
Bei 3T scheint man nicht viel von konventionellen Lösungen zu halten. Zu langweilig sind weiße Bikes und normale Reifen und warum sollte man Vorbauschrauben wie gewohnt von vorn anziehen können? Das 3T Extrema Italia macht das alles anders und seinem Namen alle Ehre, denn eigentlich ist an der speziellen „Italia”-Version des Bikes alles extrem. So extrem, dass es fast schon auffällig ist, dass eine ganz normale SRAM-Schaltgruppe verbaut wurde.
Aber so extrem das Bike auch wirken mag, das Konzept scheint aufzugehen. So sind 3T-Bikes nicht nur mit die ersten Race-Gravel-Bikes überhaupt, auch das Extrema konnte schon einige Siege einfahren. So zählt etwa auch ein Sieg bei der 2024-Ausgabe von Badlands zu den Auszeichnungen des Bikes. Also gut genug für unsere GF-Gravel-Race-WM?
Normal ist langweilig – Neue Wege am 3T Extrema Italia
Das 3T Extrema Italia hat viel zu bieten, doch das auffälligste sind klar die fetten Reifen. Mit 50 mm breiten Schwalbe G-One RX Pro hat das Bike mit Abstand die breitesten Pneus mit dem gröbsten Profil im Testfeld. Bedenkt man, dass das 3T Extrema bis 57 mm Breite zugelassen ist, wird schnell klar, dass das Bike keine Kompromisse macht. Und so ist vor allem der Rahmen strikt auf Race-Gravel ausgelegt und das Extrema Italia – trotz der herausragenden Reifenfreiheit – auf Aerodynamik optimiert.
Mit einem extrem schmalen, aber tiefen Steuerrohr, breitem Unterrohr sowie einem schlanken Hinterbau mit Cutout um das Hinterrad ist die Aerodynamik nicht nur für ein Race-Gravel-Bike topmodern.
Dazu unterstreicht der schwarze Look in Carbon-Raw mit wilder Kohlefaser-Struktur den unkonventionellen Charakter des Bikes. Und wenn jetzt noch nicht klar ist, dass das 3T Extrema Italia vielseitig auf Gravel ausgelegt ist, dann sollte das spätestens nach der runden Sattelstütze klar werden. So sollen die Vorteile eines Aero-Sattelrohrs mit der Vielseitigkeit runder Sattelstützen vereint werden. Denn bei der Reifenfreiheit und proklamierten Wandlungsfähigkeit des Extrema wird es mit Dropper-Post fast schon zum Mountainbike.
Einzig das auf Adventure ausgelegte MERIDA ist im Testfeld ebenfalls mit einer runden Sattelstütze ausgestattet und somit ready für die Dropper-Post.
Doch die ganzen Features haben auch einen Preis:11.999 € um genau zu sein. Somit das drittteuerste Bike und mit einem Gewicht von 8,84 kg auch das zweitschwerste Bike im Test – 100 g weniger als das nicht einmal halb so teure MERIDA SILEX.
3T Extrema Italia 2025
11.900 €
Ausstattung
Sattelstütze 3T Carbon Round
Bremsen SRAM RED E1 AX 160 mm
Schaltung SRAM RED XPLR AXS 1 x 13
Kettenblatt 38
Vorbau 3T More 100 mm
Lenker 3T MinMax Integrale 420 mm
Laufräder 3T Discus 45 I 40 LTD Carbon Ti hubs 12 x 100 / 12 x 142
Reifen Schwalbe G-One RX Pro 700 x 50c
Kurbeln 3T Torno wide 172,5 mm
Kassette SRAM RED XPLR XG-1391-E1 10-46T
Technische Daten
Größe 51 54 56 58
Gewicht 8,84 kg
Reifenfreiheit (v/h) 57/57
Besonderheiten
Extreme Reifenfreiheit
3T Torno Carbon Kurbel
breites Cockpit
Anschraubpunkte an Gabel und für Schutzbleche
3T Extrema Italia – Carbon wohin das Auge schaut
Teuer, aber auch das Geld wert? Was die Ausstattung angeht, hat sich 3T nicht lumpen lassen, denn am Extrema Italia ist (fast) alles verbaut, was Race-Gravel-Herzen höherschlagen lässt.

3T macht so ziemlich alles anders, also warum nicht auch die Lenkerklemmung für minimale Aero-Gains nach hinten drehen?

