Die Katze ist aus dem Sack! Canyon präsentiert sein erstes E-Gravel-Bike, das Canyon Grail:ON CF 8 eTap. Im Vergleich zum Grail CF ohne Motor trumpft es nicht nur mit dem bärenstarken Bosch Performance Line CX mit 500 Wh, sondern auch mit einer angepassten Geometrie und angeblich mehr Komfort. Geht das Konzept auf?

Canyon Grail:ON CF 8 eTap | 15,9 kg in Größe M | Bosch Performance Line CX 500 Wh | 5.999 € | Hersteller-Website

Bereits auf den ersten Blick sieht man die Verwandtschaft zwischen dem Canyon Grail CF und seinem motorisierten Bruder, dem Canyon Grail:ON CF-Carbonrahmen-Set mit VCLS 2.0-Federsattelstütze und Schwalbe G-One Bite-Reifen. Abgesehen vom Unterrohr und der Antriebseinheit hat es einen ähnlich futuristischen Look und eine vergleichbare Formsprache. Und ja, das polarisierende Canyon CP07 CF Double-Decker-Cockpit mit Hoverbar-Lenker kommt auch am motorisierten Pendant des Grail CF zum Einsatz! Aber Canyon hat nicht einfach nur den starken Bosch Performance Line CX-Motor und einen 500-Wh-Akku in das Grail CF eingebaut. Mit feinen Anpassungen in der Ausstattung und der Geometrie soll die komfortable und motorunterstützte Flucht raus aus der Stadt und abseits von Straßen so einfach sein wie noch nie. Ob das gelingt? Wir konnten das Topmodell Canyon Grail:ON CF 8 eTap bereits vor der Veröffentlichung ausgiebig testen und sagen euch, für wen das Konzept taugt und für wen es weniger geeignet ist.

Das Canon Grail:ON CF 8 eTap im Detail

Das Topmodell Grail:ON CF 8 eTap kommt, wie der Name schon sagt, mit Force eTap-Schaltung und -Bremsen daher, wobei Canyon auf die kabellose 1×12 SRAM Force eTap-Schaltgruppe mit AXS-Technologie setzt. Trotz zusätzlichem Kabel für die Bosch Purion Motor-Remote gibt es dank der Drahtlosschaltung keinen großen Kabelsalat am Hoverbar-Lenker. Der polarisierende CP07-Doppeldecker-Lenker ist der gleiche wie am Grail CF ohne Motor und soll mit seiner Flex-Area in der Mitte des Oberlenkers für mehr Compliance sorgen, während die Vorbau-/Lenkerkombination die Kraft des Oberkörpers auf die Straße bringen soll. Durch die Doppeldecker-Bauweise treffen sich der obere und mittlere Lenker genau unter den Schalthebeln. Voluminöse Schwalbe G-One Bite-Bereifung in 700 x 50C, flexende Sitzstreben und die Canyon VCLS 2.0 CF-Sattelstütze sollen zusammen mit Hoverbar-Lenker für reichlich Komfort abseits befestigter Wege sorgen. Außerdem kommen die DT-Swiss HGC 1400-Gravel-Laufräder mit 24 mm Innenweite zum Einsatz – top!

Der Akku kann nach Entriegeln des Schlosses nach unten entnommen und dann auch außerhalb des Bikes geladen werden
Wer lieber im Bike lädt, findet die Ladebuchse in direkter Nachbarschaft zum Motor
Unnötig
Nur ein Ast muss in die Speichen geraten und schon kann es passieren, dass der Speichenmagnet abgerissen wird. Dann geht nichts mehr! Hier hätten wir gerne eine Lösung gesehen, die in der Bremsscheibe integriert ist.
Das Doppeldecker-Cockpit ist optisch besonders – und das Diskussionspotenzial ist riesig! Fakt ist: Clean ist es dank der kabellosen SRAM Force eTap AXS-Schaltung auf jeden Fall. Und das, obwohl zusätzlich noch die Motor-Remote dazukommt.
Die Flex-Area in der Mitte des Oberlenkers soll für Dämpfung sorgen, während die Vorbau-/Lenkerkombination die Kraft des Oberkörpers auf die Straße bringen soll
Der Oberlenker ist dabei vom Vorbau losgelöst
Die silberne Metallplatte schützt den Carbonrahmen vor Schäden bei Kettenreißern

