Zurück aufs Podium? Das neue Canyon Grail 2027 bricht optisch radikal mit dem Vorgänger: mehr Reifenfreiheit, mehr Komfort, gleich viele Features – bei deutlich stärkerer Aero-Optimierung. Wir sind das Grail CF SLX über 1.000 Kilometer gefahren – von der Gravel-DM am Nürburgring bis zum Bikepacking in Schweden. Kann das Grail auch abseits der Rennstrecke überzeugen?

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Canyon Grail CF SLX | 8,83 kg in Größe S | 4.999,00 € | Hersteller-Website

Mit der dritten Grail-Generation rückt Canyon spürbar näher an die eigene Endurance- und Aero-Rennrad-DNA heran: Eine sportlichere Geometrie mit stärkerem Fokus auf Aerodynamik, deutlich mehr Reifenfreiheit und ein rundum erneuertes Storage-Konzept sollen das Bike zurück aufs Podium der Gravel-Elite katapultieren. Das Grail brauchte auch dringend ein Update: Während sich Gravel-Racing zuletzt immer weiter in Richtung breiter Pneus und rauerem Terrain entwickelt hat, erwies sich die knappe Reifenfreiheit des Grail-Vorgängers – einer unserer Redakteure selbst eines besessen – gegenüber der Konkurrenz zunehmend als echter Nachteil.

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Dabei waren es gerade die bisherigen Grail-Generationen, die mit neuen, polarisierenden Innovationen für Aufsehen sorgten: Die erste Generation etablierte den markanten Doppeldecker-Lenker, der Nachfolger brachte dann eigene Aero-Taschen mit Magnetbefestigung. Die dritte Generation wirkt dagegen wie ein radikaler Neustart und eine gezielte Antwort auf das, was Gravel-Race-Bikes heute können müssen. Breite Reifen, sportliche Geo und Aero-Fokus? Das kennt man inzwischen auch von der Konkurrenz. Kein Wunder also, dass das neue Grail bereits bei der Traka 2026 bei den Profis aufgetaucht ist – lange bevor Canyon es offiziell vorgestellt hat. Das Grail CF SLX 2027 trifft damit ziemlich genau den Nerv der Zeit. Aber bleibt es dabei seinem Charakter als sportlicher Allrounder treu, oder wird daraus am Ende einfach ein Aeroad mit dickeren Reifen?

Spannende Infos zum Canyon Grail CF SLX 8 2027

Highs

  • neue ergonomische Control Drops
  • anpassbare Cockpit-Optionen
  • Anschraubpunkte für Schutzbleche

Lows

  • recht hohes Gewicht
  • für den Renneinsatz sehr kleines Kettenblatt

Key Facts

  • Vollcarbon-Rahmen
  • VCLS Aero-Sattelstütze für mehr Komfort
  • kompatibel mit neuen Rahmentaschen von Cyclite
  • deutlich vergrößerte Reifenfreiheit auf 57 mm
  • nur mit 1-fach-Schaltgruppen und Kettenblättern mit max. 52 Zähnen kompatibel
  • erhältlich in sieben Rahmengrößen von XS bis 2XL
  • kürzere Kurbellängen für die gesamte Plattform hinweg

Mit dem Grail schickt Canyon seit Jahren eines der vielseitigsten Gravel-Bikes ins Rennen. Die dritte Generation bringt Canyons Anspruch, einen All-Terain Racer zu bauen, auf den Punkt: mehr Reifenfreiheit, eine an ihr Aero-Rennrad angenäherte Geometrie sowie ein überarbeitetes Cockpit- und Storage-Konzept. Wir haben das Grail CF SLX über acht Wochen und rund 1.000 Kilometer in unterschiedlichsten Bedingungen ans Limit gebracht. Vom Canyon-Pressecamp in Koblenz über die Teilnahme an der Deutschen Gravel-Meisterschaft am Nürburgring bis zu einer 700 Kilometer langen Bikepacking-Tour durch Schweden haben wir uns die Frage gestellt: Ist das Grail nun zur kompromisslosen Aero-Gravel-Waffe mutiert, oder kann es noch immer als sportlicher Allrounder überzeugen? Bevor wir zum eigentlichen Fahreindruck kommen, lohnt sich jedoch ein Blick darauf, was sich unter der neuen Lackierung tatsächlich verändert hat.

