Bei einem exklusiven Launch in Italien hat Trek die dritte Generation des Trek Domane vorgestellt: Mit einigen sehr cleveren Features soll das neue Domane nicht nur das schnellste, sondern auch das vielfältigste Rennrad im Portfolio der Amerikaner aus Wisconsin sein. Wir konnten das Trek Domane SLR 2020 bereits einer ersten Testfahrt unterziehen. Alle Details und Infos findet ihr hier!

Trek Domane SLR 9 2020 | 8,30 kg (56 cm) | 10.499 €

Das charakterisierende Element der Domane-Modellreihe war schon immer die IsoSpeed-Technologie, welche für zusätzlichen Komfort ohne Performance-Einbußen sorgen. Am ersten Domane-Modell, das 2012 gelauncht wurde, kam die Technologie lediglich am Heck zum Einsatz und entkoppelte dabei das Sitz- vom Oberrohr, um mehr vertikalen Flex zu erlauben. Bei der 2016 vorgestellten, zweiten Modellgeneration konnte man das IsoSpeed-System am Heck einstellen und damit die Compliance an den Einsatzzweck und das Fahrergewicht anpassen. Zudem kam erstmals ein IsoSpeed-Element im Steuerrohr zum Einsatz, das für zusätzlichen Komfort an der Front sorgte. Bei der dritten Domane-Modellgeneration gehen die Amerikaner jetzt noch einen Schritt weiter.

Was ist neu am Trek Domane SLR 2020?

Das Entwicklungsziel beim neuen Trek Domane SLR war, Race-Performance mit den Allround-Qualitäten zu kombinieren. Konkret heißt das: mehr Komfort, mehr Speed, mehr Reifenfreiheit und mehr Gravel-Tauglichkeit!

Komfort: Das IsoSpeed Rear des bisherigen Domane kann man am Sitzrohr einstellen, am neuen Domane haben die Trek-Ingenieure die Einstellmöglichkeit in das Oberrohr integriert – so wie es beim aktuellen Madone auch der Fall ist. Der Vorteil? Rahmengrößenspezifische Dämpfung und angepasste Verstellbereiche, sowie die Integration eines Gummi-Elastomers, der für zusätzliche Dämpfung und Schlag-Absorption sorgen soll.

Trek Domane Hidden Storage: Ein wahres Highlight des neuen Trek Domane 2020 ist das Hidden-Storage-Verstaufach im Unterrohr, in dem sich die Bontrager BITS Tool Rolle mit Werkzeug, Schlauch und CO2-Kartusche unterbringen lässt. Über einen Hebel unterhalb des Flaschenhalters, mit dem man den Verschlussmechanismus betätigt, lässt sich das Fach öffnen.

Aerodynamik und Integration: Optisch fallen sofort die Ähnlichkeiten des neuen Trek Domane SLR mit dem Aero-Renner Trek Madone auf – und von diesem entlehnt sich das neue Domane auch viele Technologien: nicht nur das neue IsoSpeed-System, sondern auch viele Rohrformen für eine verbesserte Aerodynamik. So soll das neue Domane im Windkanal bei 40 km/h in einer Stunde um eine Minute schneller sein als das bisherige Modell, was in etwa 12 Watt entspricht. Damit liegen die Werte des neuen Domane in der Mitte zwischen dem aktuellen Domane und dem Madone.

Der semi-integrierte Sitzdom ist nicht nur extrem sexy, sondern lässt auch die unabhängige Einstellung von Sitzhöhe und Sattelneigung über unterschiedliche Schrauben zu. Zudem bietet der Sitzdom auch eine Möglichkeit, das Bontrager Flare R-Rücklicht zu positionieren – und zwar so, dass eine gute Sichtbarkeit und optimale Ausrichtung des Lichts garantiert ist.

Aufgrund des Bauraumes, den die IsoSpeed-Front einnimmt, verlaufen die Züge oben auf dem Oberrohr in den Rahmen. Anstatt eines Cockpits mit integrierten oder semi-integrierten Zügen setzen die Amerikaner auf eine klassische Lenker-Vorbau-Kombination, haben jedoch eine Zugführung auf der Unterseite des Vorbaus installiert. Der Bontrager Pro IsoCore VR-CF Lenker soll für Vibrationsdämpfung sorgen, ebenso wie die semi-integrierten Gel-Pads unter dem Lenkerband.

