
Das Soloist war schon immer der Allrounder im Cervélo-Portfolio. Und wie der Name schon sagt, braucht es das Soloist, um zwischen den Extremen zu bestehen. Im vergangenen Jahr erst hat Cervélo das S5 als ultimatives Aero-Bike noch weiter optimiert und das R5 unter die 6-kg-Grenze gedrückt. Jetzt ist also das Soloist an der Reihe.
Leichter, schneller und moderner sind hier nicht nur bloße Phrasen, um den nächsten Bike-Launch zu beschreiben. Bei der brandneuen Version hat sich tatsächlich einiges getan, und das nicht nur optisch. Doch was genau, für wen das Rad wirklich gemacht ist und ob sich der Allrounder zwischen den Extremen tatsächlich lohnt, erfahrt ihr hier.
Das neue Cervélo Soloist 2026 – Ein Rad für alles?
Als Brücke zwischen dem Kletterspezialisten R5 und dem Aero-Bike S5 soll das Soloist nicht einfach nur die Lücke im Portfolio füllen, sondern beide Welten verbinden. Ganz dem Namen entsprechend soll es das einzige Rad sein, das ihr in eurer Garage braucht, ohne in einen Materialwagen à la Visma Lease a Bike zu investieren. Diesen Allround-Gedanken bringt Cervélo nun in die neueste Generation: Schneller und leichter soll das Rad geworden sein, dazu mit einem frischen Look und nagelneuen Flaschenhaltern, inklusive Aero-Flaschen.
Weniger Race-Bike als die beiden Spezialisten ist das Soloist deshalb aber nicht. Es ist vielleicht nicht das Rad, das die Profis fahren, dadurch aber nicht weniger renntauglich. Laut Cervélo wurde das Soloist speziell für Racer von Kriterien gebaut, die auf präzises Handling und explosive Beschleunigung setzen, und generell für alle leistungsorientierten Rider, die ein Bike für alle Gegebenheiten suchen.


Bei der Entwicklung des neuen Soloist standen daher vor allem zwei Punkte im Fokus: geringeres Gewicht und bessere Aerodynamik. Und diese Ziele hat Cervélo erreicht. Nach eigener Aussage ist das neue Soloist 8,6 W schneller und 176 g leichter als sein Vorgänger. Erreicht wird das durch eine von Grund auf neu gedachte Rahmenform. Die verbesserte Aerodynamik geht maßgeblich auf ein schmaleres Steuerrohr mit mehr Fläche, eine tiefere Gabel, ein tieferes und schmaleres Unterrohr sowie weit ausgestellte Sitzstreben zurück. Dazu kommt das HB18-Cockpit, das wir bereits vom R5 kennen. So ist das neue Soloist insgesamt 8,6 W schneller als das alte und 11,8 W langsamer als der Aero-Spezialist S5 mit anderem Cockpit und tieferen Laufrädern.


Abgerundet wird das Paket durch die neuen Cervélo Aero-Flaschen mit passenden Flaschenhaltern, die 4,3 W schneller sein sollen als runde Flaschen. Doch das ist nicht alles. Denn mit einer Kapazität von 650 ml und einem flachen Boden zum praktischen Abstellen der Flaschen ohne Umfallen ist Cervélo der Konkurrenz deutlich voraus. Wer dennoch lieber ohne Aero-Flaschen fährt, wird nicht enttäuscht, denn die Flaschenhalter funktionieren auch mit klassisch runden Bidons.
Doch auch im Detail gibt es Änderungen. Zum einen kommt eine neue Bremsaufnahme an der Gabel zum Einsatz: Diese ist genau wie am S5 gestaltet und nur mit 160-mm-Bremsscheiben kompatibel. Zum anderen gibt es eine überarbeitete Sattelstützenklemme inklusive Abdeckung, die vor allem Gewicht sparen soll. Final wurde auch der Gabelschaft überarbeitet, einerseits durch eine veränderte Kabelführung, andererseits durch eine Verengung im Mittelbereich, um Platz für die hintere Bremsleitung zu schaffen. Die Reifenfreiheit wächst auf bis zu 36 mm, und natürlich darf auch der UDH-Standard nicht fehlen.
Solo-Kettenblatt am Allround-Renner – Das Cervélo Soloist im Detail
Als Allrounder soll das Cervélo Soloist nicht nur für alles gewappnet sein, sondern auch ein möglichst einfaches Leben bieten. Dazu setzt Cervélo auf die passende Komponentenwahl. So kommt das bereits vom R5 bekannte HB18-Cockpit zum Einsatz. Mit vollständiger Integration, einem geringen Gewicht und hervorragender Ergonomie die ideale Wahl für das Soloist. Ebenfalls aus eigenem Haus stammen die Reserve 42|49 TA-Laufräder mit DT Swiss 350-Naben. Für den Preis und das Ausstattungsniveau hätten wir hier allerdings die DT Swiss 240-Nabe erwartet, um nochmals ein wenig Gewicht zu sparen. Etwas unpassend ist auch die Reifenwahl. Mit den Vittoria Corsa N.EXT in 29 mm Breite kommt das Soloist zwar mit vielseitigen und pannensicheren Pneus, doch zum Racing-Gedanken passen die eher langsamen Reifen nicht so recht.
