Welches ist das beste Rennrad 2021? Wohin geht die Entwicklung und worauf kommt es dabei an? In unserem Test sind die 15 vielversprechendsten Rennräder der Saison im direkten Vergleich gegeneinander angetreten – auf den legendären Straßen der Strade Bianche in der Toskana. Wir verraten euch, was ihr für die kommende Saison wissen müsst!

Inhalt

  1. Das Testfeld
  2. Wo haben wir getestet?
  3. Unser Testteam
  4. Worauf kommt es bei einem guten Rennrad an?
  5. Das beste Rennrad 2021

Welches ist das beste Rennrad 2021? Gibt es überhaupt ein bestes Bike? Mit 15 Rennrädern und diesen zwei Fragen im Gepäck haben wir uns auf den Weg in die Toskana gemacht. Über 300.000 (!) begeisterte Rennradfahrer hatten rund um den Globus unseren letztjährigen Rennrad-Vergleichstest gelesen, entsprechend waren wir nicht nur unserer Verantwortung bewusst, sondern hatten auch eine klare Mission: Wir wollten Antworten auf die eben gestellten Fragen finden und euch alle Kenntnisse mit an die Hand geben, damit ihr selbstbestimmt die für euch beste Kaufentscheidung treffen könnt. Darüber hinaus ging es uns darum, das Rennradfahren neu zu definieren und auf den Fährten eines modernen Klassikers wie dem Strade-Bianche-Rennen den Grundstein für ein neues Rennrad-Verständnis zu legen. Ein neuer Rennrad-Horizont, der auch ohne hautenges Lycra auskommt und sich auch mal den Fahrtwind durchs lockere Shirt wehen lässt. Wird das die Sternstunde all jener, die, die sich nicht festlegen wollen, oder doch der Moment derer, die genau wissen, was sie wollen – nämlich maximale Vielseitigkeit? Ja und ja.

In der Toskana haben wir den Grundstein gelegt und was jetzt folgt ist eine brisante Mischung aus True Crit und Dolce Vita. Sattelt auf und schaltet aufs große Kettenblatt, denn wir präsentieren voller Stolz den letzten Rennrad-Vergleichstest, den ihr lesen müsst.

Weniger „Renn“, mehr „Rad“

Ein kurzer Rückblick: Es war Mitte der Bike-Saison 2020 und die zentrale Fragestellung unseres Rennrad-Vergleichstests war, ob wir uns technologisch auf das EINE ultimative Rennrad zu bewegen. Wir fanden heraus, dass es dafür noch zu früh war und dass es den Rennrad-Herstellern gleichzeitig immer schwerer fiel, ihre Modelle untereinander abzugrenzen und die marginalen Unterschiede vor dem Endverbraucher zu rechtfertigen. Im Schnellvorlauf ins Jetzt und wir können festhalten, dass der Bike-Boom den gesamten Bike-Kosmos aus den Angeln gehoben hat. Für angestammte multinationale Großkonzerne bedeutet das Unterbrechungen in ihren Lieferketten, Nachschubprobleme, Entwicklungs- und Produktionsverzögerungen; für kleine Fahrradschmieden und Indie-Bike-Labels oft den totalen Zusammenbruch ihrer Bezugsmöglichkeiten. Für uns Biker resultiert all das in schier unendlichen Wartezeiten für das heiß ersehnte Traumrad, das wir nun zu immer weiter steigenden Preisen endlich kaufen möchten. Gleichzeitig wächst unsere Familie an Bike-Fans so schnell wie nie zuvor. Die Faszination Rennlenker zieht alle vom Akrobatik-Ass bis zum zynischen Zauderer in ihren Bann und lässt die Nachfrage nach Bikes in die Höhe schnellen.

Wer in diesen umkämpften Zeiten schon ein Bike hat, kann sich glücklich schätzen. Denn die Masse an Bike-Suchenden hängt noch immer an den elementaren Fragen: „Welches Bike passt zu mir und meinen Bedürfnissen?“ „Wo bekomme ich das für mich beste Gesamtpaket?“ „Was ist eigentlich das beste Bike überhaupt?“ So lautet der Tenor vieler begeisterten Neueinsteiger und Bike-Fans auf Radsuche, zu denen höchstwahrscheinlich auch ihr gehört – sonst würdet ihr diese Zeilen nicht lesen. Und somit richtet sich dieser Vergleichstest an euch. An alle Rennrad-Individualisten und auch an Anna und Thomas, die laut unserer GRAN FONDO-Leserumfrage 2020 (hier findet ihr die wichtigsten Ergebnisse) mit über 8.000 Teilnehmern 5.336 km pro Jahr fahren und die am häufigsten auftretenden Namen unserer Leserschaft sind.

Genau wie wir bewundern Anna und Thomas vermutlich die Höchstleistungen der Profis im Peloton und die Watt-Granaten, die Mathieu van der Poel auf seiner fulminanten Siegesfahrt bei der diesjährigen Strade Bianche gezündet hat. Die Profis und ihre Bikes sind zweifelsohne außergewöhnlich, doch für die meisten von uns keine sinnvolle Orientierung für anstehende Kaufentscheidungen. Ihr verdient mit dem Radfahren eure Miete, seid auf maximale Performance aus oder feiert einfach das Material der Pros? Dann habt ihr das perfekte Hobby gewählt, denn ihr könnt euch die Bikes des Pelotons zu 99 % kaufen oder nachbauen. Für alle anderen und natürlich auch für die aufgeschlossenen Laktat-Jünger, die mehr als nur Bestzeiten auf Strava jagen möchten, wollen wir mit diesem Vergleichstest neue Horizonte eröffnen und die absolute Ungezwungenheit auf dem Bike zelebrieren. Denn für uns geht es weniger um „Renn“, sondern mehr um „Rad“.

Rennräder zwischen Wiedergeburt, Friends with Benefits und jeder Menge Schotter

Die Verkaufszahlen von Gravel-Bikes schießen in die Höhe und es gibt eine Vielzahl möglicher Gründe: Liegt es an den hippen und ungezwungenen Videos der Core-Szene, welche die Freiheit auf zwei Rädern proklamieren? An den atemberaubenden Berichten über Events in fernen Ländern oder am zunehmenden Straßenverkehr? Mit Sicherheit leisten all diese Punkte ihren Beitrag zum Gravel-Boom, doch es sind vor allem der zwanglose Spirit und die Vielseitigkeit, die diesen Bikes innewohnen, die das Gravel-Bike zur besten Option für so viele Fahrer macht. Was genau hat das jedoch in diesem Vergleichstest mit den besten Rennrädern zu tun?