Vielseitigkeit: Einen großen Einfluss auf Schnelligkeit, Komfort und Einsatzbereich haben natürlich auch die Reifen. Dass größere Reifen meist schneller sind, mehr Sicherheit und Komfort bieten, ist kein Geheimnis. Deshalb setzt auch Trek auf dicke Schlappen. Alle neuen Domane-Modelle werden standardmäßig mit 32c-Reifen von Bontrager ausgeliefert; lediglich das von uns getestete Top-Modell, das 10.499 € teure Domane SLR 9 kommt mit 28c-Reifen. Die offizielle Reifenfreiheit beträgt 38 mm, wobei noch rund 4 mm Freiraum zu allen Seiten zur Verfügung steht, sodass man theoretisch auch noch etwas breitere Reifen fahren könnte. Wer Schutzbleche an den minimalistischen und unauffällig platzierten Montagepunkten anbringen möchte, hat ausreichend Reifenfreiheit für bis zu 35 mm breite Pneus.

Ein weiteres Detail ist das neue T47-Tretlager, das ursprünglich mit dem neuen Trek Crockett Cyclocross-Bike gelauncht wurde und ein neuer offener Tretlager-Standard ist. Dank der geschraubten Lagerschalen – ähnlich wie bei klassischen BSA-Lagern, jedoch deutlich größer – soll Wartung bzw. Service verbessert werden. Die breite Abstützung soll zudem für mehr Steifigkeit und verbesserte Langlebigkeit der Lager sorgen. Die klassischen Pressfit-Tretlager sind damit bei dieser Trek-Modellreihe Geschichte. Das T47-Innenlager sind übrigens keine Erfindung von Trek, sondern wurden 2015 als Resultat einer Zusammenarbeit von Chris King und Argonaut Cycles vorgestellt.

Trek Domane SLR 2020: Preise, Gewicht, Modelle, Geometrie, Verfügbarkeit

Das neue Trek Domane 2020 gibt es ausschließlich als Disc-Variante und in zwei Geometrie-Varianten: die sportliche H1.5-Geometrie für Racer und der etwas aufrechtere Endurance-Fit mit längerem Steuerrohr. Im Vergleich zum bisherigen Domane ist die Geometrie identisch geblieben.

Größe 44 47 50 52 54 56 58 60 62
Sattelrohr 390 mm 420 mm 450 mm 475 mm 500 mm 525 mm 548 mm 567 mm 586 mm
Oberrohr 501 mm 509 mm 519 mm 530 mm 542 mm 554 mm 567 mm 579 mm 593 mm
Steuerrohr 95 mm 110 mm 130 mm 145 mm 160 mm 175 mm 195 mm 220 mm 245 mm
Lenkwinkel 70,3° 71,0° 71,1° 71,3° 71,3° 71,9° 72,0° 72,1° 72,1°
Sitzwinkel 74,6° 74,6° 74,6° 74,2° 73,7° 73,3° 73,0° 72,8° 72,5°
Kettenstrebe 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm 420 mm 425 mm 425 mm 425 mm
BB Drop 80 mm 80 mm 80 mm 80 mm 80 mm 78 mm 78 mm 75 mm 75 mm
Wheelbase 983 mm 986 mm 996 mm 1003 mm 1010 mm 1008 mm 1022 mm 1032 mm 1042 mm
Reach 360 mm 364 mm 368 mm 371 mm 374 mm 377 mm 380 mm 383 mm 386 mm
Stack 510 mm 527 mm 546 mm 561 mm 575 mm 591 mm 611 mm 632 mm 656 mm

Die neuen Trek Domane 2020-Modelle sind alle ab sofort im Handel und auf www.trekbikes.com verfügbar. Das gilt auch für das Project One-Programm, bei dem man sich sein Domane in Sachen Ausstattung und Lackierung individualisieren kann. Unser extrem sexy Test-Bike entstammt übrigens auch dem Project One-Programm.