Was dagegen für manche überraschend sein könnte, ist die Schaltgruppe. Hier setzt Cervélo auf die ursprünglich für Gravel-Räder entwickelte SRAM Force XPLR AXS mit großer 13-fach-Kassette mit 10–46 Zähnen. Kombiniert mit einem 48T-Kettenblatt, um die Allround-Fähigkeiten zu gewährleisten. So ergibt sich eine Bandbreite, die ungefähr mit einem klassischen Shimano ULTEGRA-Antrieb mit 52/36 und 11–34 vergleichbar ist, natürlich mit weniger feiner Abstufung. Abschließend sind auch an unserem Test-Bike die neuen Cervélo Aero-Flaschen inklusive Flaschenhalter montiert. Diese gibt es standardmäßig bei allen Cervélo Soloist dazu. Unser Test-Bike in Größe 56 kommt so auf 7,09 kg und kostet 7.499 €, deutlich weniger als die Spezialisten R5 und S5 mit ähnlicher Ausstattung.


Obendrein steht eine neue Topversion mit SRAM RED AXS 2×12-Antrieb für 10.999 € im Programm – mit 6,85 kg kommt man damit auch an das versprochene Gewicht. Weiterhin gibt es eine Version mit SRAM Force AXS für 7.499 € und eine mit SRAM Rival AXS für 5.999 €. Wer lieber Shimano fährt, greift zur Version mit ULTEGRA Di2 für 5.999 €. Und wenn das alles nicht passt, gibt es für 3.799 € das Frameset, um ein ganz individuelles Setup aufzubauen.
Cervélo Soloist 2026
7.499 €
Ausstattung
Sattelstütze Cervélo SP27 Carbon D-Shaped
Bremsen SRAM Force AXS 160/160 mm
Schaltung SRAM RED XPLR AXS 1 x 13
Kettenblatt 48 T
Vorbau Cervélo HB18 100 mm
Lenker Cervélo HB18 400 mm
Laufräder Reserve 42|49 TA 350 12 x 100 / 12 x 142
Reifen Vittoria Corsa N.EXT 700 x 29c
Kurbeln SRAM RED AXS DUB 170 mm
Kassette SRAM RED XPLR XG-1391-E1 10-46 T
Technische Daten
Größe 48 51 54 56 58 61
Gewicht 7,09 kg
Die Geometrie des Cervélo Soloist 2026
Auch bei der Geometrie hat sich einiges getan. Vor allem deshalb, um das Soloist an moderne Gegebenheiten anzupassen und sauber ins Cervélo-Portfolio zu integrieren. Die Fit-Geometrie ist dabei identisch mit der des R5. Realisiert durch ein 2 mm tieferes Tretlager, um den breiteren Reifen entgegenzuwirken und größenabhängige Sitzwinkel in den unteren Größen von 48 bis 54 cm.
Mit einem Stack-to-Reach-Verhältnis von 1,45 fällt das Soloist sportlich-gestreckt aus, aber nicht extrem – eben typisch für einen Allrounder. Der Lenkwinkel von 73° und der Nachlauf von 45,5 mm ergeben ein neutrales, gut kalkulierbares Handling: wendig, aber nicht nervös. Der steile Sitzwinkel von 73° begünstigt eine effiziente Kraftübertragung, während die Tretlagerabsenkung von 74 mm für Stabilität in Kurven sorgt. Die kurzen Kettenstreben von 410 mm machen den Antritt direkt und kompakt. Unterm Strich ergibt das eine stimmige Race-Geometrie – agil, stabil und leistungsorientiert, ohne ins Extreme zu gehen.