In Zeiten von „Friends with Benefits“, in denen sich niemand so richtig auf irgendwas und irgendwen festlegen möchte, ist es doch offensichtlich die beste und wirtschaftlich sinnvollste Entscheidung, in ein Rad zu investieren, mit dem man möglichst viele der gehegten Träume auf einen Schlag in die Tat umsetzen kann, oder nicht? In einen treuen zweirädrigen Begleiter, bei dem „Alles kann, nichts muss“ zu jeder Zeit gilt. Und genau dieses Mindset färbt immer stärker vom Gravel-Bike auf den Rennrad-Bereich ab und macht die modernsten Bikes zu waschechten Allroundern. Sie drängen die Spezialisten in ein Nischendasein und zeigen, dass sich bisher gegensätzliche Bike-Eigenschaften nicht mehr ausschließen müssen. War man früher stets auf der Suche nach dem feinsten Flecken Asphalt, dürfen Kopfsteinpflaster, schlechter Straßenbelag und gelegentliche Schotterabschnitte im Jahr 2021 auch Teil einer Rennradrunde sein. Eine befreiende Vielseitigkeit und damit die zweirädrige Selbstverwirklichung und Emanzipation des Rennrades vom ultimativen Leistungsdiktat!

Back to the roots! Wenn man sich mal anschaut, wo die Jungs vor hundert Jahren bei der Tour de France rumgefahren sind … die hätten genau das Bike gebraucht, das wir jetzt suchen!

„Warum kommt das denn alles erst jetzt?!“, fragt ihr euch vielleicht. Wir wollen an dieser Stelle anerkennen, dass die Umwege der Hersteller über Unterkategorisierungen wie Endurance-, Aero- oder Climbing-Bikes wichtig waren, um an genau diesen Punkt zu gelangen. Denn nur so konnte die Bike-Industrie lernen, worauf es im jeweiligen Spezialgebiet ankommt. Und sich anschließend mit diesem Wissen wieder aufs große Ganze konzentrieren: Es geht jetzt nicht mehr nur um reine Performance, sondern vor allem um das Erlebnis. Mit diesem Mindset entsteht eine neue Generation an Rennrädern, die (fast) alles kann und der (fast) alle Wege offenstehen. Die Wiedergeburt des Rennrads!

Was haben wir getestet? Die besten Rennräder 2021 im Test

Wer das Rennradfahren neu definieren will, muss neue Wege gehen. Aus diesem Grund haben wir den Bike-Brands die Möglichkeit gegeben, ihre Rennräder speziell für die Anforderungen dieses Vergleichstests zu tunen. Die relevantesten Marken der Industrie sind unserer Anfrage gefolgt und präsentieren eine riesige Konzeptbandbreite von Gravel-Bikes mit Aero-Wheels über superleichte E-Rennräder bis hin zu Pro-Peloton-Racern, die auf Vielseitigkeit und Komfort gepolt sind. Während einige Hersteller auf ihre Standardmodelle gesetzt haben, haben sich andere von der bestehenden Modellpalette gelöst und auf Basis vorhandener Rahmensets völlig neue Konzepte entwickelt und realisiert.

Wer das Rennradfahren neu definieren will, muss neue Wege gehen. Aus diesem Grund haben wir die Hersteller darum gebeten, ihre Rennräder speziell für diesen Vergleichstest zu tunen.

Eine derart diverse Auswahl an Bikes in einen Test zu packen, scheint auf den ersten Blick unfair – wir nennen es jedoch realistisch. Denn wer auf der Suche nach einem flotten Spaßgaranten für die Straße und alles an den Asphalt Angrenzende ist, findet sich mit einer ungeheuren Vielfalt konfrontiert. Nachdem wir bereits in unserem großen Vergleichstest der besten Gravel-Bikes für 2021 beweisen konnten, dass moderne Bikes mehrere scheinbar gegensätzliche Einsatzgebiete in sich vereinen können, wollen wir das nun auch für den Rennrad-Sektor demonstrieren und damit zur Liberalisierung des Rennradvergnügens beitragen. Beim Blick auf unser herausragendes Testfeld stößt das Schubladen- und Kategoriendenken an seine Grenzen – und das ist auch gut so! Einen Überblick über die Test-Bikes findet ihr hier in der Tabelle:

Modell Schaltgruppe Laufräder Reifen-Dimension Größe Gewicht in kg Preis in €
BMC Roadmachine 01 ONE SRAM RED eTap AXS GS-RED-E-B1 ENVE SES 3.4 AR Disc 700x29C 56 7,15 10.499
Cannondale SuperSix EVO Hi-MOD Disc Ultegra Mixed Shimano ULTEGRA R8000/GRX RX800 Cannondale HollowGram 35 700x32C 56 7,89 5.599
Canyon Grail CF SLX 8 eTap SRAM Force eTap AXS GS-FRC-E-A1 DT Swiss ARC 1400 DICUT 700x30C M 7,77 4.899*
Cervelo Caledonia-5 Dura Ace Di2 Disc Shimano DURA-ACE Di2 R9150 ENVE SES 3.4 AR Disc 700x28C 56 7,42 10.999
MASON Resolution EKAR Campagnolo EKAR HUNT 30 Carbon Aero Disc 700x32C 56 8,72 4.300
MERIDA SCULTURA ENDURANCE CUSTOM Shimano DURA-ACE Di2 R9150 Reynolds BLACKLABEL ATR 700x36C M 7,57 9.499
MERIDA REACTO TEAM-E CUSTOM Shimano DURA-ACE Di2 R9150 Vision Metron 55 SL TL 700x32C M 7,69 10.299
OPEN MIN.D. SRAM RED eTap AXS GS-RED-E-B1 DT Swiss CRC 1400 SPLINE 700x32C L 7,07 8.700
Orbea Gain M20i Shimano ULTEGRA Di2 R8050 OC2 Carbon 42 700x30C M 12,22 6.299
ROSE REVEAL FOUR DISC Ultegra Di2 Shimano ULTEGRA Di2 R8050 ROSE R-Thirty Disc LIGHT 700x32C 57 8,26 3.899
SCOTT Addict eRIDE Premium Shimano DURA-ACE Di2 R9150 Syncros Capital 1.0 40e Disc 700x30C L 10,9 9.499
Specialized S-Works Aethos Shimano DURA-ACE Di2 R9150 Roval C38 700x30C 56 6,49 12.999
Storck Fascenario.3 Comp Disc Ultegra Shimano ULTEGRA R8020 DT Swiss P1800 SPLINE 700x28C M 7,82 2.999
Trek Domane+ LT 9 Shimano DURA-ACE Di2 R9150 Bontrager Aeolus Pro 3V 700x32C 56 13,42 10.999
Wilier Filante SLR Shimano DURA-ACE Di2 R9150 DT Swiss PRC 1100 DICUT Mon Chasseral 700x30C L 6,82 11.500
Ø 8,48 8.199

