Dieser Test ist Teil des großen Vergleichstests um den besten Gravel-Reifen. Zum ausführlichen Intro und allen 32 Reifen im Test geht’s hier.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Speed nicht alles ist – und was wirklich zählt
- Die schnellsten Gravel-Reifen im Überblick
- Was ist der perfekte Gravel-Reifen fürs Rennen?
- Schotter, Fallbeil und Stoppuhr – Der Testablauf im Race-Gravel-Reifen-Test
- Ergebnisse – Welcher Gravel-Reifen ist der schnellste fürs Rennen?
- Was muss man über schnelle Gravel-Reifen wissen? – 6 Erkenntnisse aus 17 Reifen
- Die schnellsten Gravel-Reifen fürs Rennen – Testsieger und Kauftipp
- Tops & Flops
- Fazit
Kilometer 41 der Traka, kurz nach dem Wechsel von festem Schotter auf nassen Lehm-Singletrail. Der Typ vor euch beschleunigt, das Hinterrad tanzt, der Reifen findet Grip und drückt ihn durch die Kurve. Bei euch: Ausbrechen, kein Feedback, drei Positionen weg, bevor ihr überhaupt reagiert habt. Die Aufholjagd frisst die Beine, die ihr am Abend noch gebraucht hättet, und irgendwo dazwischen setzt sich ein Gedanke fest, der euch auch nach dem Rennen nicht mehr loslässt: Die Reifenwahl war vielleicht doch keine Nebensächlichkeit.
Denn im Gravel-Racing ist der Reifen kein einfaches Verschleißteil, sondern ein entscheidendes Leistungsbauteil und der einzige Kontaktpunkt zur Strecke. So entscheidet der richtige Reifen, wie viel Watt ihr in Vortrieb umwandelt, wie sicher ihr durch eine schlammige Abfahrt kommt und ob ihr am Ende eines 200-Kilometer-Renntags noch Körner für den Sprint übrig habt. Wer über Kurbeln, Kassetten und Felgenhöhen philosophiert, aber den Reifen als Standardausrüstung betrachtet, denkt das Bike nicht zu Ende.
Die Gravel-Racing-Szene hat sich in den letzten Jahren von einer Nische zur Mainstream-Bewegung entwickelt. Die UCI hat die Kategorie offiziell aufgenommen, Profis wechseln aus dem WorldTour-Peloton an die Startlinie der Traka oder des Unbound Gravel, und Hersteller entwickeln immer speziellere Race-Bikes. Ein Trend, den wir schon beim letzten Test um die schnellsten Gravel-Bikes feststellen konnten. Und da ist es wenig verwunderlich, dass sich auch die Reifen für die schnellen Bikes genauso schnell weiterentwickeln. Aero-Profile, neue Karkassenkonstruktionen, weiterentwickelte Gummimischungen, MTB-Pneus am Drop-Lenker-Bike: Was vor zwei Jahren noch experimentell war, ist heute eine ernstzunehmende Race-Strategie.
Genau deshalb haben wir aus unserem großen Gravel-Reifen-Vergleichstest 2026 mit 32 getesteten Reifen die schnellsten und auf den Renneinsatz optimierten Modelle herausgepickt und nochmal gesondert unter die Lupe genommen. 17 Reifen, die alles versprechen, was ein Gravel-Racer braucht.
Warum Speed nicht alles ist – und was wirklich zählt
Getreu dem Namen steht beim Test um den schnellsten Gravel-Reifen fürs Rennen die Geschwindigkeit im Vordergrund.
Aber auf Gravel ist purer Rollwiderstand nur ein Teil der Gleichung, und das ist der entscheidende Unterschied zu unserem Rennrad-Reifen-Test. Was nützt der schnellste Reifen, wenn er euch im ersten Schlammloch aus der Kurve wirft? Was bringt der leichteste Pneu, wenn er nach 30 km platt ist und euch am Streckenrand stehen lässt? Auf Gravel steht nicht nur der Rollwiderstand für Geschwindigkeit. Grip, Volumen, Pannenschutz und Effizienz müssen eine Balance bieten, die zum jeweiligen Rennen passt.
