Wie zeitgemäß kann ein Bike sein, das im vergangenen Jahrhundert entwickelt wurde? Wir haben das Ritchey Road Logic nach Mallorca entführt, um Konventionen in der Pfeife zu rauchen und die Freiheit auf einem Stahlross zu genießen. Ach ja, der Cowboy-Hut war auch dabei.

Meine Hände entzweien die zarte Lammkeule. Das Fleisch ist saftig, seine feine Struktur zergeht auf der Zunge. Köstlich. Nach getaner Arbeit sitze ich im mallorquinischen Hinterland in einem entlegenen Restaurant, nippe am Hauswein und feiere die Originalität dieses Ortes. Dieses Lokal war schon Hipster, als es noch gar keine Hipster gab.

Das Ritchey Road Logic passt perfekt in diese Szenerie, schließlich gab es das Modell bereits zu einer Zeit, in der Stahl als Rahmenmaterial nicht die Ausnahme, sondern die Regel war. Doch das Ritchey Road Logic ist mehr als Vintage. Bereits seit Ende der 80er-Jahre auf dem Markt, hat es mehrere Evolutionsstufen durchlaufen und wurde in seiner heutigen Ausführung im Jahre 2014 präsentiert. Wirkt es in die Jahre gekommen? Keinesfalls.

Das Ritchey Road Logic ist mehr als Vintage.

Das Ritchey ist die Inkarnation eines modernen Klassikers, versprüht den Charme eines Oldtimers, verfügt jedoch über moderne Komponenten. Seit letztem Jahr ist das Road Logic nun auch als Komplettbike verfügbar, und zwar zu einem verdammt attraktiven Preis: 2.699 €. Dieser Preis hat zwar einen Haken, aber dazu später mehr.

Ein Stahlrenner entschleunigt und bietet die Möglichkeit, aus der Materialschlacht der kurzlebigen Modellzyklen…
…und dem rasanten Hamsterrad der Leistungsgesellschaft auszubrechen.

Bei der Ausstattung verlässt sich Ritchey auf Bewährtes: Für Schaltung und Bremsen setzen die Amis auf Shimano Ultegra, für alle weiteren Anbauteile auf sich selbst. Ritchey Race Slick WCS-Reifen in 25 mm Breite, Ritchey Road WCS-Carbongabel, Ritchey NeoClassic WCS Blatte-Lenker mit 420 mm Breite, solide Ritchey Zeta II WCS-Clincher, Ritchey Link WCS-Carbonsattelstütze … diese Liste könnte man bis zum Steuersatz fortführen, wir hören aber hier auf. Na ja, fast.

Ritchey schickte uns noch einen weiteren Laufradsatz und „dickere“ Reifen – für den Fall, dass wir etwas mit dem Setup experimentieren wollten. Gesagt, getan! Zwar nicht so, wie sich Ritchey das vorgestellt hatte, aber why not? Auf die 38 mm tiefen WCS Apex-Carbonclincher montierte ich die Ritchey WCS Alpine JB-Reifen in 28 mm Breite. Mit der Skinwall-Optik machten die Reifen einiges her, was bewundernde Blicke im Gruppetto bestätigten.

Auf die 38 mm tiefen WCS Apex-Carbonclincher montierte ich die Ritchey WCS Alpine JB-Reifen in 28 mm Breite.

Im Café konnte ich damit absolut punkten, doch ist die Reifenfreiheit echt am Limit. Wer mit einem solchen Bike Strade Bianche bestreiten will, der sollte safe 25-mm-Pneus verbauen. Hier gibt sich das Standard-Setup des Serienbikes mit Aluclinchern und 25-mm-Reifen deutlich alltagstauglicher – und ist sogar leichter: 7,87 kg. Mit dicken Pneus und Carbon-LRS kommen noch mal 200 g hinzu.

Cowboy-Hut, Ringe, Lammkeule, Baumwoll-Hemd, Baggy-Short – klingt nicht gerade nach Rennradtour. Aber who cares?
… mit der richtigen Hut-Tragetechnik bekommt man auch sein liebstes Stück mit auf Tour, wie zum Beispiel dieses aus dem Hause Brixton. Geht nicht gibt’s nicht!

Absolut gutmütig und komfortabel gleitet man mit dem Logic über jegliche Untergründe. Ein kleines Schlagloch, ein kleines Ausweichmanöver – das Logic strotzt geradezu vor Ruhe. Man kann mit ihm zwar trotzdem einen Ortsschild gewinnen, aber wer ernsthaft racen will, wird sich ein im Antritt steiferes Bike wünschen. Ein messerscharfes Handling hat das Logic nicht zu bieten, dafür eine entspannte Gutmütigkeit, die auch kleine Fahrfehler verzeiht. Mit dem Riser-Vorbau und dem kompakten Reach sitzt man aufrecht auf dem Bike und nimmt sein Umfeld deutlich bewusster wahr: Hier ein Café-Stopp, dort ein Selfie. Auch wenn es cheesy klingt: Mit dem Logic ist der KOM nicht das Ziel, es geht um das Erlebnis und den Genuss auf jedem Meter Straße. Und dazu gehört auch, auf Konventionen zu pfeifen und so schnell, so weit und einfach genau so zu fahren, wie man selbst Bock hat!

Besondere Accessoires sind Startpunkt…
…guter Gesprächsstoff für interessante Gespräche…
…und neue Kontakte – und so ist es auch mit dem Ritchey!
Simpel, aber köstlich: Olivenöl, Zitronen- und Zwiebelstücke, Salz und Pfeffer – das ist alles, was die Köchin für das köstliche Cordero braucht. Das Fleisch stammt aus eigener Haltung.

Stahl erlebt aktuell ein wahres Revival. In Zeiten von Massenprodukten erfreut man sich wieder an simplen Dingen, Handwerkskunst und zeitloser Qualität. Ritchey vereint diese Eigenschaften nicht nur im Logic, sondern beweist auch, dass man für ein geiles Erlebnis nicht jedes Jahr die Welt neu erfinden muss. Doch das Ritchey ist mehr als ein Fahrrad, es ist der Weggefährte für lange Tage im Sattel – der Traum eines jeden Outlaws, Cowboys und Individualisten, der ab und zu aus dem Alltag ausbrechen will.

In Zeiten von Massenprodukten erfreut man sich wieder an simplen Dingen, Handwerkskunst und zeitloser Qualität.

Und was war der Haken in Sachen Preis? Das Bike kostet eigentlich keine 2.699 €, sondern 2.999 €, ist aktuell jedoch auf der Ritchey-Webseite temporär reduziert. Wer 300 € sparen möchte, sollte also nicht allzu lange zögern!

Mehr Informationen findet ihr unter ritcheylogic.com

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Text: Robin Schmitt Fotos: Julian Mittelstaedt