Zehn Jahre nach der ersten Expedition Series verspricht der britische Bikepacking-Spezialist Apidura kein bloßes Facelift, sondern eine echte Neuauflage. Vom Befestigungssystem bis zum Material wurde alles überarbeitet. Bleibt die Frage: Ist die neue Serie wirklich besser als ihr Vorgänger – oder vor allem anders? Wir haben es für euch getestet.

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Apidura Expedition Series | 1.296 g | 605 € (Set wie abgebildet) | Hersteller-Website

Als Apidura 2016 die erste Expedition Series auf den Markt brachte, waren wasserdichte, schweißnaht-gefertigte Bikepacking-Taschen noch keine Selbstverständlichkeit. Doch diese Fertigungsweise setzte sich durch, inzwischen ist die Konkurrenz nachgezogen und das Feld dichter geworden. Jetzt stellt Apidura eine komplette Neuauflage vor, mit überarbeiteter Befestigung und neuem Material.

Gegründet wurde Apidura 2013 von Tori Fahey. Sie war selbst auf Langstrecken wie der Tour Divide unterwegs und vermisste schlicht die technischen Taschen, die ihren Ansprüchen genügten. Also baute sie sie einfach selbst. Aus dieser Marktlücke wurde ein Familienunternehmen, das bis heute auf langlebige Designs statt Saison-Kollektionen setzt.

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Leicht oder günstig war die Expedition Series nie, ihren Ruf verdankte sie etwas anderem: dass der Inhalt auch nach Wochen im Regen trocken blieb. Wer es eher kurz und schnell mag, ist allerdings mit dem Apidura Aero-System besser bedient, das wir bereits separat getestet haben. Für lange, raue Touren aber war die Expedition Series jahrelang die naheliegende Wahl, und genau daran muss sich die neue Generation jetzt messen lassen.

Drei Kernprobleme der Vorgänger-Serie adressiert Apidura dabei explizit: die wackelige Befestigung des Handlebar Packs, das Pendeln des Sattelpacks bei voller Beladung und die Ausbeulungen am Frame Pack unter Last. Ob die Taschen das auch unter realen Bedingungen einlösen, kann nur ein Praxistest klären. Los geht’s!

Im Detail: Was verspricht die neue Apidura Expedition Series?

Auf den ersten Blick wirkt die neue Expedition Series aufgeräumter als ihr Vorgänger: weniger sichtbare Schnallen und Riemen, eine klarere Linienführung, ein einheitliches Bild über alle Taschen hinweg. Apidura wirbt mit einem neu gedachten Befestigungskonzept ohne klassische Straps, bestehend aus einem dreilagigen Material und durchgehend geschweißten Nähten für absolute Wasserdichtigkeit. Am deutlichsten zeigt sich der Fortschritt bei den Halterungen für GPS und Licht: Statt sie wie früher an den Lenker zu klemmen, sind sie jetzt direkt ins System integriert. Sogar das Saddle Pack bekommt einen eigenen Anker fürs Rücklicht.

An den beiden anderen Schwachstellen will Apidura ebenfalls angesetzt haben. Das Schaukeln des Sattelpacks soll eine Führungsrille unterbinden, die das Pack zusammen mit Silikon-Haftstreifen rutschsicher am Sattelrohr hält. Dazu eine formstabile Schale an der Basis, die den Schwerpunkt absenken soll. Beim Frame Pack sollen Führungsschienen entlang des Reißverschlusses das Ausbeulen unter Last verhindern und die Form bis zur letzten Beladung stabil halten. Was davon im Alltag funktioniert, klärt unser Test.

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Die Apidura Expedition-Serie im Test

Über mehrere Ausfahrten und ganz unterschiedliche Bedingungen hinweg, auf der Straße und abseits davon, auf Expedition, haben wir jede Tasche einzeln geprüft. Folgende Modelle hatten wir im Test:

  • Bolt-On Top Tube Pack: 1 L, 100 g, 66 €
  • Handlebar Pack: 9 L, 446 g, 184 €
  • Front Cargo Mesh: 90 g, 38€
  • Frame Pack: 3,8 L, 245 g, 142 €
  • Saddle Pack: 9 L, 415 g, 175 €

Die 100 g leichte Bolt-On Top Tube Pack gibt es ausschließlich in einer Größe mit 1 L Volumen und wird fest über Rahmenbohrungen montiert. Wer keine Bohrungen am Oberrohr hat, greift zur Strap-Variante. Durch die Verschraubung sitzt sie bombenfest, ohne jegliches Wackeln, selbst auf grobem Terrain. Auch nach mehreren Ausfahrten im Regen bleibt sie dicht, und der Reißverschluss läuft sauber. Das 1-L-Volumen reicht für Riegel, Gels, Multitool und Smartphone.

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Sauber am Oberrohr verschraubt: Wer keine Rahmenbohrungen hat, greift statt zur Bolt-On-Variante zur Version mit Straps.