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Was ist neu am Canyon Grail CF SLX 2027?

Wer das neue Grail neben das 2026 vorgestellte Endurace CFR stellt, erkennt die Familienähnlichkeit sofort: Vor allem der markante Ausschnitt im Bereich von Sitzrohr und Hinterbau erinnert stark an das eigens für Kopfsteinpflaster designte Race-Bike als auch an das neue Endurace CF SLX. An der Front bedient sich das Grail weiterhin großzügig aus Canyons eigenem Aero-Baukasten: Die tief gezogene, breit ansetzende Gabel trägt deutliche Züge von Aeroad und Endurace. Der entscheidende Unterschied steckt allerdings zwischen Reifen, Gabel und Hinterbau: Dort ist jetzt deutlich mehr Platz. Ursprünglich wollte Canyon die Kompatibilität für 2-fach-Antriebe beibehalten, was das Platzangebot am Rahmen auf 50 mm limitiert hätte. Doch 50 mm reichten für moderne Ansprüche nicht mehr aus. Das R&D-Team zog die Reißleine, strich den Umwerfer konsequent aus dem Konzept und erweiterte die Reifenfreiheit auf üppige 57 mm beziehungsweise 2,25 Zoll Reifenfreiheit. Ein Kettenfänger gehört nicht zur Serienausstattung, kann aber unterhalb des hinteren Flaschenhalters nachgerüstet werden.

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Platz satt im Hinterbau: Satte 57 mm Reifenfreiheit schaffen Reserven für dicke Schlappen und tiefe Schlammschlachten.
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Konsequenter 1x-Antrieb: Erst der Verzicht auf den Umwerfer macht den Weg frei für die massive Reifenfreiheit

Damit reagiert Canyon auf eine Entwicklung, die sich im Gravel-Racing kaum noch übersehen lässt: Die Rennen werden immer schneller – und gleichzeitig hat sich das Verständnis davon verändert, welcher Reifen dafür tatsächlich der schnellste ist. Breitere Pneus galten lange als komfortabel und griffig, aber eben auch als träge. Inzwischen zeigt sich jedoch in der Realität, dass sie auf unebenem Untergrund mit dem passenden Luftdruck mindestens genauso schnell, teilweise sogar schneller rollen können als schmalere Reifen. Statt über jede Unebenheit zu hoppeln, passen sie sich dem Untergrund besser an, reduzieren Vibrationen und bieten nebenbei deutlich mehr Grip und Komfort.

Gerade bei langen, zehrenden Gravel-Rennen ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Dazu kommt der Trend zu immer breiteren Felgen: Sie verleihen voluminösen Reifen eine günstigere Form und können deren aerodynamischen Nachteil zumindest teilweise entschärfen. Doch all das funktioniert nur, wenn der Druck exakt stimmt – denn je breiter der Reifen, desto dramatischer wirkt sich eine Abweichung von bereits einem halben Bar auf das Fahrverhalten aus. Um den laut Canyon optimalen Sweetspot mit einer Reifenverformung von 20 % nicht mühsam erraten zu müssen, integriert Canyon in Kooperation mit Pirelli ab sofort einen neuen Reifendruck-Kalkulator in die hauseigene App. Dieser ist bereits mit den Originaldaten des Bikes vorkonfiguriert.

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Aeroad-Gene auf Schotter: Die tief gezogene, weit ausladende Gabel bedient sich direkt bei Canyons Aero-Rennrädern.

Das Canyon Grail CF SLX im Detail

Etwas weniger erfreulich fällt da der Blick auf unsere Redaktionswaage aus: 8,69 kg wiegt unser Grail CF SLX 8 AXS in Größe S mit der Serienbereifung, mit den breiteren Testreifen sogar 8,83 kg – gewogen ohne Zubehör wie Taschen oder Flaschenhalter. Das ist für ein Racebike schon ein beachtliches Gewicht das ihm zumindest am Berg etwas Spritzigkeit kosten dürfte.

