
Der Koblenzer Direktversender Canyon ist bekannt für Rennmaschinen mit Innovationsdrang – und das neue Grail CFR XPLR bleibt dieser Linie treu. Statt auffälliger Gimmicks wie der Hoverbar des Vorgängers setzt Canyon 2025 auf clevere Details und kompromisslosen Racing-Charakter: So zum Beispiel ein integriertes Rahmenfach und eine Aero-Rahmentasche, die nicht nur zusätzlichen Stauraum im Rahmendreieck bietet, sondern laut Canyon sogar den Luftwiderstand reduziert und bis zu 1,5 Watt einsparen soll.
Auf dem Papier bringt das Grail CFR XPLR alles mit, was ein modernes Race-Gravel-Bike ausmacht. Doch reicht das, um sich im Testfeld gegen Titan-Exoten, Aero-Waffen und Leichtbau-Ikonen zu behaupten? Unser Test zeigt, ob das Canyon unser Podium erklimmt oder sich am Ende seinen Gegnern geschlagen geben muss.
Das Canyon Grail CFR XPLR im Detail
Auch optisch hebt sich das Grail CFR XPLR ab. Je nach Modellstufe – CF SL, SLX oder CFR – wird die Lackierung aufwendiger. Das Topmodell glänzt mit einem edlen Granit-Marble-Finish, das matte und glänzende Elemente kombiniert und für eine Extraportion Premium-Touch sorgt.
Mit 7,7 kg in Größe M zählt das Grail CFR XPLR zu den leichtesten Bikes im Testfeld, bleibt aber hinter Leichtbau-Ikonen wie dem Specialized S-Works Crux oder Parapera Anemos² zurück. Dafür punktet es mit Aero-Optimierung und einer kompromisslosen Ausstattung aus dem Hause SRAM. Besonders spannend sind die neuen Zipp-Laufräder, die trotz 40 mm breiter und 54 mm tiefer Felgen mit 1.457g erstaunlich leicht bleiben und explosive Antritte und effiziente Aerodynamik versprechen.
Canyon Grail CFR XPLR 2024
8.499 €
Ausstattung
Sattelstütze Canyon SP0072 D-Shaped
Bremsen SRAM RED E1 AX 160 mm
Schaltung SRAM RED XPLR AXS 1 x 13
Kettenblatt 42
Vorbau Canyon Cockpit CP0039 80 mm
Lenker Canyon Cockpit CP0039 400 mm
Laufräder Zipp 303 XPLR SW 12 x 100 / 12 x 142
Reifen Goodyear XPLR 700 x 40c
Kurbeln SRAM RED XPLR AXS Powermeter 172,5 mm
Kassette SRAM RED XPLR XG-1391-E1 10-46T
Technische Daten
Größe XXS XS S M L XL XXL
Gewicht 7,70 kg
Reifenfreiheit (v/h) 46/42
Besonderheiten
Integriertes Rahmenfach
Gear Grove im Lenker
Fidlock Tasche

Geschwindigkeit zu jedem Preis? Die Ausstattung am Canyon Grail CFR XPLR
Das Canyon Grail CFR XPLR zeigt seinen Charakter direkt an den Reifen: Die Goodyear XPLR Semi-Slicks in 40 mm sind in erster Linie für Speed gemacht und speziell abgestimmt auf die breiten Zipp-Carbon-Laufräder mit 33 mm Innen- und 40 mm Außenmaulweite. Die schmale Reifenbreite auf der breiten Felge sorgt für eine aggressiv-aerodynamische Optik – birgt aber auch ein Risiko: Denn die 40 mm schmalen Reifen sitzen auf 40 mm breiten Felgen, was wiederum die Gefahr erhöht, dass der Reifen seitlich abrutscht und die Carbon-Felge ungeschützt aufschlägt.
Auch bei der Reifenfreiheit bleibt Canyon dem Racing-Konzept treu – mit 46 mm vorne bietet das Grail genug Platz für griffige Pneus, doch hinten ist bei 42 mm Schluss. Das bedeutet weniger Spielraum für schlammige Gravel-Rennen oder felsiges Terrain. In Sachen Schaltung kommt die SRAM RED XPLR AXS zum Einsatz, die durch präzise Schaltvorgänge und eine knackige 1-Finger-Bremsperformance überzeugt.