Ob Badlands, UCI-Gravel-Rennen oder Bikepacking, das 3T Extrema Italia ist dank vielseitigen Anschraubpunkten auch für lange Touren mit viel Equipment ausgerüstet.
Mit der SRAM Red XPLR verbaut 3T eine hervorragende Schaltgruppe, klar die Benchmark im Test, sowohl was Schalt- als auch Bremsperformance angeht. Doch schon an der Kurbel ist normal vorbei, denn mit der 3T Trono wird eine hauseigene Kurbel verbaut. Komplett aus Carbon inklusive schicker Optik schreit diese geradezu nach Exklusivität. Doch trotz der schicken Optik ist die Kurbel nicht ganz perfekt, denn obwohl sie ohne Powermeter kommt, ist das spezielle und 3T-eigene Interface für Kettenblätter der limitierende Faktor. Zwar bietet 3T genügend Kettenblätter, die Wahl hat man als Konsument aber nicht wirklich.

Carbon-Raw vom Feinsten: Das 3T Extrema Italia versteckt das Carbon nicht, sondern zeigt stolz die einzelnen Lagen und verwobenen Kohlefasern.

Wenn das Carbon-Muster am Rahmen nicht reicht, hilft vielleicht die 3T Torno-Kurbel weiter. Diese ist dank spezieller Kettenblätter zudem besonders aerodynamisch.
Weniger proprietär sind dagegen die hauseigenen Laufräder inklusive einer Schwalbe G-One RX Pro-Bereifung in 50 mm Breite. Beide perfekt aufeinander abgestimmt, unterstützt die 40 mm breite und 45 mm tiefe Felge die massiven Schwalbe-Reifen.
Dazu gesellt sich ein eigener 3T More-Vorbau mit spezieller, nicht so ganz passender runder Form sowie der 3T MinMax Integrale-Lenker. Mit 42 cm Breite in den Hoods und 50 mm in den Drops verfügt dieser über viel Flare, ist aber gerade für ein modernes Race-Gravel viel zu breit.

Die wuchtigen Felgen der 3T Gravel-Laufräder verfügen über 29 mm Innenmaulweite und sind 40 mm breit, so passen die Räder eigentlich auch ans Mountainbike.

Jedes andere Bike im Testfeld käme mit den 50 mm breiten Schwalbe G-One RX Pro an die Grenzen, beim 3T Extrema Italia ist dagegen noch massig Luft.
Absolut vielseitig sind dagegen die Anschraubpunkte: Mit drei Flaschenhaltern, Mounts für eine Oberrohrtasche sowie Schutzblechen und zusätzlichen Gepäck-Mounts an der Gabel ist das Bike auch für langes Bikepacking geeignet. Gepaart mit dem massiven Unterrohrschutz kann dann wirklich nichts mehr schiefgehen.
Die Geometrie des 3T Extrema Italia
Der Rahmen des 3T Extrema Italia setzt auf Stabilität und Komfort mit einer vergleichsweise entspannten Geometrie. Die Kettenstreben sind mit 437 mm eher lang, was für eine ruhige und spurtreue Fahrt sorgen soll, ideal also für lange Tage im Sattel und anspruchsvolles Terrain. Mit einem flachen Lenkwinkel (69,1° bis 72°) soll das Bike Laufruhe mit einem ausgewogenen Handling kombinieren. Auch das entspannte Stack-to-Reach-Ratio von 1,57 spricht für eine komfortable Sitzposition – perfekt für ausgedehnte Abenteuer oder langes Gravel-Racing.
| Größe | 51 | 54 | 56 | 58 |
|---|---|---|---|---|
| Sattelrohr | 466 mm | 491 mm | 521 mm | 549 mm |
| Oberrohr | 529 mm | 547 mm | 561 mm | 575 mm |
| Steuerrohr | 142 mm | 158 mm | 175 mm | 196 mm |
| Lenkwinkel | 69.1° | 70.5° | 71.5° | 72.0° |
| Sitzwinkel | 73.5° | 73.5° | 73.5° | 73.5° |
| Kettenstrebe | 437 mm | 437 mm | 437 mm | 437 mm |
| BB Drop | 79 mm | 76 mm | 76 mm | 74 mm |
| Radstand | 1044 mm | 1036 mm | 1040 mm | 1050 mm |
| Reach | 358 mm | 368 mm | 376 mm | 384 mm |
| Stack | 547 mm | 570 mm | 590 mm | 610 mm |
3T Extrema Italia – Wie ein Monstertruck im Sandkasten
Was die Geometrie voraussagt, bestätigt sich auch beim Fahrtest. Und so ist das 3T Extrema Italia beim Fahrtest der Grand Fondo Gravel WM in den Seealpen rund um Nizza und Monaco für die herausragende Offroad-Tauglichkeit beliebt. Aber auch die Agilität überrascht, denn trotz des Monstertruck-Looks kommt das Bike auf verwinkelten Trails zurecht, aber dennoch kein Vergleich zu den wendigsten Bikes im Test. Hier haben ROSE und SCOTT klar die Nase vorn. Hinsichtlich Stabilität landet das Extrema dagegen auf dem ersten Platz, denn mit dem breiten Lenker und massigen Reifen bügelt das Extrema nahezu jede Unebenheit glatt. Linienwahl? Geradeaus drauf halten!
Ride with me, Bro!
Das kann sich auch im allgemeinen Handling widerspiegeln, denn dieses verspricht nahezu in jeder Situation viel Sicherheit, gibt aber auch ein zurückhaltendes Gefühl. So versprüht das Bike zwar einen Monstertruck-Vibe, als könnte es mit allem fertig werden, sucht man dagegen ein Bike für einen aktiven Fahrstil, ist das zurückhaltende Handling wohl eher ein Hindernis als ein Pluspunkt. Auch der Antritt ist eher zurückhaltend, hier macht sich das hohe Gewicht bemerkbar, denn vor allem die massigen Reifen und Felgen brauchen etwas Zeit, um auf Geschwindigkeit zu kommen.
Ein Pluspunkt der Reifen ist dagegen der Komfort, da aus dem Rahmen des Extrema Italia nicht viel Compliance kommt.
Trotzdem bietet das 3T Extrema Italia viel Fahrspaß und geprägt durch die breiten Reifen und das stabile Handling, wird das Bike mit praktisch jeder Situation fertig. Das gibt nicht nur viel Vertrauen, sondern eröffnet euch auch neue Wege.
Insgesamt ist das 3T Extrema Italia ein guter Allrounder, ein Bike, das eher fürs Grobe und Schnelle gemacht ist und mit Sicherheit jedes Rennen in der Abfahrt gewinnt.
Tuning-Tipp: Einen Kettenstrebenschutz für noch mehr Offroad-Performance ohne Sorgen vor Kratzern.