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Die gemeinsam mit Cyclite entwickelten Midloader- und Top-Tube-Bags schmiegen sich aerodynamisch bündig an den Rahmen und lässt sich im Fall des Midloaders per Quick-Release in Sekundenschnelle ausklinken.
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Der markante knick hinter dem Vorderrad soll den Luftstrom sauber am Rahmen sowie an den Trinkflaschen vorbe leiten und auf schnellen Passagen wertvolle Körner sparen.

Innerhalb der neuen Grail-Plattform staffelt Canyon die Modelle klarer denn je. Das CF bildet für 2.499 € den Einstieg und kombiniert ein günstigeres Carbon-Layup mit Schutzblechaufnahmen und Carbon-Cockpit, verzichtet aber auf das LOAD-Rahmenstaufach. Dafür bleibt es als einzige Variante mit den Cargo-Sleeves des Vorgängers an der Gabel kompatibel. Eine noch günstigere Alu-Variante ist derzeit nicht geplant.

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Das ab 3.999 € erhältliche CF SLX ist dagegen das vielseitigste Gesamtpaket: Es bekommt ein hochwertiges Carbon-Layup, das PACE-Cockpit-System, ein Rahmen-Staufach sowie Schutzblechaufnahmen. Damit trifft es ziemlich genau die Zielgruppe aus ambitionierten Racern und Gravel-Enthusiasten, die sich nicht für jede Tour ein neues Bike in die Garage stellen wollen. Das integrierte LOAD-Fach direkt im Unterrohr ist nicht zu verwechseln mit einer klassischen Rahmentasche. Für Letztere kooperiert Canyon ab sofort mit den Bikepacking-Spezialisten von CYCLITE. Der gemeinsam entwickelte Midloader schmiegt sich aerodynamisch bündig ins Rahmendreieck und lässt sich über ein cleveres Quick-Release-System am Heck in Sekundenschnelle an- und abmontieren. Ergänzt wird das System durch eine kleine Top Tube Bag, die sich formschlüssig an die Mounts direkt hinter dem Vorbau anschmiegt.

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Das 6.999 € teure CFR-Modell setzt noch kompromissloser auf Performance und wird aus Canyons leichtestem Carbon-Layup gefertigt. Es behält das Rahmenstaufach, verzichtet dafür aber auf Schutzblechaufnahmen. Damit ist das CF SLX nicht einfach die mittlere Ausstattungsvariante zwischen CF und CFR. Eigentlich ist es das vielseitigste Grail der neuen Generation und wahrscheinlich genau deshalb für viele Fahrer die spannendste Variante.

Die Ausstattung des Canyon Grail CF SLX 8 AXS 2027

Unser Testbike, das Grail CF SLX 8 AXS, kombiniert eine SRAM Force AXS XPLR samt Leistungsmesser mit einem 40-T-Kettenblatt, DT Swiss GRC 1400-Laufrädern und Schwalbe G-One RS Reifen in 45 mm Breite. Für das Rennen stellte uns Canyon zusätzlich einem Satz 57 mm breiten Schwalbe Thunder Burt Reifen zur Verfügung, die in unserem großen Gravel-Reifen-Vergleichstest 2026 bereits mit hoher Effizienz, zuverlässigem Grip und ordentlich Compliance überzeugt haben, dafür aber beim Durchstichschutz Federn lassen mussten.

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Der 57 mm breite Schwalbe Thunder Burt rollt erstaunlich schnell und schluckt grobe Wurzeln weg, verlangt auf scharfkantigem Geröll aber ein wachsames Auge um nicht schlapp zu machen.
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Keine Platzangst am Tretlager: Selbst mit der 2,25-Zoll-Bereifung bleibt an der Kettenstrebe ausreichend Freiraum, damit sich zäher Schlamm nicht sofort im Rahmen festfrisst.