Beim Cockpit setzt Canyon auf eine Mischung aus Aero, Ergonomie und Kontrolle. Das Pro Cockpit mit 40 cm Breite in den Hoods und 47 cm in den Drops sorgt für eine aggressive Race-Position, ist jedoch kein Serienstandard und muss separat für 379,95 € erworben werden. Die nach unten gezogenen Drops mit negativem Rise sind optisch markant, sollen für eine tiefere, ergonomisch stabile Griffposition sorgen und sind ein klarer Kontrast zum ROSE BACKROAD FF, das mit erhöhten Drops den entgegengesetzten Weg geht. Ergänzt wird das Ganze durch die integrierte Gear Groove, über die sich Zubehör, wie zum Beispiel Aero-Extensions, einfach nachrüsten lässt.
Obwohl es als Race-Gravel-Bike konzipiert ist, überrascht das Grail CFR XPLR mit allen Features und Anschraubpunkten, die man sonst nur von Adventure-Gravel-Bikes gewohnt ist. So sorgen drei Flaschenhalter-Mounts, ein Rahmenfach, eine Rahmentasche mit Fidlock-Magnetverschluss, eine Top-Tube-Bag-Halterung und nachrüstbare Mountingpoints an der Gabel für ein absolut durchdachtes Transportkonzept, das gerade auf der Langstrecke seinen Nutzen voll ausspielen kann.


Als Kirsche-on-top gibt es noch Schutzblech-Ösen für den Ganzjahreseinsatz. Fragt man andere Hersteller, warum sie keine Ösen am Race-Bike verbauen, hört man Argumente wie „zu hohes Gewicht”, „uncleane Optik” oder „zu hoher Preis”. Schaut man sich das Canyon Grail CFR XPLR an, sieht man jedoch nichts davon. Das Gewicht von 7,70 kg liegt ebenso deutlich unter dem Testfeld-Durchschnitt wie der Preis von 8.499 € und optisch steht das Grail, gerade wegen der clean integrierten Rahmentasche, verdammt gut da. Ob im Training, im Rennen oder im Alltag: Die vielfältigen, gut durchdachten Transportmöglichkeiten sind einfach praktisch und bieten einen echten Mehrwert.
Die Geometrie des Canyon Grail CFR XPLR
Auch die Geometrie zeigt eine klare Ausrichtung auf Speed und eine hohe Anpassung an die Bedürfnisse von Gravel-Racern. Mit einem Stack-to-Reach-Verhältnis von 1,44 zählt das Grail zu den sportlichsten Bikes im Testfeld, nur das ROSE BACKROAD FF ist hier noch aggressiver. Der lange Reach kombiniert mit einem kurzen 80-mm-Vorbau erinnert an moderne MTB-Geometrien und sorgt für viel Kontrolle bei hohen Geschwindigkeiten, ohne die Lenkung zu träge werden zu lassen.
Der 71,5° steile Lenkwinkel verspricht ebenfalls Agilität in Kurven. Das wird gekontert von dem sehr langen Radstand von 1.057 mm, den nur das Adventure-Gravel-Bike MERIDA SILEX übertrifft. Eine wilde Mischung aus Eigenschaften, die Laufruhe auf ruppigen Gravel-Pisten bei hohen Geschwindigkeiten versprechen, ohne dabei zu träge oder unsportlich zu werden.
| Größe | 2XS | XS | S | M | L | XL | 2XL |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Sattelrohr | 420 mm | 450 mm | 480 mm | 510 mm | 540 mm | 570 mm | 600 mm |
| Oberrohr | 533 mm | 550 mm | 564 mm | 586 mm | 609 mm | 623 mm | 648 mm |
| Steuerrohr | 123 mm | 129 mm | 145 mm | 163 mm | 187 mm | 207 mm | 230 mm |
| Lenkwinkel | 69,5° | 71° | 71,5° | 71,5° | 71,5° | 71,8° | 71,8° |
| Sitzwinkel | 73,5° | 73,5° | 73,5° | 73,5° | 73,5° | 73,5° | 73,5° |
| Kettenstrebe | 425 mm | 425 mm | 425 mm | 425 mm | 425 mm | 425 mm | 425 mm |
| BB Drop | 75 mm | 75 mm | 75 mm | 75 mm | 75 mm | 75 mm | 75 mm |
| Radstand | 1021 mm | 1024 mm | 1034 mm | 1057 mm | 1080 mm | 1092 mm | 1118 mm |
| Reach | 372 mm | 385 mm | 394 mm | 411 mm | 427 mm | 435 mm | 454 mm |
| Stack | 545 mm | 556 mm | 573 mm | 591 mm | 613 mm | 633 mm | 655 mm |
Ein Bike für alle Fälle – Das Canyon Grail CFR XPLR im Test
Schon auf den ersten Metern wird klar: Das Canyon Grail CFR XPLR ist ein echter Racer – schnell, effizient und mit einer ordentlichen Prise Renn-DNA. Die Sitzposition vermittelt direkt ein sportlich-direktes Gefühl, ohne zu stark aufzudrängen. Im Antritt zeigt sich das Grail effizient und kraftvoll, auch wenn ihm die übermäßige Explosivität eines Parapera Anemos² oder Specialized Crux fehlt.
