Mein Smartphone intonierte „Das Herz von St. Pauli, das ist meine Heimat, in Hamburg, da bin ich zuhaus. Der Hafen, die Lichter, die Sehnsucht begleiten das Schiff in die Ferne hinaus…“ Hmmm, die Nummer kannte ich nicht, ich ging trotzdem ran: „Servus,“ (Oh Gott, ein Süddeutscher!) „Robin von GRAN FONDO hier. Pass auf, übermorgen kommt Ben nach Hamburg. Der war noch nie bei euch an der Elbe. Zeig´ Ben doch bitte mal deine Stadt. Ach ja: Bring ein paar Kumpels mit, putz´ dein Rad und rasier´ dir gefälligst die Beine. Servus!“ (Oh Gott, da war es wieder!).

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Moin! Dieser Gruß kommt von Herzen –
und geht zu jeder Tages- und Nachtzeit

Jetzt war ich gefordert. Was zeigt man jemandem, der noch nie in Hamburg war? Das, was er erwartet? Oder das, was er nicht erwartet? Reeperbahn? Alster? Michel? Irgendwie langweilig. Vor allem mit dem Rad. Machen wir es doch ganz anders.

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Kurz noch den Plan für die Strecke schmieden. Und dann ab dafür.
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Also Kumpels aktiviert, Festka poliert und Beine natürlich nicht rasiert. Natürlich nicht. Warum auch? Das macht nur Arbeit. Ende der Diskussion.

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Das sind sie, die unrasierten Beine. Immerhin glänzt der Rahmen.

Gestartet sind wir mit Ben am „gefürchteten“ Waseberg in Blankenese. Den kennen viele von den Cyclassics als die Stelle, an der sich das Rennen entscheidet. Satte 16 % hat das Ding. Klingt machbar, ist machbar, denn der „Berg“ ist nur 300 Meter lang. Dies wird erst dann zum Problem, wenn man für das optimale Foto achtmal rauf muss. Danke, Ben.

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Hamburg und Berge? Ja, das gibt es wirklich.
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Sieht entspannt aus – war es bei 16 % Steigung aber definitiv nicht. Der Waseberg tut wirklich weh. Mir zumindest.

Mit Laktat geschwängerten Beinen ging es anschließend runter an die Elbe zum Schiffe gucken. Das ist selbst als Hamburger einfach immer wieder gut. Nach kurzem Stopp dann hoch durchs Treppenviertel von Blankenese. Unser Elb d’Huez bietet Postkartenromantik pur. Und ist zudem ein verdammt schönes Stück Hamburg.

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Blankenese ist ein ehemaliges Fischerdorf. Einen guten Fang kann man hier heute noch immer machen.
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Dieser Pott ist rund 300 Meter lang. Und das ist nicht mal ein richtig Großer.

Auf der Jagd nach einem KOM peitschten wir hiernach die Elbchaussee runter Richtung Hafen, Richtung Fischmarkt, Richtung Fischbrötchen. Jeder Radfahrer weiß, dass ein Fischbrötchen nicht unbedingt ratsam ist, wenn man noch ein paar Kilometer fahren will und keine Magentablette dabei hat. Natürlich haben wir diese goldene Regel komplett missachtet und an den Landungsbrücken mit fettigen Fingern und vollen Mündern Musical/Touristen mit Micky-Maus-Krawatten gestalkt. Im Hintergrund dudelte Hans Albers. Touriherz, was willst du mehr?!

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Solch ein Bild wollte ich schon immer mal von mir haben. Jetzt war die Gelegenheit günstig.
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Fischbrötchen sind reich an Eiweiß, Mineralien und Fettsäuren.
Na dann: Mahlzeit!

Apropos Touris: Nun hieß es tapfer sein. Schließlich ging es 24 Meter tief hinunter in den Alten Elbtunnel, der Hamburg mit Steinwerder verbindet. Wenn man es durch das Gewühl hysterischer Touristen auf die andere Elbseite geschafft hat, wird man mit einem sensationellen Ausblick auf die Landungsbrücken, unzählige Kirchtürme und die Elbphilharmonie belohnt. Selfie machen und dann weiter… Oder doch nicht, erst ein kurzer Zwangshalt: Platten flicken.

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Der Alte Elbtunnel galt bei der Eröffnung 1911 als technische Sensation. Von seiner Faszination hat er seitdem nichts verloren.
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Licht am Ende des Tunnels. Aber erst, wenn man mit dem Aufzug wieder nach oben fährt.
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Die Elbphilharmonie – schön und schön teuer. Am Ende hatten sich die Baukosten mehr als verzehnfacht.

Jetzt aber reingetreten und weiter Richtung Containerhafen. Zwischen Wilhelmsburg und Norderelbe erwartete uns der raue Charme eines riesigen, unüberschaubaren Areals, der einen aber zu packen weiß. Vor allem die Containertürme haben eine magische Anziehungskraft. Hier dudelt zwar kein Hans Albers, aber man ist mit den Gedanken ganz oft irgendwo in der Ferne. La Paloma lässt grüßen: „Wenn der Sturmwind sein Lied singt, dann winkt mir der großen Freiheit Glück.“

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Ob da irgendwo wohl ein paar hübsche Räder oder Rahmen drin sind?
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Besser man hält die Container fest, bevor sie umfallen. Sicher ist sicher.

Einen Höhepunkt für Ben hatten wir uns für den Schluss unserer kleinen Ausfahrt aufgehoben. Über die Elbbrücken fuhren wir zurück am Stadtdeich entlang in die Hafencity. Auf Europas größter Baustelle wird so viel gebaut, dass das Panorama praktisch jeden Tag anders aussieht. Das hat was, wie auch die Oberhafenbrücke, unter der einfach jedes noch so normale Foto total hipstermäßig daherkommt.

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Das obligatorische Bild auf (oder muss es unter heißen?) der Oberbaumbrücke.

War das jetzt das, was Ben erwartet hat oder das, was er nicht erwartet hat? Wie auch immer: Wir hatten einen wunderbaren Tag im Sattel und haben einstimmig festgestellt, dass wir in der schönsten Stadt der Welt zu Hause sind. Und Ben? Das hatten wir jetzt nicht erwartet: Er würde auch gerne in Hamburg wohnen. Darauf haben wir angestoßen, so wie es sich in Hamburg gehört, mit Bier und Korn. Ach ja, falls Robin nochmal eine Tourempfehlung von mir will, rasiere ich mir auf jeden Fall auch die Beine. Also vielleicht, unter Umständen, möglicherweise. Prost!


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Text: Stefan Trocha Fotos: Benjamin Topf

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