Während das hintere Laufrad mit Boost-Standard von 12 x 148 mm kommt, ist das vordere Laufrad mit einer 12 x 100-Achse ausgestattet. Das ist in diesem Konzept sinnvoll, erschwert aber den Laufradwechsel, wenn man ggf. noch einen 12 x 142 / 12 x 100 mm Road Thru-Axle Laufradsatz zu Hause hat. Laufräder und Reifen sind tubeless-fähig, unser Test-Bike kam allerdings noch oldschool mit Schlauch. Der Bosch Performance Line CX-Motor wirkt etwas aufgesetzt und auch der 500-Wh-Akku trägt – im Vergleich zum Grail CF ohne Motor – im voluminösen Unterrohr deutlich auf. Dass es sich hier um ein E-Bike handelt, versucht Canyon gar nicht erst zu verstecken. Die eigens entwickelte Carbongabel verfügt über ein breiteres Seitenprofil und fügt sich stimmig in das wuchtigere Gesamtbild. Wer das Rad auch zum Pendeln nutzen möchte oder gerne bei Regen unterwegs ist, wird sich über die Mounts für Schutzbleche freuen. Der an unserem Test-Bike verbaute GPS-Mount gehört nicht zum Lieferumfang und ist nur separat erhältlich.

Ausstattung und Geometrie der Canyon Grail:ON CF-Modelle

Das Canyon Grail:ON CF gibt es in insgesamt drei Ausstattungsvarianten. Von dem günstigsten Grail:ON CF 7 mit Shimano GRX-600 Schaltung existiert auch eine frauenspezifische Variante, die auf den Namen WMN Grail:ON CF 7 hört. Kostenpunkt: jeweils 4.999 €. Die Unisex-Modelle Grail:ON CF 8 mit Shimano GRX-800-Schaltgruppe und Grail:ON CF 8 eTap kosten 5.299 € bzw. 5.999 €. Bei allen Modellen kommen 1-fach-Schaltungen, DT-Swiss-Laufräder aus der HG Gravel-Serie und der Bosch Performance Line CX-Motor zum Einsatz. Auch die VCLS 2.0-Sattelstütze, das Doppeldecker-Cockpit und die großvolumige Schwalbe G-One Bite-Bereifung mit 50 mm Breite sind immer mit am Start. Bei den Bremsscheiben setzt Canyon vorne und hinten auf 160 mm, allerdings kann man vorne mit entsprechendem Adapter auch eine 180-mm-Bremsscheibe montieren.

Ausstattung unseres Test-Bikes – Das Topmodell Canyon Grail:ON CF 8 eTap

Schaltgruppe SRAM Force eTap AXS, 1 x 12, 44T
Kassette SRAM XG-1295 Eagle, 10–36T
Bremsen SRAM Force AXS, 160/160 mm
Laufräder DT-Swiss HGC 1400
Reifen Schwalbe G-One Bite, 700 x 50C
Sattelstütze Canyon VCLS 2.0 CF, 25 mm Versatz
Lenker/Vorbau Canyon CP07 Hoverbar-Cockpit, 440 mm / 75 mm
Motor Bosch Performance Line CX, 85 Nm
Akku Bosch PowerTube, 500 Wh
Display Bosch Purion
Gewicht 15,9 kg in Größe M
Preis 5.999 €
Verfügbarkeit ab sofort

Ordentlich Bums
Der bärenstarke Bosch Performance Line CX-Motor mit 85 Nm und neuem Software-Update von Bosch bildet das Herzstück des Canyon Grail:ON CF 8 eTap.
Die VCLS 2.0-Federsattelstütze sorgt zusammen mit den flexenden Sitzstreben am Heck für ordentlich Komfort, ohne den Sitzwinkel zu verändern
Das Grail:ON CF 8 eTap rollt auf DT-Swiss HGC 1400-Carbonlaufrädern …
… und voluminösen 700 x 50C Schwalbe G-One Bite
160-mm-Bremsscheiben an der Front und am Heck kommen bei allen Modellen zum Einsatz. Mit Adapter sind vorne sogar 180 mm möglich.