* Ohne DT Swiss ARC 1400 DICUT und ohne Fender

BMC Roadmachine 01 ONE | 7,15 kg in Größe 56 | 10.499 € | Zum Test
Cannondale SuperSix EVO Hi-MOD Disc Ultegra | 7,89 kg in Größe 56 | 5.599 € | Zum Test
Canyon Grail CF SLX 8 eTap | 7,77 kg in Größe M | 4.899 € | Zum Test
Cervélo Caledonia-5 Dura Ace Di2 Disc | 7,42 kg in Größe 56 | 10.999 € | Zum Test
Mason Resolution Ekar | 8,72 kg in Größe 56 | 4.300 € | Zum Test
MERIDA SCULTURA ENDURANCE CUSTOM | 7,57 kg in Größe M | 9.499 € | Zum Test
MERIDA REACTO TEAM-E CUSTOM | 7,69 kg in Größe M | 10.299 € | Zum Test
OPEN MIN.D. | 7,07 kg in Größe L | 8.700 € | Zum Test
Orbea Gain M20i | MAHLE Ebikemotion X35+/252 Wh | 12,22 kg in Größe M | 6.299 € | Zum Test
ROSE REVEAL FOUR DISC Ultegra Di2 | 8,26 kg in Größe 57 | 3.899 € | Zum Test
SCOTT Addict eRIDE Premium | MAHLE Ebikemotion X35+/252 Wh | 10,9 kg in Größe L | 9.499 € | Zum Test
Specialized S-Works Aethos | 6,49 kg in Größe 56 | 12.999 € | Zum Test
Storck Fascenario.3 Comp Disc Ultegra | 7,82 kg in Größe M | 2.999 € | Zum Test
Trek Domane+ LT 9 | FAZUA Evation Drivepack/250 Wh | 13,42 kg in Größe 56 | 10.999 € | Zum Test
Wilier Filante SLR | 6,82 kg in Größe L | 11.500 € | Zum Test

In unserem Rennrad-Vergleichstest 2020 lag das Durchschnittsgewicht der Bikes bei 7,57 kg und damit gut 900 g unter dem diesjährigen Durchschnittsgewicht von 8,48 kg. Heißt das, dass die Bikes immer schwerer werden? Spielt das Gewicht letztlich gar keine große Rolle? Zwischen dem in Größe L gerade mal 6,49 kg leichten Specialized S-Works Aethos und dem mit 13,42 kg (Größe 56) mehr als doppelt so schweren Trek Domane+ LT 9 haben wir die Antworten gefunden. Und natürlich erkennen wir an, dass die drei E-Rennräder im Test das Durchschnittsgewicht bedeutend nach oben ziehen, denn nimmt man sie aus der Kalkulation, liegt das Gewichtsmittel bei 7,56 kg und damit sogar sage und schreibe 10 g unter dem Mittel im Rennrad-Vergleichstest 2020.

Auch dieses Jahr führt Shimano wieder das Testfeld an – zumindest was die Beliebtheit bei den Herstellern angeht: Elf Rennrad-Modelle verbauen Shimano-Schaltgruppen, drei Bikes sind mit SRAM ausgestattet und nur ein Bike schaltet mit einer Gruppe von Campagnolo. So unterschiedlich die Bikes auch sein mögen, setzen alle Bike-Marken auf hydraulische Scheibenbremsen. Außerdem sind bis auf die Rennräder von Orbea und Wilier alle Modelle mit Tubeless-Setups aufgebaut. Der Durchschnittspreis in unserem Testfeld beträgt 8.199 €.

Zwischen all den Bikes hat sich auch ein Jaguar F-Pace P400 mit unter das Testfeld gemischt. Egal ob für den Transport der Spare-Bikes, der stapelweise gekauften Weinkisten oder für den fixen Transfer: Die Bella Macchina – wie sie die Italiener stets liebevoll nannten – hat uns mit ihren 400 PS auch im groben Terrain treue Dienste geleistet. Ausstattungs-Boni wie die Massagesitze oder das erstklassige Audiosystem haben der Qualität unserer Arbeitstage letztlich auch nicht geschadet. Wäre der elegante Brite ein Rennrad, wäre er ein heißer Anwärter auf den Sieg in unserem Vergleichstest. Doch so heißt es zumindest: Support-Fahrzeugtest? Bestanden! Mehr Informationen zu unserem Support-Car findet ihr hier.

Den Untergrund voll im Griff
Ein adaptives Fahrwerk und ein intelligentes Allradsystem – damit sorgt der P400 auf jedem Untergrund für Komfort und Traktion. Damit waren wir immer sicher und schnell unterwegs – auch auf den ruppigen Straßen der Toskana.
Sechs Töpfe für ein Halleluja
Unter der Haube des Jaguar versteckt sich ein 3-Liter-Sechszylinder, der seine 400 PS über eine Achtgangautomatik an alle vier Räder schickt. Damit katapultiert er uns in 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Wie man sich setzt, so fährt man
Die erstklassigen Sitze sind optional 20-fach verstellbar und verfügen neben der Sitzheizung über Massagefunktion und Sitzbelüftung. So kommt ihr entspannt und mit kühlem Kopf ans Ziel – egal wie hitzig es auf den Straßen wird.
Kommandozentrale
Der große Touchscreen ist das zentrale Bedienelement für Navigation, Entertainment, Massagesitze, Connectivity und Co.

Wo haben wir getestet?

Wohin könnte man Mitte Februar reisen, um gemäßigtes Klima, kaum frequentierte Straßen mit verschiedensten Untergründen, steile Rampen, knifflige Abfahrten und damit das perfekte Testrevier zu finden? Zumindest bei der Wahl unserer Test-Location haben wir uns die Rennradprofis zum Vorbild genommen und sind für zwei Wochen auf den Spuren der Strade Bianche durch die Toskana gezogen. Einen nahezu unendlichen Genehmigungsmarathon, negative Corona-Testergebnisse und eine Schneeballschlacht auf einem einsamen Parkplatz gleich hinter der italienischen Grenze später erreichten wir unser Ziel: Tenuta Il Cicalino in Massa Marittima.