Bye-bye Pink: Frauenspezifische Bikes waren über viele Jahre hoch im Kurs – auch bei Trek. Doch für das Modelljahr 2020 hat sich Trek vorgenommen „awesome bikes for everyone“ zu machen, das heißt: mehr Größen, mehr Farbvarianten und mehr Optionen bei allen Modellen. So soll es in Zukunft keine frauenspezifischen Bikes, sondern vielmehr spezifische Bikes für unterschiedlich große Menschen und verschiedene Fahrertypen. So sieht Gleichberechtigung aus! Damit ist Trek nicht der einzige Hersteller, der diese Richtung einschlägt – auch Specialized hat bei der Vorstellung des neuen Roubaix 2020 eine neue Größen- und Genderpolitik präsentiert.

Die verfügbaren Modelle

Project One: in Anbetracht des Preises sind die Project One Modelle meist eine attraktive Option, da man als Fahrer die Ausstattung sowie Lackierung individualisieren kann!
Trek Domane SLR 9 | 10.499 €
Trek Domane SLR 7 | 6.999 €

Trek Domane SL

Neben den zwei teueren SLR-Modellen sowie der individualisierbaren Project One-Variante, gibt es eine günstigere SL-Modellreihe mit OCLV 500-Carbon und dem „alten“ IsoSpeed-Systems des bisherigen Domane, bei dem das System im Sitzrohr integriert ist. Die restlichen Features sind identisch. Die Preise starten mit dem Domane SL 4 bei 2.299 € und gehen bis 5.799 € für das Domane SL Etap.

Erster Test des Trek Domane SLR 2020 auf den Straßen Italiens

Wir geben es zu: Die Auswahl unseres Test-Bikes aus dem Trek-Portfolio beim Presse Camp in Italien fiel verdammt schwer! Ja, es waren alles die gleichen Trek Domane SLR 2020-Modelle, aber irgendwie doch nicht: Denn vor uns stand eine facettenreiche Flotte mit den neuen Project One-Lackierungen: Sollten wir die NEW MOLTEN MARBLE mit einem hypnotisierenden Mix aus perlrotem Lava, rauchigem Chrom und Marmor-Schattierungen nehmen? Oder doch NEW COSMOS, ein galaktisches Farbschema aus Metallic-Schwarz, Lila und Dunkelblau, kombiniert mit handbemalten Sternbildern? BRUSHED LIQUID METAL oder REFLIPTIVE mit Schattierungen von Amethyst und hellem Grün, die sich je nach Lichteinstrahlung ändern. Glücklicherweise gestaltete sich die Auswahl nur bis zu dem Punkt schwierig, an dem wir realisierten, dass bei diesen Test-Bikes jede Lackierung exakt einer Rahmengröße entsprach. Deshalb war die Entscheidung dann doch sehr schnell getroffen: NEW MOLTEN MARBLE, Rahmengröße 56 cm (Endurance Fit) bei einer Fahrergröße von 178 cm. Als Hinweis: Damit befanden wir uns am untersten Limit des Verstellbereichs des integrierten Sitzdoms.

Doch nicht nur die neuen Lackierungen sind besonders, sondern auch die Design-Sprache des neuen Trek Domane. Man erkennt schnell die optischen und technischen Elemente, die vom Aero-Renner Madone übernommen bzw. auf das Domane angepasst wurden. Dadurch ist das Trek Domane nicht nur mehr sexy, sondern bereits im Stand (optisch) sportlicher und schneller geworden. We like! Der einzige optische Fauxpas ist unserer Meinung nach die Zugverlegung am Cockpit, die mangels Integration leider etwas unaufgeräumt wirkt – ein voll integriertes Cockpit wäre hier deutlich schöner.

Wie ist das Handling des neuen Trek Domane 2020?

