Wir haben die spannendsten sechs Zelte fürs Bikepacking im direkten Vergleich getestet und uns dafür ins französische Zentralmassiv aufgemacht – hier geht’s zur Kaufberatung und zum Überblick über alle von uns getesteten Bikepacking-Zelte im Vergleichstest.
NEMO Equipment gehört zu den bekannten Größen im Segment für technisches Outdoor-Equipment und fertigt seit über zwei Jahrzehnten Camping-Ausrüstung in den USA. Mit dem Dragonfly Bikepack OSMO 2P schicken die Entwickler ein dediziertes 3-Jahreszeiten-Zelt ins Rennen, das speziell auf die Anforderungen von Radreisenden abgestimmt wurde. Fahrradspezifische Features sollen das Lagerleben komfortabler gestalten.
Im Vergleich zum restlichen Testfeld wird schnell deutlich, dass das Entwicklungsteam nicht nur an einem möglichst geringen Gewicht gearbeitet, sondern das Modell mit einer Vielzahl an Detaillösungen ausgestattet hat. Ob diese Features im Camp-Alltag einen echten Mehrwert bieten oder sich in der Praxis als unnötig entpuppen, zeigt unser Praxistest.

NEMO Dragonfly Bikepack OSMO 2P
640 €
Technische Daten
Gewicht (komplett) 1,69 kg (1,53 kg ohne Tasche)
Packmaß ca. 40 x 14 x 17 cm (L x B x H)
Gestängelänge (gepackt) 37 cm
Innenmaße 225 x 110-128 x 103 cm (L x B x H)
Einsatzbereich 3-Jahreszeiten
NEMO Dragonfly Bikepack OSMO 2P
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Konstruktion Freistehendes Kuppelzelt
Türen & Apsiden 2 Türen / 2 Apsiden
Wassersäule (Boden / Außenzelt) 1.500 mm / 1.500 mm (Herstellerangabe)
Footprint inkludiert Nein
Lenkerbefestigung Riemen und Klettband für Lenker und Vorbau
Das NEMO Dragonfly Bikepack OSMO 2P im Test – Auf dem Bike & im Camp
Materialien & Aufbau
Beim Material setzt das Zelt auf das hauseigene, PFAS-freie Osmo-Gewebe aus recyceltem Ripstop-Nylon, das sich hochwertig und robust anfühlt. Das Gestänge ist als zusammenhängendes Ein-Element-System gelöst: Dank des straffen Gummizugs rasten die Stangen beim Aufbau nahezu von alleine in die zentrale Aluminium-Nabe ein. Zusammen mit den farbcodierten Endaufnahmen gelingt der Aufbau des Innenzelts daher intuitiv und zügig.
Abzüge in der Handhabung gibt es für die Verbindung zum Außenzelt: Hierzu müssen Metallhaken unter Spannung in die engen Schlitze eingefädelt werden, was zur fummeligen Kraftprobe gerät. Im direkten Vergleich zu anderen Zelten im Testfeld wirkt dieses System weniger flexibel und komfortabel, insbesondere wenn es schnell gehen muss oder das Wetter nicht mitspielt.
Kritisch sind auch die Kunststoffverbinder an den Ecken des Innenzelts: Sie lösten sich im Test mehrfach unbemerkt vom Zeltstoff und können im Gras leicht verloren gehen. Ohne diese Bauteile lässt sich das Gestänge nicht mehr sicher fixieren. Schade auch, dass das Innenzelt konstruktionsbedingt immer zuerst aufgebaut werden muss und somit ein wettergeschützter Aufbau bei Regen ohne den optional erhältlichen Footprint nicht möglich ist. Wenig zeitgemäß wirkt zudem, dass die zusätzlichen Sturmleinen beim ersten Aufbau erst einmal selbst angebracht werden müssen. Das deutlich günstigere SIMOND MT900 bietet hier mit vormontierten Abspannleinen die komfortablere Lösung.



Transport & Befestigung
Der wasserdichte Packsack ist als beidseitig zugänglicher Drybag ausgeführt und an den besonders beanspruchten Kontaktstellen verstärkt. Das Befestigungssystem überzeugt mit einer durchdachten, praxisnahen Lösung: Zwei Riemen fixieren die Tasche sicher am Lenker, während ein langes Klettband sie zusätzlich am Vorbau beziehungsweise Steuerrohr stabilisiert. So bleibt das Setup selbst auf ruppigen Passagen zuverlässig an Ort und Stelle. Dank variabler Befestigungsschlaufen auf der Oberseite lässt sich die Position zudem flexibel an unterschiedliche Cockpit-Layouts anpassen. Im Fahrbetrieb sitzt die Tasche absolut wackelfrei und verhindert so effektiv jegliches Scheuern am Lenker.
Auch beim morgendlichen Packen sammelt das Zelt Sympathiepunkte. Statt komplizierter Falttechnik genügt es, das komplette Zelt einfach in den robusten Packsack zu stopfen – schnell, unkompliziert und stressfrei. Mit einer Packbreite von 40 cm und einer Gestängelänge von 37 cm bewegt es sich dabei im gewohnt kompakten Rahmen dieser Klasse. Lediglich bei sehr schmalen Dropbars unter 40 cm Breite empfiehlt sich vorab ein kurzer Kompatibilitätscheck mit den Schalthebeln, um seitliche Kollisionen auszuschließen.
Auf dem Bike sorgt das Gesamtgewicht von 1,69 kg für ein angenehm ruhiges Fahrverhalten auf Schotter und rauem Untergrund. Gleichzeitig bleibt das Handling an der Front deutlich agiler als beim 500 g schwereren Hilleberg Unna, das das Cockpit spürbar nach unten zieht.