Ganz im Stil der italienischen Trikolore: saftig grüne Wiesen, weiße Straßen und roter Wein. Wer die wunderschönen und brutalen Bilder der Strade Bianche noch vor Augen hat, kennt unsere Testbedingungen ganz genau.

Das Anwesen Tenuta Il Cicalino besteht aus sechs Gutshöfen, die insgesamt 24 Apartments und 7 Doppelzimmer bieten. Während des Testzeitraums durften wir eines dieser Landgüter zu unserem temporären GRAN FONDO-HQ erklären. Neben der Herstellung hochwertiger kaltgepresster Olivenöle ist auch die Weinproduktion ein wichtiges Standbein der Tenuta und so wurde der in Sichtweite zum Restaurant angebaute Monteregio Di Massa Marittima in rauen Mengen zu den lokalen Köstlichkeiten gereicht. Während uns der Koch des Hauses am Morgen und am Abend verwöhnte, kehrten wir mittags stets bei Mutti Schmitt ein, der Mutter von GRAN FONDO-Gründer Robin. Die GRAN FONDO-Test-Crew zwischen den Weltklasse-Bikes internationaler Marken und dem köstlichen Alltagsleben im Familienunternehmen.

Als Teststrecke haben wir die Straßen rund um Massa Marittima genutzt. Weite, ausladende Kurven, steile und verwinkelte Anstiege und Highspeed-Passagen auf perfektem Asphalt standen dabei ebenso auf dem Programm wie Toskana-typische Schotterabschnitte. Massa Marittima liegt zwischen der beeindruckenden Halbinsel Monte Argentario im Süden und dem legendären Siena im Nordwesten. Zwischen diesen beiden Polen haben wir die längsten Test-Rides absolviert und dabei uns und das Material an die Grenzen gebracht – und manchmal auch darüber hinaus …

Schadensreport

  • 2 komplett defekte Shimano DURA-ACE Di2-Schaltgruppen
  • 1 gebrochener Carbonrahmen
  • 1 Ganzkörper-Pizza
  • 2 offene Knie und Schienbeine
  • 2 Kettenrisse
  • 1 verbogene Bremsscheibe

Das anspruchsvolle Terrain und die stark wechselhaften Wetterbedingungen zwischen 19 °C, blauem Himmel und Sonnenschein an einem Tag und 3 °C, Sturmwolken und Hagel am nächsten Tag waren dabei genauso fordernd wie der Untergrund selbst. Aus unserer Sicht die perfekten Testbedingungen, denn bei 24 °C auf einer frischen Asphaltdecke mit Rückenwind und leichter Bergabneigung kann (fast) jedes Bike glänzen. Doch so schön die Windungen der Landschaft auch sein mochten, sie waren mindestens ebenso fordernd für das Material und damit Katalysatoren für den Verschleiß – und perfekte Helfer, wenn es darum ging, Schwächen aufzudecken.

Wer hat getestet?

Auf der Suche nach dem besten Rennrad für die Saison 2021 brachten unsere sechs Tester ein ganz unterschiedliches Bündel an Erwartungshaltungen und Präferenzen mit. Worauf es ihnen ankam und wie sie für sich den Begriff Fahrspaß definieren, erfahrt ihr hier:

Ben, Chefredakteur GRAN FONDO, Gravel-Aficionado und Sprinter
„Beim Rennradfahren geht es mir vor allem darum, Neues zu entdecken. Mein perfektes Rennrad darf daher nicht von einem kleinen Ausritt auf dem Feldweg überfordert sein. Den gelegentlichen Ortsschildsprint schlage ich auch auf Erkundungsfahrten gewiss nicht aus.“
Phil, Redakteur GRAN FONDO, Gravel statt Zahnpasta, stolzer Papa
„Zwei Räder und ein Rennlenker – so erkunde ich die Welt. Für mich kommt es auf die perfekte Balance aus Komfort und Sportlichkeit an. Wenn meine Familie Mittagsschlaf macht, will ich aber auch meinen schnellen Fix auf dem Bike bekommen. Mein perfektes Rennrad steckt jede Offroad-Abkürzung locker weg.“
Tobi, Redakteur GRAN FONDO, 2 % Körperfett, Yogi und Bike-Racer
„Ich trainiere seit einigen Jahren strukturiert und zielgerichtet. Diese Saison will ich bei deutschen Lizenzrennen vorne mitmischen. Für mich muss es beim Radfahren auch mal wehtun. Es gibt nichts Besseres als die zufriedene Erschöpfung nach 5 h im Sattel. Ich will Speed, klar – aber vor allem eine verdammt gute Zeit mit tollen Leuten!“
Lisa, Weinprinzessin a. D., Vanliferin, Outdoor-begeistert
„Ich bin schlicht und einfach gerne an der frischen Luft aktiv. Mein perfektes Rennrad bietet mir die Möglichkeit, flott, sicher und zuverlässig von A nach B zu kommen. Ein formschönes Bike motiviert mich dabei zusätzlich, noch öfter auf den Sattel zu steigen. Denn das Auge fährt mit!“
Robin, Gründer GRAN FONDO, Mobilitäts-Connaisseur
„Auf dem Bike zu sein heißt für mich frei sein. Ich will den Fahrtwind spüren und Platz für zufällige Begegnungen schaffen. Mein perfektes Rennrad muss intuitiv zu handeln sein, auch mal mit Highspeed Strecke machen können und tonnenweise Fahrspaß generieren. Here’s to the good times!“
Manne, The Stache, Prokurist 41 Publishing, niemals im Ruhestand
„Für mich ging es schon immer darum, die Sachen, die ich anpacke, nach vorne zu bringen. Ruhestand hin oder her, den Drive habe ich ja trotzdem noch. Und wenn die jungschen Kerle Gas geben wollen, halte ich mit meinen Waden und etwas E-Power ordentlich dagegen. Ich will genießen und das auf jedem Untergrund!“

Worauf kommt es an? Die wichtigsten Eigenschaften eines Rennrads

Wer schon mal an einem Jedermann-Rennen teilgenommen hat, kann diese These höchstwahrscheinlich bestätigen: Die besten Bikes findet man nicht selten sowohl ganz vorne als auch ganz hinten im Peloton. Und genau das macht für uns die Faszination Rennrad aus. Egal ob der Grund für den Kauf die Technikaffinität, die emotionale Verbindungen zum Produkt oder der absolute Performance-Anspruch ist: Jeder hat die Möglichkeit, auf die neueste Rennrad-Hightech zuzugreifen. Dabei ist vollkommen schnurz, ob man tatsächlich auf Sieg fährt, sich überhaupt an die Startlinie stellt oder einfach nur aus Spaß an der Freude die Sonntagsrunde mit Freunden zelebriert. Leider werden noch immer viele Bikes für den Profi konzipiert und sind parallel dazu eben auch für uns Hobby-Bike-Fans erhältlich. Reglementierungen wie beispielsweise durch die UCI sind zwar auch bei fast jedem offiziellen Jedermann-Rennen bindend, doch wird ein beachtlicher Teil der Rennrad-Gemeinde wohl nie eine Startnummer am Trikot tragen, geschweige denn Geld mit Radfahren verdienen. Aus diesem Grund zählt für uns nicht die Bestzeit, sondern die beste Zeit!

