Wir haben die spannendsten sechs Zelte fürs Bikepacking im direkten Vergleich getestet und uns dafür ins französische Zentralmassiv aufgemacht – hier geht’s zur Kaufberatung und zum Überblick über alle von uns getesteten Bikepacking-Zelte im Vergleichstest.
Wenn im französischen Zentralmassiv die Dämmerung einsetzt und die Beine vom endlosen Auf und Ab auf den Schotterpisten schwer werden, verschieben sich die Prioritäten. Nach Stunden im Sattel zählt vor allem eines: ein komfortabler Rückzugsort für die Nacht. Genau hier will das VAUDE Space 2P punkten. Statt als radikal abgespecktes Bikepacking-Zelt tritt es als klassisches Trekking-Zelt im Vergleichstest an.
Sein größtes Pfund ist das großzügige Platzangebot. Während Modelle von MSR oder Big Agnes jeden Zentimeter und jedes Gramm optimieren, verfolgt VAUDE einen deutlich komfortorientierteren Ansatz. Die Frage lautet daher: Lohnt sich der zusätzliche Wohnkomfort, wenn dafür Transport und Handling spürbar komplizierter werden?

VAUDE Space 2P
760 €
Technische Daten
Gewicht (komplett) 1,95 kg (1,89 kg ohne Tasche)
Packmaß ca. 42 x 14 x 14 cm (L x B x H)
Gestängelänge (gepackt) 36 cm
Innenmaße 215 x 130 x 110 cm (L x B x H)
Einsatzbereich 3-Jahreszeiten
VAUDE Space 2P
.
Konstruktion Kuppelzelt mit Firststange und Tunnelanteilen
Türen & Vorzelte 2 Türen / 2 Vorzelte
Wassersäule (Boden / Außenzelt) 3.000 mm (Herstellerangabe)
Footprint inkludiert Nein
Lenkerbefestigung Keine (klassisches Trekking-System)
Das VAUDE Space 2P im Test – Auf dem Bike & im Camp
Materialien & Aufbau
Die Materialien vermitteln einen robusten und hochwertig verarbeiteten Eindruck. Die neongrünen Abspannleinen sind nachts hervorragend sichtbar, wirken im Vergleich zum restlichen Material jedoch etwas filigran. Wie beim Hilleberg Unna werden Innen- und Außenzelt gemeinsam aufgebaut. Das schützt den Innenraum bei Regen vor Nässe, macht den Aufbau des Space 2P jedoch unnötig kompliziert.
Die dreiteilige Gestängekonstruktion setzt auf asymmetrische Stangenenden, die durch enge Stoffkanäle geführt werden müssen. In der Praxis verhakt sich das Gestänge dabei regelmäßig im Material und bleibt hängen. Was auf dem Papier simpel klingt, entwickelt sich insbesondere bei Wind oder schlechtem Wetter schnell zur Geduldsprobe. Zusätzlich fiel unser Testmodell durch mehrere getrocknete Kleber- und Dichtungsmaterialreste an den Innennähten auf.



Transport & Befestigung
Nach einer regnerischen Nacht zeigt sich die praktische Schwäche des kombinierten Aufbaus. Zwar lassen sich Innen- und Außenzelt theoretisch voneinander trennen, um zu vermeiden, dass die nasse Außenhaut das trockene Innenzelt beim Einpacken durchweicht. In der Realität erweist sich das jedoch als fummelig: Das Innenzelt ist über etliche kleine Verschlüsse mit dem Außenzelt verzwickt. Wer morgens bei Regen – mit kalten Fingern – abbauen muss, wird sich das kaum antun. Das Ergebnis: Man verpackt letztlich doch beide Schichten gemeinsam, wodurch sich das gesamte System am nächsten Abend klamm anfühlt. Klassische Double-Wall-Zelte, bei denen das Außenzelt einfach separat übergeworfen wird, lösen dieses Problem im Camp-Alltag deutlich eleganter
Auch der Packsack verlangt beim Einpacken etwas Disziplin. Zwar ist er nach oben hin breiter geschnitten, sodass sich das Zelt in der Theorie einfach hineinstopfen lässt, allerdings klappte dies in unserem Test nur bedingt und erforderte weiterhin eine recht akkurate Falttechnik. Eine große Rolltop-Öffnung, wie sie beispielsweise das MSR Hubba Hubba besitzt, löst das deutlich eleganter.
Statt das Zelt einfach hineinzustopfen, muss man es exakt falten und straff einrollen, damit es beim Zusammenpacken wieder in den Packsack hineinpasst. Die unkomplizierte Handhabung eines MSR Hubba Hubba mit großer Rolltop-Öffnung erreicht das VAUDE nicht.
Auf dem Bike fordert das Space 2P ebenfalls Zugeständnisse. Spezielle Bikepacking-Befestigungen fehlen, sodass zusätzliche Straps oder eine separate Lenkerrolle notwendig werden. Mit 36 cm Gestängelänge passt das Zelt zwar theoretisch zwischen einen schmalen Gravel-Lenker, schränkt dort jedoch den Zugriff auf den Unterlenker spürbar ein. Auch das Gewicht von knapp zwei Kilogramm macht sich an der Front bemerkbar. Im direkten Vergleich mit leichteren Modellen wie dem Big Agnes Copper Spur reagiert das Bike sehr viel träger und verlangt auf technischen Passagen mehr Kontrolle.