Und diese Balance ist bei der Traka 360 eine komplett andere als beim UCI Gravel-World-Cup oder beim Unbound Gravel in Kansas. Ein schnelles UCI-Rennen mit hohem Asphaltanteil stellt andere Anforderungen als ein hartes Langstrecken-Event durch schlammige Wälder. Die Reifenwahl macht beim Gravel-Rennen im wahrsten Sinne den Unterschied zwischen Platz 15 und Platz 5. Und dennoch gibt es Reifen, die sich durch eine herausragende Balance und vielseitige Race-Eigenschaften auszeichnen.
Wer im Rennen auf den falschen Reifen setzt, trainiert für den zweiten Platz.
Ein Trend, der die Szene in den letzten Jahren ordentlich aufgemischt hat, sind MTB-Reifen am Gravel-Bike. Als Performance-Optimierung soll ein breiterer Reifen mit mehr Volumen auf unebenem Untergrund effizienter rollen. Denn mehr Volumen bedeutet mehr Dämpfung – und dadurch weniger Energieverlust durch Vibrationen. Deshalb haben wir im Race-Testfeld bewusst auch den Schwalbe Thunder Burt und den Continental Dubnital mit griffigem MTB-Profil und echter MTB-Dimension ins Feld aufgenommen. Zwei Reifen, die sich unter professionellen Gravel-Racern als die Reifen der Wahl durchgesetzt haben, zumindest wenn MTB-Reifen gefragt sind.
Die schnellsten Gravel-Reifen im Überblick
| Hersteller | Modell | Herstellungsland | Maße (ETRO) | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Challenge | Getaway XP | Thailand | 45-622 | 82,90 € |
| Continental | Terra Speed | Germany | 45-622 | 57,90 € |
| Continental | Dubnital | Germany | 55-622 | 66,95 € |
| Continental | Terra Competition | Germany | 45-622 | 68,95 € |
| Goodyear | Connector Inter | Taiwan | 45-622 | 69,95 € |
| Goodyear | Connector Speed | Taiwan | 45-622 | 69,95 € |
| Hutchinson | Caracal Race | France | 45-622 | 59,99 € |
| Michelin | Power Adventure | Thailand | 42-622 | 61,00 € |
| Pirelli | Cinturato Gravel H | Italy | 45-622 | 79,90 € |
| Rene Herse | Corkscrew Climb TC Semi-Slick | Japan | 44-622 | 90,00 € |
| Schwalbe | G-One RS Pro | Vietnam | 45-622 | 74,90 € |
| Schwalbe | G-One RX Pro | Vietnam | 45-622 | 74,90 € |
| Schwalbe | G-One R Pro | Vietnam | 45-622 | 74,90 € |
| Schwalbe | Thunder Burt | Vietnam | 54-622 | 68,90 € |
| Specialized | Pathfinder TLR | Vietnam | 45-622 | 49,00 € |
| Specialized | Tracer TLR | Vietnam | 45-622 | 49,00 € |
| Vittoria | Terreno Pro T30 | Thailand | 45-622 | 88,95 € |
| Durchschnitt | 69,88 € |
17 Reifen im Testfeld, alle mit klarem Fokus auf den Renneinsatz. Bis auf die beiden MTB-Reifen Schwalbe Thunder Burt und Continental Dubnital in 54 bzw. 55 mm ist 45 mm Breite die Wahl im Testfeld – und der aktuelle Standard für Gravel-Racing. Der Michelin Power Adventure ist die einzige Ausnahme von der 45-mm-Vorgabe: Da das Modell nicht in dieser Dimension erhältlich ist, wird die Version in 42 mm getestet. Grundsätzlich gilt: Je nach Rennen und Bedingungen kann man sinnvoll abweichen, aber 45 mm ist das Maß der Dinge.