Für uns zählt die beste Zeit, nicht die Bestzeit!

Um eine möglichst breite Zielgruppe mit denkbar diversen Einsatzgebieten anzusprechen, ist das beste Rennrad in diesem Test für uns ein Allrounder: Es eignet sich für den geübten Fahrer mit Ambitionen genauso gut wie für Genießer, Tourer, Neueinsteiger und Abenteurer. Das heißt, dass das beste Bike möglichst viele Fahrertypen glücklich macht und für sie im Idealfall keine Kompromisslösung bedeutet. Unser Traum-Rennrad verfügt folglich über ein ausbalanciertes Handling, generiert bei Bedarf viel Speed, weiß mit einem angenehm gedämpften Komfort zu glänzen und vermittelt ein hohes Maß an Vertrauen und Sicherheit. Und all das kann es sowohl auf perfektem Asphalt umsetzen als auch auf schlechten Straßenbelägen und Schotterpisten/Hardpack. Auf der Suche nach dem besten Rennrad haben unsere Tester die Fahreindrücke im Praxistest gewonnen und sie anschließend ausführlich diskutiert – nicht selten ging es dabei dynamisch, hitzig und angeregt zu! Tabellarische Testergebnisse, Punktewertungen und Prozentangaben als Resultate simulierter Labortests? Fehlanzeige! Das hier ist ein handgemachter Test von Menschen mit Staub zwischen den Zähnen und hervorstehenden Adern vor lauter Laktat oder Espresso. Und das waren unsere Kriterien:

Handling

Das Handling war für uns das mit Abstand wichtigste Kriterium. Wir hätten es selbst nicht besser auf den Punkt bringen können als Ex-Profi David Millar, der uns 2019 bei unserem damaligen Vergleichstest in Girona sagte: „Ein gutes Bike muss sich gut manövrieren lassen. […] Meiner Meinung nach entscheidet das Handling eines Rads darüber, ob du das Rennen gewinnst oder verlierst. Ist das Handling scheiße, ist es ein Scheißrad – zumindest für mich.“ Dem haben wir nichts hinzuzufügen. In Sachen Handling achten wir immer darauf, wie agil ein Bike auf einer Skala von quirlig/verspielt bis laufruhig/träge ist. Wie präzise ist das Kurvenverhalten? Sind Front und Heck aufeinander abgestimmt? Wie direkt werden Lenkimpulse umgesetzt? Alles Fragen, die wir auch beim diesjährigen Vergleichstest in diesem Zusammenhang beleuchtet haben. Die besten Bikes im Test finden den Sweetspot zwischen Agilität und Laufruhe und verfügen über ein direktes und präzises Verhalten in der Kurve, ohne unruhig oder schwammig zu sein. Damit eignen sie sich sowohl für den Biker mit Ambitionen wie auch für den Genuss-Radler.

Beschleunigung und Speed

Egal ob beim Antritt vor dem Café, dem Herausbeschleunigen aus Kurven oder der Sprintattacke kurz vor der Ziellinie: Ein leichtfüßig zu beschleunigendes Bike bringt in den entscheidenden Situationen einen beachtlichen Vorteil. Leichtfüßige Bikes verfügen vor allem über eine clevere Gewichtsverteilung, ein geringes Gesamtgewicht und ein niedriges Massenträgheitsmoment der rotierenden Komponenten. Es kommt allerdings gleichermaßen auf die Effizienz des Bikes in der Ebene an. Die Frage ist also auch: Wie leicht lässt sich das Rad auf Geschwindigkeit halten? Hier sind aerodynamisch optimierte Bikes trotz ihres tendenziell minimal höheren Gewichts häufig im Vorteil. Die Kombination aus geringem Luftwiderstand und einer höheren Massenträgheit von etwas schwereren und tieferen Felgen sorgt für ein hohes Momentum – für den flinken Antritt sind sie jedoch kontraproduktiv. Gleichzeitig macht der Fahrer ca. 75 % des gesamten Luftwiderstands aus. Kann er also lange aerodynamisch auf dem Bike sitzen, ist das Gesamtsystem länger schneller. Der Komfort des Bikes wirkt sich folglich auch auf seinen Speed aus. Ein perfektes Rennrad verfügt über ein ausbalanciertes Verhalten in beiden Szenarien.

Kontrolle und Vertrauen

… sind nur allzu oft unterschätzte Punkte. Ein Rad mag noch so leicht, noch so steif und noch so aerodynamisch sein – wenn es sich nicht leicht kontrollieren lässt und sich der Fahrer darauf unsicher fühlt, sind all die technischen Superlative obsolet. Außerdem kostet ein unsicheres oder unruhiges Rad viel Energie und Konzentration, weil der Fahrer unterbewusst mehr damit beschäftigt ist, das Bike auszutarieren, als es effizient nach vorn zu bewegen. Nur wer Vertrauen zum Rad aufbaut, kann sicher und mit kalkulierbarem Risiko an seine Grenzen und darüber hinaus gehen. Das Fahren auf der Straße und auf fordernden Untergründen ist bereits riskant genug – zusätzliche Unsicherheiten sind hier fehl am Platz! Schließlich wollen wir nach dem Ride alle wieder gesund zurück zu Familie und Freunden. Die besten Bikes im Test sind in ihrem Fahrverhalten berechenbare Komplizen, die sich auch im Grenzbereich ohne mehrjährige Kampfsportausbildung beherrschen lassen. Sie eint ein sportliches Understatement, das dem Fahrer das Attackieren nicht aufzwingt, ihm aber stets genügend Performance-Reserven bietet, wenn es doch mal ans Eingemachte geht.

