Vittoria will Nachhaltigkeit und Tradition auf den Schotter bringen. Mit der neuen Terreno Pro-Serie aus 92 % recycelten und erneuerbaren Materialien wollen die Italiener beweisen, dass der Öko-Gedanke nicht auf Kosten der Performance gehen muss. Wir haben drei Gravel-Reifen getestet, um herauszufinden: Passen grünes Gewissen und hohe Leistung zusammen?

Dieser Test ist Teil des großen Vergleichstests um den besten Gravel-Reifen. Zum ausführlichen Intro und allen 32 Reifen im Test geht’s hier.

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Vittoria ist ein Urgestein des italienischen Reifenbaus und steht seit Jahrzehnten für technologische Innovationen im Radsport. Doch statt sich auf dem Ruhm vergangener Tage auszuruhen, schlagen die Mailänder 2026 einen radikalen Kurs in Richtung Nachhaltigkeit ein. Reifen entspringen bis dato sicher keiner grünen Industrie. Die Produktion basiert traditionell auf Erdöl, synthetischem Ruß und einer langen Lieferkette, die kaum jemand hinterfragt. Vittoria will das ändern. Mit Einzug der neuen Terreno Pro-Serie besteht jeder Reifen zu 92 % aus recycelten und erneuerbaren Materialien – recycelter Ruß, Bio-Silika, Naturgummi. Ein Ansatz, den sonst niemand in dieser Konsequenz verfolgt, und der beweist: Es geht auch anders. Sichtbar macht Vittoria diese Neuausrichtung durch einen ikonischen, braunen Naturgummi-Look, der die Pneus auch optisch von der Masse abhebt.

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Die unterschiedlichen Gummimischungen und Karkassen im Detail

Hinter dem ikonischen Look der neuen Vittoria-Range verbirgt sich eine radikale technische Neuausrichtung. Für die aktuelle Pro-Serie hat Vittoria nicht nur an der Optik gefeilt, sondern das Zusammenspiel aus nachhaltigen Rohstoffen und mechanischer Widerstandsfähigkeit neu definiert.

Der Terreno Pro-Compound: 92 % grünes Gewissen

Hinter dem ambitionierten Versprechen von 92 % recycelten und erneuerbaren Materialien verbirgt sich die besonders nachhaltige Evo Race-Mischung: Vittoria setzt hier auf recycelten Ruß, Bio-Silika und einen hohen Anteil an Naturgummi. Im Gegensatz zu vielen High-End-Wettbewerbern, die auf die Verbindung verschiedener Gummimischungen setzen, verfolgen die Italiener eine Single-Compound-Logik. Das Ziel: absolut konstante Materialeigenschaften über die gesamte Lauffläche hinweg. Optisch wird dieser Weg durch den markanten Look der Seitenwände unterstrichen, der die natürliche Farbe des verarbeiteten Gummis zur Schau stellt.

Die Pro-Karkasse: Fokus auf Stabilität und Durchschlagschutz

Beim „Skelett“ der Terreno Pro-Serie transferiert Vittoria seine jahrzehntelange Erfahrung mit Baumwollkarkassen – eine Technologie, die bisher fast ausschließlich den exklusivsten Rennradreifen vorbehalten war – direkt auf den Schotter. Bei den neuen Pro-Modellen wurde dieser Aufbau gezielt auf maximale Robustheit gegen mechanische Einwirkungen von unten getrimmt. Das Resultat soll ein überdurchschnittlich hoher Durchschlagschutz sein, der sich als roter Faden durch das gesamte Line-up zieht: Vittoria hat das Gehäuse so verstärkt, dass Snakebites selbst bei harten Einschlägen auf Wurzeln oder scharfen Steinkanten kaum eine Chance haben sollen. Dieser Fokus auf Stabilität könnte sich jedoch in einer etwas geringeren Compliance niederschlagen, da die Karkasse konstruktionsbedingt weniger flexibel agiert als die radikalen Leichtbau-Modelle der Konkurrenz.

Der textile Schutzschild aus dem Ozean

Auch beim Pannenschutz verfolgt Vittoria konsequent den nachhaltigen Weg. Anstatt rein auf klassische, oft steife Schutzgürtel unter der Lauffläche zu setzen, umschließt eine Lage aus recyceltem Nylon die gesamte Karkasse. Das von ausrangierten Fischernetzen gewonnene Material zeichnet sich durch eine hohe Reißfestigkeit aus und bildet einen ganzheitlichen Schutzschild, der nicht nur die Lauffläche, sondern den gesamten Reifen von Wulst zu Wulst verstärken soll.

Das Vittoria Gravel-Reifen-Testfeld im Überblick

Vittoria macht es dem Fahrer bei der Wahl des richtigen Setups leicht und folgt bei der neuen Terreno Pro-Serie einer intuitiven Systemlogik: je höher die Zahl, desto aggressiver das Profil und desto weicher der bevorzugte Untergrund.

Modell Compound Karkasse Gewicht Rollwiderstand Maße (ETRTO) Herstellungsland Preis (UVP)
Vittoria Terreno Pro T30 Eco Race Gravel Race 655 g 15,8 W 45-622 Thailand 88,95 €
Vittoria Terreno Pro T50 Eco Race Gravel Race 700 g 15,7 W 45-622 Thailand 88,95 €
Vittoria Terreno Pro T60 Eco Race Gravel Race 667 g 16,6 W 45-622 Thailand 88,95 €
Vittoria Terreno Pro T30 2026 Test Review WEB 1546 1140x760

An der Spitze der Geschwindigkeits-Hierarchie bei Vittoria steht der Terreno Pro T30. Er ist der ausgewiesene Spezialist für trockene Bedingungen und harten Untergrund. Sein Profil mit dem charakteristischen Fischgräten-Muster soll maximale Effizienz garantieren. In unserem Test zeigt sich der T30 als ausgeglichen, der vor allem durch sein neutrales Handling überzeugt. Allerdings erkauft er sich seinen ökologischen Vorteil mit einem hohen Gewicht und einem Rollwiderstand, der deutlich hinter den Top-Werten der Konkurrenz zurückbleibt.