Dafür überzeugt es mit einem angenehmen Tempoaufbau und ordentlichen Vorwärtsdrang, der besonders auf längeren, schnellen Abschnitten glänzt. Im Gegensatz zu absolut kompromisslosen Race-Gravel-Bikes wie dem ROSE BACKROAD FF bringt es aber zusätzlich überraschend viel Komfort und clevere Features mit, die es zu einem der vielseitigsten Bikes im Vergleich machen.
Das Handling ist typisch Canyon: direkt, intuitiv und berechenbar sowie auffällig laufruhig. Die hohe Laufruhe und das kontrollierte Lenkverhalten sind dabei vor allem dem langen Radstand und dem kurzen Vorbau zu verdanken. Sobald man auf langen Geraden oder in schnellen Abfahrten in die Drops greift, fährt sich das Bike wie auf Schienen, fordert dafür aber auf engen Trails und verwinkelten Kursen eine aktive Fahrweise – hier zeigt sich das Grail weniger verspielt als ein SCOTT Addict Gravel RC oder das ultrawendige S-Works Crux mit seiner Cyclocross-DNA, bringt dafür aber deutlich mehr Laufruhe und Kontrolle, wenn es dann zur Sache geht. Auf flowigen, schnellen Kursen und langen Highspeed-Geraden fühlt sich das Grail voll in seinem Element und das ergonomische Cockpit bringt einen tief in die Aero-Sitzposition. Das bedeutet: Man rutscht intuitiv in die Drops und fühlt sich dort sofort stabil und eingebettet.
Auch in Sachen Komfort hat Canyon mitgedacht. Das Aero-Cockpit liefert spürbaren Flex, während der Rahmen eine gute Balance zwischen Steifigkeit und Dämpfung bietet – gerade im Vergleich zu deutlich härteren Vertretern wie dem ROSE BACKROAD FF. Nicht ganz so komfortabel wie das 3T Extrema Italia mit seinen 50 mm breiten Reifen zeigt sich das Grail CFR XPLR dennoch sehr komfortabel für ein Race-Gravel-Bike, vor allem weil die 40 mm breiten Semi-Slick-Reifen deutlich unter der durchschnittlichen Reifenbreite des Testfeldes liegen.
Der Antritt ist direkt und effizient, das Grail hält die Geschwindigkeit mit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Wer gerne schnell, kontrolliert und effizient fährt, wird das Grail lieben. Auf ruppigem Terrain sorgt der lange Radstand für Spurtreue, die jedoch durch die 40 mm breiten Semi-Slick-Reifen etwas eingeschränkt wird. Die Goodyear XPLR warten durch ihre glatte Lauffläche mit Top-Speed auf Asphalt und Hardpack auf, werden aber in gröberen Gefilden zur Achillesverse vom Canyon Grail CFR XPLR. Auf losem Schotter fehlt es an Biss, in nassen Kurven an Seitenhalt und auf matschigem Untergrund an Traktion. Das kostet nicht nur Grip, sondern vor allem Kontrolle, Laufruhe und letztlich auch Vertrauen.
Ein Reifen-Upgrade mit mehr Volumen und Profil könnte das Offroad-Potenzial deutlich verbessern. Die Gabel lässt mit 46 mm Reifenfreiheit auch größere Upgrades zu, der Grip an der Front ist zugegeben auch deutlich wichtiger, um bei rutschigen Rennen die Kontrolle zu behalten. Die 42 mm Reifenfreiheit am Heck wirken jedoch wenig modern und könnten bei klebrigem Matsch zum echten Problem werden. Da der Komfort aber selbst mit 40 mm breiten Reifen am Heck sehr gut ausfällt, können wir auch hier nicht meckern ;).