Komfort

Da wahrscheinlich die wenigsten von uns über einen privaten Physiotherapeuten verfügen, der den geschundenen Körper nach dem Ride wieder zurechtbiegt, ist Komfort ein wichtiges und zunehmend auch von den Profis beachtetes Thema. Wer komfortabel sitzt, ist länger schnell und weniger von den Strapazen gezeichnet. Eine moderne und ergonomische Sitzposition zeichnet sich sowohl durch ihren Komfort als auch durch ihre Aerodynamik aus. Sie erlaubt dem Fahrer, die Unterlenker auch auf längeren Strecken und nicht nur für den Sprint zu nutzen. Ein komfortables Bike weist ein ausbalanciertes Maß an System-Compliance vor. Der Gesamtkomfort entstammt dabei nicht nur einer Komfortquelle, sondern ist die Summe vieler Parts mit Compliance und Dämpfung. Sowohl hochfrequente Vibrationen als auch große Schläge müssen spürbar entschärft werden. Kontaktpunkte wie Lenkerband und Sattel unterliegen persönlichen Präferenzen und bleiben bei der Bewertung außen vor.

Fahrspaß

Wir sind uns sicher, dass es hier keiner weiteren Erklärung bedarf. 😉

Warum wir Rennräder nicht im Labor testen

Wie lassen sich Bikes am fairsten und so realitätsnah wie möglich beurteilen? Wie kann man die beste Orientierungshilfe zur Kaufentscheidung bieten? Kann diese Aufgabe wirklich ein starres Bewertungssystem erfüllen, in dem für einzelne Parameter wie Ausstattung, Gewicht und isoliert betrachtete Laborergebnisse Punkte vergeben werden, deren Summe dann eine Gesamtpunktzahl bzw. -note ergibt?

Besonders bei Rennrädern liegen diese Fragen nahe, da es hier um Effizienz, Geschwindigkeit, Aerodynamik und ein geringes Gewicht geht – zumindest in Teilen! Wir haben uns über dieses Thema viele Gedanken gemacht, Expertenmeinungen eingeholt und uns bei verschiedenen Messanstalten über Labortechnik informiert. Die ernüchternde Erkenntnis: Meist werden „relativ“ einfach messbare Parameter, wie z. B. Tretlager-, Lenkkopf- oder Gabelsteifigkeit, herausgepickt und isoliert gemessen. Das scheint auf den ersten Blick plausibel und lässt sich in beeindruckenden Tabellen und Diagrammen abbilden, doch wird dadurch meist ein verzerrtes Bild der Realität gezeichnet. Denn entscheidend sind nicht einzelne messbare Parameter des Bikes, sondern das verwendungsfertige Ganze für den Einsatz auf der Straße, sprich das Gesamtpaket des Bikes.

Nur mit Labortests zu arbeiten ist in etwa so, als würde man Auto-Quartett spielen: Man schaut lediglich auf die PS-Zahl und die Maximalgeschwindigkeit und hat am Ende keine Ahnung, wie sich das Auto tatsächlich manövrieren lässt. Auf den Papierkarten beim Quartett ist das ja auch okay, im echten Leben ist es jedoch viel wichtiger, wie gut das Auto die PS auf die Straße bringt, wie es sich in der Kurve im Grenzbereich verhält oder wie das Bremsverhalten ist.

Nicht alles, was man messen kann, zählt! Und nicht alles, was zählt, kann man messen.

Auch bei Labormessungen kommt es auf das Verfahren an. Erfolgt die Messung dynamisch oder statisch? Welche Belastungen werden gewählt und an was orientieren sie sich? Denn was bringt es, wenn der Tretlagerbereich super steif ist, die Anbauteile mit diesem Steifigkeitsniveau aber nicht harmonieren? Deshalb ist es auch schwierig, ausgewählte Komponenten getrennt zu betrachten und mit mehr Punkten zu bewerten als andere. So hatten wir bereits mehrmals den Fall, dass das Handling eines sonst sehr ausgewogenen Bikes durch einen hochwertigen und sehr leichten, aber weicheren Carbon-Lenker ruiniert wurde. Der günstigere Alu-Lenker wäre in diesem Beispiel in Kombination mit der Carbon-Gabel deutlich besser gewesen – und so (oder andersherum) ist es mit vielen anderen Komponenten auch! Das verwendungsfertige Ganze ist entscheidend: Nicht die Steifigkeit eines Bauteils, sondern die Compliance des Gesamtsystems. Nicht das Gewicht, sondern die Gewichtsverteilung. Nicht die Aerodynamik des Rahmens im Windtunnel unter Laborbedingungen, sondern die Einheit aus Fahrer und Bike draußen in der Realität. Jeder Faktor beeinflusst den anderen!

Das ist ein handgemachter Praxistest von Menschen mit Staub zwischen den Zähnen und hervorstehenden Adern vor lauter Espresso – hier findet ihr keine Excel-Tabelle mit simulierten und berechneten Laborwerten!

Auch Speziallösungen der Hersteller, wie z. B. die IsoSpeed-Dämpfung von Trek oder das Future Shock 2.0-System von Specialized, können im Labor nur selten getestet und in einem Punktesystem richtig berücksichtigt werden – oft zählt nur, was ins festgelegte Bewertungsmuster passt. Doch es sind genau diese Alleinstellungsmerkmale, die die Räder für viele Fahrer so attraktiv machen. Daher gilt für uns: Es zählt nur, was man in der Realität auch spüren kann. Denn der entscheidende Faktor ist die „Schwabbelmasse“ Mensch mit all ihren Stärken und Schwächen, mit den individuellen Fahrstilen und den persönlichen Bedürfnissen.

Ihr seht: Nicht alles, was man messen kann, zählt, und nicht alles, was zählt, kann man messen. Deshalb vertrauen wir bei all unseren Tests auf das Praxis-Feedback unserer vielseitigen und erfahrenen Test-Crew. Dabei geht es für uns nicht darum, absolute Aussagen zu treffen, sondern anwendungs- und zielgruppengerecht zu beurteilen, welches Bike-Konzept über die beste Performance in welchem Einsatzbereich verfügt.

Das beste Rennrad 2021: Specialized S-Works Aethos

Boom! Mit dem S-Works Aethos hat Specialized ein Bike entwickelt, das viele Träume platzen und/oder Realität werden lässt. Es ist das erste superleichte Rennrad, mit dem man bergab vollstes Vertrauen hat und das die Stabilität und Sicherheit eines weitaus schwereren und heftigeren Bikes vermittelt. Das Aethos kann zwar in der Ebene nicht ganz mit den effizientesten Bikes im Test mithalten, lässt dafür aber im Antritt und in den Kurven alle hinter sich. Egal ob Neueinsteiger, Rennrad-Veteran, Genussmensch oder Racer: An diesem Bike finden ausnahmslos alle Gefallen. Auch eingeschworene Stahlfreaks, die bisher nichts von Carbon-Rädern hielten, sollten sich das Bike mit seinem hohen Komfortlevel einmal ganz genau anschauen.