Die Motor-Remote am Lenker ist super positioniert. In allen Griffpositionen kann der Modus gewechselt werden:

Insgesamt bietet Canyon sieben Größen an – es geht also keiner leer aus. Während in 2XS, XS und S jeweils 650B-Laufräder und kürzere Kettenstreben zum Einsatz kommen, setzt Canyon bei den Grail:ON CF-Modellen in Größe M, L, XL und 2XL auf 700C-Laufräder. Der Lenkwinkel und die Vorbaulänge wurden in jeder Größe individuell angepasst und auch die Kurbellänge und die Lenkerbreite sind größenspezifisch gewählt.

Größen XXS XS S M L XL XXL
Sitzrohrlänge 432 mm 462 mm 492 mm 522 mm 552 mm 582 mm 612 mm
Oberrohrlänge 534 mm 561 mm 569 mm 577 mm 585 mm 610 mm 620 mm
Steuerrohrlänge 110 mm 119 mm 137 mm 122 mm 143 mm 166 mm 189 mm
Lenkwinkel 70,0° 70,8° 70,8° 71,5° 71,8° 72,0° 72.3°
Sitzrohrwinkel 73,5° 73,5° 73,5° 73,5° 73,5° 73,5° 73,5°
Kettenstrebenlänge 425 mm 425 mm 425 mm 440 mm 440 mm 440 mm 440 mm
Radstand 1.023 mm 1.034 mm 1.043 mm 1.053 mm 1.059 mm 1.082 mm 1.090 mm
Stack 512 mm 524 mm 541 mm 561 mm 582 mm 605 mm 628 mm
Reach 392 mm 406 mm 409 mm 411 mm 413 mm 431 mm 434 mm

Im Vergleich zum Canyon Grail CF ohne Motor ist das Bike mit einem Radstand von 1.053 mm in Größe M länger geworden. Zusammen mit den 15 mm längeren Kettenstreben soll das beim E-Gravel-Bike für noch mehr Laufruhe sorgen. Ein kürzerer Reach und ein angepasster Stack sorgen für eine komfortable Sitzposition. Beim Sitz- und Lenkwinkel gab es hingegen keine Änderungen.

Das Canyon Grail:ON CF 8 eTap im ersten Test
Konzept und Fahreindruck zum Motor am Canyon Grail:ON CF 8 eTap

Nicht erst seit unserem letzten Gravel-Bike-Vergleichstest können wir eines mit Gewissheit sagen: Gravel ist nicht gleich Gravel. Während es für den einen der Mix aus Asphalt und Schotterwegen ist, versteht der andere darunter eher eine Mischung aus Schotterwegen und leichten Trails. Kommt dann noch ein Motor dazu, scheiden sich die Meinungen noch mehr. Fakt ist: Weniger trainierte Fahrer, die hauptsächlich auf Schotter und Waldwegen unterwegs sein möchten, können mit dem Grail:ON CF nicht nur ihre Reichweite verdoppeln oder gar verdreifachen und mit durchtrainierten Freunden mithalten, sondern auch ihren Fahrspaß erhöhen. Zusätzlicher Bonus: Schweißfreie Fahrten ins Büro sind kein Problem mehr. Das soll allerdings nicht heißen, dass man auf dem Weg nach Hause nicht auch schneller als 25 km/h unterwegs sein kann!

Robin, der Chefredakteur des E-MOUNTAINBIKE Magazins und Gründer von GRAN FONDO, hat sichtlich Spaß beim Driften mit dem Canyon Grail:ON CF.
Mit seinen 440-mm-Kettenstreben und dem 1.053-mm-Radstand ist das Grail CF:ON ein langes Bike und sogar noch länger als das Grail CF.