Shirt Specialized SLR Jersey | Shorts Specialized Prime Bib shorts | Schuhe Specialized S-Works Recon
Socken Stance Icon Crew Socks
Für welches Rennen ist das 3T Extrema Italia?
Das 3T Extrema Italia will für jede Situation gerüstet sein und so ist das Bike mit massig Reifenfreiheit und einem enormen Grip ausgestattet – klar der Monstertruck im Testfeld. Auf der Strecke bedeutet das vor allem viel Fahrsicherheit und ein Gefühl von Unzerstörbarkeit. Somit ist es das ideale Bike, um Badlands oder andere Ultra-Rennen zu bestreiten.
Aber auch auf kurzen Distanzen kann es glänzen, denn dank kompromissloser Aero-Optimierung ist es auch auf kurzen Distanzen eine ernstzunehmende Konkurrenz. Doch die wirklichen Stärken liegen in der extremen Vielseitigkeit und aufgrund der breitesten und griffigsten Reifen im Test lassen sich auch neue Wege und verwinkelte Trails erkunden.
Fahreigenschaften
Agilität
- träge
- verspielt
Stabilität
- nervös
- laufruhig
Handling
- fordernd
- intuitiv
Antritt
- träge
- leichtfüßig
Fun Factor
- langweilig
- lebendig
Komfort
- straff
- komfortabel
Vielseitigkeit
- niedrig
- hoch
Einsatzgebiet
Climbing
Aero
Offroad
Style Factor
Fazit zum 3T Extrema Italia
The bigger the better. Das 3T Extrema Italia will viel und bietet viel. Für knapp 12.000 € bringt es nicht nur extreme Reifen und kompromisslose Aerodynamik, auch die Ausstattung und die Vielzahl an Anschraubpunkten machen es zu einem einzigartigen Bike – selbst dann, wenn ihr mit viel Gepäck unterwegs seid. Kombiniert mit dem sicheren Handling, ergibt sich ein Bike wie gemacht für fordernde Rennstrecken über grobe Untergründe.
Tops
- rollt trotz breiter Reifen sehr effizient
- Offroad-Performance
Flops
- kein Kettenstrebenschutz montiert
Mehr Informationen unter 3t.bike.
Das Testfeld
Dieses Bike wurde im Rahmen des Race Gravelbike Vergleichstest 2025 getestet – einen Überblick über diesen Vergleichstest sowie alle anderen getesteten Race Gravelbikes erhaltet ihr hier:
Alle Bikes im Test: 3T Extrema Italia | Cannondale SuperX 2 | Canyon Grail CFR XPLR | Falkenjagd Aristos SL | Merida Silex 8000 | Parapera Anemos² | Rose Backroad FF RED XPLR AXS | Scott Addict Gravel RC | Superior XR 9.7 GF | Specialized S-Works Crux | Trek Checkmate SLR 9 AXS | Wilier Rave SLR
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Text: Calvin Zajac Fotos: Jan Richter