An keiner anderen Tasche der Serie hat sich so viel verändert wie am Handlebar Pack. Es ist in 9 und 14 L erhältlich, unsere Testtasche in der kleineren Variante bringt 446 g auf die Waage. Die klassische Strap-Befestigung ist verschwunden, stattdessen übernimmt ein neues Schnürsystem am Lenker die Fixierung. Klingt elegant, gibt in der Praxis aber zunächst Rätsel auf: Ohne Videoanleitung versteht man die Befestigung schlicht nicht. Ein Haltegurt fixiert die Tasche vor, doch das Einfädeln der Schnur durch die Ösen bleibt fummelig. Und auch die Verriegelung in der zahnartigen Konstruktion braucht Übung. Bei der Demontage dasselbe Bild: Die Schnur muss wieder gelöst werden, was nach langen oder kalten Ausfahrten mit müden Fingern zur Geduldsprobe wird.

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Hier hat sich am meisten getan: Statt klassischer Straps hält jetzt ein Schnürsystem die Tasche am Lenker. Die gelbe Schnur sitzt fest, das Einfädeln durch die Ösen bleibt im Test aber fummelig.

Positiv überrascht dagegen ein cleveres Detail: Eine Markierung am Verschluss zeigt schon vor der Montage, wie breit die Tasche gepackt ist und ob sie noch zwischen die Drops passt. Der Verschluss aus Magneten und Schnallen funktioniert zuverlässig, und auch nach mehrstündigen Regenfahrten bleibt der Inhalt trocken.

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Cleveres Detail: Die aufgedruckte Markierung zeigt schon vor der Montage, wie breit die Tasche gepackt ist und ob sie noch zwischen die Drops passt.

Ein Wermutstropfen bleibt aber. Das Schnursystem schließt dicht am Vorbau an und verdrängt den Radcomputer von seinem Stammplatz. Über den separat erhältlichen GPS-Mount und Accessory Arm lassen sich Radcomputer und Licht aber direkt an der Tasche befestigen.

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Das Front Cargo Mesh kostet 38 € und ergänzt das Handlebar Pack als praktisches Zubehör. Mit 90 g Gewicht lässt es sich direkt an der Tasche befestigen und schafft so zusätzlichen Stauraum für Dinge, die man schnell griffbereit haben will, etwa Snacks oder die Regenjacke. Vom Handlebar Pack getrennt, lässt sich das Mesh als Musette nutzen, sodass man die wichtigsten Sachen auch abseits vom Rad direkt am Körper bei sich trägt.

Anders als der Rest der Serie ist das Mesh allerdings nicht wasserdicht. Auch mit der alten Expedition-Generation lässt es sich nicht kombinieren, kompatibel ist es ausschließlich mit dem neuen Handlebar Pack.

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Ob als schnelle Ergänzung, um zusätzliches Gepäck wie die Regenjacke griffbereit im Mesh zu verstauen…
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…oder abgenommen als Musette für unterwegs: Die Mesh-Tasche ist eine praktische Ergänzung.

Beim Frame Pack hat Apidura das Ausbeulungsproblem der Vorgängergeneration direkt angepackt: Reißverschluss-Führungsschienen sorgen dafür, dass die Tasche auch bei voller Beladung ihre Form behält, statt sich seitlich aufzublähen und an die Beine zu stoßen. Die Montage erfolgt über silikonbeschichtete Straps, die für einen sicheren Halt am Rahmen sorgen, ohne zu verrutschen. Wie der Rest der Serie ist auch das Frame Pack vollständig wasserdicht und teilt sich im Inneren in zwei Fächer auf: ein flaches für Dinge wie Portemonnaie oder Ausweis, und ein größeres Hauptfach mit integrierter Mesh-Tasche für kleinere Gegenstände.

Unsere Testtasche in 3,8 L bringt 245 g auf die Waage. Wer mehr Stauraum braucht, kann auf das Full Frame Pack zurückgreifen, das den kompletten Rahmendreieck-Raum nutzt und von 4,6 bis 10 L reicht.

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Das Saddle Pack bringt es bei 9 L auf 415 g Die Montage ist selbsterklärend und gelingt ohne Anleitung. Die Führungsrille, die das Pack näher ans Sattelrohr bringt, und die Silikon-Haftstreifen halten, was sie versprechen: Im Test schwingt die Tasche deutlich weniger nach als bei der Vorgängergeneration. Auch die Kompression überzeugt, der Inhalt lässt sich insgesamt sehr gut zusammenziehen.

Die Mesh-Seitentaschen nehmen zusätzliche Flaschen auf und lassen sich bei Bedarf mit einem Strap sichern. Der Roll-Top-Verschluss erlaubt eine weitere Befestigung außen, etwa für die nasse Badehose nach dem Schwimmstopp. Verschwunden gegenüber dem Vorgängermodell sind dagegen die Schnüre fürs Zusatzgepäck, dafür wäre aus unserer Sicht durchaus noch Platz gewesen. Schade.