Das Herzstück des deutschen E-Gravel-Bikes aus Koblenz ist ein Bosch Performance Line-CX Motor, der bereits über das Software-Update 2020 von Bosch verfügt und das Bike zu einer echten Offroad-Kanone mit 85 Nm unter der Haube macht. Mehr Infos zum 2020er Software-Update findet ihr in unserem Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE. Aufgrund der Power des Motors, der ursprünglich für den E-Mountainbike-Einsatz konzipiert wurde, dürften der ECO- oder der TOUR-Modus für viele die richtige Wahl sein. Denn in diesen Motorabstimmungen beschleunigt das Grail:ON CF linear, verlangt aber noch ordentlich Beinkraft vom Fahrer, wodurch man bei aktiver Fahrweise durchaus ins Schwitzen kommt. Überschreitet man im ECO-Modus die 25-km/h-Schwelle, an der die Motorunterstützung langsam verringert wird, bevor sie bei ca. 27 km/h ganz erlischt, fühlt sich der Übergang auf reine Muskelkraft deutlich natürlicher an als in den stärkeren Unterstützungsstufen. Auch das Wiedereinsetzen ist hier harmonisch. Prescht man hingegen im TURBO-Modus über die Schwelle, fühlt sich der Übergang alles andere als natürlich an – dann muss man schlagartig mit deutlich mehr Druck am Oberschenkel zurechtkommen als noch Augenblicke zuvor. Geht es leicht bergauf, kommt das einem beherzten Klaps auf den Hinterkopf gleich. Überbrückt man die zwei bis drei Sekunden danach und beschleunigt weiter, ist das Problem allerdings vergessen. Denn ist das Grail:ON einmal auf Geschwindigkeit, kann es sie problemlos halten. Sprintet man aus dem Stand mit voller Motorpower, wird man geradezu an die 25-km/h-Schwelle katapultiert. So muss sich Mario Cipollini im Antritt fühlen – atemberaubend! Übertritt man kurz darauf die magische Schwelle, flacht der Tretwiderstand zwischen 25 und 27 km/h jedoch plötzlich ab, bevor er kurz darauf wieder schlagartig in die Höhe steigt, weil der Motor ja jenseits der 27 km/h nicht mehr unterstützt. Grund für dieses Hin und Her ist das Motor-Fading an der Schwelle. Bei entspannter Fahrweise sorgt die Motorabstimmung für ein natürliches Fahrgefühl, mit zu viel Input vom Fahrer im Sprint kommt sie allerdings nicht klar. Leider ein Spaßkiller, der im Sprint zu stark ablenkt und Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aber ein E-Gravel-Bike ist eben auch nicht in erster Linie zum Sprinten gemacht. Leider verfügt das Grail:ON nicht über den progressiven eMTB-Modus, der die Unterstützung abhängig vom Fahrer-Input reguliert. Beim Bosch-Händler kann man sich den eMTB-Modus nachträglich aufspielen lassen. Die Frage ist nur: Ist euer lokaler Händler dazu bereit, wenn ihr dort mit einem E-Bike vom großen Online-Versender auftaucht?

Tuning-Tipp: eMTB-Modus aufspielen lassen vom Händler

Wechselt man in den Unterlenker, spürt man die Steifigkeit und Kontrolle – hier flext nichts. Der Komfort ist allerdings dahin.
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Die Motor-Unterstützungsstufen werden am Grail:ON mit einem Bosch Purion-Display gewechselt, das auf der linken Lenkerseite montiert ist und die nötigsten Fahrdaten anzeigt. Die Kontrolleinheit kann aus allen Griffpositionen des Hoverbar-Lenkers problemlos bedient werden. So praktikabel und zweckmäßig die Positionierung auch ist: Wir hätten uns eine optisch besser integrierte Lösung gewünscht. Das typische Surren des Bosch Performance Line CX-Motors ist deutlich wahrnehmbar. Nach etwas Eingewöhnungszeit fällt es allerdings kaum mehr auf.

Wie weit kann man mit dem Canyon Grail:ON fahren?

Auf diese Frage gibt es leider keine pauschale Antwort, da der Akkuverbrauch von vielen Faktoren abhängt wie Temperatur, Fahrergewicht, Streckenprofil, verwendeter Unterstützungsstufe, Luftdruck der Reifen, gefahrener Kilometer oberhalb der 25-km/h-Grenze etc. Letztendlich hängt die Reichweite auch von eurer Fitness ab. Mehr dazu lest ihr in unserem Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE, Stichwort: „Die Wahrheit über Labortests“.

Nur weil das E-Gravel-Bike einen Motor hat, heißt das nicht, dass man jetzt die Beine hochlegen kann. Aber zugegeben: Im TURBO-Modus des bärenstarken Bosch-Motors reicht Beine fallenlassen aus.