Keines der Bikes im Test hat in derart diversen Szenarien durchweg so gut abgeschnitten und ist damit imstande, so viele Fahrertypen glücklich zu machen. Deshalb heißt es am Ende wohlverdient: Das beste Rennrad 2021 ist das Specialized S-Works Aethos!

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Unser Rennrad-Kauftipp 2021: Mason Resolution Ekar

Gibt es eine 24-h-Strade-Bianche? Wenn nicht, ist das auch egal – hier ist jedenfalls schon mal das perfekte Bike dafür! Mit seinem ausbalancierten Handling, dem hohen Level an Langstreckenkomfort und der Extraportion Vertrauen und Sicherheit räumt das Mason den Kauftipp ab!

Wie bereits erwähnt: Es kommt nicht allein auf ein möglichst niedriges Gewicht an, viel wichtiger ist seine Verteilung. Zwar lässt sich das Mason im Vergleich zum Testfeld nicht überdurchschnittlich spritzig beschleunigen, doch verhält es sich in der Ebene ausgesprochen effizient. Mit keinem anderen Bike im Test haben wir so bedenkenlos den Asphalt verlassen, um Neues zu erkunden. Das Mason generiert für alle Könnerstufen immensen Fahrspaß und dabei ist es egal, ob der Ride 30 min oder 300 km lang ist. Wer von den kleineren Schwächen in der Verarbeitung und der indirekten und hakeligen Schaltperformance der Campagnolo EKAR-Schaltgruppe absehen kann, bekommt hier einen stimmigen Allrounder mit einer gehörigen Portion Flair. Steel is real und auch 2021 alles andere als eine schlechte Wahl!

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Weitere spannende Rennräder aus dem Test

Die große Stärke des Specialized S-Works Aethos ist seine enorme Vielseitigkeit, allerdings könnte man dem Bike genau das auch als seine größte Schwäche auslegen. Denn obwohl es sich nirgends eine gravierende Schwäche leistet, lässt es eben in manchen Situationen und Einsatzzwecken einen stärkeren Charakter vermissen. In unserem Testfeld gibt es jedoch noch drei weitere herausragende Bikes, die es verdienen, hier gesondert erwähnt zu werden. Jedes der drei Rennräder zeigt, wie krass sich eine Bike-Kategorie durch gezieltes Tuning aufbrechen lässt und wie man Rennrad-Modelle aus ihrem eigentlichen Einsatzbereich „heraus konfigurieren“ kann. Ein Race-, ein Endurance- und ein Gravel-Bike: Sie alle kommen aus unterschiedlichsten Richtungen und werden durch Optimierungen zu Modellen, die deutlich vielseitiger sind, als es ihre Standardkonfigurationen vermuten lassen.

Cannondale SuperSix EVO Hi-MOD Disc Ultegra – Der Alleskönner unter den Pro-Peloton-Bikes

Noch bevor man die volle Modellbezeichnung des Cannondale ausgesprochen hat, ist man auf diesem Bike bereits die ersten 4 km gefahren. Die hohe Effizienz und Sprintstärke machen es zu einem Speed-Allrounder auf allen Untergründen. Trotz hoher Offroad-Kompatibilität behält es seinen sportlich direkten Charakter auf Asphalt und entpuppt sich als Profi-Bike, das auch abseits der Rennstrecke zu glänzen weiß. Wer mit dem vergleichsweise geringen Komfortlevel, der athletisch Sitzposition und dem sportiven Handling-Charakter zurechtkommt, findet hier einen echten Spaßgaranten mit Podiumsambitionen.

Hier geht’s zum kompletten Test vom Cannondale SuperSix EVO Hi-MOD


MERIDA SCULTURA ENDURANCE CUSTOM – Das Abenteuer-Rennrad

Lange Touren auf schlechten Straßen? Einmal mit der Familie über Wald- und Wiesenwege cruisen oder doch Bikepacking-Experience in Rumänien? Die Gene des MERIDA SCULTURA ENDURANCE mögen zwar auf der Straße liegen. Dank seiner immensen Reifenfreiheit, der zahlreichen Anschraubpunkte und des erstklassigen Handlings mausert sich das vielseitige Rahmenset mit den verbauten Parts jedoch zum Abenteuer-Rennrad. Wer auf eine hohe Lenkpräzision, sportive Spritzigkeit und sportliche Effizienz verzichten kann, bekommt in dieser Ausstattungsvariante einen Bike-Tausendsassa. Die ausgesprochen gut gelungene Geometrie des Rahmensets selbst zeigt sich in einer sehr angenehmen Sitzposition und ist eine hervorragende Ausgangsbasis für spannende und vielseitige Aufbauten.

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Canyon Grail CF SLX 8 eTap – Das Gravel-Bike mit zwei Gesichtern

Was dem Canyon Grail CF SLX 8 eTap im Rahmen des Gravel-Bike-Vergleichstests noch auf die Füße gefallen ist, lässt es in diesem Test glänzen: seine limitierte Offroad-Performance. Wir haben es schon eine Weile vermutet und nun hat es sich bestätigt: Die Kombination aus den aerodynamischen DT Swiss ARC 1400 DICUT-Laufrädern und dem Grail CF-Rahmenset ergibt ein komfortorientiertes Bike, mit dem man auf der Straße effizient Strecke machen und auch mal über die Schotterpiste bügeln kann. Im Rahmen dieses Tests geht das Konzept voll auf und zeigt, dass das Bike der Koblenzer mit einem zweiten Laufradsatz und Schutzblechen zur sinnvollen Wahl für sportive Alltagspendler, RTF-Fans, Rennrad-Tourer und Bikepacker wird.

Hier geht’s zum kompletten Test vom Canyon Grail CF SLX 8 eTap?


Der unglückliche Verlierer im Vergleichstest: Storck Fascenario.3 Comp Disc

Der schwarze Stealth-Bomber von Storck konnte unter Berücksichtigung der Testkriterien und im Vergleich zum Testfeld leider nicht überzeugen. Ein zu spitzes Einsatzgebiet, ein kaum vorhandenes Maß an Komfort und das zu geringe Sicherheitsgefühl auf ruppigen Untergründen lassen das Fascenario.3 Comp leider als Verlierer aus dem Test gehen. Das heißt jedoch keineswegs, dass das Storck ein schlechtes Bike ist. Wer ausschließlich auf perfekt asphaltierten Straßen unterwegs ist, wird das unter diesen Umständen gutmütige Handling zu schätzen wissen. Außerdem gibt sich das Fascenario.3 auf der Ebene und im Gegenwind ausgesprochen effizient. Für diesen Test bietet das Konzept aufgrund der begrenzten Reifenfreiheit jedoch zu wenig Tuningmöglichkeiten und ist allgemein zu straff, um vielseitig zu sein.