Die Preise bewegen sich von 49 € für den Specialized Pathfinder TLR und Tracer TLR bis 90 € für den René Herse Corkscrew Climb. Für Reifen, die direkten Einfluss auf Performance, Sicherheit und Zieleinlauf haben, ist das in Summe vergleichsweise kleines Geld. Kein anderes Bauteil am Bike verändert die Fahreigenschaften so stark und ist so preiswert im Upgrade.
Das Testfeld umfasst alle wichtigen Race-Vertreter: den Continental Terra Speed als bewährte Benchmark und den neuen Terra Competition, der für Continental die Race-Krone holen soll. Schwalbe bringt gleich drei Vertreter aus dem G-One-Lineup mit: RS Pro, R Pro und RX Pro – drei Reifen mit sehr unterschiedlichen Prioritäten. Specialized ist mit Pathfinder TLR und Tracer TLR vertreten. Dazu kommen Challenge mit dem Getaway XP, Hutchinson mit dem Caracal Race, Pirelli mit dem Cinturato Gravel H, Vittoria mit dem Terreno Pro T30, Goodyear mit Connector Inter und Connector Speed sowie Michelin und René Herse. Ein Testfeld, das repräsentiert, was der Gravel-Race-Markt 2026 zu bieten hat.
Die MTB-Wildcard: Der Continental Dubnital ist der Nachfolger des beliebten Race King. Der Schwalbe Thunder Burt ist der MTB-Reifen, der inzwischen auf Gravel-Bikes Einzug hält und zeitweise ausverkauft war. Beide haben ihre Fangemeinde, beide haben eine Daseinsberechtigung im Race-Kontext, und wir wollten wissen, ob sie halten, was sie versprechen.
Was ist der perfekte Gravel-Reifen fürs Rennen?
17 Reifen, drei sehr unterschiedliche Prioritäten, und bereits beim ersten Blick auf die Daten wird klar: Ein universeller Race-Reifen existiert nicht. Was existiert, sind Reifen, die auf bestimmten Untergründen, bei bestimmten Bedingungen und für bestimmte Rennen die bessere Wahl sind. Trotzdem gibt es Parameter, die immer gelten, egal ob UCI-Kurzrennen auf trockenem Hardpack oder Traka 360 durch den Schlamm. Das sind unsere wichtigsten Parameter, die über den perfekten Gravel-Reifen fürs Rennen entscheiden:
Fährt man im Gravel-Rennen tubeless?
Im Gravel-Rennen gibt es keine schlauchende Diskussion. Tubeless ist gesetzt. Nicht wegen des Marketing-Geredes, sondern wegen der handfesten Vorteile. Niedrigere Drücke ohne erhöhtes Pannenrisiko, bessere Traktion auf unebenem Untergrund und Löcher, die während der Fahrt abgedichtet werden. Im Rennen, wo jede Sekunde zählt, ist das unbezahlbar. Wer 2026 noch mit Schlauch zu einem Gravel-Rennen antritt, ist entweder zu cool oder zu optimistisch.
Wie viel Profil hat ein Gravel-Reifen fürs Rennen?
Der ewige Spagat. Im Rennen tendiert man zur Effizienzseite, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wer auf einem zu glatten Reifen aus einer Schlammkurve fliegt, verliert mehr Zeit, als man durch den niedrigeren Rollwiderstand gewonnen hat. Die gute Nachricht: Einige Reifen in unserem Testfeld zeigen, dass sich Grip und Effizienz nicht zwangsläufig ausschließen. Der Schwalbe G-One RX Pro ist das beste Beispiel dafür: maximaler Grip bei überraschend gutem Rollwiderstand. Das Profil macht dabei den Unterschied. Nicht nur ob ein Reifen Noppen hat, sondern wie diese Noppen angeordnet sind, wie tief sie greifen und wie sie sich beim Abrollen verhalten. Ein gut entwickeltes Profil kombiniert schnelles Abrollen in der Mitte mit griffigen Flanken.