So fährt sich das Canyon Grail:ON CF 8 eTap

In der Ebene und besonders auf asphaltierten Straßen ist man bei sportlicher Fahrweise schnell jenseits der 25 km/h. Beschleunigt man darüber hinaus, fällt das hohe Bike-Gewicht von 15,9 kg deutlich auf. Hat man seine Reisegeschwindigkeit erreicht, kann sie vom Grail:ON überraschend einfach gehalten werden. Mit einer Rennradgruppe wird es euch auf der Straße jedoch trotzdem (sehr) schwerfallen mitzuhalten. Hier stößt das Konzept mit großem Akku und kraftvollem Motor aufgrund des hohen Gewichts an seine Grenze. Verlässt man asphaltierte Wege, fühlt sich das E-Gravel-Bike von Canyon richtig wohl – auf Schotter ist es zu Hause. Hier sorgt die Schwalbe G-One Bite 700 x 50C-Bereifung zusammen mit der VCSL 2.0-Federsattelstütze und den DT-Swiss HG 1400-Laufrädern für ordentlich Komfort. Außerdem kann das Bike hier die Vorteile des Motorkonzepts besser ausspielen. Greift man am oberen Lenker in die Flex-Area, werden Vibrationen und kleine Unebenheiten gut gedämpft; dann passt auch die Komfort-Balance zwischen Front und Heck. Wer am liebsten im Unterlenker unterwegs ist, wird den Hoverbar-Lenker unter Umständen verteufeln. Denn hier hat man aufgrund der zusätzlichen Querstrebe eine ungewöhnliche Ablagefläche für den Daumen und so gut wie keine Dämpfung mehr. Das Grail CF 8 eTap ist einfach und gutmütig im Handling und vermittelt mit seiner Laufruhe viel Sicherheit, ohne fordernd zu sein. Entspanntes Cruisen ist genauso möglich wie eine sportliche Fahrweise bei hohen Geschwindigkeiten. Die entspannte Sitzposition ist auch für richtig lange Tage im Sattel gut geeignet.

Verlässt man den Schotter und biegt auf den Trail ab, profitiert man von der Agilität und dem direkten Lenkverhalten. Bei schnellen Richtungswechseln fällt das hohe Gewicht allerdings deutlich auf. Zudem leidet der Daumen im Unterlenker, was jeglichen Fahrspaß auf wurzeligen Passagen eliminiert – hier ist man mit den Hoods besser beraten. Zusätzliches Problem: Wir hatten aufgrund kleiner Schläge durch Wurzeln mehr als 10 Motorausfälle. Zwar ging der Motor jedes Mal kurz darauf wieder von alleine an, meistens musste die gewünschte Unterstützungsstufe allerdings erneut ausgewählt werden. Ob es sich nur um einen Wackelkontakt aufgrund eines Montagefehlers oder um ein ernsthaftes Problem handelt, konnten wir im kurzen Testzeitraum leider nicht herausfinden. Allerdings hatten wir den gleichen Bosch-Motor schon in zahlreichen Test-Bikes für unser Schwestermagazin E-MOUNTAINBIKE, und wir hatten damit noch nie Schwierigkeiten. Canyon will dem Problem auf den Grund gehen, damit es noch vor der Serienproduktion gelöst wird.

Unser Fazit zum Canyon Grail:ON CF 8 eTap

Das Canyon Grail:ON CF 8 eTap ist ein top ausgestattetes E-Gravel-Bike mit einem starken Motor zu einem fairen Preis. Es richtet sich an weniger trainierte Gravel-Fans, die ausgedehnte Touren unternehmen möchten und sich nach dem nötigen Rückenwind für steile Anstiege sehnen. Mit seinem vorhersehbaren und ausbalancierten Handling sowie reichlich Komfort auf Schotter ist es ideal für Gravel-Einsteiger. Trailräuber werden mit ihm aufgrund des Lenkers und hohen Gewichts weniger glücklich werden.

Tops

  • Preis-Leistung
  • berechenbares und intuitives Handling
  • Komfort am Heck
  • Sitzposition für Langstrecken

Flops

  • je nach Griffposition starke Komfortunterschiede
  • hohes Gewicht
  • Motor geht bei kleinen Schlägen einfach aus

Mehr Informationen findet ihr unter canyon.com

Text & Fotos: Jonas Müssig