In Sachen Handling hat sich das Trek Domane 2020 kaum verändert und übernimmt die gutmütigen Endurance-Qualitäten des bisherigen Modells: Insgesamt bietet das Trek Domane ein sehr sicheres, laufruhiges und souveränes Handling und lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Der sehr gute Geradeauslauf, das eher lange Heck und die hohe Front machen das Bike zum perfekten Begleiter für lange Tage im Sattel. Aber auch die Beschleunigungswerte unseres 8,3 kg schweren Trek Domane SLR 2020 im Sprint oder beim Antritt können sich sehen lassen. Die direkte Verzahnung des Bontrager Aeolus Pro 3V-Laufradsatzes sowie dessen geringe Windanfälligkeit machen einfach Laune, wobei man vom Bontrager R3-Reifen keine Spitzensportler-Werte erwarten darf. Schließlich ist er mit seinem Volumen auch gut geeignet für gelegentliche Gravel-Ausflüge und rollt ausreichend gut auf dem Asphalt – ein Race-Reifen ist er aber definitiv nicht! Wer bergauf natürlich so leichtfüßig tänzeln will wie Alberto Contador, der wünscht sich ein agileres und direkteres Bike – und sollte sich das Emonda genauer anschauen. Denn das Domane setzt auf Contenance. Im Downhill bietet das Domane viel Sicherheit, im Grenzbereich werden jedoch sportliche Fahrer etwas Präzision und Direktheit an der Front vermissen. Für die richtig ambitionierten Endurance-Racer unter uns wäre deshalb die H1.5-Geometrie die vermutlich bessere Wahl. Aber bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen: Das Domane SLR 2020 im Endurance Fit ist für 90 % von uns Normalsterblichen die beste Wahl!

Braucht es das IsoSpeed-System wirklich?

Gar keine Frage – das IsoSpeed-System ist beeindruckend. Dennoch könnte man sich fragen, ob es so viel Technik (und auch Kompromisse bei der Zugverlegung im Steuerrohrbereich und Gewicht) für den Komfort braucht? Geht es nur um den Komfort, so lautet die klare Antwort „Nein“, schließlich erreichen andere Bikes ein ähnliches oder sogar besseres Komfortlevel. In Sachen Individualisierbarkeit und Einstellbarkeit auf das jeweilige Fahrergewicht bietet das IsoSpeed-System jedoch eine effektive Lösung und begeistert Technik-Enthusiasten mit der Faszination komplexer Technologie in einem klassischen, unauffälligen Design. Richtig eingestellt, ist der Komfort zwischen Front und Heck sehr gut ausbalanciert, die Vibrationsdämpfung überzeugt!

Funktioniert die Hidden-Storage-Lösung?

Das Hidden-Storage-Verstaufach im Unterrohr ist gelungen und bietet Platz für Werkzeug und Ersatzschlauch, sodass man keine Satteltasche mehr braucht und seinen kleinen Snack nicht mühsam in irgendwelche Trikottaschen stopfen muss. Benutzt man die Bontrager BITS Tool Rolle, klappert nichts im Unterrohr. Bei unserem Test-Bike klapperte jedoch der mit einer vollen Flasche bestückte Flaschenhalter auf schlechten Straßen. Laut Trek lag dies jedoch an einer noch nicht ordnungsgemäß verklebten Befestigung an den ersten Test-Bikes. Hoffen wir es, dass das Klappern in Serie behoben ist, denn die Idee ist super! Das Öffnen des Verstaufachs gelingt übrigens kinderleicht!

Fazit

Mit dem neuen Trek Domane 2020 haben die Amerikaner ein neues großes Highlight in ihrem Portfolio: absolut sexy in der Formsprache und clevere wie sinnvolle Details, welche die Sicherheit, die Handhabung und den Fahrkomfort erhöhen. Und natürlich eine bewährte Fahr-Performance für alle extravaganten Maratoni- und Allround-Piloten, die ein Bike für (fast) jedes Terrain suchen. Endurance-Bikes waren selten attraktiver! Die neue genderneutrale Größenpolitik gefällt ebenso! Ach ja, und haben wir schon die Project One-Paintjobs erwähnt?!

Tops

  • Allround-Handling mit super Sicherheit und Souveränität
  • vom Madone inspirierte Designsprache
  • Funktionalität des Hidden-Storage-Verstaufachs
  • Verstellbarkeit des neuen IsoSpeed-Systems
  • geringe Seitenwindanfälligkeit

Flops

  • Klappern des Hidden-Storage-Verstaufachs
  • Kabelverlegung am Cockpit

Mehr Informationen findet ihr unter trekbikes.com

Text & Fotos: Robin Schmitt