Das serienmäßig kleine 40–T-Kettenblatt passt zum vielseitigen Anspruch des Grail und kam uns an den bis zu 20 % steilen Rampen rund um Koblenz durchaus gelegen. Für schnelles Racing auf flacheren Kursen wirkt es dagegen eher defensiv gewählt. Ganz festgelegt ist man darauf allerdings nicht: Über MyCanyon-Konfigurator stehen Kettenblätter von 40 bis 48 Zähnen zur Wahl, technisch erlaubt der Rahmen sogar Aero-Teller mit maximal 52 Zähnen.

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Mit den 50 mm tiefen DT Swiss GRC 1400 Carbon-Laufrädern setzt Canyon beim CF SLX 8 voll auf Aerodynamik. Im Windkanal dienten diese sogar als Benchmark für den brandneuen Canyon GR 50 CF-Laufradsatz. Während DT Swiss auf ein schmaleres Felgenprofil setzt, ist die Canyon-Eigenentwicklung konsequent auf moderne, breite Gravel-Reifen ausgelegt. Mit einer modernen Innenmaulweite von 27 mm soll der GR 50 CF-Reifen mit einer Breite von 35 bis 60 mm eine optimale Abstützung in Schräglage bieten und ein schwammiges Abkippen bei niedrigem Luftdruck verhindern. Laut Hersteller liefert der 1.675 g schwere und für 999 € erhältliche Carbon-Laufradsatz auf DT-Swiss-350-Naben im Windkanal nahezu identische Aero-Werte und Windstabilität wie die teurere Referenz liefern. Der neue Laufradsatz kommt auch bei weiteren Modellvarianten wie dem CF SLX 7 Di2 und CF 7 AXS zum Einsatz und wird für 999 € auch im Aftermarket erhältlich sein. Komplettiert wird der Aufbau von der VCLS Aero-Sattelstütze, die wir bereits vom Canyon Endurace CF SLX 2026 kennen. Gemäß Canyon benötigt sie für dieselbe Federung rund 25 % weniger Kraft und soll so für spürbar mehr Komfort sorgen.

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Canyon Grail CF SLX 2027

5.499 €

Ausstattung

Sattelstütze Canyon SP0093 VCLS Aero D-Shaped
Bremsen SRAM FORCE AXS 160/160 mm
Schaltung SRAM Force XPLR AXS 1 x 13
Kettenblatt 40 T
Vorbau Canyon CP0048 PACE Bar w/ Control Drops 80 mm
Lenker Canyon CP0048 PACE Bar w/ Control Drops 370 mm
Laufräder DT SWISS GRC1400 12 x 100 / 12 x 142
Reifen Schwalbe Thunder Burt 700 x 57c
Kurbeln SRAM Force Dub 165 mm
Kassette SRAM Force XPLR 10-46 T

Technische Daten

Größe XXS XS S M L XL XXL
Gewicht 8,83 kg

Besonderheiten

Überarbeitetes Rahmenstaufach im Unterrohr
Platz für Reifen bis zu 57mm
Sattelstütze mit Komfortfeature
Kurze Kurbeln

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Die Geometrie des Canyon Grail CF SLX 2027

Mit der dritten Generation soll das Grail noch sportlicher werden, ohne seine charakteristische Laufruhe zu verlieren. Canyon reduziert im Vergleich zum Vorgänger den effektiven Stack um 15 mm und den Reach um 3 mm, verlängert gleichzeitig aber die Kettenstreben um 10 mm auf 435 mm. Das Ergebnis: eine tiefere, kompaktere Sitzposition, kombiniert mit höherer Laufruhe und Stabilität. Canyon selbst spricht von einer „racier geometry”.