Grip und Effizienz schließen sich nicht aus, ein cleveres Profil kann beides verbinden.
Welche Karkasse und Gummimischung sind am besten fürs Rennen?
Die Karkasse bestimmt das Fahrgefühl, die Gummimischung den Grip. Wer Rennen fährt, greift zur schnellen Variante: leichtere, dünnwandigere Karkasse und weichere Gummimischung. Viele Hersteller bieten dieselben Profile in mehreren Varianten aus Karkasse und Gummimischung an. Die Wahl der richtigen Version ist also genauso wichtig wie die Wahl des Modells. Außer Streckenlänge und Untergrund sprechen explizit für mehr Schutz.
Wie leicht sollte ein Gravel-Reifen fürs Rennen sein?
Zwischen dem leichtesten und dem schwersten Reifen im Testfeld liegen 171 g. Vorne und hinten verbaut sind das über 340 g mehr an rotierender Masse. In einem Gravel-Rennen mit vielen Tempowechseln, engen Kurven und ständigen Bergauf-Bergab-Sequenzen macht das einen spürbaren Unterschied beim Antritt. Der Griff zur leichteren Variante kann sich also wirklich lohnen. Doch das Gewicht ist nicht alles, auch minimal schwerere Reifen können dank stärkerem Grip oder höherer Effizienz die bessere Wahl sein.
Wie fährt sich ein Gravel-Reifen fürs Rennen?
Das Querschnittsprofil des Reifens bestimmt, wie sich das Bike anfühlt. Ein breiter, kantiger Reifen baut eckig auf, gibt ein stabiles, spurtreues Gefühl, fast wie auf Schienen. Ein Reifen mit rundem Querschnitt ist deutlich agiler, das Bike kippt leichter in die Kurve, reagiert direkter auf Lenkimpulse. Sehr runde, spitz zulaufende Profile können fast schon nervös werden, sind aber für technisch versierte Fahrer auf dem richtigen Kurs ein klarer Vorteil. Die Wahl des Profils sollte aber in jedem Fall zum eigenen Fahrstil und zum Rennformat passen.
Wie viel Druck fährt man am Gravel-Race-Bike?
In der Theorie bedeutet ein höherer Druck einen effizienteren Reifen, doch auf Gravel kehrt sich das Verhältnis um. Zu viel Druck auf Gravel erhöht den Rollwiderstand, weil der Reifen Unebenheiten nicht mehr absorbiert, sondern darüber springt. Schon 0,1 bar zu viel können einen messbaren Unterschied machen. Gleichzeitig kostet zu wenig Druck Fahrstabilität und erhöht das Durchschlagsrisiko. Die goldene Mitte hängt ab von Fahrergewicht, Felgenbreite, Reifenvolumen und Untergrund. Es lohnt sich also, den Reifendruck individuell anzupassen. Zum Festlegen des Startwertes empfiehlt sich die Nutzung eines der verfügbaren Reifendruckrechner der Reifenhersteller.
Wie wichtig ist Pannenschutz am Gravel-Reifen fürs Rennen?
Race-Reifen haben dünnere Karkassen und damit weniger Pannenschutz. Tubeless und mit Dichtmilch montiert, sind kleinere Einstiche kein Problem. Auch Durchschläge bei harten Einschlägen lassen sich durch den richtigen Luftdruck und achtsames Fahren weitgehend vermeiden. Wer auf steinigem Terrain oder sehr langen Events unterwegs ist, bei denen eine Panne das Rennen beendet, greift eher zur robusteren Variante. Für kurze, schnelle Events auf präparierter Strecke ist das Risiko mit einem Race-Reifen vertretbar. Wir wollen schließlich Rennen gewinnen, da kann man auch mal eine knappe Kalkulation machen.
