Die Tour de Suisse gilt nicht ohne Grund als Testlauf für die Tour de France! Damit wir genauso startklar für das Rennen sind wie die Profis, haben wir mit dem ultimativen Domestiken von Trek-Segafredo gesprochen, mit Grégory Rast. Und Tipps ergattert über die spannenden Strecken, die Herausforderung mit Fabian Cancellara und die Schweizer Küche.

Die Tour de Suisse hat es wirklich in sich: Die neun herausfordernden Etappen führen die 18 World-Tour- und vier Wild-Card-Teams durch alle Schweizer Sprachregionen sowie durch Österreich und Italien. Bis zum letzten Tag bleibt es spannend, da das Goldene Trikot durch das Einzelzeitfahren während der letzten Etappe noch nicht sicher steht.

Aber nicht nur die Profis stellen sich der Herausforderung, Challenge-Teilnehmer haben auf drei Etappen die Möglichkeit, sich vor den Profis zu beweisen. Dabei wird die erste Etappe mit dem ehemaligen Zeitfahrweltmeister Fabian Cancellara auf dem 6-km-Zeitfahrkurs bestritten. Die zweite 87-km-Herausforderung entspricht der verkürzten Strecke der Profis über den Anstieg Horben, der zwei Mal erklommen wird. Dann haben die Challenge-Teilnehmer eine einwöchige Atempause bis zur letzten 80-km-Challenge, deren Kurs der originalen Schlussstrecke der Tour de Suisse entspricht. Wie man sich auf so etwas wohl am besten vorbereitet? Grégory Rast von Trek-Segafredo muss es wissen.

1. Grégory, der Prolog fängt quasi bei dir vor der Haustür an. Hast du einen Geheimtipp, wie man diese ersten 6 km am besten absolviert?

Es ist sicher wichtig, dass man nicht alles Pulver am Anfang verschießt. Der Prolog ist zwar kurz, aber auf den letzten 2 km geht es noch mal bergauf. Technisch ist er auch eine Herausforderung: Es gibt fast keine Kurven und man muss fast nie bremsen, deshalb kann man sich auch fast nie erholen. Auf dieser Strecke gilt: always Vollgas!

2. Das Zeitfahren wird von dem gewonnen, der Fabian Cancellaras Zeit am nächsten kommt. Wie können wir Fabian für die Challenge einschätzen?

Ich habe vorhin etwas auf Strava hochgeladen und habe gesehen, dass er trainiert hat! (lacht) Spaß beiseite, er muss nicht viel trainieren. Fabian ist einfach stark und ich denke, er wird schon ziemlich schnell fahren.

3. Zwei Mal fahren die Challenge-Teilnehmer den Horben hoch. Für welchen Streckenabschnitt sollte man unbedingt Kräfte sparen? Was ist die Schlüsselstelle? Wo darf man sich als Teilnehmer über das beste Panorama auf der Strecke freuen?

Der Horben ist sicherlich das größte Hindernis des Tages. Am Anfang ist es ziemlich steil, da sollte man auch nicht alles Pulver verschießen. Das ist fast dasselbe wie beim Prolog. Dann wird der Horben erst etwas flacher und geht danach noch mal richtig hoch. Wer hier durchstarten kann, hat vielleicht größere Chancen, in einer Gruppe vorne zu fahren. Vor dem Ziel gibt es aber auch noch eine kleine Welle, an der man sich absetzen kann. Und das beste Panorama? Ist definitiv ganz oben auf dem Horben, dort kann man über ganz Zug bis zum Zuger See blicken.

4. Was ist deiner Meinung nach das perfekte Bike für die TdS, speziell für die Morgarten-Memorial-Etappe?

Die Morgarten-Memorial-Etappe ist eine Mix-Etappe. Es wird wahrscheinlich zu einem Sprint von einer größeren Gruppe kommen. Da muss man sich entscheiden, ob man ein Bergrad oder ein schnelles Rad mitnehmen will.

5. Die Challenge-Teilnehmer haben wie die Profis weniger als 24 Stunden Erholung von der ersten bis zur zweiten Challenge. Was ist ein Must-do, um am nächsten Tag zu 100 % fit an der Startlinie zu stehen?

Das Wichtigste ist, wenn man den Prolog volle Kanone gefahren ist und richtig sauer ins Ziel kommt, noch ‘ne halbe Stunde ausrollen zu gehen – flach und ohne Druck. Danach ein anständiges Abendessen und früh schlafen gehen.

6. Am vierten Tag geht es für die Profis in die Alpen, das Wetter ist ja meist unberechenbar. Was sind deine Tipps, wenn das Wetter umschlägt?

Es ist immer wichtig, dass man lieber etwas zu viel dabei hat als zu wenig. Man muss sich richtig ausrüsten, wenn man ins Hochgebirge geht – mit genügend Kleidung und einem richtigen Regenschutz. Nach 200 Höhenmetern geht die Temperatur jeweils um ein Grad runter. Dafür sollte man gewappnet sein.

7. Nach der Challenge sind wir gespannt, wie die Profis den Kurs fahren. Welcher Abschnitt ist als Zuschauer am spannendsten? Wo feuert man euch am besten an?

Man kann sich die ersten zwei Runden am Horben anschauen und dann nach Cham zurückgehen. Interessant ist es 1,5 km vorm Schluss, wenn wir von der Untermühlestraße hochkommen. Das wird ein richtiger Fight. Es sind sehr viele Klassikerfahrer dabei – van Avermaet, Sagan, Degenkolb. Das Finale kann richtig cool werden, wenn die volle Kanone unten hochfahren!

8. Die Schweizer Küche hat Radsportlern viel zu bieten. Da ist es schwer, sich zu entscheiden. Was empfiehlst du als Post-Ride-Mahlzeit? Und dazu das lokale Bier Hopfetopf als Recoverygetränk oder doch lieber Rivella?

Als Post-Ride-Mahlzeit: Rösti. Wenn man ein Restaurant findet, das gute Rösti macht – das ist mal was anderes. Dazu passt am besten ein alkoholfreies Weizenbier. Es gibt einem zurück, was man verloren hat.

9. Hast du noch ein paar Schweizer Sprüche für unsere internationalen TdS-Challenge-Teilnehmer: Wie verflucht man auf der Strecke einen Anstieg? Wie feuert man seine Mitstreiter an?

Wir sagen immer, wenn es relativ steil ist: „Um so steil, um so geil!“

Chasing Cancellara

Die Challenge-Teilnehmer haben die erstmalige Möglichkeit, bei der Cornèrcard-Challenge auf der ersten Etappe der Tour de Suisse Challenge gegen den zweifachen Olympiasieger Fabian Cancellara anzutreten. Wir konnten zwar nicht aus ihm herauskitzeln, wie wir ihn für die Challenge einschätzen können, aber er hat uns verraten, dass es die ultimative Möglichkeit gibt, mit ihm drei Renntage zu verbringen. Passenderweise heißt diese zweite Challenge „Chasing Cancellara“.

Mehr Informationen findet ihr hier unter chasingcancellara.com

Und wer einfach nur gerne ein Autogramm von ihm hätte: Kommt am Samstag, den 17. Juni zwischen 14 und 14.30 Uhr in Schaffhausen aufs Expogelände. Dort steht Fabian am Trek-Stand und unterschreibt fleißig vor sich hin.

Text: Monika Sattler Fotos: Nik Soland, Tour de Suisse