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In Größe M kommt das Grail auf einen Stack von 575 mm, einen Reach von 411 mm und einen Radstand von 1.062 mm. Dazu kommt eine Tretlagerabsenkung von 75 mm. Der Fahrer sitzt damit tief im Bike, während die längeren Kettenstreben und der längere Radstand bei Highspeed für Ruhe sorgen. Gleichzeitig bleibt das Handling durch den vergleichsweise kurzen Reach direkt und kontrolliert. Wie bei der Endurace-Plattform stattet Canyon das neue Grail jetzt standardmäßig mit kürzeren Kurbeln aus. In Größe S sind 165 mm lange Kurbeln verbaut. Sie erlauben eine tiefere, aerodynamische Position bei einer stärkeren Öffnung des Hüftwinkels.

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Dazu passt das überarbeitete Cockpit, das die Idee des kurzen 80-mm-Vorbaus vom Vorgänger übernimmt und mit den neuen Control Drops mit 17 % Flare und 120 mm Drop kombiniert. Über MyCanyon lassen sich zusätzlich unterschiedliche Dropbar-Varianten und Vorbaulängen von 70 bis 140 mm konfigurieren. Auf dem Papier liest sich das nach einer kompakten, sportlicheren Sitzposition, ohne dass Canyon dabei die Langstreckentauglichkeit und die Kontrolle bei Topspeed aus den Augen verliert. Aber bestätigt sich das auch in der Praxis?

Größe 2XS XS S M L XL 2XL
Oberrohr 528 mm 544 mm 559 mm 581 mm 604 mm 618 mm 643 mm
Sattelrohr 432 mm 462 mm 492 mm 522 mm 552 mm 582 mm 612 mm
Steuerrohr 98 mm 103 mm 120 mm 138 mm 162 mm 182 mm 205 mm
Lenkwinkel 68,5° 70,0° 71,5° 71,50° 71,5° 71,8° 71,8°
Sitzwinkel 73,5° 73,5° 73,5° 73,5° 73,5° 73,5° 73,5°
Kettenstrebe 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm 435 mm
Tretlagerabsenkung 75 mm 75 mm 75 mm 75 mm 75 mm 75 mm 75 mm
Radstand 1.034 mm 1.037 mm 1.039 mm 1.062 mm 1.085 mm 1.097 mm 1.123 mm
Reach 372 mm 385 mm 394 mm 411 mm 427 mm 435 mm 454 mm
Stack 525 mm 537 mm 558 mm 575 mm 598 mm 618 mm 640 mm

Die schnellste eierlegende Wollmilchsau oder ein behäbiger Offroad-Truck? Das Canyon Grail CF SLX 2026 im Test

Schon auf den ersten Blick wirkt das Grail CF SLX aggressiver und sportlicher als sein Vorgänger. Die tiefe, aero-optimierte Front und der markante Cut-out am Hinterbau lassen daran kaum Zweifel. Wer nach der „racier Geometrie” aber ein Grail erwartet, das sich wie ein Canyon Aeroad mit Stollenreifen anfühlt, wird überrascht. Die tiefere Front und der kürzere Reach sorgen zwar für ein direkteres Fahrgefühl mit etwas mehr Druck auf der Front, das Handling bleibt aber angenehm ausgewogen. Trotz der langen Kettenstreben fühlt sich das Grail nicht träge an, sondern lässt sich überraschend agil bewegen. Wirklich verspielt ist es aber nicht. Bergauf, etwa bei den steilen Anstiegen aus dem Rheintal rund um Koblenz, fühlt sich das Grail direkt, wenn auch etwas behäbig an. In der Abfahrt rollt das Grail dagegen trotz des kurzen Vorbaus erstaunlich stabil: In schnellen Kurven überzeugt vor allem die Front, hält zuverlässig die Linie, verlangt wenig Korrekturen und vermittelt auch auf losem Untergrund viel Vertrauen.

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Hier zeigen auch die neuen Control Drops ihre wahre Stärke: In Kombination mit dem kurzen Vorbau und dem reduzierten effektiven Reach ergibt sich eine Sitzposition, die auf Anhieb passt und viel Vertrauen vermittelt. Dazu trägt auch die VCLS Aero-Sattelstütze bei, die zuverlässig für Komfort sorgt. Beim Antritt zeigt sich das Grail solide, aber nicht übermäßig spritzig – maßgeblich bedingt durch den eher schweren DT Swiss GRC 1400-Laufradsatz und die etwas schwereren Reifen.