Schotter, Fallbeil und Stoppuhr – Der Testablauf im Race-Gravel-Reifen-Test
Dieser Test um den schnellsten Gravel-Reifen fürs Rennen ist Teil unseres großen Gravel-Reifen-Vergleichstests mit 32 getesteten Reifen. Für das Race-Subset haben wir jene Reifen herausgepickt, die explizit für den Renneinsatz entwickelt wurden oder aufgrund ihrer Eigenschaften besonders gut in diesen Kontext passen.
Gefahren wurde auf den bekannten Schotterstrecken rund um Girona, dem Mekka des europäischen Gravel-Sports. Kaum ein anderer Ort bietet eine so dichte Vielfalt an Untergründen auf engem Raum: feiner, fester Schotter, lockere Steinfelder, nasse Lehmpassagen, asphaltierte Bergstraßen und technische Singletrails. Was Girona für Gravel-Profis zum Trainingsziel macht, macht es für uns zum idealen Testort: alles auf einmal. Jeder Reifen musste auf denselben Strecken ran: bergauf für Effizienz und Gewichtsgefühl, enge Abfahrten für Grip und Handling, offene Schotterpassagen für Rollwiderstand und Fahrstabilität, gezielte Grip-Tests auf nassem und losem Untergrund.
Zurück in Deutschland, im Schwalbe-Testzentrum in Reichshof, wurden anschließend alle Reifen unter kontrollierten Bedingungen gemessen. Der Rollwiderstand wurde bei konstanten 20 km/h und 50 kg Anpressdruck ermittelt, was dem Wert am Hinterrad bei Fahrer und Bike von zusammen rund 90 kg entspricht. Der Wert gilt pro einzelnem Reifen, am Bike verdoppelt sich der Effekt. Für den Pannenschutz kamen spitze Meißel für den Durchstichtest und ein stumpfer Keil für den Durchschlagtest zum Einsatz. Die Ergebnisse wurden normiert und auf einer Skala von 0 bis 10 dargestellt, wobei 10 maximalen Schutz bedeutet. Die Werte sind ausschließlich innerhalb des Testfeldes aussagekräftig.
Ergebnisse – Welcher Gravel-Reifen ist der schnellste fürs Rennen?
| Hersteller | Modell | Reifenbreite angegeben in mm | Gemessene Breite in mm | Gemessene Höhe in mm | Gewicht in g | Durchschlagschutz | Durchstichschutz | Rollwiderstand in W |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Challenge | Getaway XP | 45 | 46,36 | 40,78 | 665 | 10 | 7 | 15,2 |
| Continental | Terra Speed | 45 | 43,8 | 40,43 | 530 | 1 | 7 | 12,5 |
| Continental | Dubnital | 55 | 54,3 | 52,13 | 618 | 3 | 6 | 14,7 |
| Continental | Terra Competition | 45 | 44,9 | 41,83 | 494 | 3 | 7 | 11,1 |
| Goodyear | Connector Inter | 45 | 45,7 | 40,33 | 559 | 2 | 3 | 14,0 |
| Goodyear | Connector Speed | 45 | 46,8 | 39,78 | 518 | 2 | 3 | 14,2 |
| Hutchinson | Caracal Race | 45 | 46,4 | 42,13 | 564 | 3 | 1 | 12,3 |
| Michelin | Power Adventure | 42 | 42 | 38,23 | 452 | 1 | 1 | 14,6 |
| Pirelli | Cinturato Gravel H | 45 | 46 | 40,43 | 574 | 3 | 6 | 13,5 |
| Rene Herse | Corkscrew Climb TC Semi-Slick | 44 | 42,3 | 38,13 | 526 | 1 | 1 | 16,5 |
| Schwalbe | G-One RS Pro | 45 | 43,7 | 39,83 | 516 | 3 | 7 | 10,6 |
