Wir haben die spannendsten sechs Zelte fürs Bikepacking im direkten Vergleich getestet und uns dafür ins französische Zentralmassiv aufgemacht – hier geht’s zur Kaufberatung und zum Überblick über alle von uns getesteten Bikepacking-Zelte im Vergleichstest.
Wenn es draußen richtig ungemütlich wird, schlägt die Stunde von Hilleberg. Die schwedische Edelschmiede baut Zelte für Expeditionen, Hochgebirge und Extrembedingungen. Während die Konkurrenz für milde Sommernächte optimiert wurde, fühlt sich das Unna dort zuhause, wo Sturmwarnungen ausgesprochen werden. Als reines Vier-Jahreszeiten-Zelt und mit einem Preisschild, das die 1.000-€-Marke sprengt, liegt es preislich deutlich über den restlichen Zelten im Test. Offiziell als 1-Personen-Zelt geführt, bewegt es sich hinsichtlich Gewicht und Abmessungen jedoch eher auf dem Niveau der getesteten Zweipersonenzelte.
Doch funktioniert ein Zelt mit 2,3 kg Gewicht am Lenker eines Gravelbikes? Während die restlichen Testkandidaten jedes Gramm auf die Waagschale legen, setzt das Unna auf robuste und schwere Materialien. Die entscheidende Frage lautet daher: Ist ein Expeditionszelt auf dem Bike eine sinnvolle Wahl oder macht das üppige Packmaß die Idee vom Bikepacking zunichte?

Hilleberg Unna
1.040 €
Technische Daten
Gewicht (komplett) 2,30 kg (2,2 kg ohne Tasche)
Packmaß ca. 43 x 14 x 14 cm (L x B x H)
Gestängelänge (gepackt) 43 cm
Innenmaße 220 x 110 x 102 cm (L x B x H)
Einsatzbereich 4-Jahreszeiten
Hilleberg Unna
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Konstruktion Tunnelzelt
Türen & Vorzelte 1 Tür / Keine echte Apside
Wassersäule (Boden / Außenzelt) 5.000 mm / 2.000 mm (Herstellerangabe)
Footprint inkludiert Nein
Lenkerbefestigung Keine (klassischer Packsack)
Das Hilleberg Unna im Test – Auf dem Bike & im Camp
Materialien & Aufbau
Schon beim Auspacken wird klar, dass das Unna aus einer anderen Welt stammt als die meisten Konkurrenten im Testfeld. Statt hauchdünner, raschelnder ultraleichten Materialien greift man hier in spürbar kräftige Stoffe. Der Boden wirkt nahezu unverwüstlich, die Metallreißverschlüsse sind massiv ausgeführt und auch die Abspannleinen fallen deutlich kräftiger aus als bei der Konkurrenz. Die Prioritäten sind eindeutig gesetzt: maximale Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit.
Der Aufbau der Zwei-Stangen-Konstruktion gelingt dabei erfreulich unkompliziert, intuitiv und zügig. Die großzügig dimensionierten Gestängekanäle lassen die leichten Stangen nahezu widerstandslos hindurchgleiten. Der größte Praxisvorteil: Innen- und Außenzelt sind dauerhaft miteinander verbunden und werden in einem einzigen Arbeitsschritt aufgestellt. Während man bei den Modellen von Nemo, SIMOND und MSR im Regen möglichst schnell arbeiten muss, um das Innenzelt trocken zu halten, stehen das Unna wie auch das VAUDE Space 2P sofort komplett geschützt, da beide Zelte mit robusten Abspannleinen gesichert werden.
Der Abbau gelingt genauso simpel wie der Aufbau, mit einer Besonderheit: Wenn es regnet, kann man das Innenzelt aushängen und trocken verpacken. Mega!



Transport & Befestigung
Beim morgendlichen Packen verlangt das Unna etwas Geduld. Eine fahrradspezifische Befestigungslösung gibt es nicht, stattdessen kommt ein klassischer, eng geschnittener Packsack zum Einsatz. Ähnlich wie beim Nemo Dragonfly fordert dieser ein recht exaktes Zusammenlegen des Zelts. Einfaches Stopfen von feuchtem Material – wie es beispielsweise der großzügige Rolltop-Packsack des MSR Hubba Hubba erlaubt – funktioniert hier kaum. Wer das Unna im Original-Packsack verstauen möchte, sollte sorgfältig packen. Ansonsten muss eine alternative Tasche her.
Hinzu kommt die Gestängelänge von 43 cm, die an vielen schmalen Dropbars schlicht keinen Platz findet. Die Stangen müssen daher meist separat in einer Rahmentasche oder am Heck transportiert werden.
Mit 2,30 kg Gesamtgewicht macht sich das Hilleberg fahrdynamisch bemerkbar. Wird das komplette Paket am Lenker befestigt, reagiert die Front des Gravelbikes deutlich träger. Im direkten Vergleich zu leichteren Modellen wie dem Big Agnes Copper Spur (1,63 kg) spürt man das Mehrgewicht besonders im Wiegetritt oder auf technischen Trails. Eine durchdachte Verteilung des Gewichts auf mehrere Taschen ist hier nahezu Pflicht.