Im harten Antritt bleibt das Grail präzise, wirkt aber weniger explosiv als kompromisslos leichte Race-Bikes. Gerade im Wiegetritt merkt man das höhere Systemgewicht, während der Rahmen selbst ausreichend steif bleibt und die Kraft sauber auf den Schotterweg bringt.

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Plan A: “Don’t Crash”

Bei der Deutschen Gravel-Meisterschaft im Rahmen von Rad am Ring waren die 57 mm breiten Thunder Burt, aufgepumpt mit 1,1 bar, für uns ein absoluter Gamechanger: Trotz ihres vergleichsweise geringen Profils boten sie uns bei den teils gefährlich losen Schotterpassagen und ruppigen Wurzeltrails sehr viel Grip-Reserven und Vertrauen – bei gleichzeitig erstaunlich schnellem Abrollverhalten. Eine Kombination, die wir so schnell nicht mehr missen wollen.

Der nächste Charaktertest folgte auf einer 700 Kilometer langen Bikepacking-Tour durch Schweden. Überzeugt haben uns dabei die vielen Anschraubpunkte, das Rahmenstaufach als zusätzlicher Stauraum und die Geometrie, die auch nach Stunden im Sattel komfortabel bleibt. Vollgepackt fahren sich Gravel-Bikes generell eher wie Panzer, entsprechend wenig Aussagekraft hat ein reiner Fahreindruck unter Zuladung. Eines können wir aber klar sagen: Das Grail meisterte jede Herausforderung der Tour ohne zu murren: von Gegenwindpassagen am Oslofjord bis zu verwinkelten steilen Abfahrten.

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Knapp 700 Kilometer Bikepacking durch Schweden und Norwegen: Vollbeladen weicht die Race-Spritzigkeit zwar etwas dem Panzer-Feeling, auf langen Etappen bleibt das Grail aber stoisch und erstaunlich komfortabel.

Selbst auf einer schnellen Straßenrunde mit 35 mm breiten Continental 5000 S TR Reifen fühlte sich das Grail kaum nach einem stoischen Gravel-Bike an, sondern überraschend vertraut – fast wie ein Aeroad. Auf schnellen, offenen Passagen hält das Grail das Tempo effizient und wirkt deutlich näher am Rennrad als am klassischen Adventure-Gravel-Bike. Gerade hier spielen die tiefe Front, die Aero-Optimierung und die 50-mm-Laufräder ihre Stärken aus.

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Ready…
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… set …
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… attacke!

In Sachen Fahrspaß macht das Grail genau dann Laune, wenn Tempo, ruppiger Untergrund und lange Kurven zusammenkommen. Ein Wermutstropfen bleibt die Optik: Der mattschwarze Lack unseres Testbikes zeigt Dreck extrem schnell und lässt sich entsprechend mühsam reinigen. Wer viel im Gelände unterwegs ist, wird sich hier vermutlich eine glänzende, einfarbige Alternative wünschen.

Tuning-Tipp: Ein paar leichtere Laufräder, um das Systemgewicht zu drücken und dem Antritt mehr Spritzigkeit zu verleihen.

Für wen ist das Canyon Grail CF SLX 2027?

Das Grail CF SLX richtet sich an ambitionierte Gravel-Racer, die ein schnelles Bike für möglichst unterschiedliche Bedingungen suchen. Am wohlsten fühlt es sich auf langen, schnellen und zunehmend ruppigen Gravel-Kursen, auf denen die hohe Reifenfreiheit, das stabile Handling und der gute Langstreckenkomfort ihre Stärken ausspielen. Gleichzeitig bleibt es vielseitig genug für Bikepacking-Touren und schnelle Feierabendrunden auf der Straße.

Das richtige Bike für:
Gravel-Racer und Allrounder
Egal ob Highspeed-Schotter oder ruppige Wurzeltrails – dank satter 57 mm Reifenfreiheit und ausgewogener Geometrie vereint das Grail Aero-Speed mit enormen Reserven im Gelände.