| Schwalbe | G-One RX Pro | 45 | 45,8 | 42,83 | 589 | 5 | 8 | 13,9 |
| Schwalbe | G-One R Pro | 45 | 43,3 | 40,13 | 548 | 2 | 9 | 12,2 |
| Schwalbe | Thunder Burt | 54 | 51 | 45,81 | 570 | 4 | 4 | 13,0 |
| Specialized | Pathfinder TLR | 45 | 43,1 | 38,33 | 500 | 2 | 7 | 12,3 |
| Specialized | Tracer TLR | 45 | 43 | 39,63 | 499 | 3 | 5 | 14,5 |
| Vittoria | Terreno Pro T30 | 45 | 44,9 | 40,33 | 655 | 5 | 2 | 15,8 | Durchschnitt | 45,9 | 45,5 | 41,2 | 551,5 | 3,1 | 5,0 | 13,6 |
Beim Rollwiderstand reicht die Spanne von bemerkenswerten 10,6 W beim Schwalbe G-One RS Pro bis zu 16,5 W beim René Herse Corkscrew Climb TC Semi-Slick, also fast 6 W Unterschied pro Reifen. Aufs Set gerechnet sind das fast 12 W, die bei gleicher Leistung direkt in unterschiedliche Geschwindigkeiten übersetzt werden. Das ist kein marginaler Unterschied und auf einer 200-km-Renndistanz durchaus spürbar. Und bedenkt man, dass die minimalen Unterschiede, die sich durch einen aerodynamischeren Rahmen oder schnellere Laufräder erzielen lassen, meistens im einstelligen Watt-Bereich bewegen, lohnt es sich, bei der Reifenwahl umso genauer hinzusehen.
Aber es gibt noch weitere Reifen, die ins Auge stechen. Etwa der Continental Terra Competition, der mit knapp 11 W nur minimal langsamer ist als der schnellste Reifen im Test. Mit etwas Abstand folgt die Gruppe um Continental Terra Speed, Hutchinson Caracal Race, Schwalbe G-One R Pro und Specialized Pathfinder TLR, die sich alle bei knapp über 12 W einordnen.
Beim Gewicht zeigt sich eine ähnliche Spreizung: Der Michelin Power Adventure ist mit 452 g der leichteste Reifen im Test, aber auch mit Abstand der schmalste. Wieder kann sich der Continental Terra Competition besonders präsentieren und knackt als einer der wenigen Reifen die 500-g-Marke. Auch beide Specialized-Reifen, Pathfinder TLR und Tracer TLR, überraschen mit einem Gewicht von nur knapp 500 g. Dagegen sind der Challenge Getaway XP mit 665 g und der Vittoria Terreno Pro T30 mit 655 g die schwersten: 171 g Unterschied zu den leichtesten Pneus, im Set sogar über 340 g mehr.
Die MTB-Reifen zeigen sich beim Grip absolut konkurrenzlos: Continental Dubnital und Schwalbe Thunder Burt teilen sich die Höchstpunktzahl von 10. Wirklich bemerkenswert ist aber der Schwalbe G-One RX Pro, der als griffigster Gravel-spezifischer Reifen noch immer mit einem Rollwiderstand von unter 14 W glänzt.
Die gemessenen Breiten weichen dagegen fast überall von den Herstellerangaben ab. Die meisten Reifen bauen auf unseren Test-Laufrädern, den HUNT 40 Carbon Gravel Race, breiter auf als angegeben. Der Goodyear Connector Speed wächst von 45 mm auf gemessene 46,8 mm. Auch Challenge Getaway XP und Schwalbe G-One RX Pro weichen spürbar nach oben hin ab. Wer die Reifenfreiheit seines Bikes knapp kalkuliert, sollte die Messwerte im Auge behalten und sich nicht auf die angegebenen Werte verlassen.
