
Hinter dem Vulpine steht WTB, eine Marke, die seit den frühen 1980ern im Bike-Business unterwegs ist und sich vom Zubehör-Spezialisten hin zum Komplettanbieter mit Reifen, Tubeless-Systemen und Laufrädern entwickelt hat. Auch im Gravel-Segment ist das Portfolio seit 2020 breit aufgestellt.
Im Vergleichstest treten gleich mehrere Modelle der insgesamt acht WTB Gravel-Reifen an. Darunter der Vulpine, Vulpine S und der WTB Resolute. Der Vulpine fällt dabei direkt aus dem Raster: Sein Profil ist engmaschig, aber durch relativ hohe Stollen geprägt. In der Mitte entsteht ein offener Steg aus ebenfalls hoch gewachsenen breiten Stollen. Der Pneu ist also kein klassischer Semi-Slick, sondern eine eigenständige Mischung, die Speed und Grip verspricht.
Allzweckwaffe gegen Asphaltmangel – Der WTB Vulpine im Gravel-Reifen-Test 2026
Der Vulpine wird von WTB mit Begriffen wie „Allzweckwaffe” und „rennorientiert” beworben – im Test lässt sich das allerdings nur teilweise bestätigen. Auf Hardpack und grobem Asphalt funktioniert der Reifen noch gut: Die engen Mittelstollen wirken fast wie eine geschlossene Lauffläche, und einmal auf Tempo, hält er dieses auch solide. Beim Antritt zeigt er sich jedoch zäh, was sich im Labor bestätigt – mit 20,2 W Rollwiderstand liegt er rund 5 W über dem Durchschnitt. Am Gewicht von 579 g kann der Leistungsverlust nicht liegen, denn das liegt nur 9 g über dem Testmittel.
Das knackige Einlenkverhalten, durch das der Reifen auf Hardpack und Asphalt begeistert, wird auf losem Untergrund zur Herausforderung. Denn hier kippt das Bild und das dichte Profil bringt Nachteile mit sich. Der Reifen schwimmt auf, hält die Spur auf losem Gravel nicht sauber und trägt euch in langen Kurven spürbar nach außen. Das Profil steht einfach zu eng, als dass es sich mit groben Kieseln effektiv verzahnen könnte. Nur auf sandigen und feuchten Böden wird die Traktion hochgehalten. Gleichzeitig bleibt der Komfort hinter den Erwartungen zurück – der Vulpine ist hart und gibt Schläge ungefiltert an den Fahrer weiter.
Auch beim Pannenschutz schneidet das Schweizer Taschenmesser nicht besonders scharf: Durchstich- und Durchschlagschutz liegen unterm Durchschnitt. Das birgt Gefahren fürs Material und sorgt womöglich für ungewollte Stops. Positiv bleibt die unkomplizierte Handhabung des WTB Vulpine in Erinnerung: Die Montage gelingt ohne Werkzeug, und das Tubeless-Setup dichtet schnell und zuverlässig ab.
AGILITÄT
- träge
- ausgeglichen
- verspielt
GRIP
- niedrig
- hoch
KOMFORT
- gering
- hoch
ROLLWIDERSTAND
- langsam
- schnell
DURCHSCHLAGSCHUTZ
- gering
- hoch
DURCHSTICHSCHUTZ
- gering
- hoch
Fazit zum WTB Vulpine
Der WTB Vulpine ist am Ende wie ein Schweizer Taschenmesser, welches mal wieder einen guten Schliff gebrauchen könnte. Der Vulpine begeistert mit Spritzigkeit und Agilität auf feinen Hardpack-Pisten und Asphalt. Geht es aber auf losen Schotter, vermittelt das engmaschige Profil eher das Fahrgefühl eines Semi-Slicks – ohne die Vorteile so ausgeprägt auf Hardpack und Asphalt zu übertragen. Hier mangelt es an Effizienz, dazu kommt noch der geringe Komfort.
Tops
- gute Laufruhe, wenn er mal auf Tempo ist
Flops
- schwimmt auf Schotter auf
- Semi-Slick-Feeling ohne Effizienz-Plus
Herstellungsland China | Maße (ETRO) 45-622 | Breite in mm¹ 44,2
Höhe in mm¹ 41,03 | Gewicht 579,4 g | Preis 59,95 €
¹gemessene Dimensionen mit 1,75 – 3,0 Bar, abhängig von Reifenbreite
Mehr Informationen unter wtb.com.
Das Testfeld
Dieser Reifen wurde im Rahmen des Gravel-Reifen-Vergleichstests 2026 getestet – einen Überblick über diesen Vergleichstest sowie alle anderen getesteten Gravel-Reifen erhaltet ihr im großen großen Gravel-Reifen-Vergleichstest 2026. Für die Top-Modelle im Rennbereich schaut ihr euch am besten den Race-Gravel-Reifen-Vergleichstest 2026 an.
Challenge: Getaway XP | Gravine XP
Continental: Dubnital | Terra Adventure | Terra Competition | Terra Hardpack | Terra Speed
Goodyear: Connector Inter | Connector Speed
Hutchinson: Caracal Race
MAXXIS: Rambler | Reaver
Michelin: Power Adventure | Power Gravel
Pirelli: Cinturato Gravel H | Cinturato Gravel M | Cinturato Gravel S
Rene Herse: Corkscrew Climb TC Semi-Slick
Schwalbe: G-One RS Pro | G-One RX Pro | G-One R Pro | Thunder Burt | G One Overland Pro
Specialized: Pathfinder TLR | Tracer TLR | Terra TLR
Vittoria: Terreno Pro T30 | Terreno Pro T50 | Terreno Pro T60
WTB: Vulpine S | Vulpine | Resolute
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Text: Julian Schwede Fotos: Jan Fock
Wer schreibt hier?
Julian Schwede
Freelance Editor
Juli ist es gewohnt, mit großen Kalibern umzugehen. Er schraubt nicht nur gerne an seinem Bike, sondern hat nach seiner Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker an der Königsklasse der Kraftfahrzeuge – Omnibussen – getüftelt und gewerkelt. Als ihm die Entwicklung auf Elektroantriebe im Großformat zu langsam ging, hat er technische BWL studiert und nebenher Tische aus Carbon gebaut. Während sein Dirtbike aus dicken Alu Rohren geschweißt ist, besteht sein Fully ebenfalls aus den schwarzen Fasern und hat ihn schon auf einige Gipfel gebracht. Doch auch angeseilt erklimmt er Berge gern über Klettersteige oder senkrecht an der Wand. Mittlerweile fährt er statt seinem eigenen Bike fast nur noch Bikes aus dem Office-Keller und testet sie auf Leib und Lenker. Neben Bike Reviews kümmert Juli sich auch um das tägliche Newsgeschäft und bezeichnet sich selbst als rasenden Reporter “Carlos Columbus”.