Ultra-Endurance-Fahrer und Bikepacker
Das Staufach im Unterrohr, die passgenauen Aero-Taschen und der hohe Langstreckenkomfort machen es zur perfekten Maschine für endlose Tage im Sattel.

Nicht das richtige Bike für:
Gewichts-Fetischisten und Sprinter
Wer ein extrem spritziges, leichtes Race-Gravel-Bike für explosive Antritte sucht, wird hier vom relativ hohen Systemgewicht und den etwas trägen Serien-Laufrädern eingebremst.

2-fach-Nostalgiker
Canyon streicht den Umwerfer konsequent aus dem Konzept, um Platz für die voluminösen Reifen zu schaffen. Wer eine feiner abgestufte Straßenübersetzung mit zwei Kettenblättern sucht, geht hier leer aus.

Weniger passend ist es allerdings für Fahrer, die maximale Spritzigkeit und niedrigstes Gewicht über alles stellen.

Für 4.999 € bietet das Grail CF SLX 8 AXS mit Force XPLR, Powermeter, Carbon-Laufrädern und PACE-Cockpit ein ziemlich starkes Gesamtpaket. Wem aber der Preis egal ist, wer auf Schutzblechaufnahmen und zusätzliche Alltagstauglichkeit verzichten kann und primär auf ein geringeres Gewicht und Race-Performance schaut, findet im Grail CFR die passendere Wahl.

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Helm Sweet Protection Tucker 3 | Brille Oakley META Vanguard | Trikot Q36.5 Dottore Grid Skin
Hose Q36.5 Dottore Climate | Schuhe Canyon Tempr CFR Offroad | Socken Gobik ICON

Fazit zum Canyon Grail CF SLX 2027

Das neue Canyon Grail CF SLX ist kein kompromissloser Gravel-Racer, sondern die vielleicht spannendere Antwort auf die Anforderungen moderner Rennen: schnell, berechenbar und enorm vielseitig. Die Reifenfreiheit von 57 mm, das stabile Handling und der hohe Langstreckenkomfort machen es zum idealen Begleiter auf ruppigen Kursen. Gewicht und Laufräder kosten es allerdings etwas Sportlichkeit. Dazu kommen clevere Details, viel Alltagstauglichkeit und ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer ein Gravel-Bike für Race, Alltag und Abenteuer sucht, findet im Grail CF SLX 2027 einen modernen Allrounder.

Tops

  • viel Platz für sehr breite Pneus dank bis zu 57 mm Reifenfreiheit
  • ausgezeichnete Balance im Handling zwischen Stabilität und Agilität
  • herausragende Ergonomie der neuen Control Drops
  • VCLS Aero-Stütze schluckt verlässlich Vibrationen
  • überarbeitetes LOAD Down Tube Storage und leichte CYCLITE-Taschen

Flops

  • etwas hohes Gewicht
  • Schwere Laufräder bremsen die Spritzigkeit beim Antritt.
  • Der matte Lack sieht zwar cool aus, zieht Dreck aber spürbar an
  • leider kein Frameset erhältlich

Mehr Informationen unter canyon.com

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Text: Jan Fock Fotos: FATPIGEON, Jan Fock

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Jan Fock
Junior Editor

Jan Fock vereint bei 41 Publishing sportlichen Ehrgeiz mit einem tiefen Verständnis für die Radsportkultur. Der studierte Gesellschaftswissenschaftler bringt ein feines Gespür für Trends und Dynamiken in die Redaktion des GRAN FONDO Magazin ein. Sein Fokus liegt auf dem Testen von High-End-Rennrädern und Gravel-Bikes, wobei seine Leidenschaft besonders dem Bikepacking und sportlichen Feierabendrunden gilt. Jan kombiniert sein Organisationstalent mit akribischen Analysen und bietet in seinen fundierten Kaufberatungen präzise Orientierung für alle ambitionierten Radsportler und Radsportlerinnen.

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