Der René Herse Corkscrew Climb ist der wohl größte Underdog im Testfeld. Dabei bringt die Marke eine lange Tradition rund um den französischen Tüftler René Herse mit und will statt markiger Sprüche mit langjähriger Erfahrung im Ultra-Distance-Bereich auftrumpfen – von Unbound bis Tour Divide. Doch reicht diese Experience, um mit dem Semi-Slick im großen Vergleichstest aufs Treppchen zu fahren?

Rene Herse Corkscrew Climb 2026 Test Review WEB 1560 1140x760
Rene Herse Corkscrew Climb TC Semi-Slick | 525,6 g in 44-622 | 90,00 € | Hersteller-Website

Der René Herse Corkscrew Climb ist kein Reifen, über den man im lokalen Bikeshop zufällig stolpert. Dabei blickt die Marke René Herse auf eine lange Tradition seit 1938 zurück und bietet neben Reifen auch Lenker, Taschen, Laufräder und weitere Komponenten an. Die Reifen selbst werden im Panaracer-Werk in Japan gefertigt.

Der Corkscrew Climb ist der erste und einzige Semi-Slick im Sortiment und soll die Laufkultur eines profillosen Reifens mit dem Kurvengrip eines Stollenreifens kombinieren. Dafür gehen die kräftigen Stollen nahtlos aus der zentralen Lauffläche hervor und wachsen nach außen hin in zwei Reihen. Der Reifen erinnert mit den sehr großen Seitenstollen eher an einen MTB-Reifen mit Lauffläche als an einen klassischen Gravel-Pneu. Das Profil macht den Corkscrew Climb zum – paradoxerweise – am stärksten profilierten Semi-Slick im Testfeld.

Rene Herse Corkscrew Climb 2026 Test Review WEB 1567 600x400 Rene Herse Corkscrew Climb 2026 Test Review WEB 1566 600x400

Auf den Fersen von René Herse – Der René Herse Corkscrew Climb im Gravel-Reifen-Test 2026

Der René Herse Corkscrew Climb muss sich trotz großer Stollen beim Gewicht nicht verstecken. Mit 525 g liegt er rund 50 g unter dem Durchschnitt und ist damit auch als grob profilierter Semi-Slick angenehm leicht. Bei der Effizienz kann er das Bild aber nicht halten – 16,5 W Rollwiderstand bedeuten rund 6 W mehr als der schnellste im Test, der Schwalbe G-One RS Pro; über ein Setup mit zwei Reifen sind die 12 W mehr Leistung dann schon deutlich zu spüren.

Im Gelände dreht der Reifen dafür richtig auf: höchstes Grip-Niveau aller Reifen mit zentraler Lauffläche. Selbst bei harten Lenkmanövern im Schotter bleibt der Corkscrew Climb stabil und trifft sauber die Linie, ohne unerwartetes Ausbrechen. Der Übergang von Mittelsteg zu Schulterstollen ist sehr harmonisch, und der Grip baut sich nahtlos auf – auch in Schräglage. Das schafft die nötige Sicherheit, das verspielte Handling des Reifens voll auszunutzen. Mit dem Corkscrew Climb lassen sich mühelos Kurven initiieren und spritzige Ausweichmanöver fahren. Bei Komfort und Compliance kann der Corkscrew Climb ebenso punkten – in der Standard-Karkasse dämpft er Schläge und Vibrationen auf ruppigen Schotterpisten effektiv weg, ohne bouncy zu werden.

Beim Pannenschutz hingegen offenbart der Reifen von René Herse Schwächen: Im Durchschlagschutz landet der Reifen am Ende des Feldes, was für wenig Schutz für die Felge sorgt und einen höheren Luftdruck nötig macht. Auch im Durchstichtest liegen Lauffläche und Seitenwände unter dem Durchschnitt, wodurch der Reifen weniger Vertrauen vermittelt, als man es von einem Modell eines Herstellers mit Ultra-Distance-Rennerfahrung erwarten würde.

AGILITÄT

  1. träge
  2. ausgeglichen

GRIP

  1. niedrig
  2. hoch

KOMFORT

  1. gering
  2. hoch

ROLLWIDERSTAND

  1. langsam
  2. schnell

DURCHSCHLAGSCHUTZ

  1. gering
  2. hoch

DURCHSTICHSCHUTZ

  1. gering
  2. hoch

Fazit zum René Herse Corkscrew Climb

Der René Herse Corkscrew Climb überzeugt vor allem durch sein hohes Grip-Niveau. Trotz der glatten zentralen Lauffläche liefert er auf allen Untergründen viel Vertrauen und sehr gute Traktion. Die Effizienz-Karte kann er dagegen nicht ausspielen – der Vorteil des Slick-Bereichs schlägt sich nicht im Rollwiderstand nieder. Als Underdog hinterlässt der Corkscrew Climb dafür einen sehr starken Eindruck bei Grip und agilem Fahrverhalten und erobert so manches Tester-Herz. Bei den Hard-Facts kann er aber nicht um eine Podiumsplatzierung mitkämpfen.