Was muss man über schnelle Gravel-Reifen wissen? – 6 Erkenntnisse aus 17 Reifen
17 Reifen, hunderte Kilometer Schotter rund um Girona und einen Labortag in Reichshof später ist klar: Die Gravel-Race-Welt ist komplizierter und spannender, als ein einfacher Rollwiderstands-Vergleich vermuten lässt. Hier sind unsere wichtigsten Erkenntnisse aus dem Test.
1. Gibt es aerodynamische Gravel-Reifen?
Der Continental Terra Competition ist nicht einfach der Nachfolger des Terra Speed. Denn der Reifen ist der einzige Pneu im Testfeld, der mit aero-optimiertem Profil entwickelt wurde, um nicht nur effizienter zu rollen, sondern auch den Luftwiderstand zu minimieren. Mit 11,1 W Rollwiderstand ist er zudem einer der schnellsten Reifen im gesamten Testfeld und liegt knapp 1,4 W vor dem bewährten Terra Speed. Wie das Ergebnis wohl aussehen würde, könnten wir auch die aerodynamische Effizienz mit einbeziehen? Aber dennoch zeigt sich, dass das, was im Rennrad-Bereich seit Jahren Standard ist, mittlerweile auch ernsthaft in der Gravel-Racing-Welt Fuß fasst.
2. Wie wichtig ist der Reifendruck?
Schon minimale Druckveränderungen von nur 0,1 bar können auf Gravel-Untergrund einen deutlich spürbaren Einfluss auf den effektiven Rollwiderstand haben. Im Fahrtest machte sich das besonders auf schnellen, leicht unebenen Schotterpassagen rund um Girona bemerkbar: Reifen, die mit 0,1–0,2 bar mehr Druck gefahren wurden als der Optimalwert, rollten spürbar härter und weniger effizient. Zu viel Druck kostet hier nicht nur Komfort, er kostet direkt Speed. Die Empfehlung: Investiert in einen guten Druckmesser, nehmt euch die Zeit, das Setup zu optimieren, und vertraut nicht blind auf Zufallswerte oder den gewohnten Druck von der Trainingsrunde. Es lohnt sich.
3. Lohnen sich MTB-Reifen am Gravel-Bike?
Der Schwalbe Thunder Burt und der Continental Dubnital haben das Race-Testfeld aufgemischt. Beide kommen aus der MTB-Welt, beide wurden mit einer gewissen Skepsis in den Test geschickt, und beide haben geliefert. Der Thunder Burt rollt mit 13,0 W trotz MTB-Profil überraschend schnell und hat auf unebenem, technischem Untergrund durch sein Volumen einen Effizienzbonus gegenüber schlankeren Konkurrenten. Kombiniert mit dem maximalen Grip-Score ist er auf feuchten, technischen oder losen Kursen eine ernsthafte Option – vorausgesetzt, der Pneu passt ins Bike. Das ist der Haken: Nicht jedes Gravel-Bike hat Platz für Reifen über 50 mm.
4. Sind griffige Gravel-Reifen langsam?
Die Schwalbe G-One R Pro ist der Beweis dafür, dass die alte Dichotomie zwischen Grip und Effizienz bei modernen Reifen überholt ist. Mit einem Grip-Score von 8 und 12,1 W bei der Rollwiderstandsmessung liegt der Pneu nur geringfügig über dem Testfeld-Mittelwert. Und auch das Gegenteil zeigt sich im Testfeld, denn die besonders schnelle Konkurrenz kann teilweise ebenfalls durch ein überraschend hohes Grip-Level überzeugen.
5. Gibt es den universellen Gravel-Reifen fürs Rennen?
Auch wenn wir es gerne anders hätten, zeigt unser Test, dass es den universellen Race-Gravel-Reifen nicht gibt. Wer ein UCI-Rennen auf festem, trockenem Schotter fährt, ist mit dem Terra Competition oder dem G-One RS Pro am schnellsten. Wer hingegen die Traka durch technisches Gelände absolviert, braucht mehr Volumen und mehr Grip und kommt mit dem Thunder Burt oder dem Dubnital unter Umständen schneller ans Ziel.
