Kettenblatt 45/29
Vorbau Parapera 100 mm
Lenker Parapera 400 mm
Laufräder Parapera 30 SLS 12 x 100 / 12 x 142
Reifen Schwalbe Pro One TLE 700 x 30c
Kurbeln Campagnolo Super Record 13 170 mm
Kassette Campagnolo Super Record 13 11-36

Technische Daten

Größe XS S M L XL
Gewicht 7,66 kg

Besonderheiten

Titanrahmen aus einem Guss
Parapera Laufräder mit Tune Naben
Anodisierte Schriftzüge

An so einem Bike kommt natürlich nur erstklassige Ausstattung zum Einsatz: Die Campagnolo Super Record 13 passt mit ihrer exklusiven Optik und feinen Ergonomie perfekt zum Charakter des Omega. Das Cockpit stammt von der Schwestermarke Parapera: klassisch proportioniert mit 400/100 mm und quasi ohne Flare.

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Klassisch proportioniert: Das Parapera-Cockpit kommt mit nur 3° Flare aus und unterstreicht den puristischen Anspruch des Omega.
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Campagnolo Super Record 13-fach: edel, präzise und technisch passend zum Charakter des Bikes.

Auch die Sattelstütze setzt in Kombination mit dem Vollcarbon-Sattel von Selle Italia an unserem Testbike eher auf Purismus. Abgerundet wird das Setup durch Parapera-Carbonlaufräder mit Naben von Tune und flachem Felgenprofil, die eher auf Endurance als auf reine Aerodynamik setzen. Gepaart werden diese mit 30 mm breiten Schwalbe Pro One TLE Reifen, die in unserem Rennrad-Reifen Vergleichstest vor allem durch ihren hervorragenden Grip überzeugen konnten.

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Die 30 mm breiten Schwalbe Pro One-Reifen rollen flink und bieten massig Traktion.
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Der Vollcarbonsattel von Selle Italia zeigt sich leicht, sehr spitz und hinten etwas flexy.

Race-DNA? Die Geometrie des Falkenjagd Omega

Mit seiner klaren Linienführung und den tief angesetzten Sitzstreben wirkt das Omega in der Formsprache und Geometrie auf den ersten Blick modern und sportlich, es orientiert sich dabei an den Rennrädern von Falkenjagd und Parapera.

Größe XS S M L XL
Sattelrohr 450 mm 480 mm 510 mm 535 mm 560 mm
Oberrohr 515 mm 528 mm 542 mm 565 mm 584 mm
Steuerrohr 105 mm 120 mm 135 mm 155 mm 180 mm
Lenkwinkel 75° 74.5° 74° 73.5° 73°
Sitzwinkel 71.5° 72° 72.5° 72.5° 72.5°
Kettenstrebe 408 mm 408 mm 408 mm 410 mm 410 mm
Tretlagerabsenkung 72 mm 72 mm 70 mm 70 mm 70 mm
Radstand 975 mm 980 mm 986 mm 1005 mm 1020 mm
Reach 378 mm 382 mm 388 mm 399 mm 406 mm
Stack 510 mm 526 mm 539 mm 559 mm 583 mm

In Größe M kombiniert das Omega einen Reach von 388 mm mit einem Stack von 539 mm, was auf dem Papier ein Stack to Reach-Verhältnis von 1,39 ergibt und für eine ziemlich sportliche Sitzposition spricht. Der Lenkwinkel von 74° und die mit 410 mm eher kurzen Kettenstreben sollen indes für Agilität und direkte Lenkung sorgen, ohne Nervosität ins Handling zu bringen.

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Als Resultat verspricht Falkenjagd beim Omega eine ausgewogene Geometrie, die sowohl auf langen Distanzen als auch auf kurvigen Abfahrten überzeugt. Aber kann sich das Omega so auch im Test beweisen?

Renn-Performance aus dem 3D-Drucker? Das Falkenjagd Omega im Test

Schon nach den ersten Metern wird klar: Das Omega ist kein träges Titan-Bike, sondern zeigt einen spürbaren Renn-Charakter. Der steife Rahmen reagiert direkt auf jeden Antritt, vermittelt Power und Präzision. Am Berg wirkt das Bike fast schon spritzig, ohne nervös zu werden – man spürt, dass sich im Rahmen nichts verwindet. Trotzdem ist es mit 7,66 kg in Größe M auch kein leichtgewichtiger Racer, was man spätestens bei langen Anstiegen merkt. Dafür bleibt das Fahrgefühl ausgewogen und stabil, auch wenn man Druck aufs Pedal bringt.