Tops

  • bester Kurvengrip für einen Semi-Slick-Reifen
  • sehr gute Dämpfung

Flops

  • gewöhnungsbedürftige Optik
  • geringer Pannenschutz

Herstellungsland Japan | Maße (ETRO) 44-622 | Breite in mm¹ 42,3
Höhe in mm¹ 38,13 | Gewicht 525,6 g | Preis 90,00 €
¹gemessene Dimensionen mit 1,75 – 3,0 Bar, abhängig von Reifenbreite

Mehr Informationen unter renehersecycles.com.


Das Testfeld

Dieser Reifen wurde im Rahmen des Gravel-Reifen-Vergleichstests 2026 getestet – einen Überblick über diesen Vergleichstest sowie alle anderen getesteten Gravel-Reifen erhaltet ihr im großen großen Gravel-Reifen-Vergleichstest 2026. Für die Top-Modelle im Rennbereich schaut ihr euch am besten den Race-Gravel-Reifen-Vergleichstest 2026 an.

Challenge: Getaway XP | Gravine XP
Continental: Dubnital | Terra Adventure | Terra Competition | Terra Hardpack | Terra Speed
Goodyear: Connector Inter | Connector Speed
Hutchinson: Caracal Race
MAXXIS: Rambler | Reaver
Michelin: Power Adventure | Power Gravel
Pirelli: Cinturato Gravel H | Cinturato Gravel M | Cinturato Gravel S
Rene Herse: Corkscrew Climb TC Semi-Slick
Schwalbe: G-One RS Pro | G-One RX Pro | G-One R Pro | Thunder Burt | G One Overland Pro
Specialized: Pathfinder TLR | Tracer TLR | Terra TLR
Vittoria: Terreno Pro T30 | Terreno Pro T50 | Terreno Pro T60
WTB: Vulpine S | Vulpine | Resolute

Der beste Gravel Reifen Race Allrounder Vergleich 2026 Test Review WEB 03740 1140x760


Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als GRAN FONDO-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, das die New-Road-Welt auch weiter ein kostenloses und unabhängiges Leitmedium hat. Jetzt Supporter werden!

Text: Julian Schwede Fotos: Jan Fock

Wer schreibt hier?

Julian Schwede
Freelance Editor

Juli ist es gewohnt, mit großen Kalibern umzugehen. Er schraubt nicht nur gerne an seinem Bike, sondern hat nach seiner Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker an der Königsklasse der Kraftfahrzeuge – Omnibussen – getüftelt und gewerkelt. Als ihm die Entwicklung auf Elektroantriebe im Großformat zu langsam ging, hat er technische BWL studiert und nebenher Tische aus Carbon gebaut. Während sein Dirtbike aus dicken Alu Rohren geschweißt ist, besteht sein Fully ebenfalls aus den schwarzen Fasern und hat ihn schon auf einige Gipfel gebracht. Doch auch angeseilt erklimmt er Berge gern über Klettersteige oder senkrecht an der Wand. Mittlerweile fährt er statt seinem eigenen Bike fast nur noch Bikes aus dem Office-Keller und testet sie auf Leib und Lenker. Neben Bike Reviews kümmert Juli sich auch um das tägliche Newsgeschäft und bezeichnet sich selbst als rasenden Reporter “Carlos Columbus”.

GRAN FONDO Cycling Magazine

GRAN FONDO ist das erste unabhängige Premium-Magazin für Rennrad- und Gravelbikes mit echter Lifestyle-Attitüde. Wir schreiben für Visionäre und Abenteurerinnen, für kreative Köpfe und Technik-Begeisterte, die das Radfahren als Teil ihres Lebensgefühls begreifen. Statt uns in einem starren „Marginal-Gains-Wahn“ zu verlieren, blickt unsere Redaktion auf das große Ganze: High-End-Bikes, globale Trends und technologische Meilensteine, fundiert bewertet aus der echten Lebensrealität unserer Leserschaft.

Seit 2016 steht GRAN FONDO für journalistische Tiefe und absolute Transparenz im Dropbar-Segment. In unseren aufwändigen Einzel- und Vergleichstests fließt langjährige Test-Expertise in die praxisnahe Analyse der Produkte ein. Unsere Awards gelten weltweit als wegweisende Orientierung für Radbegeisterte, Handel und Industrie. Dabei bleiben Redaktion und Werbung strikt getrennt, um eine unabhängige und ehrliche Kaufberatung zu garantieren.

GRAN FONDO erscheint auf Deutsch sowie Englisch und erreicht eine internationale Leserschaft.