Wir haben die spannendsten sechs Zelte fürs Bikepacking im direkten Vergleich getestet und uns dafür ins französische Zentralmassiv aufgemacht – hier geht’s zur Kaufberatung und zum Überblick über alle von uns getesteten Bikepacking-Zelte im Vergleichstest.
Big Agnes aus Colorado feiert 2026 sein 25-jähriges Bestehen und genießt unter Leichtgewicht-Fans längst Kultstatus. Unter dem Motto „The Mother of Comfort” verfolgt die Marke einen klaren Ansatz: möglichst wenig Gewicht, ohne dabei auf Komfort zu verzichten. Mit dem freistehenden 3-Jahreszeiten-Zelt Copper Spur UL2 Bikepack überträgt Big Agnes diese Philosophie gezielt auf die Anforderungen von Bikepacking-Abenteuern.
Die Unterschiede zur Trekking-Version fallen überschaubar aus, treffen aber genau die richtigen Punkte: kürzere Gestängesegmente und ein wasserdichter Rolltop-Packsack mit robusten Utility-Straps. Statt auf eine fest definierte Cockpit-Montage setzt Big Agnes auf maximale Freiheit bei der Befestigung. Doch überzeugt dieses reduzierte Konzept auch auf ruppigen Schotterpisten oder bezahlt man letztlich vor allem für einen hochwertigen Drybag mit Logo?

Big Agnes Copper Spur UL2 Bikepack
600 €
Technische Daten
Gewicht (komplett) 1,63 kg
Packmaß ca. 36 x 15 x 15 cm (L x B x H)
Gestängelänge (gepackt) 31 cm
Innenmaße 200 x 128 x 103 cm (L x B x H)
Einsatzbereich 3-Jahreszeiten
Big Agnes Copper Spur UL2 Bikepack
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Konstruktion Freistehendes Kuppelzelt
Türen & Apsiden 1 Tür / 1 Apside
Wassersäule (Boden / Außenzelt) 1.500 mm / 1.500 mm (Herstellerangabe)
Footprint inkludiert Nein
Lenkerbefestigung Wasserdichter Packsack mit variablen Fixierungspunkten und 2 Utility-Straps
Das Big Agnes Copper Spur UL2 im Test – Auf dem Bike & im Camp
Materialien & Aufbau
Das Außenzelt und der Boden aus „Hyperbead”-Nylon mit Ripstop-Struktur hinterlassen beim ersten Griff einen extrem leichten Eindruck – beinahe schon einen fragilen. Vor allem der Zeltboden wirkt erstaunlich dünn und lässt das Grün der Wiese fast durchscheinen. Schade: Trotz eines Preises von 600 € gehört ein passender Footprint nicht zum Lieferumfang. Vertrauen schaffen dagegen die kräftigen Verstärkungen an den Ecken des Innenzelts sowie die sauber getapten Nähte. Positiv fällt zudem auf, dass Big Agnes laut Hersteller bei der Produktion vollständig auf PFAS (künstlich hergestellte Industriechemikalien) und Lösungsmittel verzichtet.
Nach einem langen Tag im Sattel gelingt das Aufstellen erfreulich unkompliziert. Das „TipLok”-System verbindet Innen- und Außenzelt logisch und sicher miteinander, während das leichte Gestänge über Kunststoffclips schnell an seinen Platz findet. Eine Besonderheit der Konstruktion: Das obere Quergestänge liegt lediglich auf dem Hauptgestänge auf und wird an der Kreuzung nicht zusätzlich fixiert. In der Praxis funktioniert das jedoch erstaunlich unauffällig und bleibt selbst bei kräftigem Wind angenehm geräuscharm. Die farblich markierten Gestängeenden erleichtern die Orientierung zusätzlich.