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Praktisch gelöst ist der integrierte Rücklicht-Anker, an dem sich ein Licht ohne zusätzliche Klemme direkt an der Tasche befestigen lässt. Der kritische Punkt zeigt sich jedoch beim Wasserdichtigkeitstest: An den innenliegenden Öffnungen, durch die beim Komprimieren die Luft entweicht, findet auch Wasser seinen Weg hinein. Der Inhalt bleibt nicht trocken, ausgerechnet bei einer Serie, die ihre vollständige Wasserdichtigkeit zum zentralen Versprechen macht.

Wir haben das Problem direkt bei Apidura angesprochen, und sie untersuchen den Fall derzeit. Das ist die Stellungnahme:

„Der SoftVent Air Valve ist seit vielen Jahren Teil unseres Sortiments, und basierend auf umfangreichen internen Tests sowie Erfahrungen aus der Praxis haben wir großes Vertrauen in seine Wasserdichtigkeit. Unter normalen Fahrbedingungen würden wir kein Eindringen von Wasser über das Ventil erwarten.

Die Tasche ist jedoch nicht als luftdicht konzipiert und bietet – wie andere Bikepacking-Taschen am Markt auch – keine vollständig versiegelte Umgebung. Solche Produkte werden in der Regel gegen Wassereindringungsstandards wie IPX6/IP6K6 getestet.

Zwar kann in Einzelfällen etwas Wasser eindringen, wenn ein gezielter, konzentrierter Wasserstrahl direkt auf das Ventil gerichtet wird, doch in diesem Test beobachtete Wassermenge liegt höher, als wir es üblicherweise erwarten oder bislang beobachtet haben.

Wir nehmen die Produktqualität ernst und arbeiten an einer Lösung. Ob es sich um ein Fehler der ersten Modelle handelt kann noch nicht abschließend bestätigt werden.”

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Führungsrille und Silikon-Haftstreifen halten das Saddle Pack ruhig am Sattelrohr. Im Test schwingt es deutlich weniger nach als der Vorgänger, an den Kompressionsöffnungen dringt jedoch Wasser ein.

Als Set überzeugen die Taschen vor allem durch ihr Zusammenspiel. Optisch wirken sie am Bike clean und einheitlich, keine Tasche sieht aus wie ein nachträglich angeschraubtes Fremdteil. Vor allem aber hat Apidura die Serie dort nachgeschärft, wo der Vorgänger schwächelte: Die neue Lenkerbefestigung macht das alte Wackeln zur Vergangenheit, der Saddle Pack liegt ruhiger am Sattel, das Frame Pack hält seine Form bis zum letzten Liter. Leichtgewicht ist das Set mit knapp 1.300 g zwar keines, dafür merkt man jedem Teil die Langstreckentauglichkeit an.

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Für wen sind die Apidura Expedition Series-Taschen?

Die Apidura Expedition Series richtet sich an alle, die für mehrtägige Bikepacking-Touren oder Expeditionen ein komplettes, aufeinander abgestimmtes System suchen. Besonders für Langstreckenfahrer:innen macht das Setup Sinn: Wer Stabilität über Minimalgewicht stellt und ein robustes, modular erweiterbares Paket will, das sich per Cargo Mesh oder Accessory Pack flexibel ausbauen lässt, ist hier richtig.

Wer dagegen vor allem aufs Gramm schaut oder eben keine großen Expeditionen plant, ist mit minimalistischen Lösungen wie der CYCLITE NANO-Serie besser bedient, die wir bereits separat getestet haben. Auch preislich ist die Serie kein Schnäppchen. Hinzu kommt die fummelige Montage am Handlebar Pack, die gerade bei Kälte Geduld verlangt. Und wer maximale Wasserdichtigkeit über alles stellt, sollte den Schwachpunkt am Saddle Pack im Hinterkopf behalten.

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Helm Fizik Kyros | Brille Oakley Encoder Strike Vented | Trikot Ryzon Venture Gravel Shirt
Shorts Gobik Revolution Bib Short | Schuhe Sidi Dominator X

Fazit

Apidura hat die Expedition Series spürbar weiterentwickelt. Die neue Lenkerbefestigung ohne Straps sitzt bombenfest und macht das alte Wackeln zur Vergangenheit, auch wenn Montage und Demontage gerade bei Kälte und mit müden Fingern fummelig bleiben. Das Saddle Pack sitzt deutlich stabiler, leistet sich aber einen Patzer, der wehtut: Ausgerechnet die Tasche, die im Regen den Schlafsack trocken halten soll, lässt am Ende Wasser durch. Für den aufgerufenen Premium-Preis ist das ein vermeidbarer Fehler, der den ansonsten starken Gesamteindruck spürbar trübt.

Tops

  • neue Lenkerbefestigung ohne Straps, clean und bombenfest
  • Saddle Pack liegt stabil am Sattel
  • Frame Pack bleibt formstabil unter Last

Flops

  • Saddle Pack nicht vollständig wasserdicht
  • Montage und Demontage am Handlebar Pack fummelig

Mehr Informationen unter apidura.com


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Text: Sven Weinbrenner Fotos: Jan Fock

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