6. Wie viel Pannenschutz braucht man wirklich?
Die schnellsten Reifen im Test haben eher mäßige Pannenschutzwerte. Leichte Karkassen und dünne Flanken sind eine bewusste Entscheidung für Effizienz. Tubeless und mit ausreichend Dichtmilch montiert, sind kleine Einstiche kein Problem. Was bleibt, sind Durchschläge bei harten Einschlägen, und die lassen sich durch den richtigen Luftdruck und technisch sauberes Fahren weitgehend vermeiden. Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, findet im Challenge Getaway XP einen Reifen mit maximalem Durchschlagschutz, allerdings kostet das Effizienz.
Die schnellsten Gravel-Reifen fürs Rennen – Testsieger und Kauftipp
Einen klaren Testsieger zu küren, ist im Gravel-Racing nie ganz einfach, weil der Untergrund das letzte Wort hat. Doch ein Reifen hat in unserem Test so konstant überzeugt, dass die Entscheidung am Ende leichter fiel als erwartet. Und auch beim Kauftipp gab es einen verdienten Favoriten.
Testsieger: Continental Terra Competition
Continental schickt mit dem Terra Competition einen unglaublich gut abgestimmten Pneu ins Rennen. Das heißt: Speed pur, gepaart mit hervorragenden Fahreigenschaften, gutem Pannenschutz und mehr Grip als man erwartet. Dazu überzeugt der Reifen mit wirklich viel Komfort und einem schicken, aero-optimierten Profil sowie einer hochkarätigen Performance auf Asphalt, die direkt vom Straßenkönig GP5000 S TR zu kommen scheint. Zu Recht der Testsieger, wenn es um den schnellsten Gravel-Reifen fürs Rennen geht, denn der Terra Competition vereint alles, was man für performance-orientiertes, agiles und spaßiges Gravel-Racing braucht.
Kauftipp: Schwalbe G-One R Pro
Mit dem G-One R Pro schickt Schwalbe einen extrem vielseitigen Reifen ins Rennen. Hohe Effizienz, ein berechenbares Fahrverhalten und ein hohes Maß an Grip treffen auf gute Compliance und einen herausragenden Durchstichschutz. Der durchwachsene Durchschlagschutz trübt das Gesamtbild nur minimal, sodass der G-One R Pro zu Recht zu den besten und vielseitigsten Gravel-Reifen im gesamten Race-Testfeld zählt. Doch was wirklich überzeugt, ist der hohe Grip bei gleichzeitig schlagkräftiger Effizienz – eine Kombination, die den Schwalbe G-One R Pro noch auf der Strecke hält, wenn die meisten Race-Reifen schon von dieser geflogen sind. Damit ist er verdienter Kauftipp, wenn es um die schnellsten Gravel-Reifen fürs Rennen geht.
Tops & Flops
Tops





Flops


Fazit
Der perfekte Gravel-Reifen fürs Rennen existiert nicht. Das ist eigentlich die wichtigste Erkenntnis des Tests um den schnellsten Race-Gravel-Reifen. Was existiert, sind Reifen, die auf bestimmten Untergründen, bei bestimmten Bedingungen und für bestimmte Rennen schlicht die beste Wahl sind. Wer das versteht und das Setup entsprechend anpasst, kann sich mit der richtigen Reifenwahl einen echten Vorteil gegenüber allen verschaffen, die einfach das Gleiche wie letztes Jahr montieren.
Reifenwahl ist Renntaktik. Wer das noch nicht weiß, lernt es spätestens bei Kilometer 41.
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Text: Calvin Zajac Fotos: Jan Fock, Jan Richter