Raumgefühl & Stauraum
Mit einer Liegefläche von 225 x 128/110 cm bietet das Innenzelt das großzügigste Platzangebot unter den reinen Bikepacking-Modellen im Testfeld. Durch die vorgebogenen Segmente steigen die Seitenwände steil nach oben, was eine flache Decke und angenehme Kopffreiheit beim aufrechten Sitzen schafft. Ein atmosphärisches Highlight sind die gelben „Nightlight”-Taschen am Zelthimmel: Sie streuen das harte Punktlicht einer Stirnlampe und machen das Licht im Inneren angenehm diffus. Auch sonst überzeugt die Struktur: Das große Deckennetz nimmt problemlos zwei Helme auf, während seitliche Taschen Kleinkram organisieren. Den echten Nutzwert im Alltag bringt jedoch die serienmäßige, wasserdichte Stoffwanne für die Apside. Sie wird einfach eingehängt und schützt Packtaschen oder Schuhe zuverlässig vor Schlamm und Bodenfeuchtigkeit – ein klarer Punktsieg gegenüber den Zelten von MSR, Hilleberg, VAUDE und Big Agnes, die alle ohne Vorzeltboden ausgeliefert werden.




Wetter & Belüftung
Als reines 3-Jahreszeiten-Zelt setzt das Dragonfly Bikepack OSMO auf ein cleveres Belüftungskonzept. Das Innenzelt kombiniert Windschutz und Airflow in einem asymmetrischen Layout: Am Kopfende hält ein hochgezogenes Nylon-Panel kühle Zugluft draußen, während am Fußende ein großzügiges Mesh-Gewebe für kontinuierliche Frischluft sorgt. Der integrierte, aufstellbare Dachlüfter unterstützt das Feuchtigkeitsmanagement zusätzlich und hilft zuverlässig dabei, feuchte Luft aus dem Zelt zu bekommen.
Auch bei miesem Wetter bleibt das Dragonfly souverän. Der extrem hochgezogene Wannenboden mit 25 cm schützt den Innenraum effektiv vor seitlichem Spritzwasser und drückender Nässe. Praktisch, wenn der Regen nicht nur von oben kommt, sondern der Boden längst beschlossen hat, ebenfalls mitzumachen.

Für wen ist das NEMO Dragonfly Bikepack OSMO 2P-Bikepacking-Zelt geeignet?
Das Dragonfly richtet sich an Radreisende, die unterwegs Wert auf ein durchdachtes Gesamtpaket legen. Zuverlässige Befestigungsmöglichkeiten am Bike, viel Stauraum im Zelt und die clevere Trennung von schmutziger und sauberer Ausrüstung machen es zu einem der praktischsten Begleiter im Testfeld. Wer gerne Ordnung hält und nach einem langen Tag im Sattel nicht erst seine Ausrüstung sortieren möchte, wird das Konzept schnell zu schätzen wissen.
Weniger gut passt das NEMO zu Puristen, die maximale Einfachheit beim Aufbau erwarten oder mit besonders schmalen Rennlenkern unter 40 cm unterwegs sind. Hier zeigen sich die konstruktiven Eigenheiten des ansonsten sehr durchdachten Systems.
Fazit
Das NEMO Dragonfly Bikepack OSMO 2P ist kein Zelt für Minimalisten, sondern für Bikepacker, die Wert auf Komfort, Ordnung und durchdachte Details legen. Die stabile Lenkerbefestigung, das unkomplizierte Packen sowie die zahlreichen Stauraumlösungen und der wasserdichte Vorzeltboden machen den Camp-Alltag spürbar angenehmer. Der teils fummelige Aufbau kostet zwar etwas Geduld, dafür überzeugt das Dragonfly auf Tour mit hoher Alltagstauglichkeit und dem wohl durchdachtesten Wohnkonzept im Testfeld.
Tops
- Wackelfreie Befestigung am Lenker und Vorbau
- Problemloses, schnelles Stopfen in den Packsack am Morgen
- Herausnehmbarer Vorzeltboden serienmäßig enthalten
- Sehr hoher Wannenboden gegen Spritzwasser
Flops
- Lose Eck-Clips des Innenzelts mit hoher Verlustgefahr (soll in der Serienproduktion behoben worden sein)
Mehr Informationen findet ihr unter nemoequipment.eu.
Das Testfeld
Dieses Zelt wurde im Rahmen unseres Vergleichstests von Bikepacking-Zelten 2026 getestet.
Alle Zelte im Test: Big Agnes Copper Spur UL2 Bikepack | Decathlon / SIMOND MT900 | Hilleberg Unna | MSR Hubba Hubba Bikepack 2P | Nemo Dragonfly Bikepack OSMO 2P | VAUDE Space 2P Ultraleichtzelt
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Text: Felicia Nastal, Antoine Daures Fotos: Antoine Daures