Transport & Befestigung
Mit nur 31 cm Gestängelänge passt das Big Agnes problemlos zwischen schmale Rennlenker und blockiert dabei die Schaltbremshebel nicht. Anders als Nemo oder MSR setzt Big Agnes nicht auf eine feste Cockpit-Halterung, sondern liefert einen robusten, wasserdichten Drybag mit vier Verzurrpunkten und langen Gummi-Straps, perfekt für empfindliche Carbonlenker. Das macht das System angenehm vielseitig – ob am Lenker, an der Gabel, auf dem Gepäckträger oder im Rucksack: Das Zelt findet fast überall einen Platz.
Mit 1,63 kg liegt das Copper Spur im soliden Leichtgewichtsbereich, es ist das zweitleichteste Zelt in unserem Test. Auf dem Trail zahlt sich das aus: Die Lenkung bleibt auch auf ruppigem Untergrund agil und das Rad wirkt im Wiegetritt nicht kopflastig. Ein robustes Vier-Jahreszeiten-Zelt wie das Hilleberg Unna zieht hier im direkten Vergleich deutlich spürbarer am Cockpit. Einziger Minuspunkt des reduzierten Big-Agnes-Systems: Integrierte Schaumstoff-Abstandshalter wie beim MSR Hubba Hubba fehlen. Wer das Zelt am Lenker transportiert, sollte das Steuerrohr daher vorher mit Rahmenschutzfolie schützen, damit die Außenhülle nicht am Lack scheuert.
Beim feuchten Abbau am Morgen zeigt sich das Copper Spur angenehm unkompliziert und verzeiht auch eine gröbere Stopftechnik. Das MSR Hubba Hubba bleibt mit seiner großen Rolltop-Öffnung zwar noch etwas komfortabler, vor allem wenn nasses Gewebe schnell verstaut werden muss, doch auch beim Copper Spur gleitet das Zelt dank des gut dimensionierten Drybags zügig an seinen Platz.
Raumgefühl & Stauraum
Im Camp wird schnell deutlich, warum das Copper Spur zu den beliebtesten Leichtgewicht-Zelten seiner Klasse zählt. Zwar bietet das VAUDE Space 2P mit seiner großzügigen Kuppelkonstruktion und 112 cm Innenhöhe noch etwas mehr Bewegungsfreiheit, doch auch das Big Agnes vermittelt ein erstaunlich luftiges Raumgefühl. Verantwortlich dafür sind die steil aufragenden Seitenwände, die die maximale Innenhöhe von 103 cm über einen großen Bereich nutzbar machen. Das MSR Hubba Hubba etwa fällt zu den Seiten deutlich stärker ab und wirkt dadurch etwas beengter.
Besonders gelungen ist die Organisation des Innenraums. Die großzügigen Deckennetze – vor allem im Fußbereich – nehmen problemlos Helme, Snacks oder zusätzliche Bekleidung auf und halten die 128 cm breite Liegefläche frei. Praktisch ist auch die außen angebrachte Leine, an der sich nasse Socken, Handschuhe oder verschwitzte Trikots nach einem langen Tag im Sattel trocknen lassen. Die beiden Apsiden bieten ausreichend Platz für Gepäck, verzichten jedoch auf einen integrierten Boden, wie ihn das SIMOND MT900 serienmäßig mitbringt.

Wetter & Belüftung
Bei Belüftung und Wetterschutz gelingt dem Copper Spur ein überzeugender Spagat. Die Materialverteilung im Innenzelt wirkt durchdacht: Im Kopfbereich reicht das windabweisende Nylon deutlich weiter nach oben, während am Fußende großflächiges Mesh für Luftaustausch sorgt. So bleibt ein kalter Luftzug vom Gesicht fern, ohne dass das Zelt stickig wirkt.
Unterstützt wird das Konzept durch eine aufstellbare Dachbelüftung im Außenzelt, die Kondenswasser zuverlässig reduziert. Auch der hochgezogene Wannenboden hinterlässt einen guten Eindruck und schützt bei Regen vor Spritzwasser und Matsch. Der Preis für das geringe Gewicht ist jedoch der sehr dünne Zeltboden. Wer lange Freude am Material haben möchte, sollte den Untergrund vor dem Aufbau sorgfältig von spitzen Steinen, Ästen und Dornen befreien oder sich einen extra Footprint zulegen.
Für wen ist das Big Agnes Copper Spur UL2 geeignet?
Das Copper Spur UL2 Bikepack richtet sich an Bikepacker, die ein möglichst geringes Gewicht und kompaktes Packmaß suchen, beim Wohnkomfort im Camp aber keine Kompromisse eingehen möchten. Dank des vielseitigen Packsacksystems lässt sich das Zelt flexibel an unterschiedlichsten Bikes und Gepäck-Setups befestigen.
Fazit
Mit seinem gelungenen Mix aus geringem Gewicht, kompaktem Packmaß und hohem Wohnkomfort sichert sich das Big Agnes Copper Spur UL2 Bikepack den Testsieg. Der großzügige Innenraum, die durchdachten Stauraumlösungen und das vielseitige Packsacksystem machen es zum überzeugendsten Bikepacking-Zelt im Testfeld. Lediglich der sehr dünne Zeltboden trübt den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck.
Tops
- Vielseitiges Befestigungssystem mit Drybag und Utility-Straps
- Großzügiges Raumgefühl bei geringem Packmaß
- Praktische Deckennetze und Leinen für zusätzliche Organisation
- Unkompliziertes Verstauen auch bei nassem Zelt
- Leichtgewicht
Flops
- Dünner Zeltboden ist ohne Footprint nicht ausreichend geschützt und verlangt einen sorgfältig ausgewählten Stellplatz
Mehr Informationen findet ihr unter eu.bigagnes.com.
Das Testfeld
Dieses Zelt wurde im Rahmen unseres Vergleichstests von Bikepacking-Zelten 2026 getestet.
Alle Zelte im Test: Big Agnes Copper Spur UL2 Bikepack | Decathlon / SIMOND MT900 | Hilleberg Unna | MSR Hubba Hubba Bikepack 2P | Nemo Dragonfly Bikepack OSMO 2P | VAUDE Space 2P Ultraleichtzelt
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Text: Antoine Daures, Susanne Feddersen, Felicia Nastal Fotos: Antoine Daures