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Das Handling fällt agil, fast verspielt aus, mit einer Front, die direkt anspricht. In engen Kehren oder technischen Anstiegen lässt sich das Bike präzise steuern und bleibt bergab gut kontrollierbar. Die Kombination aus steifem Rahmen und den Parapera-Laufrädern sorgt für ein sehr direktes Feedback ohne viel Komfort.

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In Sachen Effizienz rollt das Omega in der Ebene gut, hält das Tempo zufriedenstellend, verlangt aber etwas Nachdruck, um in Fahrt zu bleiben. Beim Komfort zeigt sich das Bike dagegen eher von seiner sportlichen Seite: Der steife Rahmen überträgt fast alles, was vom Untergrund kommt, direkt an den Fahrer weiter. Nur die Carbon-Gabel und die Sattelstütze nehmen einen Hauch an Vibrationen heraus, ohne das grundlegend straffe Fahrgefühl zu verändern.

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Das eher klassisch geformte Cockpit bildet einen guten Kompromiss aus Race und Langstrecke und überzeugt vor allem in schnellen Abfahrten mit einer guten Kontrolle. Die Campagnolo Super Record 13-fach liefert die gewohnt präzise Schalt- und Bremsperformance, bleibt in Sachen Ergonomie aber Geschmackssache. Auch über den Sattel lässt sich streiten: Seine leichte, spitze Bauart ist optisch puristisch, aber durch den spürbaren Flex etwas gewöhnungsbedürftig – vor allem, wenn man Druck aufs Pedal bringt. Wer mehr Stabilität oder Dämpfung sucht, wird hier schnell an die Grenzen stoßen.

Tuning-Tipp: 35 mm breite Tubeless-Reifen für ein maximales Level an Komfort und Grip montieren

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Für wen ist das Falkenjagd Omega?

Ein Titanrahmen aus einem Stück, gefertigt im 3D-Druck – für viele klingt das eher nach Laborprojekt als nach Serienrad. Und tatsächlich: Mit dem Omega zeigt Falkenjagd weniger ein klassisches Produkt, sondern einen Technologieträger, der demonstriert, was heute im Titanbau möglich ist. Wo bislang Handwerk und Präzision an physische Grenzen gestoßen sind, eröffnet der 3D-Druck völlig neue Konstruktionsfreiheiten. Der Rahmen entsteht nicht länger aus mehreren Komponenten, sondern aus einem Teil: digital entwickelt, additiv gefertigt, funktional perfektioniert.

Klar, die Innovation macht das Bike teurer und man wird beim Fahren kaum spüren, dass der Rahmen aus einem Guss stammt. Aber genau darum geht es auch nicht. Das Omega ist ein Statement für Ingenieurskunst, nicht für Effizienz. Es richtet sich an alle, die Innovation schätzen, Design verstehen und die Faszination am Titandruck teilen – weniger an Fahrer, die Sekunden oder Wattzahlen jagen. Wer Titan liebt, findet hier das vielleicht konsequenteste Beispiel dafür, wie weit sich das Material in die Zukunft denken lässt.

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Fazit zum Falkenjagd Omega

Der erste 3D-gedruckte Titanrahmen aus einem Guss: Das Falkenjagd Omega vereint die skulpturale Ästhetik digitaler Fertigung mit klassischer Titan-Eleganz und ist mehr als ein technisches Experiment – es markiert einen Wendepunkt im Titanrahmenbau. Auf der Straße überzeugt es mit hoher Steifigkeit, ausgewogenem Handling und einem direkten Antritt. Natürlich – das Omega ist kein Rad für alle. Doch für alle, die Titan lieben und Design als Ausdruck von Ingenieurskunst verstehen, ist es ein Stück Zukunft zum Anfassen – und vielleicht das schönste Beispiel dafür, dass Perfektion (zumindest im Rahmenbau) manchmal Schicht für Schicht entsteht.

Du bist an einem Kauf interessiert? Dann melde dich gerne direkt bei omega@granfondo-cycling.com.

Tops

  • weltweit erster 3D-gedruckter Titanrahmen aus einem Stück
  • sehr stimmiger Look dank vollständigem Verzicht auf Schweißnähte
  • direkter Antritt dank hoher Steifigkeit

Flops

  • sehr spitzer Vollcarbonsattel mit spürbarem Flex

Weitere Informationen unter 1bike4life.com/falkenjagd

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Text & Fotos: Jan Fock