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Der Terreno Pro T50 will sich als der ultimative Allrounder präsentieren. Mit einer V-förmigen Anordnung sechseckiger Stollen bietet er spürbar mehr Traktion und Kontrolle als der T30. Wo der T50 richtig aufdrehen kann, ist beim Grip: Er sorgt in fast jeder Kurve und auf jedem Untergrund für ausreichend Vertrauen. Zudem liegt er klar auf der agilen Seite und vermittelt ein verspieltes Fahrgefühl. Mit 700 g ist er jedoch der schwerste Reifen im gesamten Testfeld.

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Für grobes Gelände und widrige Bedingungen ist in unserem Testfeld der Terreno Pro T60 das Maß der Dinge. Er ist ein echtes Grip-Monster, das sich geradezu in den Schotter eingräbt. Das aggressive Profil mit großen, spitz zulaufenden Stollen vermittelt enorme Sicherheit auf matschigem oder nassem Untergrund. Das Handling bleibt dabei berechenbar und sicher. Trotz der wuchtigen Optik bewegt sich die Effizienz voll im Rahmen seiner Klasse, was ihn zur ersten Wahl für Abenteurer macht, die maximale Kontrolle abseits befestigter Wege suchen.

In unserem Labortest glänzen alle drei Modelle mit soliden bis sehr guten Werten beim Durchschlagschutz. Doch so resistent die Karkasse gegen Quetschungen ist, so empfindlich reagiert sie auf spitze Gegenstände: Die gesamte Serie leistet sich beim Durchstichschutz eine Schwäche und schneidet hier unterdurchschnittlich ab. Wer häufig auf scharfkantigem Splitt oder in dornigem Gelände unterwegs ist, sollte daher zwingend auf eine zuverlässige Dichtmilch setzen.

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Welcher Vittoria Gravel-Reifen ist der beste?

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Die Einordnung der Reifen zeigt deutlich, wie konsequent Vittoria die neue Terreno Pro-Serie auf Nachhaltigkeit und Traktion getrimmt hat. Wer primär auf trockenen, schnellen Kursen unterwegs ist und Wert auf ein ausgeglichenes Handling legt, wird zum Terreno Pro T30 greifen. Racer müssen jedoch bedenken, dass er in Sachen Effizienz nicht ganz mit den Top-Modellen von Schwalbe oder Continental mithalten kann.

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Das vielseitigste Paket im Italo-Line-up bietet der Terreno Pro T50. Als agiler Allrounder ist er die Wahl für alle, die ein verspieltes Fahrgefühl suchen und auf wechselndem Untergrund Wert auf ein hohes Grip-Level legen. Trotz seines enorm hohen Gewichts von 700 g vermittelt er viel Fahrspaß und Souveränität. Er ist der ideale Reifen für Fahrer, die ein Statement in Sachen Nachhaltigkeit setzen wollen, ohne im Gelände auf Agilität und Grip zu verzichten.

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Wenn die Bedingungen harsch werden, schlägt die Stunde des Terreno Pro T60. Er fungiert als die „Gelände-Versicherung“ im Sortiment. Wer technische Trails, tiefen Boden oder matschige Passagen nicht scheut, bekommt hier ein Traktionsniveau geliefert, das an Cross-Country-MTBs erinnert. Mit einem Durchschlagschutz auf zweiter Position hinter den pannensichersten Reifen von Challenge, bietet er zudem enormen Schutz für Abenteurer und Langstreckenfahrer, die gern den Komfort von besonders niedrigem Luftdruck genießen und keine Sorge ums Material haben möchten.

Fazit zu den Vittoria Gravel-Reifen

Vittoria blickt auf eine lange Tradition zurück und nutzt diese Erfahrung 2026, um das Thema Nachhaltigkeit im Radsport voranzutreiben. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das vor allem durch erstklassigen Grip, agiles Handling und ein grünes Gewissen überzeugt. Auch wenn man vor allem bei Gewicht und Durchstichschutz gegenüber der Konkurrenz Federn lassen muss, liefern die Italiener ein gut aufgestelltes Portfolio für Fahrer ab, denen Fahrspaß und ökologische Integrität wichtiger sind als das letzte Watt Ersparnis.

Mehr Informationen unter vittoria.com

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Text & Fotos: Jan Fock

Wer schreibt hier?

Jan Fock
Junior Editor

Jan Fock vereint bei 41 Publishing sportlichen Ehrgeiz mit einem tiefen Verständnis für die Radsportkultur. Der studierte Gesellschaftswissenschaftler bringt ein feines Gespür für Trends und Dynamiken in die Redaktion des GRAN FONDO Magazin ein. Sein Fokus liegt auf dem Testen von High-End-Rennrädern und Gravel-Bikes, wobei seine Leidenschaft besonders dem Bikepacking und sportlichen Feierabendrunden gilt. Jan kombiniert sein Organisationstalent mit akribischen Analysen und bietet in seinen fundierten Kaufberatungen präzise Orientierung für alle ambitionierten Radsportler und Radsportlerinnen.

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