Insgesamt erweist sich das Grail als durchdachtes Gesamtkonzept, das genau an die Anforderungen von Gravel-Rennen angepasst wurde. Während viele Race-Gravel-Bikes Kompromisse bei Komfort und Transportmöglichkeiten eingehen, bietet das Grail zudem eine moderne Balance aus Aero-Optimierungen und Funktionalität. Wer eine Rennmaschine sucht, die sowohl auf der Rennstrecke als auch im Trainingsalltag überzeugt, ist hier richtig. Trotz unterdurchschnittlichem Gewicht und Preis bietet das Grail CFR XPLR eine starke Mischung aus Race-Performance und Vielseitigkeit. Kein Wunder also, dass es im Rennen um unseren heiß begehrten Kauftipp als Sieger hervorgeht!
Tuning-Tipp: Breitere Reifen für mehr Offroad-Performance.

Jersey Universal Colors Chroma Jersey | Shorts Universal Colors Chroma Bib Shorts
Schuhe Canyon Tempr CFR Off-Road | Socken Universal Colors Mono Summer Socks
Für welches Rennen ist das Canyon Grail CFR XPLR?
Das Canyon Grail CFR XPLR ist eine erstklassige Wahl für lange, schnelle Gravel-Rennen mit hohem Hardpack-Anteil. Seine ausgewogene Geometrie kombiniert Stabilität mit Agilität, die vor allem auf anspruchsvollen Kursen mit hohen Geschwindigkeiten überzeugt. Wer hingegen maximale Steifigkeit und Reaktivität sucht, findet mit dem ROSE BACKROAD FF eine noch aggressivere und explosivere Alternative.
Dank zahlreicher durchdachter Features punktet das Grail CFR XPLR mit einer seltenen Kombination aus kompromissloser Race-DNA, Komfort und Alltagstauglichkeit. Für matschige Kurse oder anspruchsvolle Offroad-Passagen fehlt dem Grail etwas die Reserve: hier gibt es deutlich bessere Alternativen. Ein Upgrade auf griffigeren Pneus kann das Potenzial aber spürbar erweitern. Für fast alle anderen Gravel-Rennen ist es jedoch eine der spannendsten Optionen im Testfeld und bietet eine hohes Vielseitigkeit für Racer, die nicht nur Speed, sondern auch Komfort und Funktionalität schätzen.
Fahreigenschaften
Agilität
- träge
- verspielt
Stabilität
- nervös
- laufruhig
Handling
- fordernd
- intuitiv
Antritt
- träge
- leichtfüßig
Fun Factor
- langweilig
- lebendig
Komfort
- straff
- komfortabel
Vielseitigkeit
- niedrig
- hoch
Einsatzgebiet
Climbing
Aero
Offroad
Style Factor
Fazit zum Canyon Grail CFR XPLR
Das Canyon Grail CFR XPLR schafft den Spagat zwischen Race-Performance und Vielseitigkeit wie kaum ein anderes Bike im Test. Auch wenn es nicht das explosivste oder agilste Bike im Vergleich ist, punktet es mit einem einzigartigen Gesamtpaket, das so kein anderes Bike im Vergleich bieten kann. Dank seines intuitiven und stabilen Handlings bleibt es auch bei hohem Tempo souverän und sicher. Wer ein durchdachtes, innovatives und vielseitiges Race-Gravel-Bike sucht, liegt mit dem Canyon Grail CFR XPLR also goldrichtig. Für uns ein klarer Kauftipp – Glückwunsch, Canyon!
Tops
- hohe Vielseitigkeit
- intuitives Handling
- viele clevere Features
Flops
- riskante Reifen-Felgen-Kombi
- kaum Grip bei Nässe
- geringe Reifenfreiheit des Rahmens
Mehr Informationen unter canyon.com.
Das Testfeld
Dieses Bike wurde im Rahmen des Race Gravelbike Vergleichstest 2025 getestet – einen Überblick über diesen Vergleichstest sowie alle anderen getesteten Race Gravelbikes erhaltet ihr hier:
Alle Bikes im Test: 3T Extrema Italia | Cannondale SuperX 2 | Canyon Grail CFR XPLR | Falkenjagd Aristos SL | Merida Silex 8000 | Parapera Anemos² | Rose Backroad FF RED XPLR AXS | Scott Addict Gravel RC | Superior XR 9.7 GF | Specialized S-Works Crux | Trek Checkmate SLR 9 AXS | Wilier Rave SLR
Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als GRAN FONDO-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, das die New-Road-Welt auch weiter ein kostenloses und unabhängiges Leitmedium hat. Jetzt Supporter werden!
Text: Jan Fock Fotos: Jan Richter