Raumgefühl & Stauraum
Wer den großzügigen Innenraum eines VAUDE Space 2P-Zelts mit seinen 110 cm Innenhöhe als Maßstab nimmt, muss beim Unna umdenken. Mit 110 cm Breite und einer maximalen Innenhöhe von 102 cm ist es das niedrigste und zugleich eines der kompaktesten Zelte im Testfeld. Fairerweise muss man erwähnen, dass das Unna eigentlich für eine Person ausgelegt ist. Und das so großzügig, dass zur Not auch eine zweite Person darin Platz findet.

Das Hilleberg verzichtet auf eine klassische Apside. Durch das Abspannen der Längsseiten erhält man jedoch einen großen Abstand zwischen Außen- und Innenzelt. In die kleine Apside passen dann ohne Probleme ein paar Stiefel und ein hochkant gestellter Rucksack.
Im hinteren Teil der Innenzelttüre befindet sich eine Tasche für Kleinigkeiten. Auch sind einige Schlaufen am Zelthimmel angebracht. Mehr aber auch nicht. Das Unna konzentriert sich kompromisslos auf seine Kernaufgabe: einen sicheren Schlafplatz zu bieten.

Wetter & Belüftung
Gerade bei der Belüftung zeigt sich die konsequente Ausrichtung auf den Ganzjahreseinsatz, vor allem auf den Einsatz im Winter. Das Innenzelt verfügt nur über sehr wenig Mesh-Material, während das robuste Außenzelt weit bis zum Boden reicht, um Wind und Kälte effektiv abzuhalten. Das Ziel dieser Konstruktion ist klar: maximale Isolation.
Entsprechend begrenzt fallen die Belüftungsmöglichkeiten aus. Frischluft gelangt hauptsächlich über die Fronttür ins Innere und auch die Lüfterhaube auf dem Dach hilft ein wenig. Hängt man eine Ecke des Innenzeltes aus, schafft man eine kleine Apsis und schützt so das Innenzelt bei kurzzeitig geöffnetem Eingang vor Regen. Wer das Unna an einem warmen Sommertag bei 25 Grad nutzt, wird die eingeschränkte Luftzirkulation deutlich spüren. Sinkt das Thermometer dagegen in den Minusbereich und pfeift der Wind über die Hochebene, spielt das Konzept seine Stärken kompromisslos aus. Trotz der etwas eingeschränkten Belüftungsmöglichkeiten hat das Zelt keine Probleme bei der Kondensation gezeigt.
Für wen ist das Hilleberg Unna-Bikepacking-Zelt geeignet?
Für lockere Overnighter im Sommer oder für Einsteiger ist dieses Modell schlichtweg die falsche Wahl. Das hohe Gewicht, das sperrige Packmaß und die Hitzeentwicklung an warmen, sonnigen Tagen sprechen gegen den klassischen Bikepacking-Einsatz. Das Unna richtet sich stattdessen an Hardcore-Rider, die im skandinavischen Winter fahren, ungemütliches Hochgebirgswetter erwarten oder in Regionen biwakieren, in denen Materialversagen keine Option ist. Wer exakt dieses extreme Einsatzprofil sucht, bekommt einen unverwüstlichen Begleiter.
Fazit
Das Hilleberg Unna ist kein klassisches Bikepacking-Zelt, sondern ein kompromissloser Wetterschutz für raue Bedingungen. Bei Sturm, Kälte und Schneefall gehört es zu den zuverlässigsten Zelten im Testfeld. Für typische Gravel-Overnighter stellen Gewicht, Packmaß und der knappe Innenraum jedoch klare Nachteile dar. Wer keine Winter-Expedition plant, schleppt hier schlichtweg zu viel teuren Ballast mit.
Tops
- Extrem robuste Materialauswahl und langlebige, hochwertige Reißverschlüsse
- Hervorragender Schutz vor Schnee, Kälte und starkem Wind
- Innen- und Außenzelt werden im Regen gleichzeitig trocken aufgebaut
- Gute Belüftung, wenig Kondenswasser
Flops
- Hohes Gewicht beeinflusst das Lenkverhalten spürbar
- Lange Gestängesegmente erschweren die Befestigung am Dropbar-Lenker
- Enger Innenraum ohne Apside
- Bei direkter Sonnenbestrahlung kann es im Sommer heiß werden, da kein Durchzug möglich ist
Mehr Informationen findet ihr unter hilleberg.com.
Das Testfeld
Dieses Zelt wurde im Rahmen unseres Vergleichstests von Bikepacking-Zelten 2026 getestet.
Alle Zelte im Test: Big Agnes Copper Spur UL2 Bikepack | Decathlon / SIMOND MT900 | Hilleberg Unna | MSR Hubba Hubba Bikepack 2P | Nemo Dragonfly Bikepack OSMO 2P | VAUDE Space 2P Ultraleichtzelt
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Text & Fotos: Susanne Feddersen, Antoine Daures Translation: Antoine Daures