| Größe | 48 | 51 | 54 | 56 | 58 | 61 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Oberrohr | 506 mm | 526 mm | 545 mm | 565 mm | 581 mm | 595 mm |
| Sattelrohr | 432 mm | 482 mm | 507 mm | 530 mm | 553 mm | 572 mm |
| Steuerrohr | 90 mm | 109 mm | 132 mm | 156 mm | 183 mm | 204 mm |
| Lenkwinkel | 71° | 72° | 73° | 73° | 73° | 73° |
| Sitzwinkel | 75° | 74° | 74° | 73° | 73° | 73° |
| Kettenstrebe | 410 mm | 410 mm | 410 mm | 410 mm | 410 mm | 410 mm |
| Tretlagerabsenkung | 77 mm | 77 mm | 74 mm | 74 mm | 72 mm | 72 mm |
| Radstand | 977 mm | 978 mm | 978 mm | 993 mm | 1010 mm | 1025 mm |
| Reach | 369 mm | 377 mm | 383 mm | 391 mm | 400 mm | 408 mm |
| Stack | 496 mm | 520 mm | 545 mm | 568 mm | 591 mm | 611 mm |
Zwischen Ortsschildsprint und Bergankunft – Das Cervélo Soloist 2026 im Test
Als Allround-Racer will das Soloist alle Welten vereinen. Doch bedeutet eine gute Allround-Performance hier Kompromisse, die zulasten der Performance gehen? Wir hatten das Bike im Test und sagen euch, was das Cervélo wirklich kann. Vorneweg: Mit dem Soloist hat Cervélo eines der beliebtesten Räder im Programm. Nicht ganz so extrem wie das S5 und vielseitiger als das R5, sollte es eigentlich alle ansprechen, die ein vielseitiges Rad suchen.
Und so ist es wenig überraschend, dass das Soloist im Fahrverhalten voll überzeugt. Dabei zeichnet es sich vor allem durch die sanfte und direkte Lenkung aus. Äußerst berechenbar und stabil, lässt sich das Soloist präzise steuern, bleibt aber gutmütig genug, um Unruhe zu vermeiden. Im Antritt ist das Soloist ebenfalls stark, ob beim Ziel- oder Ortsschildsprint, hier zeigt sich das Bike von seiner besten Seite und beschleunigt einfach und schnell. Einzig die Reifen und die etwas weichen Laufräder nehmen dem Rad die absolute Spritzigkeit.
Dafür kann das Rad auch im bergigen Gelände überzeugen. Ob kleine Hügel oder größere Anstiege, mit dem Soloist lässt sich alles meistern. Und das setzt sich auch abseits der Anstiege fort, denn das Rad ist überraschend effizient. Die Designer scheinen auch hier ganze Arbeit geleistet und das Soloist in seinem schicken, sportlichen Look auch wirklich schnell gemacht zu haben. Beim Komfort bleibt das Soloist den Racing-Genen treu: Zwar bieten die Reifen und die Reserve-Laufräder etwas Dämpfung, und auch der Rahmen kann hier und da ein wenig nachgeben, doch im Ganzen ist das Soloist ein sportliches Bike, und genau so ist es auch ausgelegt.
Lediglich die Reifenwahl passt nicht ganz ins Bild. Zwar liefern die Vittoria Corsa N.EXT in 29 mm Breite viel Grip und dämpfen kleine Schläge und Vibrationen, doch an einem Race-Bike haben die spürbar langsamen Reifen eigentlich nichts zu suchen. Warum Cervélo diese Bereifung am Soloist verbaut und nicht auf die schnelleren Corsa Pro zurückgreift, bleibt leider ungeklärt.
Tuning-Tipp: Ein Satz schnellerer Reifen für tatsächliche Race-Performance.
Für wen ist das Cervélo Soloist 2026?
Das Soloist ist ganz dem Namen entsprechend für alle gemacht, die ein Rad suchen, das in jedem Gelände überzeugt. Dabei punktet es mit seinem Race-Charakter, einem edlen Rahmen und einem ausgeglichenen Fahrverhalten. Wer also auf der Suche nach einem schnellen Rad ist, das in jeder Situation mit den schnellsten Bikes am Markt mithalten kann, aber weder einen schweren Aero-Spezialisten noch einen leichten, aber unaerodynamischen Kletterer möchte, ist hier genau richtig.

Shorts Castelli | Schuhe Ekoi
Fazit zum Cervélo Soloist 2026
Mit dem Soloist 2026 liefert Cervélo einen Allround-Racer, der mehr als nur Lückenfüller zwischen R5 und S5 ist. Denn das Soloist überzeugt auf ganzer Linie durch das effiziente und ausgeglichene Fahrverhalten, die starke Effizienz und die hochwertige Ausstattung. Gepaart mit dem schicken Look und den nagelneuen Aero-Flaschen ergibt sich ein Gesamtpaket, das für alle Hobby-Racer spannend sein dürfte. Lediglich die Reifenwahl entspricht nicht ganz dem Performance-Gedanken und sollte schnelleren Pneus weichen.
Tops
- ausgeglichenes Fahrverhalten
- direktes Handling
- schickes Rahmendesign
- funktionelle Integration der Aero-Flaschen
Flops
- etwas langsame Reifenwahl
Mehr Informationen findet ihr unter cervelo.com
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Text: Calvin Zajac Fotos: Max Schumann