Hier geht’s zum kompletten Test vom Storck Fascenario.3


Die Tops und Flops unseres Vergleichstests

Oftmals sind es die Details, die den Unterschied machen: gelungene Integration, erstklassige Ergonomie und mit Bedacht gewählte Komponenten. Hier findet ihr alle Tops und Flops der Bikes aus unserem großen Rennrad-Vergleichstest 2021.

Tops

Absolut in seinem Element
Der Schaltgruppen-Mix am Cannondale-Sonderaufbau aus Shimano ULTEGRA- und GRX-Komponenten beweist bei härtesten Testbedingungen, was er kann.
Gut zu sehen
Das Bike verfügt über ein Tagfahrlicht und ein Rücklicht, die – unauffällig integriert – direkt an den Akku angeschlossenen sind und nicht separat geladen werden müssen. Zusammen sorgen sie für das kleine Extra an Sicherheit auf jeder Fahrt. Für die Front ist optional ein Fernlicht erhältlich, damit ihr auch bei Nacht nach Hause findet.
Der hat Flair
Die Unterlenker des 440 mm breiten Deda GRAVEL100-Lenkers sind leicht nach außen gestellt. Der bei Gravel-Bikes typische Lenker-Flare erhöht die Kontrolle und die Stabilität im Unterlenker, da die Ellenbogen des Fahrers dadurch leicht nach außen ausgerichtet werden. Am Resolution geht das Konzept voll auf!
Schnell raus, schnell rein
Der Laufradwechsel am Wilier Filante SLR geht dank Mavic Speed Release-Steckachse ausgesprochen flott von der Hand. Eine in die Achse integrierte Drehmoment-Kontrolle stellt sicher, dass die Laufräder immer mit der richtigen Kraft angezogen sind.
Frack und Wanderschuhe
Das Rahmenset des OPEN präsentiert sich mit einer klassisch eleganten Formsprache und der feine Lack kann mit Dreck nicht viel anfangen. Dazu bilden die DT Swiss CRC 1400-Cyclocross-Laufräder das etwas unpassend wirkende Kontrastprogramm. Für den im Test vorgesehenen Einsatzbereich sind sie aber durchaus sinnvoll.
Super Sache mit Seltenheitswert
Das Top-Tube-Bag ist ein prima Feature! Komisch, dass das BMC eines der wenigen Bikes im Test ist, das über eine solche Montagemöglichkeit verfügt.

Flops

Gemischte Gefühle
Wir sind sehr große Fans von der Brems-Performance, den zahlreichen Einzahn-Gangsprünge im „schweren“ oberen Drittel der Kassette, dem hochwertigen Finish und dem Design der Campagnolo EKAR-Schaltgruppe. Nicht überzeugen konnten uns hingegen die bauartbedingt eingeschränkte Bandbreite sowie die indirekte und hakelige Schalt-Performance.
Integration mit Beigeschmack
Die Stack-Höhe des Canyon CP07-Cockpits lässt sich in einem gewissen Bereich anpassen. Leider ist die volle optische Integration nur in der Grundposition gegeben.
Maximal eingeschränkt
Der Lenkeinschlag am Cannondale ist so gering wie bei keinem anderen Bike im Test. Die Zugverlegung der Schaltung geht ins Unterrohr und die Bremsleitungen verlaufen durch den Vorbau ins Bike. Somit bleibt viel Kabel sichtbar. Im Testfeld schaffen es Bikes mit deutlich aufgeräumteren Cockpits, bedeutend weiter einzulenken.
Die große Dysbalance
Die Kombination aus wuchtigem Vorbau und Alu-Lenker macht das Cockpit sehr steif. So ist der Komfort an der Front deutlich geringer als am gut gedämpften Heck.
Guter Komfort hat seinen Preis
Das Trek Domane+ LT 9 verfügt hinten über das IsoSpeed-System, das bereits von seinen Brüdern ohne Motor bekannt ist. Das IsoSpeed-Gelenk entkoppelt das Sitzrohr vom Oberrohr und ermöglicht ihm so, Vibrationen und Unebenheiten des Untergrundes „weg zu schwingen“. Funktioniert! #flyingcarpet Bauartbedingt ist der Einstellbereich der Sattelstütze leider sehr gering.
Das wird schnell eng
Die Continental GP5000 TL-Reifen in 700 x 28C fallen auf den DT Swiss P1800 SPLINE-Laufrädern lediglich 27 mm breit aus. Im gesamten Testfeld ist es das schmalste Laufrad-Reifen-System. Zwischen die Sitzstreben des Storck werden außerdem kaum breitere Pneus passen.

Das ist er also: der letzte Rennrad-Vergleichstest, den ihr lesen müsst – na ja, bis zum nächsten Jahr zumindest! Viel Spaß mit den folgenden 15 Bike-Tests der wichtigsten und vielversprechendsten Modelle des Jahres. Wir sind uns sicher, dass hier jeder von euch sein Match finden wird – ganz egal welcher Rennrad-Typ ihr auch seid. Also zippt das Jersey auf oder streift das Shirt über, denn gemeinsam machen wir uns auf zu neuen Horizonten!

Alle Bikes im Test: BMC Roadmachine 01 ONE (Zum Test) | Cannondale SuperSix EVO Hi-MOD Disc Ultegra (Zum Test) | Canyon Grail CF SLX 8 eTap (Zum Test) | Cervélo Caledonia-5 Dura Ace Di2 Disc (Zum Test) | Mason Resolution Ekar (Zum Test) | MERIDA REACTO TEAM-E CUSTOM (Zum Test) | MERIDA SCULTURA ENDURANCE CUSTOM (Zum Test) | OPEN MIN.D. (Zum Test) | Orbea Gain M20i (Zum Test) | ROSE REVEAL FOUR DISC Ultegra Di2 (Zum Test) | SCOTT Addict eRIDE Premium (Zum Test) | Specialized S-Works Aethos (Zum Test) | Storck Fascenario.3 Comp Disc Ultegra (Zum Test) | Trek Domane+ LT 9 (Zum Test) | Wilier Filante SLR (Zum Test)


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Text: Benjamin Topf Fotos: Valentin Rühl, Philipp Schwab, Tobias Hörsch