„Go nowhere fast. Go slow faster.“ Bereits der Slogan zum 3T Exploro Team lässt bei uns einige Fragezeichen aufblinken. Doch wie steht es um das Konzept und die Performance dieses Aero-Gravel-Explorers? Und was ist der Unterschied zum Konkurrenten von Open?

Einen Überblick über das Testfeld erhaltet ihr im Übersichtsartikel: Das beste Rennrad für jedes Wetter und jede Saison – 10 Endurance Bikes im Test

3T Exploro Team
3T Exploro Team | 8,34 kg | 4.999 €

Mächtige Reifendimensionen, eine wuchtige Carbongabel und ein hoch profilierter Rahmen – das 3T steht selbstbewusst und vor Potenz strotzend vor uns. Das cleane Finish des Bikes gefällt und ist die Summe vieler Kleinigkeiten: Das massive 3T Logo wurde clever integriert und harmoniert sehr gut mit der Formsprache des Rahmens. Die Rohre verschmelzen ineinander, ohne Profil zu verlieren. Die Schelle zur Umwerfermontage ist abnehmbar, was einen cleanen Umbau auf 1×11 erlaubt. Die Bremsmontage des sehr ausladenden Postmount-Sockels an der Gabel sowie die Steckachse mit der massiven Schraubenmutter stören allerdings das sonst organisch anmutende Gesamtbild. Auch die Kabelführung ins Oberrohr, wie man sie von TT-Bikes kennt, ist aus unserer Sicht sehr fraglich. Der wuchtige Gesamteindruck bestätigt sich zumindest auf der Waage: Unser Testbike wiegt 8,43 kg in Größe L und kämpft damit in der Schwergewichtsklasse.

3T Exploro Team
Nachdem das 3T Exploro bisher nur als Rahmenset erhältlich war, wird es zeitnah auch in der von uns getesteten Ausstattungsvariante für 4.999 € erhältlich sein.
3T Exploro Team
Tuning Tipp: 28”-Laufradsatz für schnelle Rides auf der Straße.

Die 47 mm breiten WTB Horizon liefern das, was wir von vielen anderen Reifen auf den anspruchsvollen Straßen Belgiens vermisst haben: massiven Grip! Vergleichbar mit den Vittoria Open Corsa kleben die WTB Horizon am Untergrund. Im Zusammenspiel mit dem verwindungssteifen Rahmen kommt das 3T beeindruckend zügig auf Geschwindigkeit. Auch das Abrollverhalten überrascht die Tester positiv und punktet gegenüber den Schwalbe G-One in der 28″- Variante am Open.

3T Exploro Team 3T Exploro Team
3T Exploro Team
„Der stereotype Exploro-Kunde, also der Gravelracer mit Aero-Ambitionen und eventuellem Triathlonhintergrund, der für seine mehrtägige Expedition nur eine Satteltasche braucht, muss wohl erst noch geboren werden.“

Aufgrund des großen Reifenvolumens kann der Luftdruck weit abgesenkt werden. Kleinere Absätze, Unebenheiten und die Erschütterungen des Kopfsteinpflasters werden so zum Großteil bereits durch die Pneus ausgebügelt. Durch die hohe Rahmensteifigkeit gehen Belastungsspitzen jedoch ungemindert auf die Gelenke des Fahrers. Auf ebenen Untergründen bekommt man die Kehrseite des niedrigen Luftdrucks zu spüren und so bounct man mit jeder Kurbelumdrehung auf und ab. Hier gilt es, den Reifenluftdruck penibel zu bestimmen und das richtige Mittelmaß zu finden – der Vittoria Corsa ist hier im Vergleich der eindeutig schnellere Reifen. Bei hohem Tempo fällt zudem die Geräuschkulisse des 1×11-Antriebs auf – die Kettenlinie lässt grüßen und die großvolumigen Rohre bieten einen nicht zu vernachlässigenden Resonanzkörper.

3T Exploro Team
Helm POC Octal | Brille Adidas Zonyk | Trikot Ashmei Midlayer Jersey | Jacke Ashmei Emergency Jacket | Bibshort Rapha Pro Team Bibshorts | Socken The Wonderful Socks Polka | Schuhe Bont Vaypor

Im direkten Vergleich zum Open, das mehr MTB mit Dropbar ist, verhält sich das 3T durch seine Komfort vermissende Steifigkeit eher wie ein klassisches Rennrad mit richtig dicken Reifen, die damit auch der einzige Komfortspender sind. Das Exploro ist dabei spritzig, sehr agil und in der Abfahrt gar etwas nervös, bei hohen Geschwindigkeiten vermittelt es wenig Sicherheit und fordert eine erfahrene Hand.

Das 3T Exploro Team im Detail

Schaltung SRAM Force 1
Laufradsatz 3T Discus Plus C25 Pro
Bremsen SRAM Force
Reifen WTB Horizon
Gewicht 8,43 kg
Preis 4.999 €

3T Exploro Team
TT-Feeling bei der Zugverlegung – das Konzept erschließt sich uns nicht.
3T Exploro Team
Die Sattelstützklemme ist im Rahmen integriert. Leider können wir die Schraube nicht mit einem üblichen Multitool erreichen.
3T Exploro Team
Der ausladende Postmount-Sockel und die massive Schraubenmutter wirken lieblos am sonst durchgestylten Exploro.
3T Exploro Team
Umwerfer oder kein Umwerfer, das ist hier die Frage.
3T Exploro Team
Geometrie 3T Exploro Team

Fazit

Das 3T Exploro ist ein extrovertierter und potenter Individualist voller Widersprüche. Wir hatten viel Spaß mit dem Bike, auch wenn das Konzept einige Fragezeichen aufwarf – das Exploro ist weder Endurance noch Gravel noch Road. Wer genug von rationalen Entscheidungen und Konventionen hat, mag sein Glück mit diesem Bike finden, wirklich empfehlen können wir es jedoch nicht.

Stärken

+ eigenständiges Design
+ sehr wendig
+ gute Beschleunigung

Schwächen

– unschlüssiges Gesamtkonzept
– Sattelstützklemmung ist anfällig und sehr schwer erreichbar (keine Chance mit dem Multitool)
– Mutter der Thru Axle in der Front fällt bei Laufrad-Demontage raus
– Sattelklemmung geht schnell kaputt
– Rahmenset zu steif


Mehr Infos findet ihr unter: 3tcycling.com

Einen Überblick über das Testfeld erhaltet ihr im Übersichtsartikel: Das beste Rennrad für jedes Wetter und jede Saison – 10 Endurance Bikes im Test

Alle Bikes im Test: BMC Roadmachine 01 | Canyon Endurace CF SLX Disc 8.0Focus Paralane Factory | Ridley X-Trail | ROSE Backroad-4400 | Specialized Roubaix Expert Di2 | Trek Domane SLR 10 RSL | OPEN U.P.P.E.R. | WHITE Wessex


Dieser Artikel stammt aus GRAN FONDO Ausgabe #005. Für das beste Lese-Erlebnis empfehlen wir unsere interaktiven Magazin Apps für iPhone & iPad – es lohnt sich! (und ist kostenlos!)

Text: Benjamin Topf, Manuel Buck, Robin Schmitt Fotos: Julian Mittelstädt