Raumgefühl & Stauraum
Hat man das Space 2P erst einmal aufgebaut, belohnt es mit dem großzügigsten Innenraum des gesamten Testfelds. Mit 130 cm Innenbreite und einer gemessenen Maximalhöhe von bis zu 110 cm entsteht ein luftiges Wohngefühl, das kaum ein anderes Modell erreicht. Selbst zwei breite Isomatten finden problemlos nebeneinander Platz.
Die beiden großen Eingänge über die gesamte Zeltlänge erleichtern nicht nur den Ein- und Ausstieg, sondern öffnen das Zelt angenehm zur Umgebung. Vier Ecktaschen und vier Deckenfächer sorgen für Ordnung im Innenraum. Angesichts der üppigen Abmessungen hätten wir uns allerdings noch größere Ablagemöglichkeiten für sperrige Ausrüstung wie Helme gewünscht. Auch die beiden Apsiden bieten reichlich Stauraum, verzichten jedoch auf einen integrierten Vorzeltboden wie beim SIMOND MT900.




Wetter & Belüftung
Ohne Abspannung wirkt das Space 2P weniger stabil als sturmerprobte Modelle wie das Hilleberg Unna oder Nemo Dragonfly. Für einen sicheren Stand benötigt es alle zwölf Heringe und eine sorgfältige Abspannung.
Auf separate Dachlüfter verzichtet VAUDE komplett. Der Luftaustausch erfolgt ausschließlich über die großen Außentüren. Da zudem nur wenig Mesh-Material verbaut ist, bleibt das Zelt in kühlen Nächten angenehm warm. Bei feuchter Witterung und geschlossenen Türen steigt jedoch die Kondenswasserbildung spürbar an.



Für wen ist das VAUDE Space 2P geeignet?
Das VAUDE Space 2P richtet sich in erster Linie an komfortorientierte Bikepacker, die nach einem langen Tag im Sattel Wert auf Bewegungsfreiheit und Wohnkomfort legen. Wer meist zu zweit reist, das Raumangebot über das Gewicht stellt und ohnehin mit einer großen Hecktasche oder einem Flatbar-Rig unterwegs ist, findet hier ein geräumiges Zuhause – was mit zunehmender Länge der Tour an Stellenwert gewinnt.
Fazit
Viel Platz, viel Komfort: Das VAUDE Space 2P geht einen anderen Weg als die meisten Zelte im Testfeld. Der großzügige Innenraum macht es zu einem komfortablen Begleiter auf langen Touren und schafft eine geräumige Unterkunft für müde Biker. Das hohe Gewicht, der umständliche Aufbau und das wenig durchdachte Packsystem kosten jedoch Punkte beim reinen Bikepacking. Somit ist das Space 2P in erster Linie ein Zelt für Komfort-Fans, nicht für Minimalisten.
Tops
- Größter Innenraum im Testfeld
- Zwei große Eingänge über die gesamte Zeltlänge
- Gekoppelter Aufbau mit dem Außenzelt schützt das Innenzelt bei Regen
- Hochwertige und robuste Materialanmutung
Flops
- Hakeliger Aufbau durch enge Gestängekanäle
- Nasses Außenzelt wird gemeinsam mit dem Innenzelt verpackt
- Keine Dachlüfter, daher anfällig für Kondenswasser
Mehr Informationen findet ihr unter vaude.com.
Das Testfeld
Dieses Zelt wurde im Rahmen unseres Vergleichstests von Bikepacking-Zelten 2026 getestet.
Alle Zelte im Test: Big Agnes Copper Spur UL2 Bikepack | Decathlon / SIMOND MT900 | Hilleberg Unna | MSR Hubba Hubba Bikepack 2P | Nemo Dragonfly Bikepack OSMO 2P | VAUDE Space 2P Ultraleichtzelt
Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als GRAN FONDO-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, das die New-Road-Welt auch weiter ein kostenloses und unabhängiges Leitmedium hat. Jetzt Supporter werden!
Text: Susanne Feddersen, Antoine Daures Fotos: Antoine Daures
